Porjalali - Lernkarten Anatomie und Physiologie

PORJALALI Lernkarten Anatomie und Physiologie 5. Auflage
 
Porjalali, S.
Lernkarten Anatomie und Physiologie
Für Pflege- und andere Gesundheitsfachberufe
Elsevier (Urban & Fischer) Verlag. München 2018, 5. Aufl., 196 Karten, 24,99 €, ISBN 978-3-437-26008-7
 
 
Die Anatomie und Physiologie gehören für die Auszubildenden der Pflege- und anderer Gesundheitsfachberufe zu den unerlässlichen Grundlagenfächern, nicht zuletzt im Hinblick auf das Verständnis der Krankheitslehre und Patientenversorgung. Von daher bieten hierzu alle namhaften, auf Medizin und Pflege spezialisierten Buchverlage entsprechende Lehrbücher an. Ebenso verhält es sich mit den Lernmitteln, wobei insbesondere den sogenannten „Lernkarten“ – da scheinbar gerne mit ihnen gearbeitet wird – auch unter Verkaufsaspekten eine gewisse Bedeutung zukommt. Von daher ist es nicht verwunderlich, dass es auch hierzu mehrere Veröffentlichungen gibt.

Erstmals 2006 erschienen, liegen die „Lernkarten Anatomie und Physiologie“ nunmehr bereits in der fünften Auflage vor. Verfasst wurden sie von Dr. med. Shahrouz Porjalali, der als Dozent an Pflegeschulen und anderen Schulen des Gesundheitswesens tätig ist.

Die hier anzuzeigenden knapp 200 Lernkarten möchten die Auszubildenden der Pflege- und andere Gesundheitsfachberufe – so der Werbeslogan des Verlags – „Sicher durch die Prüfung!“ führen. In jedem Fall bieten die handlichen Lernkarten, die nach dem Frage- Antwort-Prinzip aufgebaut sind und die wichtigsten Fakten kurz und knapp wiederholen, einen guten Überblick über die Anatomie und Physiologie, wobei sie sich in die folgenden fünfzehn Bereiche gliedern:
1. Lehre von der Zelle
2. Gewebelehre
3. Allgemeine Knochen- und Muskellehre
4. Spezielle Knochen- und Muskellehre
5. Haut
6. Nervensystem
7. Sinnesorgane
8. Blut und Immunsystem
9. Herz, Gefäßsystem und Kreislauf
10. Atmungssystem
11. Hormonsystem
12. Verdauungssystem
13. Harnsystem, Wasser- und Elektrolythaushalt
14. Genitalsystem
15. Übersichtskarten.

Für Abwechslung und Spaß beim Lernen und Wiederholen sorgen unterschiedliche Aufgabenstellungen wie Lückentexte, Textfragen und zirka 80 farbige Abbildungen. Zudem vermitteln aufklappbare Lernkarten eine gute Übersicht über das menschliche Skelett, die Muskulatur, die wichtigsten Gefäße sowie das periphere und das zentrale Nervensystem.
Für die vorliegende fünfte Auflage wurden die in einer Box verstauten „Lernkarten“ noch anschaulicher, moderner und hochwertiger sowie in komplett farbiger Ausstattung gestaltet und mit zahlreichen neuen Abbildungen versehen.

Eine Rezension von Dr. Hubert Kolling

Trebsdorf - Biologie, Anatomie, Physiologie

TREBSDORF Biologie Anatomie Physiologie
 
Trebsdorf, M.
Biologie, Anatomie, Physiologie
Lehrbuch und Atlas. (EUROPA FACHBUCHREIHE für Berufe im Gesundheitswesen)
Verlag Europa-Lehrmittel, Haan-Gruiten, 2017, 14. Aufl., 528 S. und CD-ROM, 33,50 €, ISBN 978-3-8085-6823-1

Die genaue Kenntnis des gesunden menschlichen Körpers ist nicht nur für Ärzte, sondern auch für die Angehörigen aller Berufsgruppen, deren Tätigkeitsprofil mit dem Gesundheits- beziehungsweise Krankheitszustand des Menschen unmittelbar oder mittelbar zu tun hat, von großer Bedeutung. Davon ausgehend, dass solide Kenntnisse der Biologie sowie insbesondere der Anatomie und Physiologie des Menschen die notwendigen Voraussetzungen schaffen, die entsprechenden therapeutischen, pflegerischen und prophylaktischen Maßnahmen zur Gesunderhaltung des Menschen besser zu verstehen, kommt diesen Fächern in der Ausbildung aller Gesundheits- und Pflegeberufe besondere Aufmerksamkeit zu. Von daher verwundert es nicht, dass es auf dem Buchmarkt eine Vielzahl entsprechender Lehrbücher und Alanten gibt, von denen in der „Pflegewissenschaft“ (vgl. unter https://www.pflege-wissenschaft.info) bereits eine Reihe vorgestellt wurden.

Das erstmals 1993 vorgelegte „Lehrbuch und Atlas“ von Martin Trebsdorf „Biologie, Anatomie, Physiologie erscheint nun mehr in der 14. Auflage. Der promovierte Pädagoge Martin Trebsdorf, der auch die Bücher „Arbeitsbuch Anatomie – Physiologie“ (Haan-Gruiten, 2009), (gemeinsam mit Ute Bandelin) „Medizinischer Grundwortschatz“ (Haan-Gruiten, 2010) und „Funktionelle Anatomie des Bewegungssystems“ (Haan-Gruiten, 2017) veröffentlichte, hat es eigens für den Unterricht an Schulen für Pflege- und Gesundheitsberufe geschrieben, um den dortigen Schülerinnen und Schülern den Bau (Anatomie) und die Funktion (Physiologie, Biochemie) des menschlichen Körpers in anschaulicher Weise darzustellen. Der Autor, der sich in gut erreichbaren Lernschritten konsequent an die zur Verfügung stehende Gesamtstundenzahl des Unterrichts hält, hat sein übersichtlich gegliedertes Buch – nach einem Vorwort (S. 3) und Erläuterungen zu den benutzten Abkürzungen und Zeichen (S. 4) – in die folgenden18 Kapitel aufgeteilt:
1. Überblick über den Aufbau des menschlichen Körpers (S. 13-24)
2. Die Zelle und ihr umgebendes Milieu (S. 25-81)
3. Gewebe (S. 83-109)
4. Hautsystem (Häute und Drüsen) (S. 111-126)
5. Stütz- und Bewegungssystem (S. 127-180)
6. Leibeswand und Beckenboden (S. 181-186)
7. Die großen Körperhöhlen (S. 187-193)
8. Hals (Collum, Cervix) (S. 195-198)
9. Kreislaufsystem (S. 199-264)
10. Stoff- und Energiewechsel (S. 265-274)
11. Wärmehaushalt und Temperaturregulation (S. 275-280)
12. Atmungssystem (S. 281-305)
13. Verdauungssystem (S. 307-343)
14. Harnsystem (S. 345-361)
15. Geschlechtssystem (Genitalsystem) (S. 363-386)
16. Hormonsystem (Endokrines System) (S. 387-408)
17. Sinnessystem (S. 409-438)
18. Nervensystem (S. 439-504).

Ergänzt wird die mit über 300 farbigen, sehr anschaulichen Abbildungen in bester Qualität und rund 100 übersichtlichen Tabellen reichlich illustrierte Darstellung durch einem „Basiswortschatz“ als Nachschlage- und Orientierungshilfe (S. 505-508), eine ausführliche Übersicht der im Gesundheitswesen verwendeten physikalische Größen und Maßeinheiten (S. 509-511), ein knapp gehaltenes Literaturverzeichnis (S. 512) sowie ein ausführliches Stichwortverzeichnis (S. 513-528).

Nach der Darstellung des menschlichen Körpers erörtert Martin Trebsdorf wichtige naturwissenschaftliche-biologische Grundlagen (z.B. Zelle und ihr umgebendes Milieu, Transportprozesse im Organismus, Grundlagen der Vererbung, Gewebearten), denen er eine anschauliche Abhandlung der einzelnen Organe und deren Funktionen folgen lässt. Die für die Ausbildung notwendigen biologischen, anatomischen und physiologischen Inhalte werden dabei mithilfe des umfangreichen Bildmaterials treffend erklärt, wobei sich die hervorragenden anatomischen Illustrationen immer in unmittelbarer Nähe des dazugehörigen Textes befinden. In allen Kapiteln sind in der Regel die deutschen und Fachbezeichnungen sowie gebräuchliche eingedeutschte Schreibweisen aufgeführt.

Jedes Kapitel enthält besondere (rot markierte) „Merksätze“, in denen die wichtigsten Fakten und Zusammenhänge prägnant zusammengefasst werden, und (blau markierte) „Praxisinformationen“, die einen starken Praxisbezug haben. Neben einer klaren und verständlichen Sprache zeichnet sich das Buch durch gut ausgewählte klinische Bezüge und Krankheitsbilder aus. Sie lockern nicht nur den Text auf, sondern zeigen auch, dass tiefgehende Kenntnisse der Körperfunktionen eine unabdingbare Voraussetzung für das Verstehen von Krankheiten und deren Behandlung sowie die notwendigen Pflegemaßnahmen sind. Schließlich finden sich am Ende von jedem Kapitel Fragen zur Wiederholung, mit deren Hilfe eine Überprüfung der Lerninhalte leicht möglich ist.

Dem didaktisch hervorragend aufbereiteten Lehrbuch ist eine CD-ROM beigefügt, mit der sich die Inhalte des Buches im Selbststudium leicht und präzise erarbeiten lassen. Unter dem digitalen Zusatzmaterial (online abrufbar mithilfe eines im Buch individuell angegebenen Freischaltcodes unter www.europathek.de oder auf der beigefügten CD) sind vor allem die Abbildungen und Tabellen aus dem Buch sowie weitere Abbildungen mit ein- und ausblendbaren Beschriftungen hervorzuheben, da sie sowohl für Lehrende (im Unterricht) als auch für Lernende (zum Üben) sehr hilfreich sind.

Wie bei den vorangegangenen Auflagen wurde bei der Neubearbeitung das bewährte inhaltliche und didaktische Grundkonzept beibehalten, Lehrbuch und Atlas als eine Einheit darzustellen. Für die aktuellen Auflage des Buches, dessen Umfang gegenüber der Vorauflage von 468 auf 528 Seiten angewachsen ist, wurden sämtliche Kapitel neu bearbeitet und dem aktuellen Wissensstand angepasst. Hierzu schreibt der Autor im Vorwort: „Das Eingeweidenervensystem und die Wechselwirkungen zwischen Nerven-, Hormon- und Immunsystem sind aufgrund ihrer zunehmenden praktischen Bedeutung in der Medizin unter neuem Aspekt ausführlicher dargestellt. Viele Merksätze wurden präzisiert bzw. neu aufgenommen, sodass sie zusammen mit den ebenfalls verbesserten neuen Bildern und Tabellen eine verständliche Kurzversion des Inhalts darstellen. Die Wiederholungsfragen sind durch eine Vielzahl praxisorientierter Fragen ergänzt worden, die teilweise fachübergreifend beantwortet werden müssen.“ (S. 3)

Das Buch, das sich im Laufe der Zeit zu einem Standartwerk entwickelte, ist nicht zuletzt aufgrund seiner Ausstattung mit Festeinband und Fadenheftung sowie dem handlichen Format sowohl für den Unterricht der ins Auge gefassten Zielgruppen – zunächst die Auszubildenden der Pflege- und Gesundheitsberufe, aber auch Hebammen, Physiotherapeuten sowie Assistenten der Radiologie und im Labor – als auch als wertvolles Nachschlagewerk bestens geeignet ist.
 
Eine Rezension von Dr. Hubert Kolling

Bonacker M. und G. Geiger (Hrsg.: Menschenrechte in der Pflege

Bonacker
 
Bonacker M. und G. Geiger (Hrsg.)
Menschenrechte in der Pflege
Verlag Barbara Budrich, Opladen, 2018, 292 S., 29,90 €, ISBN-13: 978-3847421825

Die Pflege und vor allem die Demenzpflege muss in der täglichen Praxis sowohl Freizügigkeit als auch Sicherheit gewährleisten. Angesichts der Tatsache, dass mit zunehmendem Alter die körperlichen und auch geistigen Gebrechen massiv zunehmen, treten mehr und mehr Schutzmaßnahmen in den Vordergrund, die entsprechend der juristischen Diktion teils freiheitseinschränkende und auch freiheitsentziehende Aspekte enthalten. Der vorliegende Sammelband enthält Beiträge zu diesem Thema, bei den Autoren handelt es sich überwiegend um Mediziner, Juristen, Philosophen und Pflegende.

Die Arbeit ist in vier Themenfelder mit insgesamt 15 Beiträgen nebst Einleitung untergliedert.
• Teil 1 (Ethische Grundlagen der Pflege, Seite 15 - 104) enthält abstrakt ethisch-philosophische Reflexionen über die Bedeutung der Menschenrechte in der Pflege.
• Teil 2 (Rechtliche Perspektiven im Pflegeprozess, Seite 107 – 162) beinhaltet den rechtlichen Rahmen freiheitseinschränkender Interventionen im stationären und häuslichen Bereich, u. a. anhand von konkreten Beispielen.
• Teil 3 (Medizinische Perspektiven in der Pflegepraxis, Seite 165 – 230) thematisiert die Patientenverfügung, das ärztliche Gutachten im Pflegeprozess und die psychosozialen Belastungen pflegender Angehöriger.
• In Teil 4 (Pflegewissenschaftliche Perspektiven auf die Praxis, Seite 233 – 285) werden u. a. freiheitsentziehende Maßnahmen im Heimbereich und des Weiteren Formen der Gewalt bei der Körperpflege angesichts des Verweigerungsverhaltens Demenzkranker kritisch hinterfragt, ohne hierbei den Aspekt einer medizinischen Indikation für diese Handlungsweisen in Erwägung zu ziehen.

Die Autoren favorisieren überwiegend den Vorrang der Selbstbestimmung Demenzkranker als Orientierungsgröße im Hinblick auf den Einsatz einschränkender Schutzmaßnahmen, ohne das Grundrecht auf Unversehrtheit hierbei angemessen zu berücksichtigen. In den Pflegeheimen werden jedoch bereits demenzsensible und zugleich bewegungseinschränkende Maßnahmen und parallel hierzu Interventionen auf der Basis einer „fiktiven Autonomie“ (Jan Wojnar) praktiziert, die für die Betroffenen sowohl eine stressfreie als auch sichere Lebenswelt bilden. Da dieses wirkungsvolle Erfahrungswissen in dieser Publikation nicht thematisiert wird, kann keine Empfehlung zur Lektüre gegeben werden, denn es fehlen die entscheidenden Impulse zur praktischen Implementierung von Sicherheit und einem Gefühl von Freiheit und Selbstbestimmung.

Eine Rezension von Sven Lind