Herausforderungen und Chancen bei Therapieentscheidungen für Patienten mit akuter myeloischer Leukämie (AML) Ein narrativer Review
Leinemann, V. ; Marqueses, D.
Pflegewissenschaft · 2026 · Heft 2 · S. 67 bis 76 · DOI jve2bb33
Abstract
Weltweit steigen Krebserkrankungen stetig an, mit einer prognostizierten Zunahme von fast 50% bis 2040. AML ist eine der Krebsarten, die besonders schnelles Handeln und sofortige Therapieentscheidungen erfordert. Das Ziel dieses narrativen Reviews bestand darin, den Entscheidungsprozess der Therapieauswahl für Patient*innen zu beleuchten. Es wurde eine systematische Literaturrecherche in den Datenbanken Pubmed, CINAHL, LIVIVO, Cochrane Library und Web of Science durchgeführt. Bei der Datensynthese wurden die Hauptkategorien Diagnose-Schock, Wünsche und Sorgen der Patient*innen, Kommunikation und Entscheidungshilfen gebildet. Die Diagnose AML stellt für Patient*innen häufig einen Schock dar. Patient*innen fühlen sich von der Komplexität der Informationen überfordert. Es besteht ein deutlicher Bedarf an klarer Kommunikation und effektiven Entscheidungshilfen. Die Kommunikation zwischen Mediziner*innen und Patient*innen ist oft unzureichend. Entscheidungshilfen zeigten eine Verbesserung des Verständnisses und der Zufriedenheit der Patient*innen mit dem Entscheidungsprozess.
Zusammenfassung
Der narrative Review untersucht, wie Therapieentscheidungen bei Patient*innen mit akuter myeloischer Leukämie (AML) zustande kommen und welche Hürden und Unterstützungsbedarfe dabei bestehen. Grundlage war eine systematische Literaturrecherche in mehreren Datenbanken; in die Synthese gingen Studien ein, die vier Hauptthemen ergaben: Diagnose-Schock, Wünsche und Sorgen der Patient*innen, Kommunikation sowie Entscheidungshilfen. Die Diagnose AML wird von Betroffenen meist als existenzieller Schock erlebt. Gleichzeitig ist wegen des raschen Krankheitsverlaufs ein schneller Therapiebeginn notwendig, obwohl Patient*innen emotional oft noch nicht entscheidungsfähig sind und medizinische Informationen als komplex und überfordernd erleben. Viele empfinden die Auswahl zwischen intensiver und weniger intensiver Behandlung als Wahl zwischen zwei unbefriedigenden Optionen. Zentrale Sorgen betreffen Tod, Nebenwirkungen, Langzeitfolgen, Abhängigkeit von Angehörigen, Lebensqualität und finanzielle Belastung. Häufig wünschen sich Patient*innen klare, offene und verständliche Kommunikation, fühlen sich jedoch nicht ausreichend informiert oder in Entscheidungen einbezogen. Der Review zeigt außerdem, dass Entscheidungshilfen das Wissen, das Verständnis und die Zufriedenheit mit dem Entscheidungsprozess verbessern können. Insgesamt wird deutlich, dass shared decision-making bei AML nur gelingt, wenn Kommunikation, Informationsvermittlung und Unterstützung frühzeitig und patient*innenorientiert erfolgen.
Schlagwörter
Ärzte, Checkliste, American Cancer Society, Datenbanken, Leukämie, Transplantation, Broschüren, Diagnosis, Angehörige, AIDS, Data Visualization, Data Analysis, Datensammlung, Association, Beurteilung, Australien, Physicians, Angst
