
Angelika Zegelin, Martin Schieron (Hrsg.)
Wittener Werkzeuge
Ein Konzept für Gespräche und Beratung in der Pflege
Hogrefe, 1. Auflage, Göttingen 2026, 152 Seiten, 33,00 €, ISBN 978-3-456-85843-2
Thematik und Kontext
Angelika Zegelin und Martin Schieron betonen im Vorwort dieses Buchs, dass Pflege ein Kommunikationsberuf ist. Immer häufiger kommen Pflegefachpersonen jedoch an Grenzen, professionelle Beziehungen aufzubauen, insbesondere dann, wenn Zeit- und Personalmangel zunehmen. Ausscheiden aus dem Beruf oder Burnout lassen sich beobachten, wenn Pflegefachpersonen das Gefühl haben, zunehmenden Anforderungen nicht mehr nachkommen zu können. Die Wittener Werkzeuge stellen einen Ansatz dar, welcher aus der Pflege für die Pflege ab den 2010er Jahren entwickelt wurde. Der Beratungsansatz berücksichtigt die spezifischen Anforderungen pflegerischer Settings und kann Pflegefachpersonen dabei unterstützen, ihre Selbstfürsorge zu stärken. Ursprünglich lag der Fokus darauf, eine geeignete Beratungsform für die Pflegepraxis zu entwickeln. Im Verlauf wurde dieses Ziel erweitert und zu einem umfassenden Kommunikationsansatz weiterentwickelt. Das vorliegende Buch verfolgt das Ziel, die Ideen des Konzepts weiterzugeben, zu sichern und zugleich neue Impulse für die Praxis zu setzen. Es bietet nicht nur konzeptionelle Grundlagen der Wittener Werkzeuge, sondern auch weiterführende Informationen zu Change Management, Seminargestaltung und Teambuilding.
Über die Herausgeber:innen
Prof. Dr. Angelika Zegelin ist Krankenschwester, Lehrerin für Pflegeberufe und Pflegewissenschaftlerin. Sie war Professorin für Pflegewissenschaft an der Universität Witten/Herdecke. Sie promovierte zum Thema des Bettlägerigwerdens und ist darüber hinaus u.a. Expertin für die Themen Berufsstolz, Biographiearbeit und Kommunikation in der Pflege. Martin Schieron ist Krankenpfleger und Dipl. Pflegewissenschaftler. Er ist als Referent Prävention für pflegende An- und Zugehörige der Unfallkasse Nordrhein-Westfalen tätig. Er hat umfassende Erfahrungen in unterschiedlichen Funktionen in somatischen Krankenhäusern.
Rahmen der Publikation
Ab den 2010er Jahren wurden die Wittener Werkzeuge durch Vorträge, Veröffentlichungen und Schulungen zunehmend bekannt gemacht. Ursprünglich wurden sie durch eine studentische Arbeitsgruppe im Institut für Pflegewissenschaft der Universität Witten/Herdecke unter Mitwirkung von Günter G. Bamberger, einem erfahrenen Diplom Psychologen und Fachpsychologen für Arbeits- Betriebs- und Organisationspsychologie sowie Vertreter:innen aus der Pflegepraxis entwickelt. Das vorliegende Buch stellt das Konzept und die Werkzeuge vor und beschreibt auch weiterführende Elemente wie die Kunst des Fragens oder die Umsetzungsebene.
Überblick zum Aufbau und Gliederung des Buches
Das Buch besteht aus insgesamt sechs Kapiteln. Nachdem einführend das Konzept von Beratung im Pflegesetting beschrieben wird, folgt ein Kapitel zur Entwicklung der Wittener Werkzeuge. Hierdurch wird deutlich, welche Gedanken innerhalb der Entwicklung leitend waren. Im Weiteren werden die Wittener Werkzeuge umfassend dargestellt. Es folgen Kapitel zur Kunst des Fragens als auch zur Umsetzung im Team. Ein umfassender Anhang liefert weitere Impulse durch zusätzliche Artikel. Die einzelnen Kapitel sind anschaulich beschrieben und folgen dem Ziel, einen Mehrwert für die Praxis zu liefern. Dabei vergisst das Buch nicht den Anspruch an Wissenschaftlichkeit und der Förderung des Reflexionsvermögens durch Gedankenimpulse und Übungen, z.B. zum Selbstspüren für Pflegefachberufe.
Diskussion
Insgesamt liefert das vorliegende Buch wichtige Impulse zur richtigen Zeit. Das Gesundheitswesen steht demografisch wie politisch vor einem der wohl größten Umbrüche und Neugestaltungsprozesse seiner Geschichte. Zugleich beeinflussen externe Faktoren wie zunehmende Ökonomisierung, Personalmangel und Arbeitsverdichtung die Attraktivität des Pflegeberufs erheblich. Vor diesem Hintergrund richten die Wittener Werkzeuge den Blick auf die Handlungsfähigkeit von Pflegefachpersonen. Sie verdeutlichen die Bedeutung professioneller Selbstfürsorge und greifen zugleich zentrale Bedingungen des pflegerischen Alltags auf: kurze Zeitfenster für Beratung, situativ erforderliche Entscheidungen sowie eine große Vielfalt an Themen und Kommunikationsanlässen. Im Sinne von PatientCare stehen dabei Konzepte wie Achtsamkeit, Einlassung, Mitgefühl und Berührung im Mittelpunkt. Der SelfCare-Ansatz ergänzt diese Perspektive durch Selbstachtung, Intuition, Selbst-Spüren, Selbstermutigung und Selbststärkung. Besonders überzeugend ist die Verbindung zwischen den spezifischen Kontextbedingungen pflegerischen Handelns, der Rolle von Pflegefachpersonen als aktiven Akteur:innen, Kommunikation als zentraler professioneller Kompetenz und der konsequenten Zentrierung auf Patient:innen. Damit bietet das Buch praxisnahe und zugleich zeitgemäße Antworten auf zentrale Herausforderungen der pflegerischen Versorgung.
Fazit
Insgesamt ist das vorliegende Herausgeberwerk ein impulsgebendes und fachlich bereicherndes Buch für Pflegefachpersonen in Praxis, Lehre und Wissenschaft. Es richtet sich insbesondere an Leser:innen, die Beratung als zentrale pflegerische Kompetenz verstehen und die Weiterentwicklung professioneller Pflegefachlichkeit aktiv mitgestalten möchten. Trotz seiner wissenschaftlichen Fundierung ist das Werk gut zugänglich und angenehm zu lesen. Bei der Lektüre entsteht der Eindruck, einen umfassenden, ganzheitlichen und zugleich realitätsnahen Zugang zur Qualitätsverbesserung in der pflegerischen Versorgung zu gewinnen. Damit ist es ein wichtiges Buch zur richtigen Zeit, verbunden mit einer klaren Lese- und Handlungsempfehlung.
Eine Rezension von Prof. Dr. Roman Helbig

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