Der blinde Fleck im Therapieverlauf: Fatigue als unsichtbare Bürde nach Brustkrebsbehandlung im Schatten des Heilungserfolgs
Zusammenfassung
Tumorbedingte Fatigue (cancer-related fatigue, CRF) ist eine häufige Nebenwirkung der Krebsbehandlung, insbesondere bei Brustkrebspatientinnen (Hauth et al., 2019). Der als persistierender Zustand schwerer Erschöpfung beschriebene Zustand (Wang & Woodruff, 2015) stellt ein unterschätztes und selten dokumentiertes Symptom dar, das die Lebensqualität vieler Krebspatientinnen erheblich beeinträchtigt (Ebede et al., 2017). Der vorliegende Beitrag stellt eine qualitative klinische Fallstudie einer Patientin mit Fatigue-Syndrom im Rahmen der onkologischen Versorgung und Nachsorge dar. Die Fallstudie umfasst eine Dokumentensammlung, offene Interviews und Besprechungsbeobachtungen im Zeitraum von 6 Monaten. Ziel der Fallstudie ist es, die biopsychosozialen und emotionalen Auswirkungen einer unzureichenden Wahrnehmung der tumorbedingten Fatigue (CRF) darzustellen. Die fehlende Wahrnehmung der von der Patientin subjektiv erlebten Fatigue resultierte in einer erheblichen Einschränkung ihrer wahrgenommenen Lebensqualität. Zudem besteht ein erhöhtes Risiko für weitreichende gesundheitliche und psychosoziale Folgeprobleme, darunter affektive Störungen, soziale Isolation, chronische Erschöpfung sowie ein Verlust an Selbstwirksamkeit und sozialer Teilhabe. Die unzureichende Integration der Fatigue-Diagnostik und -Intervention in die Versorgungsrealität unterstreicht die Notwendigkeit einer interprofessionellen Sensibilisierung sowie der Etablierung strukturierter Assessments in der onkologischen Nachsorge.
Klotz, R.: Der blinde Fleck im Therapieverlauf: Fatigue als unsichtbare Bürde nach Brustkrebsbehandlung im Schatten des Heilungserfolgs. Pflegewissenschaft (2026), Heft 4, S. 20 bis 31.