Foto: Das studentische Projektteam (v. li.): Manuel Böhne, Kristina Sabine Meier, Anna-Lena Lauche, Verena Heim, Chiara Scharff, Iris Hausmann und André Seidel

EAH Jena: Studierende untersuchen Potenzial erweiterter Pflegepraxis für Deutschland

Der Fachkräftemangel in der Pflege zählt zu den größten Herausforderungen des deutschen Gesundheitssystems. Ein Forschungsprojekt an der Ernst-Abbe-Hochschule Jena (EAH Jena) macht nun deutlich: Pflegefachpersonen mit akademischer Ausbildung und erweiterten Kompetenzen können maßgeblich dazu beitragen, die Versorgung sicherzustellen und insbesondere in ländlichen Regionen bestehende Versorgungslücken zu schließen.

Angesichts des demografischen Wandels, zunehmender Multimorbidität und des Trends zur ambulanten Versorgung steht das Gesundheitswesen unter starkem Druck. Internationale Erfahrungen zeigen, dass Pflegefachpersonen mit erweiterten Kompetenzen – sogenannte Advanced Practice Nurses (APN) – in bestimmten Bereichen eigenständig diagnostische und therapeutische Aufgaben übernehmen können, ein Ansatz, der sich weltweit bereits bewährt hat.

Studierende erforschen Potenzial erweiterter Pflegepraxis

In einem Projekt am Fachbereich Gesundheit und Pflege der EAH Jena untersuchten Studierende des Masterstudiengangs Pflegewissenschaft/Pflegemanagement unter der Leitung von Prof. Dr. Olaf Scupin von Sommersemester 2024 bis Sommersemester 2025 die Potenziale und Grenzen der Implementierung von Advanced-Practice-Rollen in Deutschland. Dabei stützten sie sich auf eine umfassende Literaturrecherche und acht Experteninterviews mit Fachleuten aus Politik und Wissenschaft.

Die Ergebnisse zeigen eine breite Zustimmung zur Ausweitung pflegerischer Befugnisse: Die befragten Expertinnen und Experten sehen darin einen entscheidenden Beitrag zu effizienteren Versorgungsstrukturen, kürzeren Entscheidungswegen und einer besseren Erreichbarkeit für Patientinnen und Patienten.

Klare Rahmenbedingungen gefordert

Für eine erfolgreiche Umsetzung der erweiterten Pflegekompetenzen seien allerdings gesetzliche Anpassungen notwendig. Pflegeverbände und Fachleute plädieren dafür, dass Modellprojekte mit solchen erweiterten Rollen in die Regelversorgung überführt werden. Dazu müssten unter anderem die gesetzlichen Grundlagen im Sozialgesetzbuch V und XI angepasst werden. Zusätzlich seien verbindliche Qualifikationsstandards sowie eine gesicherte Refinanzierung der pflegerischen Leistungen erforderlich, um die nachhaltige Implementierung zu gewährleisten.

„Pflege kann mehr, als das System erlaubt“

„Pflegefachpersonen können weit mehr, als das System ihnen derzeit zugesteht“, betont Prof. Dr. Olaf Scupin. „Wenn Deutschland die Versorgung langfristig sichern will, müssen wir ihnen die Kompetenzen geben, die international längst Standard sind.“ Er plädiert zudem für eine Stärkung akademischer Pflegeausbildung: „Hochschulen sollten interprofessionelle Lernsettings ausbauen und spezialisierte Masterstudiengänge gezielt fördern. Die Zeit ist reif, von erfolgreichen internationalen Konzepten zu lernen und eine eigene, zukunftsfähige Lösung für Deutschland zu entwickeln.“

Wissenschaftlicher Ansprechpartner:
Ernst-Abbe-Hochschule Jena
Fachbereich Gesundheit und Pflege
Prof. Dr. Olaf Scupin
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