Pflegewissenschaft · Artikel

„Selbstbestimmung“ im Kontext von Hilfeund Pflegebedürftigkeit – Zum Begriff einer Fiktion

Lakshmi Kotsch, Ronald Hitzler

Pflegewissenschaft, Hungen · 2011 · Heft 2 · S. 1 bis 1 · DOI 10.3936/1066

Abstract

Der Begriff „Selbstbestimmung“ wird in unserem unmittelbaren und mittelbaren alltäglichen Miteinander – seiner relativen Vagheit ungeachtet – ebenso häufig wie selbstverständlich verwendet. Dies weist darauf hin, dass es sich dabei um eine Konsensfiktion handelt, d. h. um eine zunächst einmal fiktive Übereinstimmung darin, was seine genauere Bedeutung ‚tatsächlich‘ ausmacht. Auch im Kontext von Hilfeund Pflegebedürftigkeit wird der Begriff zunehmend häufig und zugleich uneindeutig verwendet. Besonders in der professionellen Pflege jedoch wird Selbstbestimmtheit von Klienten zu einer praktischen Problemstellung der Interaktionen zwischen Hilfeempfangenden und Hilfeleistenden. Denn pflegebedürftige Personen sind auf die Unterstützung der jeweiligen Helfer angewiesen, um ihr – in verschiedenen juristisch relevanten Dokumenten deklariertes – Recht auf Selbstbestimmung so weitgehend wie möglich verwirklichen zu können. Um zu einem gegenstandsangemessenen Begriff von Selbstbestimmung im Kontext von Hilfeund Pflegebedürftigkeit zu gelangen, müssen deshalb Interaktionen, die (zumindest auch) der Selbstbestimmtheit des Klienten dienen, in den Fokus des forschenden Interesses rücken. Im Anschluss an ein von uns bereits durchgeführtes Projekt zur interaktiven Praxis zwischen körperbehinderten Menschen und ihren Helfern im Rahmen des „Assistenzmodells“ beabsichtigen wir nun, die (versuchte) Umsetzung des Rechtes auf Selbstbestimmung kognitiv beeinträchtigter Personen zu rekonstruieren. Zu diesem Zweck werden wir uns exemplarisch Interaktionen zwischen demenzkranken Menschen und (ihren) professionellen Pflegekräften zuwenden. In diesem Artikel problematisieren wir den Gebrauch des Selbstbestimmungsbegriffs im Kontext von Hilfeund Pflegebedürftigkeit.

Zusammenfassung

Der Artikel von Lakshmi Kotsch und Ronald Hitzler thematisiert den Begriff der „Selbstbestimmung“ im Kontext von Hilfe- und Pflegebedürftigkeit. Er wird häufig und oft uneindeutig verwendet, was auf eine „Konsensfiktion“ hinweist, also eine fiktive Übereinstimmung über seine Bedeutung. In der professionellen Pflege stellt die Selbstbestimmung der Klienten eine Herausforderung dar, da pflegebedürftige Personen auf die Unterstützung von Helfern angewiesen sind, um ihr Recht auf Selbstbestimmung zu verwirklichen. Der Artikel fordert, die Interaktionen zwischen Pflegekräften und Klienten,

Schlagwörter

PFLEGE; INTERAKTION; RECHT; LEBEN; SOZIOLOGIE; DEMENZ; HILFE; KOMMUNIKATION; STUDIE;