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Nachruf: Dr. Jacqueline Fawcett

Mit Jacqueline Fawcett ist am 22. März 2026 eine der bekanntesten und meist gelesenen Pflegewissenschafterinnen gestorben.

Sie war kurz vorher gestürzt, doch wir hofften auf ihre Genesung und darauf, dass sie bald wieder als Freundin / Kollegin in der «Nursology.net-Community» aktiv würde. Dr. Fawcett gehörte zu den Wissenschaftlerinnen, die zusammen mit Dr. Peggy Chinn das «Nursology Net»ins Leben gerufen hatten. Sie war maßgeblich an Inhalten dieser Website beteiligt, welche im September 2018 eröffnet wurde.

Jacqueline Fawcett wurde am 18. März 1941 geboren und widmete ihre Karriere der Stärkung der wissenschaftlichen Grundlagen der Pflegewissenschaft (Fawcett & DeSanto-Madeya, 2013). Mit einem Bachelor of Science in Pflegewissenschaften der Boston University sowie einem Master of Arts (MA) und einem Doktortitel der New York University bildete sie Generationen von Pflegekräften auf Bachelor-, Master- und Doktorandenebene aus und war jahrzehntelang in leitender Funktion sowie als Vorsitzende an der University of Massachusetts Boston tätig.

International anerkannt für ihre metatheoretischen Beiträge, wurde sie zu einer der stärksten Stimmen, die sich für Klarheit über die Wissensbasis der Pflege als Disziplin einsetzten (Fawcett, 2005; Fawcett & DeSanto-Madeya, 2013). Zudem prägte und förderte sie das Konzept der Nursologie, definiert als das Wissen über Phänomene, die für die Pflege von zentraler Bedeutung sind (Fawcett, J., 2023). Durch diese Arbeit betonte sie die Bedeutung der Entwicklung und Anwendung fachspezifischen Wissens zur Förderung des globalen Wohlbefindens.
Ich hatte das Privileg, persönlich mit Jacqui zusammen zu arbeiten. Der Diskurs mit Jacqui war stets geprägt von Wertschätzung; unser Austausch war sehr erfrischend sehr lehrreich. Sie las kritisch meine Beiträge zum Advanced Nursing Process. Dieser beinhaltet Pflegediagnosen, -interventionen und -ergebnisse, die anhand evidenzbasierter Pflegeklassifikationen eingesetzt werden (Müller Staub, 2025). 

The Obwohl Fawcett sich für die Eigenständigkeit der Pflege und fachlich exakte Benennungen einsetzte, war sie den Pflegeklassifikationen gegenüber zuerst kritisch. Dank unseren gemeinsamen Werten in der Pflege liess sie sich positiv überzeugen und veröffentlichte meine Beiträge mit Freude.

Sie hat auch unterstützt, dass ich die Pflegeinitiative im „Nursology Net“ (Müller Staub, 2019) und den Verlauf der Pflegeinitiative publizierte (Müller Staub, 2022).

Jacqueline Fawcett hat bedeutende Beiträge zur Pflegewissenschaft und zur Entwicklung von Pflegetheorien geleistet. Sie ist vor allem für ihre Arbeiten zur Theorie und Praxis im Bereich der Pflege bekannt. Hier einige ihrer wichtigsten Beiträge:

  1. Pflegetheorien und -modelle: Fawcett hat sich intensiv mit der Entwicklung und Analyse von Pflegetheorien (Henderson, Orem, King etc.) beschäftigt. Sie hat zahlreiche Theorien untersucht und bewertet, um klarere Zusammenhänge zwischen Theorie, Forschung und Praxis herzustellen.
    Pflegetheorien sind konzeptionelle Rahmen, die das Verständnis von Pflegepraxis, Pflegeprozess und Patientenerfahrungen strukturieren. Sie bieten einen theoretischen Hintergrund, der Pflegefachpersonen hilft, ihre Entscheidungen zu begründen und ihre Praxis zu leiten.
  2. Konzeptualisierung von Pflege: In ihren Arbeiten hat Fawcett herausgearbeitet, wie Pflege als Disziplin definiert und verstanden werden sollte. Sie legte Wert darauf, dass Pflegetheorien helfen können, die speziellen Merkmale der Pflege zu identifizieren und diese klar von anderen Gesundheitsdisziplinen abzugrenzen.
    Pflegetheorien spielen eine wesentliche Rolle in der Pflegeausbildung und -praxis, da sie einen Rahmen bieten, um die Komplexität der Pflege zu verstehen und effektive Pflegeinterventionen zu entwickeln.
  3. Theoretische Rahmen: Fawcett hat einen theoretischen Rahmen entwickelt, das es Pflegefachpersonen ermöglicht, Theorien zu organisieren und zu bewerten. Sie hat einen strukturierten Ansatz zur Analyse von Pflegetheorien vorgeschlagen, was zur Weiterentwicklung von Theorien und deren Anwendung in der Praxis - bis auf die Ebene des Pflegeprozesses - beigetragen hat.
  4. Forschung in der Pflege: Fawcett hat sich für die Integration von Forschung in die Pflegepraxis eingesetzt. Sie betonte die Notwendigkeit, dass Pflegefachpersonen evidenzbasierte Interventionen anwenden, die auf soliden theoretischen Grundlagen basieren.
  5. Publikationen: Jacqueline Fawcett hat zahlreiche Artikel und Bücher veröffentlicht, in denen sie ihre Ideen und Theorien zur Pflegewissenschaft darlegte. Ihr Buch "Theoretical Nursing: Development and Progress" ist ein wichtiges, weltweit gelesenes Werk.

Durch ihre Arbeiten hat Jacqueline Fawcett dazu beigetragen, ein besseres Verständnis für die Bedeutung von Pflegetheorien in der täglichen Praxis zu entwickeln. Ihre Werke haben mich mein ganzes Berufsleben lang geprägt. Zuerst studierten wir an der Universität Pittsburgh ihre Werke, in meiner Masterausbildung in Maastricht NL / WEG CH wurde dies konnte ich diese so richtig vertiefen. Dann befasste ich mich auch für die Lehre damit auseinander: Zuerst für meine HöFA-Studentinnen und später auf allen Universitäts- und WB-Stufen meiner Lehr- als auch in der Beratungstätigkeit. Jacqueline Fawcett hat die Pflege als akademische Disziplin gestärkt. Ihre Einflüsse sind auch heute für alle Stufen der Pflegeausbildung, -praxis und -forschung relevant.

Verfasst von Maria Müller Staub (PhD, EdN, MNS, RN, FEANS)


Referenzen:

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