Rund eine Million Menschen in Österreich übernehmen die Pflege ihrer An- und Zugehörigen – und stellen damit den größten „Pflegedienst“ des Landes. Neben der oft intensiven Betreuung sind sie meist gleichzeitig mit Erwerbsarbeit, Familienpflichten und erheblichen finanziellen Belastungen konfrontiert. Anlässlich des 7. Nationalen Aktionstags für Pflegende Angehörige am 13. September 2025 richtet die Interessensgemeinschaft Pflegender Angehöriger und Zugehöriger (IG Pflege) 14 Forderungen an die Politik. Ziel ist es, die prekäre Situation von pflegenden Angehörigen stärker ins öffentliche Bewusstsein zu rücken und nachhaltige Verbesserungen für diese zentrale Säule des Pflegesystems einzufordern.
Probleme zeigen sich in Gesprächen
„Die Forderungen reichen von kostenlosen Beratungsleistungen über den Ausbau von Unterstützungsangeboten bis zu Fragen der Rechtssicherheit und der finanziellen Unterstützung“, so Birgit Meinhard-Schiebel, Präsidentin der Interessengemeinschaft pflegender Angehöriger und Zugehöriger. „Die Gespräche mit Pflegenden Angehörigen und Zugehörigen zeigen sehr oft, dass sie sich allein gelassen fühlen und in ihrer oft schwierigen Situation zu wenig Informationen finden, die ihnen die häusliche Pflege erleichtern können. Pflegende Angehörige benötigen Unterstützung und Rat!“
Die 14 Forderungen im Überblick
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Kostenlose Beratung – mindestens zwei kostenlose, persönliche Beratungen pro Jahr für pflegebedürftige Menschen und ihre Angehörigen.
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Leistbare Pflege- und Betreuungsangebote – inklusive eines Rechts auf einen pflegefreien Tag pro Monat, den die öffentliche Hand sicherstellt.
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Ausbau und Flexibilisierung von Ersatzpflege – auch tageweise nutzbar, mit Rechtsanspruch.
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Unterstützung für Kinder und Jugendliche als pflegende Angehörige durch innovative, altersgerechte Angebote.
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Verbesserung der Vereinbarkeit von Pflege und Beruf durch flexible Arbeitsmodelle und Bewusstsein bei Arbeitgeber:innen.
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Spezielle Unterstützung für Angehörige von Demenzkranken durch geschultes Personal und adäquate Angebote.
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Rechtsansprüche absichern – für Pflegekarenz, Pflegeteilzeit, Ersatzpflege und andere Unterstützungsleistungen.
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Rechtssicherheit für Eltern von Kindern mit chronischen Krankheiten oder Behinderungen durch geeignete Wohn- und Arbeitsmodelle.
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Pflegekarenzgeld für Selbständige – gleicher Anspruch wie für unselbständig Erwerbstätige.
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Begleitung nach Ende der Pflegetätigkeit – durch Trauer- und Krisenunterstützung.
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Niederschwellige psychosoziale Angebote während des gesamten Pflegeprozesses.
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Unterstützung bei Pflege von Menschen mit Long-Covid oder anderen postviralen Erkrankungen.
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Reform der Pflegegeldbegutachtung – zeitgemäß, inkl. neuer Krankheitsbilder wie Long- und Post-Covid.
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Zugang zu Informationen für pflegende Angehörige mit Migrationshintergrund – durch individuelle und kultursensible Beratungsangebote.
Einsatz der IG Pflege seit 15 Jahren
Die konkreten 14 Forderungen sind hier auf der Homepage der IG Pflege (www.ig-pflege.at) abrufbar, außerdem werden zum Aktionstag 50.000 Karten mit den Forderungen in ganz Österreich verteilt. Die Interessengemeinschaft Pflegender Angehöriger feiert 2025 ihr 15-jähriges Bestehen und trägt ihre Anliegen in einem eigenen Themenjahr in Diskussionen, Gremien und Medien in die Öffentlichkeit.
Meinhard-Schiebel betont: „15 Jahre ehrenamtliche Arbeit zeigt, dass geduldiges Engagement und die wichtige Zusammenarbeit mit den zuständigen Ministerien, Gesundheits- und Pflegeorganisationen Früchte tragen. Wir werden unsere Arbeit auch weiterhin unermüdlich fortsetzen.“
Zur Pressemitteilung: https://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20250911_OTS0054/ig-pflege-stellt-zum-aktionstag-fuer-pflegende-angehoerige-14-forderungen-an-die-politik-es-fehlen-wichtige-informationen
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Der Deutsche Bundestag hat kürzlich in erster Lesung die Gesetzentwürfe zur Befugniserweiterung und Entbürokratisierung in der Pflege sowie zur Einführung einer bundeseinheitlichen Pflegefachassistenzausbildung beraten. Der Deutsche Pflegerat (DPR) bewertet beide Vorlagen als wichtige Impulse zur Stärkung der Pflegeberufe und spricht sich für eine entschlossene und zügige Umsetzung aus.
Die Kabinettsbeschlüsse zum Gesetz zur Befugniserweiterung und Entbürokratisierung in der Pflege (vormals Pflegekompetenzgesetz) sowie zum Pflegefachassistenzgesetz bewertet der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) als wichtigen Fortschritt. Gleichzeitig macht der Verband deutlich, dass beide Vorhaben in wesentlichen Punkten hinter den Erwartungen der professionellen Pflege zurückbleiben.