Pflegewissenschaft · Artikel

Das Pflegeheim – ein Ort für familienähnliche Strukturen und zur Substitution brüchiger familiärer Bindungen? Kritische Betrachtung einer konzeptionellen Idee im aktuellen Mainstream

Janka Höld, Noemie Friedrich

Pflegewissenschaft, Hungen · 2019 · Heft 3 · S. 1 bis 1 · DOI 10.3936/1590

Abstract

Während die Betonung familienähnlicher Strukturen die stationäre Altenpflege in den letzten Jahren sukzessiv verändert, sind diese für einen Teil der Pflegenden bereits elementarer Bestandteil ihres (beruflichen) Selbstverständnisses. In einer Sekundäranalyse von 75 qualitativen Interviews zeichnete sich ab, dass Altenpflegende bei einer starken emotionalen Verbundenheit zum Arbeitsplatz bei seiner Beschreibung häufig auf das Bild und die Logik des Zuhauses oder der Familie zurückgreifen. Im vorliegenden Beitrag werden dieses Phänomen und die damit verbundenen Chancen erörtert, die Gefahren, die es birgt, kritisch betrachtet und seine Bedeutung für die gesellschaftliche Anerkennung der Pflege eruiert.

Zusammenfassung

Der Artikel untersucht die Idee, Pflegeheime als Orte mit familienähnlichen Strukturen zu gestalten, um brüchige familiäre Bindungen zu ersetzen. Eine Sekundäranalyse von 75 Interviews zeigt, dass viele Altenpflegende eine starke emotionale Bindung zu ihrem Arbeitsplatz empfinden und diesen oft mit dem Bild von Zuhause oder Familie vergleichen. Diese Entwicklung reflektiert einen Paradigmenwechsel in der Altenpflege, der eine De-Institutionalisierung anstrebt, um den Bewohnern ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen. Dennoch birgt die enge Identifikation mit dem Arbeitsplatz Risiken, wie

Schlagwörter

FAMILIE; INSTITUTION; PFLEGE; LEBEN; PFLEGEHEIM; VERGLEICH; ANERKENNUNG; ARBEITSPLATZ; ALTENPFLEGE; AINS;