Der International Council of Nurses (ICN) hat im Rahmen des diesjährigen ICN-Kongresses in Helsinki aktualisierte Definitionen der Begriffe „Pflege“ und „Pflegefachperson“ vorgestellt. Damit reagiert die Organisation auf die sich wandelnden Anforderungen an den Pflegeberuf weltweit. Die neuen Definitionen sollen den vielfältigen Aufgabenbereich von Pflegefachpersonen widerspiegeln und zur internationalen Verständigung beitragen.

Die bisherigen Definitionen, zuletzt überarbeitet im Jahr 2002, konnten mit der dynamischen Entwicklung des Gesundheitswesens – etwa durch technologische Innovationen, zunehmende Komplexität der Versorgung und globale Gesundheitskrisen – nicht mehr Schritt halten. Der ICN initiierte daher einen breit angelegten Entwicklungsprozess, in den Pflegefachpersonen, Bildungseinrichtungen, Regulierungsbehörden und internationale Organisationen einbezogen wurden.

Pflege als eigenständige Profession mit breitem Wirkungsspektrum

Die neue Definition beschreibt Pflege als eigenständige, wissenschaftlich fundierte und ethisch orientierte Profession. Sie umfasst sowohl individuelle als auch bevölkerungsbezogene Versorgung, die Förderung von Gesundheit, Prävention, Begleitung in Krisensituationen und am Lebensende sowie die Mitgestaltung von Versorgungssystemen. Pflege wird als interdisziplinäre und kulturell sensible Tätigkeit verstanden, die sich an sozialen Gerechtigkeitsprinzipien orientiert.

Pflegefachpersonen als unverzichtbare Akteure im Gesundheitssystem

In der Definition der Pflegefachperson wird deren zentrale Rolle im Gesundheitswesen hervorgehoben: Pflegefachpersonen arbeiten auf der Grundlage wissenschaftlicher Erkenntnisse und ethischer Leitlinien, übernehmen Verantwortung in der direkten Versorgung ebenso wie in der Führung, Bildung, Forschung und Politikgestaltung. Dabei handeln sie sowohl eigenständig als auch im Team mit anderen Gesundheitsberufen und tragen wesentlich zur Patientensicherheit und Versorgungsqualität bei.

Die Definition betont auch, dass Pflegefachpersonen Menschen in allen Lebensphasen begleiten, vertrauensvolle Beziehungen aufbauen und durch kontinuierliche Weiterbildung und Innovation zur Weiterentwicklung der Pflege beitragen.

Orientierung für Bildung, Regulierung und politische Entscheidungsfindung

Die neuen Definitionen sollen weltweit als Referenz dienen – in der Ausbildung, in gesetzlichen Regelungen, bei der Arbeitsmarktplanung sowie in gesundheitspolitischen Diskussionen. Sie schaffen eine gemeinsame Sprache für die Profession und sollen die internationale Zusammenarbeit sowie die Anerkennung der Pflege stärken.

Der ICN versteht die neuen Begriffsbestimmungen als zukunftsweisenden Schritt, um die Bedeutung der Pflegeberufe weltweit sichtbar zu machen und ihre Position im Gesundheitssystem weiter zu stärken.

Der vollständige Bericht mit den Definitionen, Erläuterungen und Empfehlungen steht auf der Website des ICN zum Download zur Verfügung.


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Zum bundesweiten Hitzeaktionstag am 4. Juni 2025 sprechen sich der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK), die Pflegekammer Nordrhein-Westfalen, der Deutsche Pflegerat (DPR) sowie zahlreiche weitere Organisationen für eine gezielte und nachhaltige Stärkung des Hitzeschutzes in Deutschland aus. Pflegefachpersonen nehmen dabei eine Schlüsselrolle ein – bislang jedoch ohne eine flächendeckende, strukturierte Einbindung in bestehende Hitzeschutzstrategien. 

„Pflege ist vor Ort, nah an den Menschen – und damit oft die erste Instanz, die Hitzebelastungen erkennt, Risiken einschätzt und Schutzmaßnahmen ergreift“, erläutert DBfK-Präsidentin Vera Lux. „Gerade für vulnerable Gruppen wie ältere Menschen, chronisch Erkrankte oder Menschen mit Behinderungen sind Pflegefachpersonen oft die wichtigsten Ansprechpartner:innen“, so Lux. „Trotzdem fehlt es an klaren Strukturen, Kompetenzen und Ressourcen“, kritisiert Kevin Galuszka, Mitglied im Vorstand der Pflegekammer Nordrhein-Westfalen. „Die professionelle Pflege muss endlich als zentrale Akteurin im Hitzeschutz verstanden und politisch gestärkt werden.“

Ausbildung, Befugnisse, Beteiligung: Pflege braucht Handlungsspielräume

Die beteiligten Verbände sprechen sich dafür aus, Hitzeschutz sowie klimabezogene Gesundheitskompetenz verbindlich in die Aus-, Fort- und Weiterbildung aller Pflegeberufe zu integrieren. Pflegefachpersonen sollen nicht nur auf akute Hitzeereignisse reagieren können, sondern auch in der Lage sein, präventiv tätig zu werden, Aufklärungsarbeit zu leisten und aktiv an der Entwicklung und Umsetzung von Schutzmaßnahmen mitzuwirken. Dafür seien erweiterte Rollenprofile und Kompetenzen notwendig – etwa nach dem Vorbild der Community Health Nurse, die vulnerable Bevölkerungsgruppen gezielt betreut und den Hitzeschutz in den Lebenswelten der Menschen verankert, so die zentrale Forderung der Verbände.

„Darüber hinaus müssen Pflegende verbindlich in die Katastrophenschutzstrukturen der Länder eingebunden werden“, fordert Jana Luntz vom Deutschen Pflegerat (DPR). „Eine bundesweit einheitliche Registrierung von Pflegefachpersonen für den Katastrophenfall – auch mit Blick auf künftige Extremwettereignisse und hitzebedingte Gesundheitskrisen – ist dringend geboten.“

Pflege braucht Schutz – auch für sich selbst

Nicht nur Patient:innen sind von Hitzegefahren betroffen – auch Pflegende selbst. Der körperlich anspruchsvolle Pflegeberuf wird durch zunehmende Hitzewellen zusätzlich belastet. Um die Gesundheit der professionell Pflegenden zu schützen, sind daher umfassende Schutzkonzepte für alle Arbeitsbereiche erforderlich – von Kliniken über die Langzeitpflege bis hin zur ambulanten Versorgung. Investitionen in bauliche Maßnahmen wie Klimatisierung, Verschattung und Belüftung dürfen nicht länger aufgeschoben werden. Aus diesem Grund fordern die Verbände eine gezielte staatliche Förderung, die Sanierungen und die Ausstattung flächendeckend ermöglicht.

Daher seien unter anderem die gesetzliche Verankerung kommunaler Hitzeaktionspläne, sektorenübergreifende Strategien, Investitionen in klimafeste Infrastrukturen und eine stärkere Einbindung des Gesundheits-, Pflege- und Sozialwesens erforderlich. „Denn Hitze trifft nicht alle gleich – sie verschärft bestehende Benachteiligungen“, erläutert Lux. „Wer gesundheitliche Chancengleichheit will, muss den Hitzeschutz sozial gerecht gestalten. Pflegefachpersonen spielen dabei eine Schlüsselrolle – vorausgesetzt, sie sind eingebunden und befugt zu handeln.“

DBfK, Pflegekammer NRW und DPR laden am 5. Juni um 18:00 Uhr zum gemeinsamen Fachgespräch „Wenn’s heiß wird – wie Pflege und Kommunen sich beim Hitzeschutz gegenseitig unterstütze können“ ein. 

Jetzt noch kostenlos anmeldenhttps://us02web.zoom.us/meeting/register/T1oAcIW2Q0-00OhInhZ3JQ


Zur Pressemitteilung: https://www.dbfk.de/de/newsroom/pressemitteilungen/meldungen/2025/DBfK-Pflegekammer-NRW-und-DPR-zum-Hitzeaktionstag.php

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Der Deutsche Pflegerat (DPR) begrüßt die Diskussion um Reformen in der ambulanten Versorgung. Er warnt jedoch davor, einseitige Konzepte wie das geplante Primärarztsystem zum Maßstab zu machen.

„Ja, wir brauchen bessere Strukturen in der ambulanten Versorgung. Aber wir brauchen sie gemeinsam, nicht arztzentriert, sondern multiprofessionell.  Wir brauchen eine Primärversorgung, in der Gesundheitsfachberufe gleichberechtigt zusammenarbeiten, statt eines Primärarztsystems", sagt Christine Vogler, Präsidentin des Deutschen Pflegerats.

„Gute Versorgung gelingt dort am besten, wo Gesundheitsberufe gemeinsam Verantwortung übernehmen, ihre jeweiligen Kompetenzen einbringen und auf Augenhöhe zusammenwirken. Genau dafür steht die Profession Pflege: kompetent, konstruktiv, lösungsorientiert und mit dem klaren Blick auf die Bedürfnisse der Menschen.

Die Überlastung vieler Hausarztpraxen ist längst gelebter Alltag. Umso bedeutsamer ist der Beitrag, den Pflegefachpersonen täglich leisten: Mit ihrer fachlichen Expertise begleiten sie Patientinnen und Patienten sowie Pflegebedürftige und ihre An- und Zugehörigen – in der Prävention, der Gesundheitsberatung, bei chronischen Erkrankungen sowie in der Koordination komplexer Versorgungsprozesse. 

Die Pflegeberufe sind bereit, mehr Verantwortung in der gesundheitlichen Versorgung zu übernehmen. Im Fokus steht dabei eine bessere Versorgung der Patientinnen und Patienten – nicht jedoch der Ausbau neuer bürokratischer Hürden oder das Festhalten an überholten Steuerungsmechanismen. Ein wichtiger Schritt wäre die rechtliche Grundlage für die eigenverantwortliche und selbstständige Ausübung heilkundlicher Tätigkeiten durch Pflege- und Therapieberufe – entsprechend ihrer Qualifikationen und Kompetenzen. Die Umsetzung eines Pflegekompetenzgesetzes könnte hierfür die notwendige Grundlage schaffen.

Es sind die einfachen Ideen, die den Unterschied machen: klare Rollenverteilung und Zuständigkeiten, verlässliche Zusammenarbeit, geteilte Verantwortung.

Patienten und Pflegebedürftige mit ihren An- und Zugehörigen sollten sich nicht in einer Steuerung verlieren. Die Primärversorgung macht das Gesundheitssystem zukunftsfähig. Sie bindet ein, was bereits vorhanden ist und nutzt die Ressourcen gezielter. Eine verlässliche, multiprofessionelle Primärversorgung, die am Patienten und Pflegebedürftigen orientiert ist, anstatt am System, ist eine Chance für alle Beteiligten. Dies vor allem für die Menschen, die auf gute Versorgung angewiesen sind", sagt Vogler.

Grundprinzipien der Primärversorgung

Die vier Grundprinzipien einer modernen, zukunftsfähigen Primärversorgung sind:

  1. Eine klare Rollenverteilung und Zuständigkeiten aller Gesundheitsberufe, die die jeweiligen beruflichen Kompetenzen anerkennt und nutzt,
  2. die eigenverantwortliche und selbstständige Ausübung heilkundlicher Aufgaben durch Pflege- und Therapieberufe im Rahmen ihrer Qualifikation,
  3. eine verlässliche, multiprofessionelle Zusammenarbeit aller Gesundheitsberufe,
  4. die Orientierung an Patienten und Pflegebedürftigen statt an einer systemzentrierten Versorgung

Zur Pressemitteilung: https://deutscher-pflegerat.de/profession-staerken/pressemitteilungen/primaerversorgung-gemeinsam-gestalten-anstatt-kompliziert-allein-zu-steuern

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