Die Europäische Kommission will Pflege und Betreuung stärker ins Zentrum europäischer Gleichstellungspolitik rücken. In ihrer Strategie zur Gleichstellung der Geschlechter 2026–2030 kündigt sie für 2027 einen umfassenden Europäischen Deal für Pflege und Betreuung an. Ziel ist es, die Arbeitsbedingungen und Entwicklungsmöglichkeiten von Pflegekräften zu verbessern, die Qualität, Zugänglichkeit und Erschwinglichkeit von Pflege zu stärken und Sorgearbeit gerechter zwischen Frauen und Männern zu verteilen.

Die Kommission verweist darauf, dass der Pflege- und Betreuungssektor weiterhin stark von Frauen geprägt ist und vielerorts unter niedrigen Löhnen, prekären Beschäftigungsverhältnissen, schwierigen Arbeitszeiten, fehlenden Tarifstrukturen sowie begrenztem Zugang zu Aus- und Weiterbildung leidet. Zugleich haben viele Familien keinen ausreichenden Zugang zu hochwertiger und bezahlbarer Langzeitpflege.
Der geplante Care Deal soll deshalb ein Maßnahmenpaket enthalten, das sowohl die Situation der Beschäftigten als auch die Versorgung pflegebedürftiger Menschen verbessert. Dazu gehören Investitionen in Pflege und Betreuung, bessere berufliche Entwicklungsperspektiven, faire Beschäftigung, Digitalisierung sowie neue Modelle für hochwertige Pflege.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der unbezahlten Sorgearbeit. Noch immer übernehmen Frauen den größeren Teil der Pflege-, Betreuungs- und Haushaltsaufgaben. Die Kommission sieht darin eine zentrale Ursache für Teilzeitbeschäftigung, Erwerbsunterbrechungen und geringere wirtschaftliche Unabhängigkeit von Frauen. Der Care Deal soll daher auch die gleichberechtigte Beteiligung von Männern und Frauen an formeller und informeller Pflege fördern.

Viele der angekündigten Maßnahmen bleiben allerdings zunächst politisch unverbindlich. Bis 2027 will die Kommission Berichte zur frühkindlichen Betreuung und zur Langzeitpflege vorlegen. Für 2028 ist ein Bericht zur Umsetzung der Richtlinie zur Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben geplant. Der Europäische Deal für Pflege und Betreuung soll 2027 vorgestellt werden.

Gleichwohl setzt die EU-Kommission ein wichtiges Signal: Pflege wird nicht länger nur als soziale Aufgabe, sondern als zentrale Voraussetzung für Gleichstellung, Arbeitsmarktteilhabe und Versorgungssicherheit verstanden. Entscheidend wird sein, ob die Mitgliedstaaten die europäischen Impulse in konkrete Reformen übersetzen. Denn bessere Arbeitsbedingungen, mehr Personal, faire Bezahlung und der Ausbau verlässlicher Pflegeangebote bleiben vor allem nationale Aufgaben.


Zur Pressemitteilung: https://www.europarl.europa.eu/news/de/press-room/20260513IPR43307/gender-care-gap-mehr-unterstutzung-fur-pflegekrafte

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Mit Jacqueline Fawcett ist am 22. März 2026 eine der bekanntesten und meist gelesenen Pflegewissenschafterinnen gestorben.

Sie war kurz vorher gestürzt, doch wir hofften auf ihre Genesung und darauf, dass sie bald wieder als Freundin / Kollegin in der «Nursology.net-Community» aktiv würde. Dr. Fawcett gehörte zu den Wissenschaftlerinnen, die zusammen mit Dr. Peggy Chinn das «Nursology Net»ins Leben gerufen hatten. Sie war maßgeblich an Inhalten dieser Website beteiligt, welche im September 2018 eröffnet wurde.

Jacqueline Fawcett wurde am 18. März 1941 geboren und widmete ihre Karriere der Stärkung der wissenschaftlichen Grundlagen der Pflegewissenschaft (Fawcett & DeSanto-Madeya, 2013). Mit einem Bachelor of Science in Pflegewissenschaften der Boston University sowie einem Master of Arts (MA) und einem Doktortitel der New York University bildete sie Generationen von Pflegekräften auf Bachelor-, Master- und Doktorandenebene aus und war jahrzehntelang in leitender Funktion sowie als Vorsitzende an der University of Massachusetts Boston tätig.

International anerkannt für ihre metatheoretischen Beiträge, wurde sie zu einer der stärksten Stimmen, die sich für Klarheit über die Wissensbasis der Pflege als Disziplin einsetzten (Fawcett, 2005; Fawcett & DeSanto-Madeya, 2013). Zudem prägte und förderte sie das Konzept der Nursologie, definiert als das Wissen über Phänomene, die für die Pflege von zentraler Bedeutung sind (Fawcett, J., 2023). Durch diese Arbeit betonte sie die Bedeutung der Entwicklung und Anwendung fachspezifischen Wissens zur Förderung des globalen Wohlbefindens.
Ich hatte das Privileg, persönlich mit Jacqui zusammen zu arbeiten. Der Diskurs mit Jacqui war stets geprägt von Wertschätzung; unser Austausch war sehr erfrischend sehr lehrreich. Sie las kritisch meine Beiträge zum Advanced Nursing Process. Dieser beinhaltet Pflegediagnosen, -interventionen und -ergebnisse, die anhand evidenzbasierter Pflegeklassifikationen eingesetzt werden (Müller Staub, 2025). 

The Obwohl Fawcett sich für die Eigenständigkeit der Pflege und fachlich exakte Benennungen einsetzte, war sie den Pflegeklassifikationen gegenüber zuerst kritisch. Dank unseren gemeinsamen Werten in der Pflege liess sie sich positiv überzeugen und veröffentlichte meine Beiträge mit Freude.

Sie hat auch unterstützt, dass ich die Pflegeinitiative im „Nursology Net“ (Müller Staub, 2019) und den Verlauf der Pflegeinitiative publizierte (Müller Staub, 2022).

Jacqueline Fawcett hat bedeutende Beiträge zur Pflegewissenschaft und zur Entwicklung von Pflegetheorien geleistet. Sie ist vor allem für ihre Arbeiten zur Theorie und Praxis im Bereich der Pflege bekannt. Hier einige ihrer wichtigsten Beiträge:

  1. Pflegetheorien und -modelle: Fawcett hat sich intensiv mit der Entwicklung und Analyse von Pflegetheorien (Henderson, Orem, King etc.) beschäftigt. Sie hat zahlreiche Theorien untersucht und bewertet, um klarere Zusammenhänge zwischen Theorie, Forschung und Praxis herzustellen.
    Pflegetheorien sind konzeptionelle Rahmen, die das Verständnis von Pflegepraxis, Pflegeprozess und Patientenerfahrungen strukturieren. Sie bieten einen theoretischen Hintergrund, der Pflegefachpersonen hilft, ihre Entscheidungen zu begründen und ihre Praxis zu leiten.
  2. Konzeptualisierung von Pflege: In ihren Arbeiten hat Fawcett herausgearbeitet, wie Pflege als Disziplin definiert und verstanden werden sollte. Sie legte Wert darauf, dass Pflegetheorien helfen können, die speziellen Merkmale der Pflege zu identifizieren und diese klar von anderen Gesundheitsdisziplinen abzugrenzen.
    Pflegetheorien spielen eine wesentliche Rolle in der Pflegeausbildung und -praxis, da sie einen Rahmen bieten, um die Komplexität der Pflege zu verstehen und effektive Pflegeinterventionen zu entwickeln.
  3. Theoretische Rahmen: Fawcett hat einen theoretischen Rahmen entwickelt, das es Pflegefachpersonen ermöglicht, Theorien zu organisieren und zu bewerten. Sie hat einen strukturierten Ansatz zur Analyse von Pflegetheorien vorgeschlagen, was zur Weiterentwicklung von Theorien und deren Anwendung in der Praxis - bis auf die Ebene des Pflegeprozesses - beigetragen hat.
  4. Forschung in der Pflege: Fawcett hat sich für die Integration von Forschung in die Pflegepraxis eingesetzt. Sie betonte die Notwendigkeit, dass Pflegefachpersonen evidenzbasierte Interventionen anwenden, die auf soliden theoretischen Grundlagen basieren.
  5. Publikationen: Jacqueline Fawcett hat zahlreiche Artikel und Bücher veröffentlicht, in denen sie ihre Ideen und Theorien zur Pflegewissenschaft darlegte. Ihr Buch "Theoretical Nursing: Development and Progress" ist ein wichtiges, weltweit gelesenes Werk.

Durch ihre Arbeiten hat Jacqueline Fawcett dazu beigetragen, ein besseres Verständnis für die Bedeutung von Pflegetheorien in der täglichen Praxis zu entwickeln. Ihre Werke haben mich mein ganzes Berufsleben lang geprägt. Zuerst studierten wir an der Universität Pittsburgh ihre Werke, in meiner Masterausbildung in Maastricht NL / WEG CH wurde dies konnte ich diese so richtig vertiefen. Dann befasste ich mich auch für die Lehre damit auseinander: Zuerst für meine HöFA-Studentinnen und später auf allen Universitäts- und WB-Stufen meiner Lehr- als auch in der Beratungstätigkeit. Jacqueline Fawcett hat die Pflege als akademische Disziplin gestärkt. Ihre Einflüsse sind auch heute für alle Stufen der Pflegeausbildung, -praxis und -forschung relevant.

Verfasst von Maria Müller Staub (PhD, EdN, MNS, RN, FEANS)


Referenzen:

  • Fawcett, J. (2023a, January 17). Evolution of One Version of Our Disciplinary Metaparadigm. nursology.net.  https://nursology.net/2023/01/17/evolution-of-one-version-of-our-disciplinary-metaparadigm.  
  • Fawcett, J. (2005). Contemporary nursing knowledge: Analysis and evaluation of nursing models and theories (2nd ed.) Philadelphia, PA: F. A. Davis.
  • Fawcett, J., & DeSanto-Madeya, S. (2013). Contemporary Nursing Knowledge: Analysis and Evaluation of Nursing Models and Theories. F. A. Davis Company.
  • Müller Staub, M. (2025). The Advanced Nursing Process. https://nursology.net/nurse-theories/the-advanced-nursing-process
  • Müller Staub, M. (2019). Accountability: A Proposed Policy for Federal Recognition of Nurses’ Responsibility in Switzerland. A peer-reviewed Policy/Theory Exemplar published June 16. https://nursology.net/policy-theory/nurses-accountability/
  • Müller Staub, M. (2022). Accountability: Update to A Proposed Policy for Federal Recognition of Nurses’ Responsibility in Switzerland. A peer-reviewed Policy/Theory Exemplar published at https://nursology.net/?s=accountability

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Ein historischer Meilenstein für die Pflegewissenschaft in Deutschland: Zum ersten Mal wurde die Disziplin offiziell in die Fächerstruktur der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) aufgenommen. Damit erfährt die Pflegewissenschaft eine längst überfällige Anerkennung als eigenständige, wissenschaftlich fundierte Disziplin durch die wichtigste Forschungsförderorganisation des Landes.

Die Aufnahme in die DFG-Fächerstruktur ist ein bedeutender Erfolg für die Pflegewissenschaft. Sie honoriert die jahrelange Aufbauarbeit der pflegewissenschaftlichen Arbeitsgruppen in Deutschland sowie ihr Engagement bei der Beantragung und Durchsetzung von DFG-Projekten. Auch die Aktivitäten der DGP haben hierzu einen wichtigen Beitrag geleistet.

Die Aufnahme der Pflegewissenschaft als eigenständige Disziplin in die Deutsche Forschungsgemeinschaft bringt für die Fachcommunity bedeutende Vorteile:

  • Anerkennung und Sichtbarkeit: Pflegewissenschaft wird als etablierte und relevante Disziplin in der Forschungsgemeinschaft bestätigt.
  • Gezielte Fördermöglichkeiten: Forschende erhalten leichter Zugang zu DFG-Fördermitteln und neuen Programmen.
  • Stärkere institutionelle Verankerung an Hochschulen/Universitäten: Die Entwicklung von Professuren, Studiengängen und Forschungszentren wird unterstützt.
  • Einfluss auf Forschungsstrategien: Vertreter:innen der Disziplin können aktiv an Entscheidungen und Prioritäten der DFG mitwirken.
  • Kooperation und Nachwuchsförderung: Neue Netzwerke, Forschungsgruppen und strukturierte Programme für Nachwuchswissenschaftler:innen werden gefördert.

„Die Setzung der Pflegewissenschaft in der DFG-Fächerstruktur hat das Potenzial, der Disziplin einen produktiven Schub zu verleihen, noch besser DFG-antragsfähig zu werden und an den Förderformaten mit einem relevanten Antragsaufkommen zu partizipieren“, so Gabriele Meyer, Vorstandsmitglied der DGP und DFG-Fachkollegiatin in zweiter Amtszeit. „Jetzt kommt es darauf an, gute Kandidat:innen der Pflegewissenschaft für die nächste Wahl des DFG-Fachkollegiums ins Rennen zu schicken.“


Zur Pressemitteilung: https://dg-pflegewissenschaft.de/aktuelles/pflegewissenschaft-erstmals-explizit-in-der-faecherstruktur-der-deutschen-forschungsgemeinschaft-dfg-abgebildet/

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