Foto: stock.adobe.com - wavebreak3
Petition zur Kinderkrankenpflege: DPR fordert gezielte Weiterqualifikation und klare Strukturen
Die Petition zur Kinderkrankenpflege greift Kernfragen der pflegefachlichen Versorgung auf. Aus Sicht des Deutschen Pflegerats besteht vor allem bei Qualifikationen, organisatorischen Strukturen und den Arbeitsbedingungen ein dringender Handlungsbedarf, um die Versorgung von Kindern nachhaltig und zukunftssicher zu gestalten.
Die Petition „Erhalt des Wahlrechts nach § 59 Pflegeberufegesetz innerhalb der Pflegeausbildung“ wurde von über 40.000 Menschen unterstützt und dem Deutschen Bundestag übergeben. Der Deutsche Pflegerat (DPR) wertet dies als starkes Signal aus der Praxis und teilt das zentrale Ziel, die pflegerische Versorgung von Kindern und Jugendlichen langfristig qualitativ hoch und verlässlich zu gestalten. Nach Ansicht des DPR liegt der Schlüssel für eine zukunftsfähige pädiatrische Versorgung jedoch nicht im Wahlrecht selbst, sondern in der gezielten und vertieften Weiterqualifikation von Pflegefachpersonen – insbesondere durch akademische Bildungsangebote, die speziell auf die Bedürfnisse der Kinder- und Jugendpflege ausgerichtet sind.
„Kinder brauchen Sicherheit in der Versorgung. Diese Sicherheit entsteht durch konsequente politische Umsetzung, klare Qualifikationswege und tragfähige Strukturen“, betont Christine Vogler, Präsidentin des Deutschen Pflegerats.
Die Petition macht deutlich, dass die pflegerische Versorgung von Kindern besondere Anforderungen stellt und spezifische Fachkompetenzen erfordert. Der DPR bestätigt diese Einschätzung: Kinder sind keine kleinen Erwachsenen. Pädiatrische Pflege umfasst nicht nur hochspezialisierte pflegerische Maßnahmen, sondern auch intensive Zusammenarbeit mit Eltern und die Berücksichtigung oft komplexer Familiensysteme. Um dieser Verantwortung gerecht zu werden, bedarf es neben einer soliden grundständigen Ausbildung auch spezialisierter Fachkompetenz und verlässlicher Rahmenbedingungen.
Der Deutsche Pflegerat warnt davor, die Debatte auf eine pauschale Schuldzuweisung an die generalistische Pflegeausbildung zu verkürzen. „Die Herausforderungen in der Kinderkrankenpflege lassen sich nicht allein durch Ausbildungsfragen erklären. Entscheidend ist, ob wir attraktive, fachlich anspruchsvolle und gut gestaltete Arbeitsfelder schaffen – und ob Pflegefachpersonen dort echte Entwicklungsperspektiven haben“, so Vogler.
Aus Sicht des DPR ist jetzt der Zeitpunkt, die Pflege umfassend zukunftsfest weiterzuentwickeln. Dazu gehören:
- der zügige Aufbau erweiterter Rollen wie Advanced Practice Nurses, School Health Nurses und Community Health Nurses sowie weiterer spezialisierter akademischer Qualifikationen,
- der konsequente Ausbau von Masterstudiengängen und eine bundesweite Bildungsoffensive für die Pflege,
- die Zusammenarbeit der Pflegeprofession mit dem Gemeinsamen Bundesausschuss an qualitätssichernden Versorgungsstrukturen, auch in der pädiatrischen Versorgung,
- der Erhalt der Leistungsgruppen „Spezielle Kinder- und Jugendmedizin“ und „Spezielle Kinder- und Jugendchirurgie“,
- sowie die fachliche Anerkennung der Pflegefachpersonen, die in der Kinderkrankenpflege tätig sind und dort die Versorgung tragen.
„Wenn Pflegefachpersonen die Kinderkrankenpflege verlassen, dann nicht, weil das Arbeitsfeld weniger wertvoll ist – sondern weil Bedingungen, Rollenbilder und ärztlich geprägte Strukturen häufig nicht mit der hohen fachlichen Verantwortung der Pflege und der notwendigen Weiterentwicklung pflegerischer Kompetenzen Schritt halten“, so Vogler weiter. Gerade in der pädiatrischen Versorgung müsse deshalb kritisch hinterfragt werden, wie die Zusammenarbeit der Gesundheitsfachberufe, Entscheidungsbefugnisse, berufliche Perspektiven und auch die Ausgestaltung der Elternarbeit geregelt sind. „Es geht um ein grundlegendes und neues Verständnis professioneller Handlungskompetenz.“
Der Deutsche Pflegerat sieht in der Petition einen klaren Handlungsauftrag an die Politik: Es gilt jetzt, die Versorgung von Kindern und Jugendlichen nachhaltig zu sichern. Entscheidend sind dabei qualifizierte Pflegefachpersonen, transparente Strukturen und eine pflegerische Praxis, deren fachliche Kompetenz anerkannt, unterstützt und gezielt gestärkt wird.

Ihr Update für die
Pflegefroschung
Vertiefen Sie Ihr Fachwissen mit einem Abo der Zeitschrift Pflegewissenschaft: aktuelle Forschung, praxisrelevante Erkenntnisse und Online-Zugang zum kompletten Archiv seit der ersten Ausgabe.
Charité definiert erstmals den Handlungsrahmen für Bachelor Nurses
Für Pflegefachkräfte mit Bachelor-Abschluss gelten an der Charité – Universitätsmedizin Berlin ab sofort neue Standards. Mit dem „Scope of Practice“ legt die Charité erstmals präzise fest, welche Aufg...Pflegepreis 2026: Pflegekammer NRW würdigt Engagement, Haltung und Innovation
Die Pflegekammer Nordrhein-Westfalen hat am 12. Mai 2026 im Maritim Hotel Düsseldorf die Gewinnerinnen und Gewinner des Pflegepreises 2026 geehrt. Gewürdigt wurden dabei Leistungen in den Bereichen pf...Pflegende Angehörige besser erreichen: Studie setzt auf Storytelling statt auf klassische Ratschläge
Zum Internationalen Tag der Pflege am 12. Mai machte die Universität Witten/Herdecke auf einen neuen Zugang in der Unterstützung pflegender Angehöriger aufmerksam. Im Mittelpunkt ihrer Studie stand di...Internationaler Tag der Pflegenden: DBfK veröffentlicht Ergebnisse zur Befragung „Pflege, wie geht es dir?“
Professionell Pflegende identifizieren sich weiterhin stark mit ihrem Beruf, erleben ihn als sinnstiftend und zeigen eine hohe Bereitschaft, mehr Verantwortung zu übernehmen. Gleichzeitig wächst die U...
