Referentenentwurf zum Pflegeunterstützungs- und -entlastungsgesetz stärkt nicht die pflegerische Versorgung

vogler christineDeutscher Pflegerat vermisst Vision

Der Referentenentwurf des Bundesgesundheitsministeriums für ein Gesetz zur Unterstützung und Entlastung in der Pflege (Pflegeunterstützungs- und -entlastungsgesetz – PUEG) liegt vor. Hierzu bewertet Christine Vogler, Präsidentin des Deutschen Pflegerats e.V. (DPR):

„Dem Referentenentwurf fehlt die Vision für eine nachhaltige Pflege. Wir vermissen die Idee eines funktionierenden Gesundheitssystems, das alle Gesundheitsfachberufe und alle Sektoren einbezieht.

Der jetzige Referentenentwurf dient vor allem der kurzfristigen Rettung der Finanzen der Pflegeversicherung. Nicht aufgefangen werden die immensen Kostensteigerungen für die Pflegebedürftigen, die zu großen zusätzlichen Belastungen der Sozialhilfeträger führen werden.

Eine wirkliche, zeitnah erforderliche Strukturreform der Pflegeversicherung steht nach wie vor aus, in der bezüglich der pflegebedingten Kosten der ´Sockel-Spitze-Tausch´ aufzugreifen ist. Benötigt werden tatsächliche qualitative Verbesserungen der pflegerischen Versorgung und deren Sicherung. Die beruflich Pflegenden müssen gestärkt werden. Die Bedingungen für pflegende Angehörige müssen sich verbessern. Benötigt wird die Neustrukturierung der Kompetenzen der Gesundheitsfachberufe sowie die Anerkennung der Langzeitpflege als Teil des Gesamtsystems. Dies mit einer sinnvollen Zusammenführung von SGB V- und SGB XI-Leistungen.

Abgelenkt wird in den Regelungen des Referentenentwurfs zur Personalausstattung mit qualifizierten Pflegehilfskräften von der im Koalitionsvertrag festgelegten Harmonisierung durch ein bundeseinheitliches Berufsgesetz für Pflegeassistenz. Der Entwurf enthält entgegengesetzt dazu eine umfassende Lockerung der beruflichen Qualifikationen für Pflegehilfskraftpersonal bis hin zur Anerkennung von nur berufspraktischer Erfahrungen sowie nicht zu tolerierende langjährige Übergangsregelungen. Das gefährdet die Versorgungssicherheit.

Wenn der Bund und die Länder nicht unverzüglich die notwendigen Inhalte sowie Ausbildungsstrukturen für den bundeseinheitlichen Pflegeassistenzberuf schaffen, kann die qualitativ und quantitativ gebotene Einführung des neuen bundeseinheitlichen Personalbemessungsverfahrens schon im ersten Schritt zum 1. Juli 2023 nicht gelingen. Dies hat unabsehbare Folgen für die Sicherstellung der Pflege in allen Versorgungsbereichen.“

Ansprechpartnerin:
Christine Vogler
Präsidentin des Deutschen Pflegerats


Zur Pressemitteilung: https://deutscher-pflegerat.de/2023/03/01/referentenentwurf-zum-pflegeunterstuetzungs-und-entlastungsgesetz-staerkt-nicht-die-pflegerische-versorgung/

Zeige mir Aktuelles aus der Kategorie...


Sie möchten Pflegewissenschaft abonnieren?

Pflegewissenschaft ist die interntionale, peer-reviewte Fachzeitschrift für alle Berufe der Pflege. Sie möchte einen Beitrag für Wissenschaft, Forschung und Praxis des Pflegeberufes leisten sowie Praktikern konkrete Hilfen und Anregungen geben.

Bleiben Sie stets auf dem aktuellen Stand der Pflegeforschung:

Jetzt Probe lesen

Finanzierung der Pflegereform muss überdacht werden

Landespflegekammer Rheinland-PfalzBundesfinanzministerium hält sich nicht an Koalitionsvertrag

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach hat die Pläne für eine Pflegereform verteidigt, um Entlastungen und eine stabilere Finanzierung zu erreichen. Für einige wird der Pflegebeitrag dabei künftig geringer ausfallen, für andere höher. Zu Kritik führt auch, dass Bundesfinanzminister Christian Lindner dem Koalitionsvertrag bei der Finanzierung der Reform nicht folgen will. Dazu erklärt Präsident Dr. Markus Mai:

„Mal wieder folgen seitens der Politik den Worten keine Taten. Die Ampelregierung und dabei insbesondere das von der FDP geführte Bundesfinanzministerium lassen zu, dass die Finanzierungsbasis der Pflegeversicherung nicht ausreichend ist. Das ist unverständlich und gleichzeitig inakzeptabel. Ohne eine nachhaltige Verbesserung der Einnahmesituation können keine dringend notwendigen Weiterentwicklungen finanziert werden oder diese fallen eben zu Lasten der armen Betroffenen aus! Es ist an der Zeit, dass die Koalitionspartner für ihre Versäumnisse endlich die Verantwortung übernehmen und eine gute Politik gegen das aktuelle Pflegedesaster auf den Weg bringen.“


Zur Pressemitteilung: https://www.pflegekammer-rlp.de/index.php/news-lesen-130/finanzierung-der-pflegereform-muss-ueberdacht-werden.html

 

Zeige mir Aktuelles aus der Kategorie...


Sie möchten Pflegewissenschaft abonnieren?

Pflegewissenschaft ist die interntionale, peer-reviewte Fachzeitschrift für alle Berufe der Pflege. Sie möchte einen Beitrag für Wissenschaft, Forschung und Praxis des Pflegeberufes leisten sowie Praktikern konkrete Hilfen und Anregungen geben.

Bleiben Sie stets auf dem aktuellen Stand der Pflegeforschung:

Jetzt Probe lesen

 

Pflegekammer muss Thema werden in den Koalitionsverhandlungen für den Berliner Senat

BochumerBund 20201119Die aktuelle Regierungskoalition im Berliner Senat lehnte die Errichtung einer Pflegekammer ab. Begründet wird dies mit der zu erwartenden Gegenwehr aus der Berufsgruppe und der ungeklärten Finanzierung im Antrag der CDU.

Man sollte denken, dass allen politischen Richtungen im Berliner Senat klar sein sollte, dass es nicht ausreichend ist, in der drohenden Pflegekatastrophe nur an einem Rädchen zu drehen. Die Mitbestimmung der größten Berufsgruppe im Gesundheitswesen ist nicht nur elementar, um in Zukunft der Fachpflege den ihr gebührenden Raum in der Selbstverwaltung zu ermöglichen. Sie ist auch unabdingbar, um die pflegerische Versorgung der Bevölkerung qualitativ und auch quantitativ zu sichern.

Die Politik kann diese Versorgung seit Jahrzehnten nicht und immer schlechter gewährleisten. Es ist zuerst eine politische Entscheidung, diese von der Politik sträflich vernachlässigte Aufgabe an die Profession zu übertragen. Für viele andere Berufsgruppen des Gesundheitswesens ist dies selbstverständlich. Nur der Dreiklang aus Verbänden, Fachgewerkschaft und echten Pflegekammern wird die Kraft entwickeln, hieran etwas zu ändern. Das ausgerechnet eine Koalition aus SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und Die LINKE nun einen Entwurf hierzu ablehnt, lässt tief blicken. Es verdeutlicht das Ausmaß an Verstrickungen und Verbindungen, welche einen Durchbruch für die Pflegeprofession in der politischen Landschaft verhindern. Unvorstellbar scheint, dass eine konservative Partei hier inzwischen mehr Fachkompetenz und Gestaltungswillen zeigt als die Parteien, denen gerade die Sicherung der Pflege besonders am Herz liegen sollte.

Wir fordern dazu auf, in den Koalitionsverhandlungen das Thema Pflegekammer zu priorisieren.


Zur Pressemitteilung: https://www.bochumerbund.de/pressemeldungen/ablehnung-pflegekammer-in-berlin/

 

Zeige mir Aktuelles aus der Kategorie...


Sie möchten Pflegewissenschaft abonnieren?

Pflegewissenschaft ist die interntionale, peer-reviewte Fachzeitschrift für alle Berufe der Pflege. Sie möchte einen Beitrag für Wissenschaft, Forschung und Praxis des Pflegeberufes leisten sowie Praktikern konkrete Hilfen und Anregungen geben.

Bleiben Sie stets auf dem aktuellen Stand der Pflegeforschung:

Jetzt Probe lesen