Pflegewissenschaft · Artikel

Ambulante Pflege als KRITIS. Risikoanalysen als systematischer Ansatz zur Betrachtung von Pflegediensten als Kritische Infrastruktur am Beispiel des Arbeiter-Samariter-Bundes in Nordrhein-Westfalen

Hofmann,D. ; Hohnbaum, D. ; Prof. Dr. Fekete, A.

Pflegewissenschaft · 2026 · Heft 2 · S. 2 bis 17 · DOI 10.3936/3j57c783

Abstract

Die Studie untersucht die Resilienz ambulanter Pflegedienste in NRW gegenüber Schadensereignissen wie Starkregen und Pandemien. Ziel war es, durch Risikoanalysen kritische Komponenten und Prozesse zu identifizieren und Maßnahmen zur Stärkung der Resilienz zu entwickeln. Eine Umfrage unter 32 Pflegestationen des Arbeiter-Samariter-Bundes zeigte, dass besonders der Zugang zu Patient*innen kritisch ist, während die Kraftstoffversorgung und Dokumentation zunächst weniger bedeutend erscheinen. Eine formale Einstufung ambulanter Pflegedienste als Kritische Infrastruktur ist zwar unwahrscheinlich, es bedarf aber einer stärkeren Vernetzung untereinander, mehr Cybersicherheit und Notfallvorsorge.

Zusammenfassung

Der Beitrag untersucht ambulante Pflegedienste in Nordrhein-Westfalen als mögliche Kritische Infrastruktur und fragt, wie sich ihre Resilienz gegenüber Starkregen, Hochwasser, Pandemie und Alltagsstörungen systematisch stärken lässt. Ausgangspunkt sind die hohe Zahl vulnerabler Pflegebedürftiger sowie Erfahrungen aus der COVID-19-Pandemie und den Starkregenereignissen 2021, die gezeigt haben, dass Ausfälle in Verwaltung, Infrastruktur und Erreichbarkeit die Versorgung stark beeinträchtigen können. Am Beispiel des Arbeiter-Samariter-Bundes NRW wurde eine exemplarische Risikoanalyse nach einem systematischen, an Leitfäden des Bevölkerungsschutzes orientierten Vorgehen entwickelt. Grundlage war ein Mixed-Methods-Design mit quantitativer Umfrage unter 32 Pflegestationen und anschließender qualitativer Auswertung. Bewertet wurden Abhängigkeiten, Ausfallfolgen, Ersetzbarkeit und Kritikalität zentraler Komponenten. Als besonders schutzbedürftig erwies sich vor allem der Zugang zu den Patient*innen; andere Faktoren wie Kraftstoffversorgung oder Dokumentation wurden zunächst als weniger kritisch eingeschätzt. Ergänzend wurden Schutzziele operationalisiert, vor allem der Schutz von Leben und Gesundheit von Kund*innen, Mitarbeitenden und Mitgliedern. Die Ergebnisse zeigen, dass eine formale Einstufung ambulanter Pflege als KRITIS eher unwahrscheinlich ist, zugleich aber ein deutlicher Bedarf an Vernetzung, Cybersecurity, Notfallvorsorge und praxistauglichem Risikomanagement besteht.

Schlagwörter

Dokumentation, Arbeit, Berlin, Gesetz, Datenbanken, Technik, Bevölkerungsgruppen, Data Collection, Association, Deutschland, Checklist, Libraries, Computer, Blut, Auswahlkriterien, Angehörige, Intensivpflege