Änderungsantrag der Ampelkoalition zur PPR 2.0. weckt Hoffnung – Skepsis bleibt

Deutscher PflegeratÄnderungsantrag der Ampelkoalition zur PPR 2.0. weckt Hoffnung – Skepsis bleibt

Krankenhauspflegeentlastungsgesetz

Zum Änderungsantrag der Regierungskoalition zu den Regelungen für die Personalbesetzung in der Pflege im Entwurf eines Krankenhauspflegeentlastungsgesetzes sagt Irene Maier, Vize-Präsidentin des Deutschen Pflegerats e.V. (DPR):

„Mit diesem Änderungsantrag sehen wir eine echte Chance, dass die PPR 2.0 eingeführt und tatsächlich als Startpunkt für eine langfristige Weiterentwicklung verstanden werden kann. Trotzdem bleibt auch eine Skepsis, denn es wird darauf ankommen, welches Verfahren zur Erprobung ausgewählt wird und was die Selbstverwaltungspartner vereinbaren oder was das Bundesgesundheitsministerium vorgibt, wenn diese sich nicht einigen können.

Der Deutsche Pflegerat appelliert deshalb an die Politik: Die beruflich Pflegenden in Deutschlands Krankenhäusern setzen ihre Hoffnungen darauf, dass Sie weiterhin bereit sind, Ihr Versprechen einzulösen und die PPR 2.0 einzuführen.

Der Änderungsantrag schafft ein Stück mehr Klarheit für die langfristige Entwicklung des Instrumentariums zur Personalbemessung im Pflegedienst der Krankenhäuser bei Einbezug des Intensivbereichs. Darin steckt die Chance, die PPR 2.0, wie sie gemeinsam von der Deutschen Krankenhausgesellschaft, ver.di und dem Deutschen Pflegerat entwickelt wurde, nicht nur als Übergangsinstrument, sondern als Ausgangspunkt für ein dauerhaft anzuwendendes, lernfähiges Verfahren weiterzuentwickeln.

Bestehen bleibt jedoch die grundsätzliche Kritik des Deutschen Pflegerats an den Formulierungen im Gesetzentwurf des Krankenhauspflegeentlastungsgesetzes. Die Schiebung von Regelungen in die Zukunft lassen zentrale Fragen unbeantwortet.

Es fehlt die Gewissheit darüber, welche Personalbemessung tatsächlich erprobt werden soll. Und ob überhaupt bundesweit ein Instrument per Rechtsverordnung eingeführt wird. Unklar bleibt auch, ob und wie Konsequenzen bei Nichterfüllung von Vorgaben gezogen würden. Der Gesetzgeber muss Antworten zu diesen Fragen geben.

Die vorgesehene Entwicklung einer bundesweit verbindlichen und einheitlichen Pflegepersonalbemessung für Intensiveinheiten als auch die Weiterentwicklung der Personalbemessung auf sogenannten Normalstationen darf nicht allein bei der Selbstverwaltung bzw. den Kostenträgern und Arbeitgebern liegen. Die berufliche Pflege und deren wissenschaftliche und manageriale Expertise muss eng in alle Entwicklungsschritte einbezogen werden!

Unzureichend geregelt sind der Aufbau und die Finanzierung des gesamten Entwicklungsprozesses hin zu einer bundesweit verbindlichen Personalbemessung in sämtlichen Krankenhausbereichen. Der Deutsche Pflegerat schlägt die dauerhafte Einrichtung eines Instituts für die Personalbemessung in der Pflege („InPeP“) vor, das langfristig und sicher finanziert werden muss. Das sichert die Verbesserungen und Weiterentwicklungen des Instrumentariums zur Pflegepersonalbemessung. Und damit auch die Patientensicherheit.“

Ansprechpartnerin:
Irene Maier
Vize-Präsidentin des Deutschen Pflegerats

Klimakrise ist Gesundheitskrise – DBfK schließt sich Appell der Global Climate & Health Alliance zur Weltklimakonferenz in Ägypten an

dbfk logoKlimakrise ist Gesundheitskrise – DBfK schließt sich Appell der Global Climate & Health Alliance zur Weltklimakonferenz in Ägypten an

„Die Klimakrise ist eine Gesundheitskrise“ – unter diesem Motto haben Vertreter:innen aus den Gesundheitsberufen, darunter auch Pflegefachpersonen, auf der heute zu Ende gehenden Klimakonferenz in Ägypten auf die Auswirkungen des Klimawandels aufmerksam gemacht und gewarnt: „Wenn das 1,5-Grad-Ziel stirbt, sterben unsere Patienten.“ Der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) schließt sich diesem eindringlichen Appell an.

DBfK-Präsidentin Christel Bienstein:

„Die politisch Verantwortlichen müssen entschiedener handeln, aber auch wir alle als Einzelpersonen müssen Verantwortung für den Schutz unserer Lebensgrundlagen übernehmen. Wir als DBfK ermutigen alle Kolleg:innen, ihr pflegerisches Handeln so klimasensibel und nachhaltig wie möglich auszurichten. Damit das gelingen kann, gibt ein neues Video von Auszubildenden der Pflegeberufe Anregungen für den Pflegealltag. Viele weitere Ideen hat unsere AG Nachhaltigkeit in der Pflege im DBfK, zu der wir interessierte Pflegefachpersonen herzlich einladen. Machen Sie sich bewusst: Wir alle können etwas tun. Wenn viele etwas tun, können wir auch viel bewirken.“


Video von beruflich Pflegenden

AG Nachhaltigkeit in der Pflege im DBfK

Deutscher Pflegerat: Studie zeigt Drama um die beruflich Pflegenden – Drei Viertel des Pflegepersonals mit Burnout

medicine, healthcare and pandemic concept - sad young female doctor or nurse wearing face protective mask for protection from virus disease sitting on floor and holding to headDeutscher Pflegerat: Studie zeigt Drama um die beruflich Pflegenden – Drei Viertel des Pflegepersonals mit Burnout

Studie Covid-Heim

Die am 16. November 2022 veröffentlichten Ergebnisse der Studie „Covid-Heim: Lehren aus der Corona-Pandemie für Strukturentwicklungen im Versorgungssetting Pflegeheim“ kommentiert Irene Maier, Vize-Präsidentin des Deutschen Pflegerats e.V. (DPR):

„Die Ergebnisse für die beruflich Pflegenden in der stationären Langzeitpflege sind dramatisch und erschreckend. Drei Viertel des befragten Pflegepersonals weist laut der Covid-Heim-Studie einen arbeitsbezogenen Burnout auf. Etwa sechs von zehn Pflegekräften litten während der ersten Infektionswelle unter klinisch relevanten Depressions-, Angst und oder Stresssymptomen. Neun von zehn Pflegekräfte bestätigen gestiegene Arbeitsanforderungen wie auch die negativen Folgen der Schutzmaßnahmen bei Bewohner*innen.

Angesichts dessen muss gehandelt werden. Die Arbeitsbedingungen in allen Settings der Pflege müssen für die beruflich Pflegenden verbessert werden. Wie viele weitere wissenschaftliche Studien, weitere Expertenkommissionen und runde Tische brauchen wir über die jetzige Covid-Heim-Studie hinaus noch, um erneut zu bewerten, wie schlecht es um die Arbeitsbedingungen in der beruflichen Pflege steht? Die nun vorliegenden Ergebnisse zeigen die Situation deutlich! Auch genügt bereits ein Blick in die Praxis, um zu sehen, dass vor allem mehr Kolleginnen und Kollegen in der Pflege nötig sind.

Die Politik muss umgehend klarere und wirksamere Vorgaben für bessere Arbeitsbedingungen setzen. Bewertungsmaßstab muss dabei sein, ob die Maßnahme den beruflich Pflegenden hilft, gesund im Beruf zu bleiben, und ob sie damit zur Patienten- und Bewohnersicherheit beiträgt. Das muss auch den Leistungserbringern und insbesondere den Sozialhilfeträgern sowie den Kassen bewusst sein.“

Der Deutsche Pflegerat warnt gleichzeitig davor, die gestiegenen Arbeitsbelastungen rein auf die Corona-Pandemie zu schieben. „Eine Entlastung der beruflich Pflegenden nach der Pandemie wird es nicht geben, da bereits vor der Pandemie die Personallage in der Pflege prekär war. Jetzt muss gehandelt werden. Ein Zurück in die alten Muster kann es nicht mehr geben. Denn die Pflegepersonallücke wird in den nächsten Jahren größer anstatt kleiner.“

Weitere Informationen:
GKV-Spitzenverband. Covid-Heim – Lehren aus der Corona-Pandemie für Strukturentwicklungen im Versorgungssetting Pflegeheim

Ansprechpartnerin:
Irene Maier
Vize-Präsidentin des Deutschen Pflegerats


Foto: Adobe Stock, Syda Productions