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Hochschule Bielefeld: „Green Guide for Nursing“ zeigt Wege zu nachhaltiger Pflege

HSBI-Forschende entwickeln Aktionsleitfaden und digitale Lehrmaterialien für verschiedene Pflegebereiche
1. September 2026 durch
Hochschule Bielefeld: „Green Guide for Nursing“ zeigt Wege zu nachhaltiger Pflege
Franziska Reuther

Foto: Die Gesundheitswissenschaftlerinnen Dr. Eva Cruel und Karina Ilskens haben den Green Guide for Nursing und damit einen Aktionsleitfaden für nachhaltiges Handeln in der Pflege entwickelt. (c) P.Pollmeier/HSBI

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Hitzebelastungen, neue Infektionskrankheiten und Schäden an der Infrastruktur infolge von Wetterextremen stellen das Gesundheitswesen vor wachsende Herausforderungen. Zugleich trägt der Gesundheitssektor durch hohen Energie- und Ressourcenverbrauch selbst zur Klimabelastung bei. Forschende der Hochschule Bielefeld (HSBI) haben deshalb im Projekt „Green Guide for Nursing“ einen Aktionsleitfaden für nachhaltiges Handeln in der Pflege entwickelt. Ergänzend entstanden digitale Educational Escape Rooms, die Klimakompetenz in der Lehre vermitteln. Sämtliche Materialien stehen online kostenlos zur Verfügung.

Koordiniert wurde das Projekt am Institut für Bildungs- und Versorgungsforschung im Gesundheitsbereich (InBVG) von den Gesundheitswissenschaftlerinnen Dr. Eva Cruel und Karina Ilskens. Die wissenschaftliche Leitung lag bei Prof. Dr. Christa Büker und Prof. Dr. Änne-Dörte Latteck.

Der „Green Guide“ orientiert sich am Konzept der „Planetary Health“, das die Gesundheit von Menschen und Umwelt gemeinsam betrachtet. „Gesund leben kann man nur in einer gesunden Umwelt“, sagt Ilskens. Ziel des Projekts sei es, nachhaltiges Handeln als festen Bestandteil in die Pflege zu integrieren.

Gesundheitswesen ist zugleich Betroffener und Verursacher

Die Klimakrise wirkt sich direkt auf die Gesundheit aus. Besonders gefährdet sind ältere, chronisch kranke und andere vulnerable Menschen. Gleichzeitig verursacht das Gesundheitswesen durch seinen hohen Energiebedarf erhebliche Emissionen, verbraucht große Mengen an Ressourcen und produziert viel Abfall.

„Für ein Krankenhausbett wird so viel Energie gebraucht wie für zwei Einfamilienhäuser und so viel Wasser wie für einen Haushalt mit drei bis fünf Personen – pro Tag!“, erläutert Eva Cruel. Nicht alle Verbräuche ließen sich vermeiden. Beim Patient:innen- und Infektionsschutz dürfe es keine Abstriche geben. In vielen anderen Bereichen gebe es jedoch Möglichkeiten, mit vergleichsweise kleinen Veränderungen nachhaltiger zu arbeiten.

Um die relevanten Ansatzpunkte zu bestimmen, werteten die Forschenden nicht nur Studien und umweltpsychologische Erkenntnisse aus. Sie führten auch Fokusgruppen mit Pflegefachpersonen durch. Dabei wollten sie erfahren, wo im Arbeitsalltag konkreter Handlungsbedarf besteht und welche Empfehlungen tatsächlich umsetzbar sind.

Auf Anregung der Beteiligten wurde etwa der Themenbereich „Kommunikation“ in den Leitfaden aufgenommen. Dazu gehören Hinweise für Gespräche mit Patient:innen und Kolleg:innen, Möglichkeiten zur Vernetzung sowie Argumentationshilfen für nachhaltige Veränderungen.

Vier Themenbereiche für unterschiedliche Settings

Der „Green Guide for Nursing“ umfasst die Bereiche „Nachhaltig handeln“, „Kommunikation“, „Mentale Gesundheit“ und „Disaster Nursing“. Die entwickelten Aktionen richten sich an die akutstationäre, die langzeitstationäre und die ambulante Pflege.

„Die Aktionen müssen wirklich passen, damit sie umgesetzt werden. Auf einer Krankenhausstation sind die Bedingungen andere als in einem Pflegeheim oder in der ambulanten häuslichen Pflege“, erklärt Karina Ilskens. Deshalb wurden die jeweiligen Arbeitsabläufe und Rahmenbedingungen bei der Entwicklung berücksichtigt.

Im Bereich „Nachhaltig handeln“ geht es unter anderem um Ressourcenverbrauch, Ernährung und Abfall. Diese Themen böten der Pflege zahlreiche Möglichkeiten, auf Abläufe und Entscheidungen Einfluss zu nehmen. „Ressourcen, Ernährung und Abfall sind Kernthemen nachhaltigen Handelns. Hier kann Pflege besonders gut Einfluss nehmen“, sagt Ilskens.

Die Themen „Mentale Gesundheit“ und „Disaster Nursing“ nehmen die Pflegenden selbst in den Blick. Eine stabile psychische Gesundheit sei eine Voraussetzung dafür, ökologisch nachhaltig und klimaresilient handeln zu können. Zugleich sollen Pflegefachpersonen auf Krisensituationen vorbereitet werden, die etwa durch Extremwetterereignisse entstehen.

Die Inhalte stehen sowohl digital als auch in einer analogen Version zur Verfügung. Aktionskarten enthalten auf der Vorderseite Hintergrundinformationen und auf der Rückseite eine Schritt-für-Schritt-Anleitung. Ergänzend gibt es digitale Materialien wie Checklisten, Vorlagen und SDer „Green Guide“ steht als digitale und Print-Version sowie auf praktischen Aktionskarten bereit.


Copyright: P. Pollmeier/HSBIticker.

Niedrigschwellige Schritte statt zusätzlicher Belastung

Bei der Entwicklung achteten die Forschenden darauf, dass die Aktionen mit wenig Aufwand in den Alltag integriert werden können. Viele Pflegefachpersonen arbeiteten bereits unter hoher Belastung und reagierten deshalb zunächst zurückhaltend auf zusätzliche Nachhaltigkeitsanforderungen.

„Es geht im Green Guide nicht darum, den Pflegenden zusätzliche Arbeit zu machen. Sondern darum, kleine nachhaltige Aktionen ins alltägliche Pflegehandeln zu integrieren“, betont Cruel. Ein Beispiel sei, das Licht auszuschalten, wenn ein Raum nicht genutzt wird.

Auch beim Einsatz von Einmalhandschuhen könne geprüft werden, ob sie für eine konkrete Tätigkeit tatsächlich erforderlich sind. Beim Unterstützen einer Person beim Ankleiden seien sie beispielsweise nicht grundsätzlich notwendig. So ließen sich Ressourcen einsparen, ohne die Sicherheit der Versorgung zu beeinträchtigen.

Der Leitfaden enthält daneben anspruchsvollere Vorhaben, etwa die Gründung eines Green Teams. Bei Veränderungen in der Ernährung müssten verschiedene Bereiche zusammenarbeiten – vom Einkauf über die Hauswirtschaft bis zu Patient:innen und Bewohner:innen.

Digitale Escape Rooms für die Pflegeausbildung

Nachhaltigkeit soll nicht erst im Berufsalltag thematisiert werden. Deshalb entwickelte das Projektteam digitale Educational Escape Rooms (EER) für die Lehre in Pflege- und Gesundheitsstudiengängen. In drei virtuellen Lernräumen – jeweils einem für die unterschiedlichen Pflege-Settings – erhalten Studierende fachliche Informationen und lösen anschließend Rätsel und Aufgaben zum Klimaschutz.

„Das Thema ist ja durchaus sperrig. Aber mit den EER lässt sich Klimakompetenz spielerisch vermitteln“, sagt Cruel. Erste Testläufe zeigten, dass die Studierenden auf diese Weise Wissen über nachhaltige Pflege erwerben und die Lernform zugleich als motivierend erleben.

Der „Green Guide for Nursing“ soll damit Pflegeeinrichtungen, Lehrenden und Lernenden konkrete Orientierung geben. Die frei zugänglichen Materialien können genutzt werden, um nachhaltige Maßnahmen zu planen, im Team umzusetzen und Klimakompetenz in der Pflegeausbildung zu verankern.


Zur Pressemitteilung: https://www.hsbi.de/presse/pressemitteilungen/hsbi-forschende-erarbeiten-aktionsleitfaden-fuer-nachhaltige-pflege-angesichts-endlicher-ressourcen-und-klimabedingter-herausforderungen-im-gesundheitswesen

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