
Julia Mayer, Andres Ellermeyer, Laura Gerken, Maria Kitzmantel (Hrsg.)
New Work im Krankenhaus
Shared Governance in der Pflegepraxis
Springer-Verlag, 2025, 211 Seiten, 34,99 €, ISBN 978-3-662-704-3 (eBook), ISBN 978-3-662-70409-7 (Softcover)
Das vorliegende Fachbuch zeigt die Umsetzbarkeit des „New Work" Ansatzes exemplarisch im TUM Klinikum Rechts der Isar. Konkret wird der Ansatz des „Shared Leadership" (gemeinsame Führung) und die daraus resultierende Organisationsstruktur der „Shared Governance" als gemeinschaftliche Führung, Verantwortung und Entscheidungsfindung dargestellt. Das Buch zeigt anhand eines Implementierungsprojektes in Form eines Traineeprogramms die Umsetzbarkeit der „Share Governance" in die klinische Pflegepraxis. Es handelt sich um Fach- und Sachbuch aus dem Bereich Management/Organisationsentwicklung mit hohem Praxisbezug.
Herausgeberinnen
Julia Mayer: Bachelor in „Managemnet und Expertsise im Pflege- und Gesundheitswesen", derzeit stellvertretende Pflegedirektorin am Universitätsklinikum Mannheim. Andrea Ellermeyer: MscN (Univ.), Pflegweissenschaftlerin, derzeit Leiterin der Stabsstelle Pflegewissenschaft am TUM Klinikum Rechts der Isar und Lehrbeauftragte für Pflegewissenschaft an der TU München. Laura Gerken: Bachelor Pflege, M.Sc. Pflegewissenschaften, derzeit APN (Advanced Practice Nurse), Pflegefachchliche Leitung in der Neurochirurgie am TUM Klinikum Rechts der Isar. Maria Kitzmantel: M.Sc.Neurokognitive Psychologie und M.A. In Pädagogik, Psychologie und Kinder- und Jugendpsychiatrie. Derzeit Organisationspsychologin der Pflegedirektion am TUM Klinikum Rehts der Isar.
Das Buch führt zu Beginn in die Bedeutung von „New Work" als innovativen Ansatz zur Fachkräftesicherung durch Kompetenzentwicklung im Pflegeberuf ein. Dabei wird die Bedeutung der Entwicklung von beruflichen Rollen in der Pflege als Erfolgsfaktor aufgezeigt, um die Attraktivität des Berufes zu steigern und zudem eine hochwertige Pflegequalität zu sichern. In diesem Kontext wird der Mehrwert der Organisationsentwicklung zur „Shared Governance" ausgeführt.
Der „Shared Governance" wird das Führungsverständnis von „New Work", dem „New Leadership" zu Grunde gelegt. Die Enthierarchisierung der Führung, als eines der bedeutendsten Merkmale von New Work", zeigt sich in der „Shared Governance" als gemeinsame Entscheidungsfindung, Führung und Teilen der Verantwortung durch Experten auf Augenhöhe.
Die Autorinnen arbeiten den Governance Ansatz mit den Säulen Personalmanagement, Qualitäts-, Risiko-und Chancenmanagement, Pflegepädagogik und Pflegewissenschaft heraus. In der klinischen Pflegepraxis durch die Etablierung von APN (Advanced Practice Nurse) in Zusammenarbeit mit Pflegeexpert*innen auf Stations- und Bereichsebene.
Anhand eines konkreten Entwicklungsprojektes – der Implementierung der „Shared Governance" (Shared-Governance-Traineepogramm) – werden Chancen und Herausforderungen praxisnah dargestellt. Die Evaluation nach drei Jahren resümiert den Mehrwert durch Implementierung des innovativen Ansatzes im Rahmen von „New Work". Konkret in der Zunahme von akademisierten Pflegekräften im klinischen Alltag, der Zunahme an Fachexpertise durch Weiterbildungen und akademische Laufbahnen bis hin zum Masterniveau – die Zunahme der Zufriedenheit und Loyalität kann sich nachweislich durch Abnahme von Krankheitstagen und geringerer Fluktuationsrate herleiten lassen.
Insbesondere in der Darstellung des Shared-Governance-Traineeprogramms als Entwicklungsprojekt am TUM Klinikum Rechts der Isar liegt der besondere Nutzen des Buches. Es belegt die Umsetzbarkeit von „New Work“ in der klinischen Pflege. Informativ wird die Leserschaft in das zugrunde liegende Mindset insbesondere dem partizipativem Führungsverständnis von „New Work“ eingeführt, Grafiken und Tabellen unterstützen die inhaltlichen Ausführungen.
Das Buch richtet sich an professionell Pflegende, die sich zum einen für aktuelle Führungsansätze und Organisationsentwicklung interessieren und/oder konkrete Umsetzungsmöglichkeiten des „New Work“ Ansatzes in der klinischen Pflege suchen.
Die, durch die Herausgeberinnen versprochenen Denkanstöße zur Steigerung der Attraktivität des Pflegeberufes werden geliefert. Es wird verdeutlicht, wie durch gemeinsame Entscheidungsfindung, Empowerment und Zufriedenheit im Pflegeberuf gefördert wird.
Auf der Grundlage, des steigenden Bedarfs an Pflegefachkräften, steigenden fachlichen Anforderungen an den Beruf braucht es wachstumsförderliche Rahmenbedingungen und Engagement. Die Ausführungen zeigen, wie die Pflegeprofession selbst, aus der eigenen Expertise heraus, bei hohem Engagement, die Arbeitsbedingungen selbst positiv „mit“gestalten kann. Gleichermaßen appelliert das Buch an eine Führungskultur, die Wachstum und Organsiationsentwicklung bei gemeinsamer Entscheidungsfindung zulässt, Karrierewege durch Empowerment eröffnet und fördert.
Zusammenfassend handelt es sich um ein höchst informatives Fachbuch, welches die breite Leserschaft professionell Pflegender anspricht. Sowohl Führungskräfte und Expert*innen, welche sich für innovative Führungsansätze öffnen, als auch Pflegepraktiker*innen, die patientenzentriert und eigenverantwortlich arbeiten wollen.
„New Work“ wird seit dem niederländischen Modell „Buurtzorg“ seit 2006 in der Fachwelt vielfach diskutiert. Bisweilen gibt es noch zu wenig Praxisbeispiele, die aufzeigen, wie „New Work“ im klinischen Pflegebereich umgesetzt werden kann. Das vorliegende Buch nimmt sich dieser Lücke an und trägt zur weiteren Implementierung von „New Work“ im klinischen Pflegebereich bei. Das Konzept des Traineeprogramms überzeugt durch die Berücksichtigung von besonderen Rahmenbedingungen im Pflegesektor, welche Implementierungsvorhaben, insbesondere aufgrund knapper Personalressourcen, erschweren. So zeigen die Autorinnen auf, wie auch bei erschwerten Bedingungen die Umsetzung gelingen kann. Das Traineeprogramm wird in den Stellenplan integriert und es wird die Umsetzbarkeit bei etwaigen Personalausfällen berücksichtigt. Durch die Darstellung „kleiner Interventionen“ wie beispielsweise das
„One-Minute-Wonder“ und die Implementierung von regelmäßigen, themenzentrierten Kurzbesprechungen wird aufgezeigt, wie Weiterentwicklung auch mit geringen Ressourcen möglich ist. Deutlich wird allerdings auch: Eine Arbeitskultur der „Shared Governance“ im Sinne von „New Work“ fördert und fordert zugleich. Sie ist nicht umsetzbar ohne das aufrichtige Engagement aller Beteiligten.
Das Buch inspiriert indem es konkret die Umsetzbarkeit aufzeigt und überzeugende Anreize liefert „New Work“ in Form der „Shared Governance“ im klinischen Pflegebereich zu implemetieren.
Eine Rezension von Dioselina Windrath, Management im Gesundheitswesen M.A.

Ihr Update für die Pflegefroschung
Vertiefen Sie Ihr Fachwissen mit einem Abo der Zeitschrift Pflegewissenschaft: aktuelle Forschung, praxisrelevante Erkenntnisse und Online-Zugang zum kompletten Archiv seit der ersten Ausgabe.
Newsletter abonnieren
Please make sure that AcyMailing is installed and activated.
Neues DPR-Positionspapier: Pflegefachpersonen zentral für Gesundheitskompetenz und Prävention
Der Deutsche Pflegerat (DPR) hebt in einem aktuellen Positionspapier die zentrale Bedeutung von Gesundheitskompetenz für Prävention und eine sichere Versorgung hervor. Dabei kommt Pflegefachpersonen e...Erster Dresdner Pflegepreis geht an Denise Hermann
Im Rahmen des 23. Dresdner Pflegetages am 17. November wurde in diesem Jahr erstmals der Dresdner Pflegepreis verliehen. Mit ihm werden herausragende wissenschaftliche Arbeiten aus der Pflege in Sachs...Zukunftspakt Pflege: DPR fordert klare Rollen, Befugnisse und Beteiligung
Der Deutsche Pflegerat (DPR) erkennt im Entwurf der Eckpunkte des Zukunftspakts Pflege zwar wichtige Ansätze, hält die Pläne jedoch für unzureichend, um die Pflegeprofession nachhaltig zu stärken, die...Auf dem Weg zur Magnet-Zertifizierung: UKM stärkt Pflegequalität und Teamkultur
Wie kann Pflegequalität gestärkt und die interprofessionelle Zusammenarbeit neu gedacht werden? Mit dem Abschluss des Teilprojekts MACH-2 zeigt das UKM in der Allgemeinchirurgie, wie Innovation und Te...
