
Rosa Maria Eglseer
Community Health Nurse als regionale Gesundheitsdrehscheibe
Wie Gesundheitspflege in Gemeinden und Städten gelingen kann
facultas Verlag, Wien, 1. Auflage 2025, 112 Seiten, 24,90 € (22,99 € eBook), ISBN 978-3708925257
Das Buch widmet sich einem der dynamischsten und gesellschaftlich bedeutsamsten Entwicklungen im Gesundheitswesen: der Implementierung von Community Health Nurses als zentralem Bindeglied zwischen Bevölkerung, Gesundheitsstrukturen und sozialräumlichen Angeboten. Der Ansatz der Community Health Nursing (CHN) stammt ursprünglich aus Ländern wie Kanada, Großbritannien und den USA und gewinnt im deutschsprachigen Raum erst seit einigen Jahren vermehrt Aufmerksamkeit. Er folgt dem Public-Health-Paradigma „Health in All Policies“ und dem WHO-Ziel, Menschen dort zu erreichen, wo sie leben, lernen, arbeiten und altern.
Der Kontext, in dem das Buch steht, ist geprägt von multiplen Herausforderungen, wie dem demografischen Wandel, einer wachsenden Zahl pflegebedürftiger Menschen, zunehmenden chronischen Erkrankungen, sozialen Ungleichheiten sowie einer fragmentierten Versorgungslandschaft. Gleichzeitig wird im internationalen Vergleich deutlich, dass gemeindebasierte, präventionsorientierte und niedrigschwellige Versorgungsmodelle entscheidend sind, um gesundheitliche Chancengleichheit und Versorgungsgerechtigkeit zu fördern. In Österreich wie in Deutschland zeigt sich deutlich, dass medizinische Versorgung allein diese gesellschaftlichen Herausforderungen nicht bewältigen kann. Community Health Nurses werden daher als zentrale Akteure positioniert, die präventive, kurative, gesundheitsförderliche, koordinierende und sozialraumorientierte Aufgaben verbinden. Eglseer greift dieses Momentum auf und verortet die Rolle der CHN sowohl in primärversorgungsnahen Strukturen als auch in kommunalen Netzwerken. Besonders relevant ist ihr Ansatz, die CHN nicht nur als individuelle professionelle Rolle, sondern als systemische „Gesundheitsdrehscheibe“ zu verstehen. Der Kontext umfasst zudem aktuelle Reformprozesse wie die österreichische Primärversorgungsoffensive, die Weiterentwicklung der Pflegeberufe im deutschsprachigen Raum, die Bedeutung von Advanced Nursing Practice und die Diskussion um neue Rollenprofile wie Community Health Nurses, Schulgesundheitsfachkräfte (SGFK) oder Public Health Nurses. Vor diesem Hintergrund wird das Buch zu einem wichtigen Debattenbeitrag, der Theorie, Praxis und gesundheitspolitische Entwicklungen miteinander verknüpft.
Rosa Maria Eglseer zählt zu den führenden Fachpersonen im Bereich Community Health Nursing und Public Health Nursing im deutschsprachigen Raum. Nach ihrer Ausbildung zur diplomierten Gesundheits- und Krankenpflegerin studierte sie Pflegewissenschaft und promovierte im Bereich Public Health. Ihre akademische Laufbahn, die sie an eine österreichische Hochschule führte, ist eng mit Themen der Prävention, Versorgungsgestaltung, Gesundheitskompetenz und der Stärkung vulnerabler Gruppen verbunden.
Die Publikation entstand im Zusammenhang mit den österreichischen Reformbestrebungen zur Stärkung der Primärversorgung, internationalen WHO-Strategien zur „People-centred and Integrated Health Care“ sowie nationalen Diskussionen um die Professionalisierung der Pflege. Zudem basiert sie auf modellhaften CHN-Projekten, internationalen Vorbildern sowie Erkenntnissen aus Eglseers eigener Forschung. Das Buch ist somit sowohl fachwissenschaftlich als auch politisch und praxisbezogen verortet. Das Buch beginnt mit einer fundierten theoretischen Einführung zu Definitionen, Zielen und Aufgaben der Community Health Nurse. Darauf folgen Kapitel zur Bedarfserhebung in Gemeinden, zur Gestaltung kommunaler Gesundheitsprogramme und zur Anwendung zentraler Public-Health-Methoden wie Risikoanalysen, Sozialraumanalysen, Zielgruppenanalysen und Evaluationsverfahren. Ein umfangreicher Teil widmet sich der Rolle der CHN im kommunalen Setting: Aufgaben, Kompetenzen, multiprofessionelle Schnittstellen, Kooperationspartner und Verantwortlichkeiten werden klar strukturiert dargestellt. Praxisbeispiele aus Österreich und dem internationalen Kontext illustrieren die Umsetzbarkeit. Abschließende Kapitel befassen sich mit Qualitätsentwicklung, Evaluation, Finanzierung und Zukunftsperspektiven.
Das Werk ist eines der ersten umfassenden deutschsprachigen Fachbücher, das Community Health Nurses konsequent als kommunale Gesundheitsdrehscheibe beschreibt. Ein innovativer und systemisch relevanter Ansatz. Nutzen bietet das Buch für Studierende, Pflegefachpersonen, Public-Health-Professionals, kommunale Entscheidungsträger, Behörden, Gesundheitsdienste und Gesundheitsprojekte. Auch für Gemeinden, die die Implementierung einer CHN erwägen, ist es praxisleitend. Dieses Fachwerk zeigt folglich ein breites Zielgruppenspektrum auf.
Die behandelten Themen spannen einen Bogen von wissenschaftlichen Grundlagen bis zu konkreten Umsetzungsschritten und berücksichtigen dabei sowohl gesundheitswissenschaftliche als auch sozialräumliche Perspektiven. Das Buch erfüllt das Ziel, Wege für eine gelingende Gesundheitsversorgung in Gemeinden aufzuzeigen. Die Darstellung ist praxisorientiert, klar strukturiert und logisch aufgebaut. Diagramme, Praxisboxen und Tabellen unterstützen die Lesbarkeit. Die Sprache ist wissenschaftlich, aber zugänglich. Die thematische Aktualität ist sehr hoch, da Community Health Nursing international zu den zentralen Zukunftsmodellen einer bedarfsgerechten, präventiven und bevölkerungsorientierten Versorgung zählt. Im Vergleich zur Literatur zu Schulgesundheitsfachkräften (SGFK), insbesondere zu deutschen Modellprojekten in Berlin, Brandenburg und Hessen, wird deutlich, dass beide Rollen ähnliche Ziele verfolgen. Eglseer erwähnt diese Schnittstellen, könnte sie jedoch noch umfassender vertiefen.
Rosa Maria Eglseer legt ein ausgesprochen relevantes, wissenschaftlich fundiertes und zugleich praxisnahes Werk vor, das die Community Health Nurse als unverzichtbare Akteure einer modernen, gemeindenahen Gesundheitsversorgung positioniert. Das Buch überzeugt durch klare Strukturen, fundierte Analysen und anschauliche Beispiele, die den Transfer in die Praxis erleichtern. Trotz kleinerer Kritikpunkte – beispielsweise der knappen Einbindung schulischer Gesundheitssettings – ist das Buch ein bedeutender Beitrag zur Weiterentwicklung pflegebasierter Public-Health-Rollen im deutschsprachigen Raum. Es eignet sich als Grundlagenwerk für Fachpersonen, Studierende, kommunale Akteur*innen und politische Entscheidungsträger. Insgesamt ist es ein inspirierendes und zukunftsweisendes Werk, das eine wertvolle Orientierung für die Gestaltung gesundheitsförderlicher Gemeinden bietet.
Eine Rezension von Denise Vey, M.A. Pflegewissenschaft

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