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Modellprojekt Pflege 2030: Karlsfeld wird zum Referenzort für die Pflege der Zukunft

15. Juli 2026 durch
Modellprojekt Pflege 2030: Karlsfeld wird zum Referenzort für die Pflege der Zukunft
Franziska Reuther

Mit dem Modellvorhaben „Pflege 2030“ wollte Korian nicht einzelne Prozesse optimieren, sondern neue Antworten auf die strukturellen Herausforderungen der Pflege unter realen Bedingungen erproben. Nach dreieinhalb Jahren Laufzeit steht nun fest: Die in Karlsfeld gewonnenen Erkenntnisse sollen schrittweise in das gesamte deutsche Netzwerk des Unternehmens übertragen werden. Das Projekt wurde mit 3,1 Millionen Euro vom Bayerischen Staatsministerium für Gesundheit, Pflege und Prävention gefördert und wissenschaftlich von der Universität Bremen sowie dem Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen IIS begleitet.

Erprobt wurde das Vorhaben in einer laufenden Einrichtung in Karlsfeld mit 156 Bewohnerinnen und Bewohnern. Für Korian und die Clariane Gruppe, zu der das Unternehmen gehört, ist das Modellprojekt Teil einer strategischen Innovationsagenda. Bei der Abschlussveranstaltung in Karlsfeld betonte Rémi Boyer, stellvertretender CEO der Clariane Gruppe, dass dort etwas entstanden sei, das über Deutschland hinaus Bedeutung habe. Christian Gharieb, CEO der Korian Deutschland GmbH, erklärte, es sei von Anfang an darum gegangen, nicht theoretische Möglichkeiten zu demonstrieren, sondern tragfähige Lösungen für den Pflegealltag zu entwickeln. Pflege 2030 sei deshalb kein abgeschlossener Modellversuch, sondern der Ausgangspunkt für die weitere Umsetzung im Netzwerk.

Technologien im Alltag getestet

Ein zentrales Ergebnis des Projekts betrifft die sprachgestützte Pflegedokumentation. Nach Angaben des Unternehmens spart sie pro Pflegekraft und Tag rund 30 Minuten ein und verbessert gleichzeitig die Qualität der Dokumentation. Korian bewertet dies als einen der wichtigsten messbaren Effizienzgewinne aus dem Projekt.

Ebenfalls erprobt wurde eine KI-gestützte Sturzerkennung, die mithilfe von Sensoren Bewohnerinnen und Bewohner in ihren Zimmern diskret überwacht. Ziel ist es, Sicherheit und Autonomie zu stärken, ohne den Alltag spürbar zu beeinträchtigen. Hinzu kommen Reinigungsroboter, die routinemäßige Bodenreinigung übernehmen und dadurch Mitarbeitende entlasten, sowie digitale Werkzeuge zur Tagesplanung und Aktivitätsgestaltung, die sowohl Bewohnerinnen und Bewohnern als auch den Teams zugutekommen sollen.

Nicht alle eingesetzten Technologien konnten sich im Praxistest bewähren. Nach Angaben von Korian überzeugten unter anderem eine Mobilitätsanalyse-App, ein EKG-Toilettensitz, Betten mit automatischer Lagerungsumstellung und Smartwatches im Alltag nicht. Entscheidend sei nicht allein die technische Raffinesse, sondern die Frage, ob eine Lösung praktisch einsetzbar ist und von den Teams akzeptiert wird.

Technik allein reicht nicht aus

Aus dem Projekt leitet Korian zwei zentrale strukturelle Erkenntnisse ab. Zum einen hat sich gezeigt, dass digitale Lösungen nur dann ihr Potenzial entfalten, wenn die technische Infrastruktur stimmt und die Systeme miteinander kompatibel sind. Ebenso wichtig sei, Mitarbeitende frühzeitig in Auswahl und Einführung der Technik einzubeziehen und sie gezielt zu schulen. Der leitende Gedanke dabei: Technologie soll Pflege unterstützen, nicht ersetzen.

Zum anderen hebt das Unternehmen die Bedeutung der Arbeitsorganisation hervor. Im Rahmen von Pflege 2030 wurde das Modell KubA – Kompetenz- und Bewohnerorientierte Arbeitsorganisation – weiterentwickelt und validiert. Es verfolgt den Ansatz, Pflegeprozess, Bezugspflege, Arbeitsorganisation und Kompetenzen der Mitarbeitenden gemeinsam weiterzuentwickeln. Nach Einschätzung des Unternehmens kann KubA grundsätzlich mit unterschiedlichen Teamstrukturen umgesetzt werden. Voraussetzung für einen nachhaltigen Erfolg seien jedoch die gezielte Weiterentwicklung von Pflegehilfskräften, ein dauerhaftes Engagement der Leitungsebene sowie kontinuierliche Investitionen in die Personalentwicklung. Ein solcher Wandel sei kein einmaliges Projekt, sondern ein mehrjähriger Prozess.

Übertragung auf weitere Standorte geplant

Einzelne Ergebnisse aus Karlsfeld werden nach Angaben von Korian bereits in die Fläche übertragen. So steht die KI-gestützte Sturzerkennung schon heute als buchbare Zusatzleistung in allen Einrichtungen zur Verfügung. Auch Reinigungsroboter sollen schrittweise an weiteren Standorten eingeführt werden.

Im vierten Quartal 2026 soll zudem an acht Pilotstandorten ein neues zentrales Pflegemanagementsystem starten, das Pflegedokumentation, Abrechnung sowie Dienst- und Tourenplanung zusammenführt. Dieses System soll die Grundlage für die weitere digitale Entwicklung im Unternehmen bilden. Der netzwerkweite Rollout ist für die erste Jahreshälfte 2027 vorgesehen. Auch die sprachgestützte Pflegedokumentation soll ab 2027 schrittweise im gesamten Netzwerk eingeführt werden.

Bis 2028 sollen alle in Karlsfeld validierten Lösungen auf das deutsche Korian-Netzwerk übertragen werden. Damit würden die Ergebnisse aus vier Jahren praktischer Erprobung künftig auch Bewohnerinnen und Bewohnern sowie Pflegeteams an anderen Standorten zugutekommen.

Karlsfeld als Referenzmodell

Nach Einschätzung des Unternehmens reicht die Bedeutung des Projekts über den deutschen Kontext hinaus. Die in Karlsfeld gewonnenen Erkenntnisse zu digitaler Infrastruktur, Arbeitsorganisation und praxistauglichen Innovationen sollen künftig auch die Innovationsstrategie der Clariane Gruppe in weiteren europäischen Ländern mitprägen. Karlsfeld werde damit zu einem Referenzpunkt für die Pflegeeinrichtung der Zukunft.

Das modulare Praxishandbuch zu „Pflege 2030“ steht nach Angaben von Korian ab sofort kostenfrei online zur Verfügung: https://www.korian.de/pflege2030/ 


Zur Pressemitteilung: https://www.korian.de/pressemeldungen/pflege-2030-in-karlsfeld-eine-blaupause-fuer-die-pflegeeinrichtung-der-zukunft-jetzt-geht-sie-ins-netzwerk/

Foto: Abschlussveranstaltung Korian Pflege 2030

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