Die Implementierung der familienzentrierten Pflege in den Gesundheitssprengeln des Südtiroler Sanitätsbetriebes
Rottensteiner, S. ; Cavada, M-L. ; Preusse-Bleuler, B. ; Fink, I. ; Siller, M.
Pflegewissenschaft · 2026 · Heft 1 · S. 61 bis 68 · DOI 10.3936/52kykq88
Abstract
Die Umsetzung der familienzentrierten Pflege, die sich an den tatsächlichen Bedürfnissen der Person und ihrer Familie orientiert, stellt eine wirksame Strategie zur Verbesserung der Pflegequalität dar. Der Südtiroler Sanitätsbetrieb hat im Jahr 2017 mit der Implementierung der familienzentrierten Pflege in den Gesundheitssprengeln begonnen. Die Implementierungsstrategie dauert 2 Jahre und sieht eine Schulung für die in der häuslichen Pflege tätigen Krankenpfleger und ein Coaching im Praxisalltag vor. Die theoretischen Inhalte bauen auf das Family Systems und Health Nursing auf und umfassen das Calgary Family Assessment and Intervention Model. Im Rahmen des Implementierungsprozesses wird die Grundhaltung der Krankenpfleger in der Zusammenarbeit mit den Familien anhand des Fragebogen Families’ Importance in Nursing Care-Nurses’ Attitudes (FINC-NA) erhoben.
Zusammenfassung
Die Implementierung der familienzentrierten Pflege (FzP) im Südtiroler Sanitätsbetrieb begann 2017 und zielt darauf ab, die Pflegequalität durch die Einbeziehung von Familien in den Pflegeprozess zu verbessern. Die Strategie umfasst eine zweijährige Schulung und Coaching für Pflegekräfte, die auf dem Calgary Family Assessment and Intervention Model basiert. Die Schulung, die über sechs Tage verteilt ist, vermittelt den Pflegekräften theoretische Grundlagen und praktische Fähigkeiten zur Durchführung familienzentrierter Gespräche. Ein zentraler Bestandteil ist das Coaching, bei dem erfahrene Pflegekräfte als Trainer fungieren, um die Umsetzung im Praxisalltag zu unterstützen.
Die Schulung fördert eine positive Einstellung der Pflegekräfte gegenüber Familien, was die Kommunikation und Zusammenarbeit verbessert. Die Implementierung wird durch regelmäßige Reflexionen und Fallbesprechungen mittels der Reflecting Team Methode begleitet, die den Austausch von Perspektiven und Lösungen innerhalb des Teams ermöglicht. Die ersten Ergebnisse zeigen, dass die Pflegekräfte sich zunehmend als Ressource für Familien sehen und deren Kompetenzen anerkennen. Der Ansatz fördert nicht nur die Lebensqualität der Patienten und ihrer Angehörigen, sondern auch die berufliche Zufriedenheit der Pflegekräfte. Die Ausweitung des Konzepts auf weitere Gesundheitssprengel ist in Planung, um eine einheitliche Umsetzung zu gewährleisten.
Schlagwörter
familienzentrierte Pflege, Gesundheitssprengel, Implementierung, Schulung, Coaching, Calgary Modell, Pflegequalität, Selbstfürsorge, Angehörige, Gesundheitsberufe, Familieninterventionen, Pflegewissenschaft
