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Internationale Studie: Pflege nachhaltig attraktiv machen – mehr als eine Frage erfolgreicher Nachwuchswerbung

13. September 2026

Foto: stock.adobe.com – wavebreak3

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Der weltweite Pflegepersonalmangel lässt sich nicht allein durch zusätzliche Recruiting-Kampagnen lösen. Entscheidend ist vielmehr, ob Pflege als Beruf realistisch attraktiv, entwicklungsfähig und langfristig tragfähig gestaltet ist. Zu diesem Ergebnis kommt der neue Evidence Brief The Attractiveness of Nursing for Prospective and Current Nursing Students des Global Nursing Workforce Centre (GNWC), einer gemeinsamen Initiative des International Council of Nurses (ICN) und TruMerit®.

Die Analyse bündelt Forschungsergebnisse aus 42 Ländern. Im Mittelpunkt stehen vor allem Studieninteressierte, Bewerber*innen sowie aktuelle Pflegestudierende. Untersucht wird, welche Faktoren die Entscheidung für ein Pflegestudium beeinflussen und wodurch die berufliche Orientierung während der Ausbildungs- und Studienphase gestärkt oder geschwächt wird.

Sinn und gesellschaftlicher Beitrag bleiben zentrale Motive

Menschen entscheiden sich häufig für Pflege, weil sie anderen helfen und einen gesellschaftlich relevanten Beitrag leisten möchten. Altruismus, moralische Verantwortung und die Vorstellung von Pflege als sinnstiftendem Beruf gehören zu den wichtigsten Gründen für die Berufswahl.

Auch Arbeitsplatzsicherheit und gute Beschäftigungsmöglichkeiten erhöhen die Attraktivität der Pflege. Diese pragmatischen Motive reichen jedoch nicht aus, wenn die beruflichen Rahmenbedingungen als dauerhaft belastend oder wirtschaftlich unzureichend wahrgenommen werden.

Arbeitsbedingungen beeinflussen Berufswahl und Verbleib

Hohe Arbeitsbelastung, Personalmangel, Stress und Burnout wirken sich bereits auf die Wahrnehmung des Pflegeberufs vor dem Berufseinstieg aus. Negative Erwartungen an die spätere Arbeitsrealität können dazu beitragen, dass Studierende oder Auszubildende ihre berufliche Entscheidung überdenken.

Der Evidence Brief macht deutlich: Nachwuchsgewinnung und Personalbindung sind eng miteinander verbunden. Maßnahmen, die mehr Menschen für Pflege interessieren sollen, bleiben begrenzt wirksam, wenn die Bedingungen, unter denen Pflege geleistet wird, nicht gleichzeitig verbessert werden.

„Ein Gefühl der Berufung kann Menschen in die Pflege führen, aber es schützt weder vor Burnout noch ersetzt es eine angemessene Vergütung“, sagt ICN-Generaldirektor Howard Catton. „Jüngere Generationen erwarten zu Recht faire Bezahlung, Flexibilität und Entwicklungsmöglichkeiten. Politik und Arbeitgeber müssen Pflege deshalb als nachhaltigen Beruf gestalten.“

Ein zeitgemäßes Berufsbild ist erforderlich

Das öffentliche Bild der Pflege beeinflusst die Berufswahl maßgeblich. Traditionelle Vorstellungen, die Pflege vor allem als fürsorgliche und weiblich konnotierte Tätigkeit darstellen, werden der heutigen beruflichen Realität nicht gerecht.

Pflege ist zugleich wissenschaftlich fundiert, technisch anspruchsvoll, autonom und mit hoher Verantwortung verbunden. Professionelle Expertise, Entscheidungsfähigkeit, Spezialisierung und Führung müssen in der öffentlichen Kommunikation stärker sichtbar werden. Ein modernes Berufsbild kann dazu beitragen, neue Zielgruppen zu erreichen und geschlechterbezogene Stereotype abzubauen.

Praxiserfahrungen und Karrierewege frühzeitig sichtbar machen

Für Pflegestudierende und Auszubildende gewinnen flexible Berufswege, gute Arbeitsorganisation und die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben zunehmend an Bedeutung. Frühzeitig sichtbare Karriereoptionen – beispielsweise Spezialisierungen, Leitungsfunktionen, akademische Laufbahnen oder pädagogische Tätigkeiten – können die berufliche Orientierung und Bindung stärken.

Eine besondere Bedeutung haben die ersten Praxiserfahrungen. Gut begleitete, wertschätzende und psychologisch sichere Praxiseinsätze können die berufliche Identifikation fördern. Bildungseinrichtungen und Gesundheitseinrichtungen sollten daher eng zusammenarbeiten, um Studierende und Auszubildende während dieser Übergangsphasen verlässlich zu unterstützen.

Kernaussagen des Evidence Briefs

  • Der Wunsch, anderen Menschen zu helfen, bleibt ein zentraler Grund für die Wahl der Pflege.
  • Arbeitsplatzsicherheit und gute Beschäftigungsperspektiven erhöhen die Attraktivität des Berufs.
  • Arbeitsbelastung, Personalmangel und Burnout wirken als starke Abschreckungsfaktoren.
  • Vergütung und gesellschaftliche Anerkennung beeinflussen die Bewertung der Pflege.
  • Flexibilität, Work-Life-Balance und berufliche Entwicklungsmöglichkeiten werden für jüngere Generationen wichtiger.
  • Recruiting-Botschaften müssen die Chancen und Herausforderungen des Berufs realistisch abbilden.
  • Gute Praxiserfahrungen und verlässliche Unterstützung können die berufliche Bindung stärken.
  • Personalgewinnung und Personalbindung sollten als zusammenhängende Aufgaben betrachtet werden.

Der GNWC-Evidence Brief fordert damit einen Perspektivwechsel: Nicht allein die Frage, wie mehr Menschen für Pflege gewonnen werden können, sollte im Mittelpunkt stehen. Ebenso wichtig ist die Frage, unter welchen Bedingungen sie den Beruf ergreifen, sich weiterentwickeln und langfristig in ihm verbleiben können.


Quelle: Moronski, L. & To Dutka, J. (2026). Where Are We? Brief Number 3: The Attractiveness of Nursing for Prospective and Current Nursing Students. Global Nursing Workforce Centre, Global Health Workforce Development Institute, TruMerit.

Zur Pressemitteilung: https://www.icn.ch/news/global-study-nursing-shortages-require-workforce-policy-solutions-not-recruitment-campaigns

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