Pflegewissenschaft · Artikel

Der Auftrag von Community Nurses in Österreich . Qualitative Studie zur Perspektive der Berufsangehörigen

Traugott, N. ; Feichtinger, C. ; Prof. Dr. Pleschberger, S.

Pflegewissenschaft · 2026 · Heft 2 · S. 45 bis 55 · DOI 10.3936/wfq19b82

Abstract

Das Pilotprojekt Community Nursing wurde in den Jahren 2020 bis 2024 in Österreich umgesetzt. Dies stellte für die professionelle Pflege ein neues Berufsfeld dar. Ziel der Studie ist es, ein Verständnis für den Aufgabenbereich, die Rollen und Funktionen von Community Nurses (CN) in Österreich aus Sicht der Berufsgruppe zu erhalten, insbesondere in Bezug auf die Zielgruppen. Es wurden vier Fokusgruppendiskussionen mit 16 CN aus drei Bundesländern geführt. Die Auswertung erfolgte anhand einer qualitativen Inhaltsanalyse. Die Ergebnisse zeigten, dass CN sich durch ihre Kompetenz als Berater*innen und Systemlots*innen für ihre Zielgruppe verantwortlich fühlen. Wichtige Eckpunkte ihrer Tätigkeit waren die regionale Zugehörigkeit und Unterstützung marginalisierter Gruppen. Ebenso zeigte sich in manchen Bereichen eine Unterscheidung zu anderen Berufsgruppen und pflegerischen Angeboten.

Zusammenfassung

Die qualitative Studie untersucht den Auftrag von Community Nurses (CN) in Österreich aus Sicht der Berufsangehörigen während des Pilotprojekts 2020–2024. In vier Fokusgruppen mit 16 CN aus drei Bundesländern wurde deutlich, dass sich CN vor allem als Berater*innen, Koordinator*innen und Systemlots*innen verstehen. Ihr Auftrag beginnt aus ihrer Sicht dort, wo ein drohender oder bestehender Pflegebedarf sichtbar wird, und umfasst Information, Prävention, Beziehungsarbeit sowie die Vermittlung passender Angebote. Besonders wichtig sind für sie regelmäßige Hausbesuche, Vertrauen und ein langfristiger, regional verankerter Zugang.

Als zentrale Zielgruppen benennen die CN pflegebedürftige Menschen, pflegende An- und Zugehörige sowie marginalisierte Gruppen mit eingeschränktem Zugang zu Gesundheits- und Sozialleistungen. Sie sehen ihre Aufgabe auch in der Unterstützung bei der Orientierung im komplexen Gesundheits- und Sozialsystem und in der Stärkung von Gesundheitskompetenz. Gleichzeitig grenzen sie sich von anderen Berufsgruppen ab: Im Unterschied zur Hauskrankenpflege stehen bei ihnen keine unmittelbaren körpernahen Pflegetätigkeiten im Vordergrund, sondern Beratung, Koordination und Vermittlung. Im Vergleich zur Sozialarbeit sehen sie Zuständigkeit vor allem bei pflegebezogenen und organisatorischen Fragen, während sie bei sozialen Krisen und finanziellen Problemlagen teils Grenzen ihres eigenen Kompetenzbereichs wahrnehmen. Die Studie zeigt damit ein Berufsbild zwischen regionaler Nähe, Advocacy und interdisziplinärer Zusammenarbeit.

Schlagwörter

STUDIE; PFLEGE; BETREUUNG; GESUNDHEIT; AUSBILDUNG; ZIEL; GEMEINDE; VERNETZUNG; ZEIT;