Pflegewissenschaft · Artikel

Solidarität und Sozialität gegen Kontrolle und Aufrüstung. Kriegsanalogien in der Corona-Pandemie verstellen den Blick auf relevante Diskurse um Verletzlichkeit, Gerechtigkeit und Fürsorge in und durch die Pflege.

Bliemetsrieder, prof. Dr. S.; Fischer, Prof. Dr. G.

Pflegewissenschaft, Hungen · 2020 · Heft 5 · S. 21 bis · DOI 10.3936/docid196779

Abstract

„We re at war with COVID-19, we re at war with terrorists, and we are at war with the drug cartels... We re the United States military and we will defend our country.“ (General Mark Milley, Chairman of the Joint Chiefs) Dieses Zitat des Generalstabschefs schickte das Weiße Haus am 2.4.2020 über Twitter und brachte damit einmal mehr eine Rhetorik zum Ausdruck, die sich Regierungen in der aktuellen Pandemie-Situation zu Eigen gemacht haben. Der Versuch, die Pandemie zu kontrollieren, Gesundheit zu schützen und Leben zu retten wird immer wieder mit Kriegsmetaphern untermalt. Diese Kriegsmetaphern sollen offensichtlich eine Wehrhaftigkeit zum Ausdruck bringen, die angesichts der Unsichtbarkeit und der potentiellen Allgegenwart des Virus nicht so einfach herstellbar ist. Trump bezeichnet sich mittlerweile selbst als „president of war“, greift auf Kriegsgesetzgebung zurück, mit der er General Motors dazu zwingt, Beatmungsgeräte zu produzieren, schickt riesige Lazarettschiffe zur Unterstützung nach San Diego und New York und lässt Reservist*innen einziehen, die Feldlazarette aufbauen. Begleitet sind diese Maßnahmen von Bildern, die Macht inszenieren und demonstrieren sollen. Die Entsendung des Lazarettschiffes wird nicht am Rednerpult des Weißen Hauses verkündet, sondern direkt vom Hafen, wo Soldaten in Kampfanzügen verhältnismäßig klein vor dem riesig anmutenden Lazarett-Schiff stehen, mit einem entsprechend riesigen roten Kreuz versehen und salutieren. Der Betrachterin wird vermittelt: Ja, es ist Krieg. Und der oben zitierte Tweet macht deutlich, dieser Krieg richtet sich nicht nur gegen den Virus, sondern die aktuelle Situation wird als eine grundleg

Zusammenfassung

Die Corona-Pandemie hat zu einer vermehrten Verwendung von Kriegsmetaphern in Regierungsreden geführt. Diese Metaphern sollen Stärke und Wehrhaftigkeit demonstrieren, haben jedoch auch politische Auswirkungen wie die Mobilisierung der Armee. Die aktuelle Situation betont die Verletzlichkeit und die Notwendigkeit von Solidarität und Fürsorge, insbesondere im Gesundheits- und Der Text beschäftigt sich mit ethischen Fragen im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie. Es wird diskutiert, wie die Pflege von verletzlichen und infizierten Menschen ethisch bewältigt werden kann und welche Verantwortung dabei besteht. Es wird betont, dass eine globale Solidarität und ein fürsorglicher Umgang mit dem Anderen notwendig sind, um die Krise zu bewältigen. Es wird auch auf die

Schlagwörter

CORONA; COVID-19; LEBEN; ETHIK; GESUNDHEIT; PFLEGE; ANERKENNUNG; STERBEN;