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Bundesverdienstkreuz für Pflegewissenschaftlerin Prof. Dr. Doris Schiemann

23. September 2026

Foto: Große Freude und Dankbarkeit zeigte die ehemaligen Pflege-Professorin Prof. Dr. Doris Schiemann bei der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes in historischer Osnabrücker Kulisse. Quelle: Julia Brink, Copyright: Hochschule Osnabrück

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Prof. Dr. Doris Schiemann (i. R.) ist mit dem Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland geehrt worden. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier würdigte damit ihr jahrzehntelanges Engagement für die Pflegewissenschaft und die Professionalisierung der Pflege.

Bei einer Feierstunde im Osnabrücker Rathaus überreichte Oberbürgermeisterin Katharina Pötter der ehemaligen Professorin der Hochschule Osnabrück die Medaille und die Verleihungsurkunde. Die Auszeichnung gilt als höchste staatliche Anerkennung für Verdienste um das Gemeinwohl.

Pötter würdigte Schiemann als Vorbild für eine Wissenschaft, die konkrete Probleme aufgreift und den Alltag der Menschen verbessert. Bei der Standardisierung der Pflege sei es Schiemann nicht in erster Linie um Effizienz oder Kostenreduktion gegangen, sondern um die Würde der Menschen. „Gute Pflege darf nicht an der Kassenlage scheitern“, fasste die Oberbürgermeisterin ihre Haltung zusammen. Zugleich dankte sie der Wissenschaftlerin für ihren langjährigen Einsatz in bundesweiten Expertengremien und auf regionaler Ebene.

Wegbereiterin der Pflegeakademisierung

Auch der Präsident der Hochschule Osnabrück, Prof. Dr. Alexander Schmehmann, hob Schiemanns Beitrag zur Entwicklung der Pflegewissenschaft hervor. „Prof. Dr. Doris Schiemann hat mit ihrer Pionierarbeit Maßstäbe bei der Akademisierung der Pflege in Deutschland gesetzt“, sagte er.

Sie habe maßgeblich an der Entwicklung und Umsetzung der ersten Pflegestudiengänge an der Hochschule Osnabrück mitgewirkt. Durch ihr Engagement, wissenschaftliche Erkenntnisse in die Praxis zu übertragen, habe sie zur Professionalisierung und zur Verbesserung der Pflegequalität in Deutschland beigetragen.

Schiemann zeigte sich bei der Feierstunde tief bewegt. Sie erinnerte an ihre Berufspraxis in der Universitätsmedizin Anfang der 1970er-Jahre. Damals habe sie in der Gynäkologie, Geburtshilfe und Herzchirurgie teilweise menschenverachtende Praktiken erlebt. Die Pflege habe diesen Entwicklungen aufgrund ihres damaligen Bildungsstands wenig entgegensetzen können. Außer der Medizin habe es noch keinen weiteren Gesundheitsberuf mit akademischer Qualifizierung und damit auch keine interkollegiale Kontrolle in der Gesundheitsversorgung gegeben.

„Das war mein Antrieb“, sagte Schiemann. Die Auszeichnung verstehe sie auch als Würdigung ihrer Kolleg:innen an der Hochschule Osnabrück, die gemeinsam mit ihr über mehr als drei Jahrzehnte die Akademisierung und Professionalisierung der Pflege vorangetrieben hätten.

Bereits 1981 begann Schiemann als wissenschaftliche Mitarbeiterin mit der curricularen Entwicklung des Fachs Pflegewissenschaft. Sie arbeitete an den Studienprogrammen „Pflegedienstleitung im Krankenhaus“, „Krankenpflegemanagement“ und „Pflegewissenschaft“ an der damaligen Fachhochschule Osnabrück.

Aufbau des Deutschen Netzwerks für Qualitätsentwicklung

Von 1992 bis 2012 war Schiemann Professorin für Pflegewissenschaft an der Hochschule Osnabrück. Im selben Jahr wurde sie als deutsche Vertreterin in den Lenkungsausschuss des Europäischen Netzwerks für Qualitätssicherung in der Pflege (EuroQUAN) berufen.

Ebenfalls 1992 begann sie mit dem Aufbau des Deutschen Netzwerks für Qualitätsentwicklung in der Pflege (DNQP) an der Hochschule Osnabrück. Bis zu ihrer Emeritierung im Jahr 2012 leitete sie das Netzwerk.

Ende der 1990er-Jahre initiierte Schiemann im DNQP gemeinsam mit dem Deutschen Pflegerat und mit finanzieller Unterstützung des Bundesgesundheitsministeriums die Entwicklung evidenzbasierter Expertenstandards. Bis 2012 entstanden sieben Standards zu pflegerischen Themen mit besonderen Qualitätsrisiken, darunter Dekubitus, Sturzprophylaxe, Schmerzen und chronische Wunden.

Das DNQP gilt bis heute als wichtiger Motor für die Weiterentwicklung und Professionalisierung der Pflegepraxis in Deutschland.

Engagement in nationalen und internationalen Gremien

Schiemann war von 1999 bis 2002 Mitglied im Ethikrat des Bundesministeriums für Gesundheit. Darüber hinaus arbeitete sie in zahlreichen nationalen und internationalen Beiräten, Expert:innengruppen und Gremien mit. Dazu gehörte unter anderem der wissenschaftliche Beirat des Deutschen Berufsverbands für Pflegeberufe, dem sie von 2001 bis 2004 angehörte.

Sie war außerdem als Beraterin und Berichterstatterin für die Weltgesundheitsorganisation (WHO) tätig und arbeitete als Kommissionsmitglied beim Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (UNICEF).

Für ihr Engagement erhielt die Osnabrücker Pflegewissenschaftlerin bereits 2005 die Agnes-Karll-Medaille des Deutschen Berufsverbands für Pflegeberufe. 2007 wurde sie mit dem Deutschen Pflegepreis des Deutschen Pflegerats ausgezeichnet.


Zur Pressemitteilung: https://www.hs-osnabrueck.de/nachrichten/2026/09/bundesverdienstkreuz-fuer-ehemalige-pflege-professorin-der-hochschule-osnabrueck/

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