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GIDEA untersucht digitale Assistenztechnologien zur Entlastung in der Pflege

11. August 2026 durch
GIDEA untersucht digitale Assistenztechnologien zur Entlastung in der Pflege
Franziska Reuther

Hohe Arbeitsdichte, häufige Unterbrechungen und ein steigendes Risiko für psychische Erkrankungen prägen den Arbeitsalltag vieler Pflegefachpersonen. Zugleich können die Belastungen die Qualität der pflegerischen Versorgung beeinträchtigen. Das Forschungsprojekt GIDEA (Ganzheitliche Innovationsmethodik für digitale Assistenztechnologien zur Entlastung bei indirekten Pflegetätigkeiten) untersucht deshalb, wie digitale Technologien professionell Pflegende gezielt unterstützen können.

Gefördert wird das Projekt vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) im Rahmen der Förderlinie DATIpilot. Beteiligt sind die Frankfurt University of Applied Sciences (Frankfurt UAS), der Caritasverband Darmstadt e. V. und das Fraunhofer-Institut für Graphische Datenverarbeitung IGD. An der Frankfurt UAS wird das Vorhaben von Prof. Dr. Diana Völz und Prof. Dr. Lisa Schmidt betreut. Beide sind Mitglieder des interdisziplinären Forschungszentrums FUTURE AGING.

Indirekte Pflegetätigkeiten im Mittelpunkt

Ziel von GIDEA ist die Entwicklung einer Methodik, mit der digitale Assistenztechnologien für die stationäre Langzeitpflege identifiziert, bewertet und in die Praxis integriert werden können. Im Fokus stehen indirekte Pflegetätigkeiten, die von professionell Pflegenden als besonders zeitaufwändig und belastend erlebt werden.

Technische Unterstützung könnte dazu beitragen, Arbeitsabläufe zu vereinfachen und Pflegefachpersonen mehr Zeit für die direkte Versorgung und persönliche Zuwendung zu verschaffen. Das Projekt geht deshalb der Frage nach, welche Technologien tatsächlich zur Entlastung beitragen und wie sich ihre Praxistauglichkeit bereits vor einer Einführung in den Pflegealltag überprüfen lässt.

Dazu verbinden die Forschenden qualitative Erhebungen mit der Entwicklung und Anwendung von Mixed-Reality-Umgebungen. In diesen virtuellen Simulationen sollen neue Technologien realitätsnah erprobt und anhand festgelegter Kriterien evaluiert werden.

„Die hohe Arbeitsdichte wirkt sich nicht nur auf die Gesundheit der Pflegenden aus, sondern kann auch die Qualität der Versorgung beeinträchtigen“, betont Prof. Dr. Lisa Schmidt, Professorin für Pflegewissenschaft und Co-Sprecherin von FUTURE AGING.

Hohe Belastungen, aber weiterhin Forschungslücken

Pflegende in der ambulanten und stationären Langzeitpflege arbeiten häufig unter erheblichem Zeit- und Leistungsdruck. Studien weisen darauf hin, dass parallele Tätigkeiten, wiederholte Unterbrechungen und ein hohes Arbeitstempo zum Alltag gehören. Um ihre Aufgaben bewältigen zu können, verzichten Beschäftigte nicht selten sogar auf Pausen.

Diese Arbeitsbedingungen können depressive Symptome, einen ungesunden Lebensstil und psychische Erkrankungen begünstigen. Zudem steigt das Risiko für Burnout und längere Arbeitsunfähigkeitszeiten. Bestehende Angebote zur Prävention und Gesundheitsförderung reichen bislang nur begrenzt aus, um die Folgen der hohen Arbeitsdichte auszugleichen.

Viele Pflegende wünschen sich mehr Zeit für eine qualitativ hochwertige Versorgung, größere Handlungsspielräume und eine intensivere persönliche Zuwendung zu den Pflegebedürftigen. Trotz der gut beschriebenen Belastungssituation bestehen in Deutschland weiterhin Forschungslücken, insbesondere mit Blick auf Ursachen, Folgen und das subjektive Stresserleben im Pflegeberuf.

Mixed Reality soll Praxistauglichkeit sichtbar machen

Vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels werden digitale und technische Lösungen zunehmend als mögliche Entlastung diskutiert. Dazu zählen etwa digitale Systeme, Sensorik, der Einsatz künstlicher Intelligenz zur Erfassung von Vitalparametern, Exoskelette oder eine sprachgesteuerte Pflegedokumentation. Solche Technologien können Arbeitsprozesse vereinfachen und Zeit einsparen.

In der Praxis werden innovative Lösungen jedoch bislang häufig nur zögerlich und nicht dauerhaft eingesetzt. Für den Einsatz von Mixed-Reality-Technologien liegen zudem erst wenige Forschungsergebnisse vor. Frühere Untersuchungen befassten sich vielfach mit technischen Fragen, während die Erfahrungen von Pflegefachpersonen und organisatorische Voraussetzungen wie Schulung, Begleitung und Ausstattung weniger berücksichtigt wurden.

„Es fehlt bislang ein umfassender und praxisnaher Kriterienkatalog, der technologische Anforderungen wie Skalierbarkeit, Usability, Barrierefreiheit und pflegerische Bedarfe gleichermaßen abbildet“, erklärt Prof. Dr. Diana Völz, Professorin für Produktentwicklung, Konstruktion und CAD sowie Leiterin des Mixed-Reality-Labors der Frankfurt UAS. „Genau an dieser Stelle setzt GIDEA an.“

Befragungen bilden Grundlage für den Pflegekatalog

Derzeit führt das Projektteam Fokusgruppen mit Pflegefach- und Pflegehilfskräften sowie Interviews mit Leitungspersonen durch. Ziel ist es, besonders belastende indirekte Tätigkeiten zu erfassen und die Anforderungen der Praxis an mögliche Assistenztechnologien zu bestimmen. Die Frankfurt UAS verantwortet diese Erhebungen und wird dabei vom Caritasverband Darmstadt e. V. unterstützt.

Auf Grundlage der Befragungen und der Erprobungen in der Mixed-Reality-Umgebung soll ein dynamischer digitaler Pflegekatalog entstehen. Er soll als strukturiertes Verzeichnis dienen, mit dem digitale Assistenztechnologien systematisch identifiziert, bewertet und miteinander verglichen werden können.

Der Katalog soll Pflegeeinrichtungen, Pflegenden, Pflegebedürftigen, Entwickler:innen und Kostenträgern künftig als Entscheidungshilfe zur Verfügung stehen. So könnten geeignete Technologien gezielter ausgewählt, bestehende Lücken erkannt und Anforderungen an neue Lösungen präziser formuliert werden.

Für dieses Arbeitspaket ist das Fraunhofer IGD verantwortlich. „Wir stellen sicher, dass der Kriterienkatalog mit bestehenden Dokumentations- und Bewertungsprozessen in Pflegeeinrichtungen kompatibel ist“, sagt Dr. Sergio Staab vom Fraunhofer-Institut für Graphische Datenverarbeitung IGD. Durch die Vernetzung von Pflegeeinrichtungen, Forschungseinrichtungen, Kommunen, Kostenträgern und Entwickler:innen sollen außerdem Innovationsprozesse für passgenaue und skalierbare Lösungen beschleunigt werden.

Pflegende als Mitentwickelnde einbinden

Die Forschung und Evaluation finden praxisnah in stationären Pflegeeinrichtungen des Caritasverbands Darmstadt e. V. statt. Pflegefachpersonen, Pflegehilfskräfte und Auszubildende werden direkt in die Untersuchungen einbezogen.

„Uns ist es wichtig, dass Pflegende zukünftig von Technologieempfängern zu ‚Technologie-Mitentwicklern‘ werden. Der partizipative Ansatz des Projektes ermöglicht diesen Anspruch“, erklärt Michael Weber von der Stabsstelle Digitalisierung und Strategische Entwicklung Altenhilfe des Caritasverbands Darmstadt e. V.

Das Projektteam verfolgt den Anspruch, Digitalisierung nicht ausschließlich technisch, sondern vor allem bedarfsorientiert und nachhaltig zu gestalten. GIDEA soll dafür methodische und strukturelle Grundlagen schaffen, den Wissenstransfer fördern und Anknüpfungspunkte für weitere Forschungs- und Entwicklungsprojekte entwickeln.


Zur Pressemitteilung: https://www.igd.fraunhofer.de/de/media-center/aktuelles-vom-institut/2026/gidea-digitale-assistenztechnologien-zur-entlastung-in-der-pflege.html

Foto: stock.adobe.com – Suriyo

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