Foto: stock.adobe.com - hedgehog94
Pflege- und Notfallreform Hand in Hand: KDA und Intensivmediziner fordern integrierte Notfallversorgung
Prof. Dr. Christian Karagiannidis, Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Internistische Intensivmedizin und Notfallmedizin (DGIIN), Prof. Dr. Thomas Klie und Michael Ranft, beide Kuratoriumsmitglieder des KDA, sowie Dr. Alexia Zurkuhlen, Vorständin des KDA, fordern eine Reform der Notfallversorgung. Sie möchten die ärztliche Notfallversorgung und eine pflegerische Notfallversorgung stärker miteinander verknüpfen. Das Ziel ist, die Versorgung multimorbider Patientinnen und Patienten sowie pflegebedürftiger Menschen zu verbessern. In einem Forderungspapier haben sie dafür fünf zentrale Punkte beschrieben, die eine gesetzgeberische Umsetzung einer integrierten Notfallversorgung ermöglichen sollen.
„Eine Reform der Notfallversorgung in Deutschland ist dringend erforderlich, um unnötige Fehlsteuerungen zu vermeiden und insbesondere die stationären Notfallversorgung von fachlich unnötiger Inanspruchnahme zu entlasten", heißt es in dem Papier. Mit dem Referentenentwurf eines Gesetzes zur Reform der Notfallversorgung liege eine aktuelle, gute Diskussionsgrundlage vor.
Neben der Reform der Notfallversorgung hat die Bund-Länder-Arbeitsgruppe „Zukunftspakt Pflege“ Vorschläge für eine pflegerische Notfallversorgung vorgelegt. Dazu gehören unter anderem ein Notfallbudget zur Deckung von Vorhaltekosten für Notfallplätze, ein Pflegenotfalltelefon für Pflegekrisen sowie die Einrichtung ambulanter Pflegenotdienste.
Beide Reformvorhaben würden bisher weitgehend getrennt voneinander behandelt und diskutiert. „Mit Blick auf multimorbide Patientinnen und Patienten sowie Pflegebedürftige ist es unerlässlich, beide Notfallversorgungsanliegen im Sinne einer integrierten (Notfall)Versorgung enger miteinander zu verknüpfen und gesetzgeberisch zu verzahnen", schreiben die Autoren. „Aus dem Blickwinkel der Betroffenen sowie mit dem Ziel einer intelligenten Gesamtsteuerung ist es weder sinnvoll, die medizinische und pflegerische Notfallversorgung nebeneinander zu regeln, noch unterschiedliche Strukturen vorzusehen."
Zur Gestaltung werden fünf Forderungen für die medizinische und pflegerische Notfallversorgung unterbreitet, „die dringend in dem schon laufenden Gesetzgebungsverfahren der (medizinischen) Notfallreform berücksichtigt werden sollten, um Fehlentwicklungen entgegenzuwirken", so die Autoren.
Die fünf Forderungen, die Prof. Dr. Christian Karagiannidis sowie Dr. Alexia Zurkuhlen, Prof. Dr. Thomas Klie und Michael Ranft formuliert haben, lauten:
1. Aufbau einer integrierten Notfallversorgung
Deutschland verfügt bislang über keine integrierte medizinisch-pflegerische Notfallversorgung, obwohl Pflegenotfälle immer häufiger zu Krankenhausaufnahmen führen. Diese pflegerische Notfallversorgung soll in den kommenden Jahren sektorenübergreifend und integrativ aufgebaut werden. Perspektivisch könnte dabei die Community Health Nurse eine wichtige Rolle übernehmen.
2. Ersteinschätzung über zentrale Leitstellen
Die Ersteinschätzung pflegerischer Notfälle sollte grundsätzlich über die etablierten zentralen Leitstellen erfolgen, also über die Notfallnummern 112 und 116117. Pflegerische Notfälle, die nicht unmittelbar ins medizinische Versorgungssystem eingebunden werden müssen, können über eine interne Weiterleitung an eine Pflegenotfallnummer an das System der pflegerischen Notfallversorgung übergeben werden. Als Vorbild kann dabei das europäische Umland, beispielsweise Niederösterreich, dienen.
3. Regionale Interventionsteams
Wenn medizinisch-telepflegerische oder telefonische Beratung und Intervention nicht ausreichen, sind regionale Interventionsteams von zentraler Bedeutung und sollten flächendeckend implementiert werden.
4. Sicherstellung der pflegerischen Notfallversorgung außerhalb des Hauses
Wenn eine häusliche Versorgung nicht möglich ist, sollten pflegerische Notfälle vorzugsweise in Regional- oder Primärversorgungszentren oder in ambulanten bzw. teilstationären Notfallpflegeangeboten versorgt werden, etwa in Kooperation mit Pflegeeinrichtungen vor Ort. Derzeit werden viele Pflegenotfälle noch in Krankenhäusern aller Versorgungsstufen behandelt.
5. Pflegefachliche Begleitung zur Prävention von Notfällen
Eine kontinuierliche pflegefachliche Begleitung aller Pflegebedürftigen kann Notfallsituationen vorbeugen. Dafür muss die Dokumentation der Begleitung über Schnittstellen zur elektronischen Patientenakte (ePA) erfolgen. Auf diese Weise kann die pflegefachliche Begleitung mittelfristig als fester Bestandteil der medizinisch-pflegerischen Primärversorgung etabliert werden.
Ansprechpartnerin:
Dr. Alexia Zurkuhlen, Vorständin des Kuratoriums Deutsche Altershilfe:
Zur Pressemitteilung: https://kda.de/notfall-und-pflegereform-hand-in-hand/

Ihr Update für die
Pflegefroschung
Vertiefen Sie Ihr Fachwissen mit einem Abo der Zeitschrift Pflegewissenschaft: aktuelle Forschung, praxisrelevante Erkenntnisse und Online-Zugang zum kompletten Archiv seit der ersten Ausgabe.
Neue DFPP-Praxisempfehlung unterstützt psychiatrische Pflege bei Suizidprävention
Suizidalität bleibt eine der größten und zugleich stark tabuisierten Herausforderungen in der psychiatrischen Versorgung. Pflegefachpersonen stehen hierbei in direktem und kontinuierlichem Kontakt mit...DPR mahnt anlässlich der Landtagswahlen: Pflege braucht berufsständische Selbstverwaltung
In Deutschland basiert das Gesundheitswesen auf Selbstverwaltungsstrukturen, schließt jedoch die Pflegeprofession von entscheidenden Mitwirkungsprozessen aus. Dies stellt einen strukturellen Mangel da...Modellprojekt „Familienkonferenz Pflege“ stärkt häusliche Versorgung in Sachsen-Anhalt
Mit etwa 1,42 Millionen Euro unterstützen das Sachsen-Anhalt und die Pflegekassen ein Modellprojekt, das darauf abzielt, die häusliche Pflege pflegebedürftiger Menschen langfristig zu stärken und zugl...DPR legt 9 Leitlinien zur Zukunft der Langzeitpflege vor
Die Langzeitpflege in Deutschland befindet sich in einer strukturellen Notlage. Der Unterstützungsbedarf wächst in hohem Tempo, während es zugleich an qualifizierten Pflegefachpersonen mangelt. An- un...
