Pflegewissenschaft · Artikel

Häusliche Pflegearrangements als Ungleichheitsphänomen in der Langzeitversorgung

Noelle, M. ; Prof. Dr. Oetting-Roß,C. ; Englert, N. ; Prof. Dr. Büscher, A.

Pflegewissenschaft · 2026 · Heft 2 · S. 30 bis 44 · DOI 10.3936/9q1hq941

Abstract

Der Aufsatz leistet einen Beitrag zum Verständnis von Mechanismen sozialer Ungleichheit in häuslichen Pflegearrangements. Ziel ist es, soziale Determinanten ungleicher Ressourcenverteilung der Pflege mit der Gesellschaftstheorie Bourdieus zu analysieren. Dazu wurden neben einer Fachdatenbankrecherche ein Reverse Citation Tracking sowie eine freie Websuche durchgeführt. Ziel der Recherche war es, diskursbestimmende Publikationen zum Thema soziale Ungleichheit und Pflege zu identifizieren. Anschließend wurden zentrale Begriffsbildungen von Bourdieu mit empirischen Befunden zu sozialer Ungleichheit in der häuslichen Pflege analysiert. Es zeigt sich, dass die Feldtheorie differenzierte Perspektiven auf häusliche Pflegearrangements eröffnet und Bourdieus klassendifferenzierende Kapitalien eine strukturierende Möglichkeit darstellen, soziale Determinanten ungleicher Ressourcenverteilung herauszuarbeiten.

Zusammenfassung

Der Aufsatz untersucht häusliche Pflegearrangements als Ausdruck sozialer Ungleichheit in der Langzeitversorgung. Ziel ist es, mit Bourdieus Gesellschaftstheorie soziale Determinanten ungleicher Ressourcenverteilung in der Pflege sichtbar zu machen. Grundlage ist eine explorative Literaturrecherche in pflege-, gesundheits- und sozialwissenschaftlichen Datenbanken, ergänzt durch Zitationssuche und Webrecherche, um diskursprägende Publikationen zu identifizieren. Im Anschluss werden zentrale Begriffe Bourdieus – soziales Feld, Kapital und Habitus – mit empirischen Befunden zu häuslicher Pflege verknüpft.

Der Beitrag zeigt, dass häusliche Pflege nicht nur als Versorgungsgeschehen, sondern als soziales Feld mit eigenen Regeln, Akteur*innen und Machtverhältnissen verstanden werden kann. Besonders relevant sind dabei ökonomisches, kulturelles und soziales Kapital sowie feldspezifische Kapitalformen. So beeinflussen finanzielle Ressourcen, Bildungs- und Handlungskompetenzen, familiäre Netzwerke und habituelle Orientierungen, wie Pflege organisiert und bewältigt wird. Zugleich wird deutlich, dass Pflegefachpersonen, Pflegebedürftige und An- und Zugehörige in unterschiedlichen Positionen agieren und ungleich von Belastungen, Handlungsspielräumen und Versorgungschancen betroffen sind.

Der Artikel macht deutlich, dass Bourdieus Feldtheorie eine differenzierte Analyse häuslicher Pflegearrangements ermöglicht und soziale Ungleichheit in der Pflege theoretisch fundiert erklärbar macht. Damit liefert er eine Orientierung für Forschung und Praxis, um ungleiche Ressourcenverteilungen und deren Folgen in der häuslichen Versorgung besser zu verstehen.

Schlagwörter

Deutschland, Pflegeversicherung, Altenpflege, Beratung, Arbeit, Pflegeforschung, Bundesregierung, Anthropologie, Berlin, Armut, Finanzierung, Aufmerksamkeit, Datensammlung, Charakter, Altern, Berufe, Ärger, Lead