Arzneimitteltherapiesicherheit in Einrichtungen der stationären Langzeitpflege – Erste Ergebnisse der MADRIC-Studie
Prof. Dr. Karin Wolf-Ostermann, Annika Schmidt, Dr. Johannes Gräske
Pflegewissenschaft, Hungen · 2016 · Heft 1 · S. 1 bis 1 · DOI 10.3936/1356
Abstract
Ältere Menschen sind häufig von Multimorbidität und Polypharmazie und daraus resultierenden arzneimittelbezogenen Problemen (ABP) betroffen. Im Rahmen der MADRIC-Studie wurde erforscht, wie häufig ABP in stationären Langzeitpflegeeinrichtungen zu verzeichnen sind, wie diese sich auf die gesundheitsbezogene Lebensqualität auswirken und ob sich durch die Verwendung eines IT-basierten Monitoring Systems zur Vermeidung von ABP mittelund langfristig pflegerische Versorgungsoutcomes in der stationären Langzeitpflege verbessern lassen. Vorliegend sollen Ergebnisse zu den beiden ersten Zielstellungen berichtet werden. In der Baseline-Erhebung einer kontrollierten Längsschnittstudie (2012-2016) wurden in Berliner Einrichtungen der stationären Langzeitpflege bewohnerbezogene Daten zu Versorgungsoutcomes (Lebensqualität; kognitive Fähigkeiten; Alltagsfähigkeiten; Depressionen), zu Diagnosen, Medikamenten sowie damit verbundenen ABP erfasst und analysiert. Die Datenerhebung erfolgte durch geschulte Raterinnen als Fremdeinschätzung anhand standardisierter Instrumente durch jeweilige Pflegefachkräfte oder aus Dokumentationen der ärztlichen und pflegerischen Versorgung. Es konnten 133 Studienteilnehmer/innen (44, 4 % weiblich; 63, 4 Jahre) aus zwei Einrichtungen der stationären Langzeitpflege („Berliner Projekt“) in die Studie eingeschlossen werden. Die kognitiven und die Alltagsfähigkeiten der Teilnehmer/innen sind mittelgradig eingeschränkt, die berichtete Lebensqualität ist überwiegend im oberen Bereich. Die Bewohner/innen weisen durchschnittlich 12, 2 Diagnosen auf und nehmen täglich 8, 0 Medikamente ein. Durchschnittlich werden 11, 3 Warnungen zu ABP pro Bewohner/in generiert. ABP beeinflussen die gesundheitsbezogene Lebensqualität (SF-36) in den Subskalen „körperlicher Schmerz“ und „allgemeine Gesundheitswahrnehmung“ negativ. Polypharmazie und daraus resultierende ABP sind ein relevantes Thema in der stationären pflegerischen Langzeitversorgung. Hier sind dringend Verbesserungen in Forschung und Praxis anzumahnen.
Zusammenfassung
Die MADRIC-Studie untersucht die Häufigkeit arzneimittelbezogener Probleme (ABP) bei älteren Menschen in stationären Langzeitpflegeeinrichtungen und deren Auswirkungen auf die Lebensqualität. In einer Baseline-Erhebung (2012-2016) wurden 133 Bewohner in Berliner Pflegeeinrichtungen analysiert. Die Ergebnisse zeigen, dass die Teilnehmer durchschnittlich 12,2 Diagnosen und 8,0 Medikamente täglich einnehmen, wobei 11,3 Warnungen zu ABP pro Bewohner generiert werden. ABP beeinträchtigen insbesondere die Lebensqualität in den Bereichen „körperlicher Schmerz“ und „allgemeine
Schlagwörter
STUDIE; LANGZEITPFLEGE; DEPRESSION; PROJEKT; ALTER; BERLIN; DOKUMENTATION; TEST; USA;
