Hannes Urdl 

facultas, Wien, 1. Auflage 2025, 152 Seiten, 24,90 €, ISBN 978-3-7089-2531-8

Humor ist mehr als Lachen oder eine spontane Reaktion auf lustige Aspekte. Er verbindet Menschen, spiegelt deren innere Haltung und erleichtert den Umgang mit belastenden Momenten. Im Pflegebereich kann Humor Spannungen lösen, Brücken bauen und eine gewisse Art von Leichtigkeit in herausfordernde Situationen bringen.

Ziel und Inhalt des Buches

Der Herausgeber Hannes Urdl sensibilisiert für das Thema Humor in der Pflege mit Erkenntnissen aus verschiedenen Bereichen der Humorforschung inklusive zahlreicher menschlicher Anekdoten aus dem Pflegebereich.  Es gibt eine Fülle an Humortipps aus der Praxis für die Praxis, anregende Inspirationen aus dem Bereich der Gesundheitsclownerie und ausgewählte Poesien und Humorillen.

Herausgeber

Hannes Urdl ist Gesundheitsclown, Musiker und Workshopleiter und hat eine 30-jährige Erfahrung als Clowndoktor der ROTEN NASEN. Er hält zudem Fortbildungen zu den Themen Humor, Burnout-Prävention und dem positiven Umgang mit Stress und arbeitet im mittleren Pflegemanagement.  

Aufbau des Buches

Das Buch gliedert sich in zehn Teile.

Teil 1: Humor - eine innere Haltung – In diesem Abschnitt werden Definitionen, Einsichten und wozu Humor imstande ist vermittelt.   

Teil 2: Humortheorien und gelebte Praxis – Es werden die Entlastungstheorie, soziologische Theorie, Inkongruenztheorie, Überlegenheitstheorie und Spieltheorie mit zahlreichen Beispielen und Anekdoten aus der Praxis dargestellt.

Teil 3: Über das Lachen – In diesem Abschnitt werden verschiedene Aspekte des Lachens, zum Beispiel: „Lachen – eine unkontrollierbare Eruption“, „Lachen und seine Vorstufen“, unzählige emotionale Facetten des Lachens und physiologische Auswirkungen dargestellt. Zudem wird Lachyoga und die fünf Lachstufen erörtert.

Teil 4: Humorarten in der Pflegepraxis – Es werden die vielfältigen Erscheinungsformen des Humors dargestellt, zum Beispiel sanfter Humor, intellektuelle Humor, formaler Humor, schwarzer Humor, Humor als Überlebensstrategie Zudem gibt es einen Exkurs zur Humorentwicklung bei Kindern und Jugendlichen.

Teil 5: Humor in der Pflege – ein Booster für Kommunikation und Wohlbefinden – In diesem Abschnitt werden Menschenkenntnis und Intuition gepaart mit Kommunikation dargestellt. Zahlreiche Beispiele legen dar, wie mit Fingerspitzengefühl in existenziellen Grenzsituationen das Thema Humor eingebaut werden kann.

Teil 6: Ihr persönlicher Humorstil – In diesem Abschnitt wird die grenzenlose Vielfalt des Humors beleuchtet. Mit Hilfe eines QR-Codes können Arbeitsblätter ausgedruckt und bearbeitet werden, um sich mit den persönlichen Humorvorlieben, dem Humorstil sowie einigen Gedankenspielen auseinanderzusetzen.

Teil 7: Humorinterventionen und -impulse für den Pflegealltag – In diesem Abschnitt werden zahlreiche Anregungen vorgestellt, um das Spitalfeld in einen humorvollen Kontext zu setzen und medizinische Gegenstände spielerisch umzuinterpretieren. Zudem werden Übungen und Anregungen vorgestellt, um an der eigenen Humorfähigkeit zu arbeiten.

Teil 8: Humortechniken – Es werden zahlreiche Anregungen zur Erweiterung des eigenen Humorpotentials, zum Beispiel mit den Humortechniken „Dreierregel“ und der „Übertreibung“, gegeben.

Teil 9: Inspirationen aus der Clownswelt – In diesem Abschnitt wird erläutert, was einen Clown ausmacht. Es wird unter anderem auf die Themen Selbstliebe, Selbstachtung, Akzeptanz und Instinkt und auf die Ausbildung zur ROTEN NASE eingegangen.

Teil 10: Gehirnregionen und ihre entsprechenden Ausdrucksformen des Humors – In diesem Abschnitt wird der Zusammenhang zwischen den drei Gehirnteilen und verschiedenen Ausdrucksweisen der Clownerie dargestellt.

Übersichtlichkeit und Praxisbezug

Das Buch ist sehr übersichtlich aufgebaut. Die einzelnen Abschnitte sind klar voneinander abgegrenzt. Zahlreiche Anekdoten und Beispiele runden die Thematik ab. Am Ende des Buchs gibt es einen QR-Code, der zu den Arbeitsblättern führt.

Fazit und Mehrwert

Humorvoll pflegen stellt ein ermutigendes und inspirierendes Buch dar, dass eindrucksvoll zeigt, wieviel Kraft in einem zugewandten Lächeln und einem gemeinsamen Lachen liegen. Insgesamt stellt das Buch eine wertvolle Ressource für alle Personen dar, die sich mit dem Thema Humor in der Pflege beschäftigen. Besonders für Pflegefachpersonen, Praxisanleitende und Lehrende aller Einrichtungen / Settings in der Gesundheitsversorgung, ist es eine klare Empfehlung und Ressource, um die Arbeit in der Pflege zu stärken und Menschen durch ein Lächeln zu verbinden. 

Eine Rezension von Jacqueline Stiehl, 
Diplom-Pflege-und Gesundheitswissenschaftlerin, Diplom-Pflege- und Gesundheitspädagogin, examinierte Krankenschwester, Fachbuchautorin

Barbara Müller, Brigitte Teigeler (Hrsg.)

Hogrefe Verlag, Bern, 1. Auflage 2025, 216 Seiten, 30,00 €, ISBN 978-3-456-86395-5


Mit dem zweiten Band Mitarbeitende erfolgreich binden aus Ihrer Reihe Best Practice im Pflegemanagement legen Barbara Müller und Brigitte Teigeler ein Fachbuch vor, das sich einem der zentralen Themen des Gesundheitswesens widmet: der nachhaltigen Bindung von Pflegefachpersonen. Angesichts eines seit Jahrzehnten bestehenden Fachkräftemangels ist das Thema weder neu noch überraschend. Umso entscheidender ist die Frage, ob es gelingt, bekannte Problemlagen sinnvoll zu bündeln, theoretisch fundiert einzuordnen und zugleich praxisnah weiterzudenken. Genau hier setzt das vorliegende Buch an.
 

Barbara Müller ist Krankenschwester für Anästhesie und Intensivmedizin, Berufspraktische Trainerin, Praxisanleiterin, Diplom Pflegewirtin, Fachjournalistin und externe Lehrbeauftragte und Dozentin in Bachelorstudiengängen der Pflege. Seit 2015 arbeitet sie als Lektorin und Programmleitung für Health Professionals in der Hogrefe AG, Bern/Schweiz.

Brigitte Teigeler ist Kinderkrankenschwester, Diplom Pflegewirtin sowie Fachjournalistin und hat 15 Jahre als Redakteurin im Bibliomed-Verlag gearbeitet. Seit 2018 ist sie freiberuflich tätig. 2025 wurde sie als eine der drei Preisträger*innen des Awards Fachjournalist*in des Jahres ausgezeichnet.


Der Aufbau des Buches folgt einer klaren inneren Logik und ist – anders als viele Sammelwerke – gut linear lesbar. Zu Beginn werden Gründe thematisiert, warum Pflegefachpersonen ihren Beruf oder ihre aktuelle Arbeitsstelle verlassen. Diese Analyse bleibt nicht auf individueller Ebene stehen, sondern wird in einen größeren strukturellen und organisationellen Kontext eingeordnet. Darauf aufbauend entwickeln die Beiträge zentrale Konzepte der Mitarbeiterbindung, die eng mit Fragen von Führung, Unternehmenskultur und organisationaler Verantwortung verknüpft sind. Positive Leadership, transformationale Führung und mitarbeiterzentrierte Organisationsentwicklung werden dabei nicht als Schlagworte verwendet, sondern systematisch erläutert und mit aktuellen Erkenntnissen aus dem Pflegemanagement verknüpft.

Inhaltlich nehmen diese konzeptionellen Kapitel den größten Raum ein und machen etwa vier Fünftel des Buches aus. Diese Schwerpunktsetzung ist nachvollziehbar und sinnvoll, da sie eine solide theoretische Grundlage schafft. Die Darstellung bleibt dabei klar, strukturiert und gut verständlich, ohne wissenschaftlich oberflächlich zu werden. Alle zentralen Aussagen sind sauber belegt, die Literaturverzeichnisse ermöglichen eine vertiefende Auseinandersetzung und unterstreichen den fachlichen Anspruch des Buches.

Im letzten Teil folgen Best-Practice-Beispiele aus dem Pflegealltag, die auf rund 30 Seiten konkrete Einblicke in gelungene Ansätze der Mitarbeiterbindung geben. Diese Kapitel wirken gerade deshalb überzeugend, weil Teigeler mit ihrer langjährigen Erfahrung als Redakteurin auf viele Berichte von Menschen zurückgreifen kann, die selbst in pflegerischen Einrichtungen bzw. ambulanten Diensten tätig sind. Die Beispiele sind realistisch, nachvollziehbar und frei von idealisierenden Darstellungen. Sie zeigen, wie theoretische Konzepte unter konkreten Rahmenbedingungen umgesetzt werden können – und auch, wo Grenzen liegen. Dadurch ergänzen sie die vorangegangenen Kapitel sinnvoll, ohne den Anspruch zu erheben, allgemeingültige Lösungen zu präsentieren.

Ein weiterer Pluspunkt des Buches liegt in seiner Balance zwischen Nachschlagewerk und durchgehender Lektüre. Zwar lassen sich einzelne Kapitel problemlos isoliert lesen, dennoch entfaltet das Buch seine größte Wirkung, wenn man den argumentativen Aufbau insgesamt verfolgt. Im Vergleich zu vielen Publikationen zur modernen Arbeitskultur in der Pflege verzichtet dieser Band bewusst auf modische Zuspitzungen oder plakative Zukunftsversprechen. Stattdessen wird Mitarbeiterbindung als kontinuierliche Führungs- und Managementaufgabe verstanden, die langfristige Strategien, verlässliche Strukturen und eine klare Haltung erfordert.

Fazit:
Mitarbeitende erfolgreich binden ist ein fachlich fundiertes, gut strukturiertes und praxisnahes Buch für leitende Pflegepersonen und Pflegemanager:innen. Es überzeugt durch eine klare Argumentationslinie, eine solide wissenschaftliche Basis und realistische Best-Practice-Beispiele. Gerade im Vergleich zu allgemeineren New-Work-Publikationen stellt dieser Band eine wohltuend konkrete und professionsbezogene Ergänzung dar. Eine klare Empfehlung für alle, die Mitarbeiterbindung nicht als kurzfristige Maßnahme, sondern als zentrale Führungsaufgabe im Pflegemanagement verstehen.

Eine Rezension von Simon Ludwig-Pricha

Rosa Maria Eglseer

facultas Verlag, Wien, 1. Auflage 2025, 112 Seiten, 24,90 € (22,99 € eBook), ISBN: 978-3708925257

Das Buch widmet sich einem der dynamischsten und gesellschaftlich bedeutsamsten Entwicklungen im Gesundheitswesen: der Implementierung von Community Health Nurses als zentralem Bindeglied zwischen Bevölkerung, Gesundheitsstrukturen und sozialräumlichen Angeboten. Der Ansatz der Community Health Nursing (CHN) stammt ursprünglich aus Ländern wie Kanada, Großbritannien und den USA und gewinnt im deutschsprachigen Raum erst seit einigen Jahren vermehrt Aufmerksamkeit. Er folgt dem Public-Health-Paradigma „Health in All Policies“ und dem WHO-Ziel, Menschen dort zu erreichen, wo sie leben, lernen, arbeiten und altern.

Der Kontext, in dem das Buch steht, ist geprägt von multiplen Herausforderungen, wie dem demografischen Wandel, einer wachsenden Zahl pflegebedürftiger Menschen, zunehmenden chronischen Erkrankungen, sozialen Ungleichheiten sowie einer fragmentierten Versorgungslandschaft. Gleichzeitig wird im internationalen Vergleich deutlich, dass gemeindebasierte, präventionsorientierte und niedrigschwellige Versorgungsmodelle entscheidend sind, um gesundheitliche Chancengleichheit und Versorgungsgerechtigkeit zu fördern. In Österreich wie in Deutschland zeigt sich deutlich, dass medizinische Versorgung allein diese gesellschaftlichen Herausforderungen nicht bewältigen kann. Community Health Nurses werden daher als zentrale Akteure positioniert, die präventive, kurative, gesundheitsförderliche, koordinierende und sozialraumorientierte Aufgaben verbinden. Eglseer greift dieses Momentum auf und verortet die Rolle der CHN sowohl in primärversorgungsnahen Strukturen als auch in kommunalen Netzwerken. Besonders relevant ist ihr Ansatz, die CHN nicht nur als individuelle professionelle Rolle, sondern als systemische „Gesundheitsdrehscheibe“ zu verstehen. Der Kontext umfasst zudem aktuelle Reformprozesse wie die österreichische Primärversorgungsoffensive, die Weiterentwicklung der Pflegeberufe im deutschsprachigen Raum, die Bedeutung von Advanced Nursing Practice und die Diskussion um neue Rollenprofile wie Community Health Nurses, Schulgesundheitsfachkräfte (SGFK) oder Public Health Nurses. Vor diesem Hintergrund wird das Buch zu einem wichtigen Debattenbeitrag, der Theorie, Praxis und gesundheitspolitische Entwicklungen miteinander verknüpft.

Rosa Maria Eglseer zählt zu den führenden Fachpersonen im Bereich Community Health Nursing und Public Health Nursing im deutschsprachigen Raum. Nach ihrer Ausbildung zur diplomierten Gesundheits- und Krankenpflegerin studierte sie Pflegewissenschaft und promovierte im Bereich Public Health. Ihre akademische Laufbahn, die sie an eine österreichische Hochschule führte, ist eng mit Themen der Prävention, Versorgungsgestaltung, Gesundheitskompetenz und der Stärkung vulnerabler Gruppen verbunden.

Die Publikation entstand im Zusammenhang mit den österreichischen Reformbestrebungen zur Stärkung der Primärversorgung, internationalen WHO-Strategien zur „People-centred and Integrated Health Care“ sowie nationalen Diskussionen um die Professionalisierung der Pflege. Zudem basiert sie auf modellhaften CHN-Projekten, internationalen Vorbildern sowie Erkenntnissen aus Eglseers eigener Forschung. Das Buch ist somit sowohl fachwissenschaftlich als auch politisch und praxisbezogen verortet. Das Buch beginnt mit einer fundierten theoretischen Einführung zu Definitionen, Zielen und Aufgaben der Community Health Nurse. Darauf folgen Kapitel zur Bedarfserhebung in Gemeinden, zur Gestaltung kommunaler Gesundheitsprogramme und zur Anwendung zentraler Public-Health-Methoden wie Risikoanalysen, Sozialraumanalysen, Zielgruppenanalysen und Evaluationsverfahren. Ein umfangreicher Teil widmet sich der Rolle der CHN im kommunalen Setting: Aufgaben, Kompetenzen, multiprofessionelle Schnittstellen, Kooperationspartner und Verantwortlichkeiten werden klar strukturiert dargestellt. Praxisbeispiele aus Österreich und dem internationalen Kontext illustrieren die Umsetzbarkeit. Abschließende Kapitel befassen sich mit Qualitätsentwicklung, Evaluation, Finanzierung und Zukunftsperspektiven.

Das Werk ist eines der ersten umfassenden deutschsprachigen Fachbücher, das Community Health Nurses konsequent als kommunale Gesundheitsdrehscheibe beschreibt. Ein innovativer und systemisch relevanter Ansatz. Nutzen bietet das Buch für Studierende, Pflegefachpersonen, Public-Health-Professionals, kommunale Entscheidungsträger, Behörden, Gesundheitsdienste und Gesundheitsprojekte. Auch für Gemeinden, die die Implementierung einer CHN erwägen, ist es praxisleitend. Dieses Fachwerk zeigt folglich ein breites Zielgruppenspektrum auf. 

Die behandelten Themen spannen einen Bogen von wissenschaftlichen Grundlagen bis zu konkreten Umsetzungsschritten und berücksichtigen dabei sowohl gesundheitswissenschaftliche als auch sozialräumliche Perspektiven. Das Buch erfüllt das Ziel, Wege für eine gelingende Gesundheitsversorgung in Gemeinden aufzuzeigen. Die Darstellung ist praxisorientiert, klar strukturiert und logisch aufgebaut. Diagramme, Praxisboxen und Tabellen unterstützen die Lesbarkeit. Die Sprache ist wissenschaftlich, aber zugänglich. Die thematische Aktualität ist sehr hoch, da Community Health Nursing international zu den zentralen Zukunftsmodellen einer bedarfsgerechten, präventiven und bevölkerungsorientierten Versorgung zählt. Im Vergleich zur Literatur zu Schulgesundheitsfachkräften (SGFK), insbesondere zu deutschen Modellprojekten in Berlin, Brandenburg und Hessen, wird deutlich, dass beide Rollen ähnliche Ziele verfolgen. Eglseer erwähnt diese Schnittstellen, könnte sie jedoch noch umfassender vertiefen.

Rosa Maria Eglseer legt ein ausgesprochen relevantes, wissenschaftlich fundiertes und zugleich praxisnahes Werk vor, das die Community Health Nurse als unverzichtbare Akteure einer modernen, gemeindenahen Gesundheitsversorgung positioniert. Das Buch überzeugt durch klare Strukturen, fundierte Analysen und anschauliche Beispiele, die den Transfer in die Praxis erleichtern. Trotz kleinerer Kritikpunkte – beispielsweise der knappen Einbindung schulischer Gesundheitssettings – ist das Buch ein bedeutender Beitrag zur Weiterentwicklung pflegebasierter Public-Health-Rollen im deutschsprachigen Raum. Es eignet sich als Grundlagenwerk für Fachpersonen, Studierende, kommunale Akteur*innen und politische Entscheidungsträger. Insgesamt ist es ein inspirierendes und zukunftsweisendes Werk, das eine wertvolle Orientierung für die Gestaltung gesundheitsförderlicher Gemeinden bietet.

Eine Rezension von Denise Vey, M.A. Pflegewissenschaft