Die Wirksamkeit von Achtsamkeitstraining zur Burnout-Prävention bei Pflegekräften
Prof. Dr. Morgenstern, U. ; Voß, S.
Pflegewissenschaft · 2026 · Heft 2 · S. 77 bis 86 · DOI 10.3936/z2k5yh55
Abstract
Pflegekräfte sind aufgrund hoher emotionaler und körperlicher Anforderungen in besonderem Maße von Burnout betroffen. Die zunehmende Prävalenz von Burnout in diesem Berufsfeld unterstreicht die Dringlichkeit präventiver Maßnahmen. Achtsamkeitstraining hat sich in verschiedenen Kontexten als potenziell wirksame Intervention zur Stressreduktion erwiesen. Vor diesem Hintergrund widmet sich die nachfolgende Arbeit der Frage, inwiefern Achtsamkeitsinterventionen zur Burnout-Prävention bei Pflegekräften beitragen können. Ziel ist es, auf Basis einer systematischen Literaturarbeit den aktuellen Forschungsstand kritisch zu analysieren und Implikationen für die betriebliche Gesundheitsförderung abzuleiten.
Zusammenfassung
Der Artikel untersucht in einer systematischen Literaturarbeit, ob Achtsamkeitstraining zur Burnout-Prävention bei Pflegekräften beitragen kann. Ausgangspunkt ist die hohe Belastung in der Pflege: Nach aktuellen Angaben berichten viele Pflegekräfte von körperlicher und emotionaler Erschöpfung. Burnout wird als berufsbezogenes Syndrom verstanden, das u. a. durch chronischen Arbeitsstress, hohe Arbeitsdichte, Schichtarbeit und unzureichende Unterstützung begünstigt wird. Achtsamkeit wird als bewusste, nicht wertende Wahrnehmung des gegenwärtigen Moments beschrieben; Programme wie MBSR sollen Stressreaktionen regulieren und Emotionsregulation sowie Resilienz stärken.
Methodisch basiert die Arbeit auf einer systematischen Recherche nach PRISMA- und Cochrane-orientierten Kriterien. Über ein Suchkonzept mit deutsch- und englischsprachigen Begriffen wurden zunächst 50 Publikationen identifiziert; nach Screening und Qualitätsprüfung blieben 6 Studien übrig: 1 RCT, 4 systematische Reviews und 1 Mixed-Methods-Studie. Eingeschlossen wurden nur Arbeiten zu Pflegekräften, Achtsamkeitsinterventionen und Burnout-relevanten Outcomes im Zeitraum 2015 bis 2025.
Die Ergebnisse sprechen insgesamt für eine positive, teils signifikante Wirkung achtsamkeitsbasierter Interventionen auf Burnout, insbesondere auf emotionale Erschöpfung, Depersonalisation und Mitgefühlserschöpfung. Mehrere Reviews und die Mixed-Methods-Studie berichten günstige Effekte; ein Online-Achtsamkeitstraining zeigte auch nach drei Monaten noch Verbesserungen. Gleichzeitig bleiben die Befunde wegen kleiner Stichproben, heterogener Interventionen, fehlender Verblindung und weiterer methodischer Schwächen begrenzt. Fazit: Achtsamkeitstraining erscheint vielversprechend, der Nachweis langfristiger Wirksamkeit und geeigneter Implementierungsstrategien in der Pflege ist jedoch weiter zu erforschen.
Schlagwörter
Mindfulness, Achtsamkeit, Arbeit, Datenbanken, Gesundheitsförderung, Population, Berufsgruppen, Berlin, Depersonalisation, Aromatherapie, Association, Atemübungen, Deutschland, Checkliste, Amygdala, Dementia, Berater, Berufe
