
Petra Grimm, Oliver Zöllner (Hrsg.)
Ethik der Digitalisierung in Gesundheitswesen und Pflege
Analysen und ein Tool zur integrierten Forschung
Medienethik, Digitale Ethik, Band 21
Franz Steiner Verlag GmbH, Stuttgart 2025, 202 Seiten, 40,00 €, ISBN 978-3-515-13551-1
Das Buch bearbeitet ethische, rechtliche und soziale Aspekte (ELSI) in Forschung und Entwicklung (FuE) von Technologien. Obwohl die Beachtung dieser Aspekte in Deutschland mittlerweile fest verankert ist, stellt die Beachtung in Projekten für Entwickler*innen und Forschende aufgrund der Komplexität häufig eine Herausforderung dar. Aufgrund der digitalen Transformation und zunehmenden Nutzung insbesondere von Künstlicher Intelligenz (KI) ist die ethische Betrachtung von großer Bedeutung.
Dr. Petra Grimm ist Professorin für Medienforschung und Kommunikationswissenschaft an der Hochschule der Medien (Stuttgart). Dort ist sie Ethikbeauftragte der Hochschule. Dr. Oliver Zöllner ist Professor für Medienforschung, Soziologie der Medienkommunikation und Digitale Ethik an der Hochschule der Medien (Stuttgart). Zusätzlich ist er Honorarprofessor für Kommunikations- und Medienwissenschaft an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Beide leiten das Institut für Digitale Ethik an der Hochschule der Medien.
Grundlage für das Buch ist das Projekt ELSI-SAT Health & Care, das zwischen Oktober 2021 und Juni 2023 vom Institut für Digitale Ethik, dem User Experience Research Lab der Hochschule der Medien, zusammen mit dem Cologne Center für Ethics, Rights, Economics and Social Sciences of Health der Universität zu Köln sowie dem Center für Life Ethics der Universität Bonn durchgeführt und vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert wurde.
Nach einer Einleitung zu den grundlegenden Überlegungen zu der Veröffentlichung gliedert sich das Buch in zwei Abschnitte, jeweils mit fünf Kapiteln und Beiträgen unterschiedlicher Autor*innen. Im ersten Abschnitt werden zentrale ethische Fragen und Herausforderungen beleuchtet. Das erste Kapitel thematisiert die Auswirkungen der Digitalisierung auf den Menschen, benennt sowohl geschichtliche Herausforderungen wie Hierarchien und Geschlechterrollen als auch neue Problemstellungen, etwa das Vertrauen in KI und die Rolle von KI in partizipativen Entscheidungsprozessen zwischen Ärzt*innen und Patient*innen. Das folgende Kapitel setzt sich mit Diversität und Gesundheit auseinander. Hierbei wird herausgestellt, wie Teilhabe und Ausgrenzung Einfluss auf barrierefreie Technologien haben können. Partizipation und die Berücksichtigung von Datenschutz werden als zentrale Erfolgsfaktoren für Akzeptanz und Vertrauen hervorgehoben. Ein weiteres Kapitel beschreibt, wie durch Rollenspiele im Rahmen eines Lehrexperiments ethische Reflexionskompetenz gefördert werden kann. Am Beispiel der fiktiven Einführung von KI in einem Krankenhaus werden verschiedene Rollen anschaulich dargestellt. Im Weiteren geht es um Verantwortungsabgabe in der häuslichen Pflege. Anhand von Studienergebnissen wird in dem Beitrag deutlich, dass die Bereitschaft zur Abgabe pflegerischer Verantwortung von Faktoren wie Vertrauen in die Technik, Zustimmung der Pflegeempfänger*innen und dem Erhalt zwischenmenschlichen Kontakts abhängt. Abschließend wird die Rolle von KI am Lebensende anhand von drei Szenarien vorgestellt, wie z. B. als diagnostische Unterstützung auf einer Intensivstation.
Der zweite Abschnitt widmet sich dem Projekt ELSI-SAT Health & Care. Im ersten Kapitel steht die Ethik der Interdisziplinarität im Fokus. Hierin werden erforderliche Tugenden, kommunikative und kognitive Kompetenzen für eine erfolgreiche Zusammenarbeit herausgearbeitet, ebenso wie z. B. die Notwendigkeit einer gemeinsamen Sprache zu Beginn eines Projektes. Im folgenden Kapitel werden auf der Grundlage einer Übersichtsarbeit zehn Dimensionen medizin- und pflegeethischer Aspekte identifiziert. Ein weiteres Kapitel beschreibt die Hintergründe zur Konzeption des Moduls Wertereflexion innerhalb des weiterentwickelten Tools, das eine frühzeitige Reflexion bereits in der Planungsphase von Projekten fördern kann. Das darauffolgende Kapitel stellt das neue Tool ELSI-SAT Health & Care vor und gibt einen Überblick über bestehende Tools sowie die Weiterentwicklung. Das Tool ist modular aufgebaut und adressiert die Bereiche Wertereflexion, ELSI-Karten, ELSI-Profil und Projektreflexion. Abschließend wird das Thema aus rechtlicher Sicht behandelt. Hierbei werden u. a. rechtliche Implikationen, Datenschutz, gesundheitspolitische Aspekte und Regulierungen sowie konkrete Fallbeispiele zum Einsatz von KI beleuchtet.
Obwohl der ELSI-Ansatz kein neues Thema ist, präsentiert dieses Buch auf der Grundlage des durchgeführten Projektes ein weiterentwickeltes Tool zur Bewertung und Reflexion von Technologien, das als Unterstützung für die FuE von Technologien dienen kann. Dieses Buch richtet sich an Projektmitarbeiter*innen, Forschende und Praktiker*innen aus der FuE. Auch Studierende und Lehrende aus den Pflege, Gesundheits- und Ingenieurswissenschaften können von diesem Buch profitieren. Denn neben einer allgemeinen Einordnung zur Ethik der Digitalisierung werden darin u. a. Themen wie die Teilhabe und Ausgrenzung unterschiedlicher Personengruppen, der Einsatz von KI in verschiedenen Handlungsfeldern im Gesundheitswesen sowie Fallbeispiele behandelt, die Diskurse anregen können. Insbesondere Rollenspiele bergen zu diesem Thema das Potential, Lehrende zu neuen didaktischen Ansätzen zu motivieren. Da das Tool kostenlos zur Verfügung steht, könnte es zukünftig nicht nur in der Lehre, sondern auch in der Projektarbeit eingesetzt werden. In Anbetracht der Komplexität des Themas ist das Buch überwiegend weit gefasst. Die einzelnen Kapitel zeichnen sich durch eine übersichtliche Gestaltung aus. In einigen Beiträgen werden u. a. auch qualitative Ergebnisse zusammengefasst und mit Beispielzitaten untermauert, was zu einer erhöhten Lesbarkeit und besserem Verständnis führt. Darüber hinaus werden in einzelnen Kapiteln wichtige Erkenntnisse in Tabellen zusammengefasst. Des Weiteren enthält der zweite Teil einige Abbildungen, insbesondere zur Benutzer*innenoberfläche des entwickelten Tools, was die Nachvollziehbarkeit erhöht und die Neugierde zum Ausprobieren weckt. Aufgrund der digitalen Transformation bleibt das Thema nach wie vor aktuell. Der Bedarf an einer ethischen Betrachtung und kontinuierlichen Reflexion ist gerade durch den vermehrten Einsatz von KI-Systemen in den letzten Jahren gestiegen. Anders als in anderen Veröffentlichungen wird das Thema anhand unterschiedlicher Beiträge betrachtet. Der Schwerpunkt des Buches liegt vor allem in der Veranschaulichung des Entstehungs- und Entwicklungsprozesses des Tools ELSI-SAT Health & Care.
Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass das Buch eine wertvolle und durch das entwickelte Tool praxisnahe Orientierungshilfe für die ethische Reflexion und verantwortungsvolle Gestaltung digitaler Technologien bietet. Obwohl das Werk eine Reihe anspruchsvoller Themen und Kapitel umfasst, gelingt es den Herausgeber*innen und Autor*innen, dem Werk durch die vielfältigen Beiträge und Themen, wie z. B. den Theorien, Studienergebnissen, Rollenspielen und Fallbeispielen, eine lebendige und ansprechende Qualität zu verleihen.
Eine Rezension von Dr. PH Alexander Pauls

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