Pflegewissenschaft · Artikel

Förderung autonomer Körperpflege bei Menschen mit Beeinträchtigung. Eine konzeptuelle Betrachtung von Reinigungstechniken im Spannungsfeld von Selbstbestimmung, Teilhabe und Pflegeethik

Dr. Boehm, M.

Pflegewissenschaft · 2026 · Heft 2 · S. 26 bis 29 · DOI 10.3936/bear9j11

Abstract

Die Unterstützung bei der Intimpflege zählt zu den sensibelsten Aufgaben im Alltag von Menschen mit körperlicher oder geistiger Beeinträchtigung. Der vorliegende Beitrag beleuchtet zwei Körperpositionen, die unter bestimmten Voraussetzungen eine selbstständige oder teilassistierte Intimhygiene unter der Dusche ermöglichen. Basierend auf praktischen Erfahrungen in niedrigschwelligen Einrichtungen werden eine abgestützte Standhaltung und eine gezielte Hockposition vorgestellt, die ohne therapeutischen Anspruch körperliche Autonomie fördern können. Im Fokus stehen die Vereinbarkeit von Fürsorge und Selbstbestimmung sowie die ethischen Implikationen körpernaher Assistenz. Theoretisch eingebettet in Modelle wie AEDL (Krohwinkel), Orems Selbstpflegetheorie und Trontos Care-Ethik reflektiert der Beitrag strukturelle Rahmenbedingungen, kulturelle Differenzen und professionelle Haltungen. Er spricht sich für eine partizipative, dialogische Einführung solcher Methoden in der Eingliederungshilfe und Sozialen Arbeit aus. Abschließend wird auf den bestehenden Forschungsbedarf verwiesen. Ziel ist es, über konventionelle Pflegeroutinen hinauszudenken und den Raum für eine inklusive, würdevollere Körperpflege zu erweitern.

Zusammenfassung

Der Beitrag thematisiert die Unterstützung bei der Intimpflege von Menschen mit körperlicher oder geistiger Beeinträchtigung als besonders sensiblen Bereich zwischen Fürsorge, Selbstbestimmung und Würde. Vorgestellt werden zwei alltagsnahe Körperpositionen, die unter bestimmten Voraussetzungen eine selbstständige oder teilassistierte Intimhygiene unter der Dusche ermöglichen sollen: eine abgestützte Standhaltung sowie eine gezielte Hockposition mit Handbrause. Beide Methoden beruhen auf praktischen Beobachtungen aus niedrigschwelligen Einrichtungen und verstehen sich ausdrücklich nicht als therapeutisch oder medizinisch validiert, sondern als adaptive Möglichkeiten zur Förderung körperlicher Autonomie.

Theoretisch stützt sich der Beitrag auf AEDL, Orems Selbstpflegetheorie und Trontos Care-Ethik. Im Zentrum steht die Frage, wie Unterstützung so gestaltet werden kann, dass Selbstbestimmung und Teilhabe gestärkt werden, ohne die körperliche Integrität zu gefährden. Betont werden die Bedeutung partizipativer Abstimmung, kultursensibler Haltung und professioneller Reflexion. Zugleich warnt der Text davor, Teilautonomie mit bloßer Effizienzsteigerung oder Entlastung des Personals zu verwechseln. Die vorgestellten Haltungen sollen bestehende Pflege- und Assistenzformen ergänzen, nicht ersetzen. Abschließend verweist der Beitrag auf den Bedarf an systematischer Forschung zu Akzeptanz, Sicherheit, praktischer Umsetzbarkeit und Nutzer*innenerleben.

Schlagwörter

Arbeit, Körperpflege, Achtung, Aktivitäten des täglichen Lebens, Disability Studies, Assoziation, Beobachtung, Diagnostik, Boden, Pflegepersonal