Foto (UKM/Weber): Einmal wöchentlich, 15 Minuten, berufsgruppenübergreifend: Mit dem Teamboard stellt die Klinik für Allgemeinchirurgie am UKM die Zusammenarbeit im Team auf neue Füße.
Auf dem Weg zur Magnet-Zertifizierung: UKM stärkt Pflegequalität und Teamkultur
Wie kann Pflegequalität gestärkt und die interprofessionelle Zusammenarbeit neu gedacht werden? Mit dem Abschluss des Teilprojekts MACH-2 zeigt das UKM in der Allgemeinchirurgie, wie Innovation und Teamgeist im klinischen Alltag einer Universitätsklinik sichtbar werden. Das Projekt markiert zugleich einen wichtigen Meilenstein auf dem Weg zur Magnet-Zertifizierung – dem internationalen Qualitätszeichen für exzellente Pflege und attraktive Arbeitsbedingungen.
Wie können Kliniken in Zeiten des Pflegenotstands qualifizierte Fachkräfte gewinnen und langfristig binden? Diese heute hochaktuelle Frage stellte sich bereits in den 1980er-Jahren in den USA. Damals wurden jene Krankenhäuser untersucht, die Pflegekräfte wie ein Magnet anzogen – durch starken Teamgeist, ein hohes Maß an Eigenverantwortung, ein respektvolles Miteinander und ausgezeichnete Pflegequalität. Die Merkmale, die diese „Magnet-Krankenhäuser“ so besonders machten, wurden wissenschaftlich aufgearbeitet und zum „Magnet Recognition Program“ weiterentwickelt, das weltweit als Goldstandard für exzellente Pflege gilt. Kliniken, die seine Prinzipien umsetzen, schaffen die Grundlage für eine Magnet-Zertifizierung – ein Gütesiegel, das Pflegequalität stärkt und Mitarbeitende nachhaltig unterstützt.
Das UKM (Universitätsklinikum Münster) verfolgt dieses Ziel als eines der ersten Krankenhäuser in Deutschland und strebt die Zertifizierung für das Jahr 2029 an. Seit vielen Jahren arbeitet das Klinikum an den erforderlichen Strukturen und Nachweisen. Nun wurde ein wichtiger Baustein auf dem Weg dorthin erfolgreich abgeschlossen: das Teilprojekt „MACH-2“ in der Allgemeinchirurgie des UKM. Der Projektname steht für Magnet (M) und Allgemeinchirurgie (ACH), während die „2“ sinnbildlich für doppelte Geschwindigkeit und einen besonderen Umsetzungsschub steht.
Prof. Andreas Pascher, Direktor der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Transplantationschirurgie, erklärt: „Es geht nicht nur um die Optimierung von Behandlungsabläufen und die bestmögliche Versorgung unserer Patientinnen und Patienten, sondern auch darum, zu verstehen, was unsere Mitarbeitenden motiviert und wie wir unsere Professionen diversifizieren und gleichzeitig gemeinsam eine Vertrauenskultur schaffen – eigentlich also einen Magnet für alle („Magnet4all“).“
Im Zentrum der MACH-2-Projekte steht die interprofessionelle Zusammenarbeit. Die Initiativen gliedern sich in die Bereiche „Lebenszyklus Personal“, „Patientenpfad“ und „Kommunikation“. Pflege- und Ärzteteams arbeiten dabei eng mit Case Management, Sozialdienst, Physiotherapie, Verwaltung und weiteren Bereichen zusammen. So konnten im Projekt „Patientenpfad“ bereits zwei Abläufe für „Enhanced Recovery After Surgery (ERAS)“ erfolgreich zertifiziert werden, ein dritter ist in Vorbereitung.
Eine Maßnahme im Teilprojekt „Kommunikation“ ist das „Teamboard“ auf der Station 10/11, das erst vor wenigen Wochen eingeführt wurde und sich bereits als fester Bestandteil des Stationsalltags etabliert hat. „An dem Whiteboard treffen sich wöchentlich die verschiedenen Berufsgruppen der Station zu 15-minütigen Besprechungen, in denen Probleme und offene Fragen thematisiert oder Verbesserungsvorschläge vorgestellt werden“, sagt Gesundheits- und Krankenpflegerin und ERAS-Nurse Sabrina Lasar. An den Treffen können alle Berufsgruppen teilnehmen – Pflegekräfte, MFAs, Physiotherapeutinnen, Sozialdienst, Case Management, Ärztinnen und Ärzte, ERAS- und Advanced-Practice-Nurses, Physician Assistants sowie Mitarbeitende mit dem Schwerpunkt Wund- und Stoma-Therapie.
Um die vielen Beteiligten und Themen im hektischen Berufsalltag in das anberaumte Zeitfenster zu bringen, übernimmt jemand Moderation und Zeitmanagement. „Die mit den Themen ausgefüllten Karten an der Wand werden vorgelesen“, erläutert Lasar den Ablauf, „und dann werden von allen Berufsgruppen die verschiedenen Perspektiven einbezogen, um zu gucken, wie an dem Thema gearbeitet werden kann.“ Die Karten wandern dabei von der Kategorie „Offen“ über „In Arbeit“ nach „Fertig“.
„Die Zusammenarbeit hat sich verändert“
Obwohl als Maßnahme vergleichsweise einfach gestaltet, haben die kurzen, aber intensiven Treffen, bei denen alle an einem Tisch sitzen, einen deutlich spürbaren Effekt: „Die Zusammenarbeit hat sich verändert“, sagt Lasar. „Vor allem dadurch, dass jetzt kürzere Kommunikationswege entstehen, so dass keine Nebenabsprachen mehr notwendig sind.“ Darüber hinaus sorgt das Board auch außerhalb der Besprechungen für Transparenz bei allen Verantwortlichen, da alle Absprachen und Maßnahmen jederzeit einsehbar sind. Abgeschlossene Themen werden entweder in neue feste Stationsregeln übernommen oder bei Bedarf erneut aufgegriffen und weiterbearbeitet. Davon profitieren die Patientinnen und Patienten: qualitativ durch die verbesserten Prozesse und quantitativ, da das Pflegepersonal dadurch mehr Zeit für die direkte Versorgung hat.
Das Teamboard ist ein Beispiel dafür, wie eine einzelne Station ihre Abläufe innerhalb der Klinik verbessern kann. Viele ähnliche Projekte bilden den Kern von MACH-2, das stellvertretend zeigt, wie eine gesamte Klinik ihre Prozesse und Arbeitskultur optimieren kann. Zusammengenommen entsteht am UKM ein Modell, das durch zahlreiche kleine und größere, stets gemeinsam initiierte Projekte die Grundlage für die Magnet-Zertifizierung schafft – mit dem Ziel, engagierte Pflegekräfte zu gewinnen und eine Unternehmenskultur zu fördern, in der alle Berufsgruppen gehört und wertgeschätzt werden.

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