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Neues Forschungsprojekt will Entlastungsangebote für pflegende Angehörige besser zugänglich machen

28. Juli 2026 durch
Neues Forschungsprojekt will Entlastungsangebote für pflegende Angehörige besser zugänglich machen
Franziska Reuther

Ein gemeinsames Forschungsprojekt der Hamburger Fern-Hochschule (HFH) und der Fachhochschule Dresden (FHD) untersucht, wie Angebote der Kurzzeit- und Verhinderungspflege sichtbarer und leichter auffindbar werden können. Forschende und Studierende bündeln dafür Daten aus Pflege, Tourismus und Demografie. Perspektivisch sollen die Ergebnisse als Grundlage für eine digitale Plattform dienen.

Pflegende Angehörige tragen einen wesentlichen Teil zur Versorgung pflegebedürftiger Menschen in Deutschland bei. Viele Familienmitglieder übernehmen diese Aufgabe über einen langen Zeitraum. Für Erholung und eigene Bedürfnisse bleibt ihnen im Pflegealltag häufig nur wenig Zeit.

Kurzzeit- und Verhinderungspflege nach § 39 SGB XI können Angehörigen eine vorübergehende Entlastung ermöglichen, etwa während eines Urlaubs oder im Krankheitsfall. Dennoch werden diese Angebote vergleichsweise selten genutzt. Als mögliche Gründe gelten fehlende geeignete Angebote, bürokratische Hindernisse und unzureichende Informationen über die bestehenden Möglichkeiten.

Gemeinsame Datenbasis für regionale Angebote

An dieser Situation setzt das Forschungs- und Entwicklungsprojekt „Kurzzeit- & Verhinderungspflege neu denken“ an. Das im Juli 2026 gestartete Vorhaben verbindet die Fachrichtungen Pflegemanagement, Wirtschaftsinformatik und Tourismusmanagement. Beteiligt sind neben den Wissenschaftlern auch Studierende der HFH und der FHD.

Zunächst sollen Informationen über Entlastungsangebote mit Daten aus Pflege, Tourismus und Demografie in einer gemeinsamen Datenbasis zusammengeführt werden. Damit wollen die Forschenden regionale Potenziale identifizieren und praxisorientierte Lösungsansätze entwickeln. Langfristig könnte auf dieser Grundlage eine Plattform entstehen, über die pflegende Angehörige leichter nach geeigneten Angeboten in ihrer Umgebung suchen können.

Das bis Juli 2027 laufende Projekt wird von Prof. Dr. Michael Heinrich-Zehm und Prof. Dr. Marco Waage von der HFH sowie Prof. Dr. Marco Richter von der FHD verantwortet. Sie bringen gemeinsam mit den beteiligten Studierenden ihre Expertise aus den drei Fachdisziplinen ein.

Datawarehouse bündelt Informationen aus mehreren Bereichen

Ein Schwerpunkt des Vorhabens liegt auf dem Aufbau eines Datawarehouses. In diesem sollen bislang getrennt vorliegende Informationen gebündelt und für weiterführende Analysen nutzbar gemacht werden. Berücksichtigt werden Daten aus dem Pflege- und Gesundheitswesen, Angaben zu touristischen Angeboten und zur regionalen Infrastruktur sowie demografische Daten und regionale Entwicklungen.

Die gemeinsame Datengrundlage soll dabei helfen, die aktuelle Nutzung der Kurzzeit- und Verhinderungspflege zu untersuchen. Erfasst werden soll unter anderem, welche Angebote und Voraussetzungen bereits bestehen, welche Hürden die Inanspruchnahme erschweren und an welchen Stellen Verbesserungen möglich sind.

Darüber hinaus geht das Projekt der Frage nach, welche Regionen besondere Entwicklungsmöglichkeiten für Angebote an der Schnittstelle von Pflege, Gesundheit und Erholung bieten. Auch die voraussichtliche regionale Entwicklung der Pflegebedürftigkeit wird betrachtet. Daraus sollen Erkenntnisse für die künftige Planung und Ausgestaltung entsprechender Angebote gewonnen werden.

Ein weiterer Untersuchungsbereich betrifft die konkreten Bedürfnisse pflegender Angehöriger. Die Forschenden wollen ermitteln, welche Formen der Unterstützung tatsächlich benötigt werden und wie Entlastungsangebote gestaltet sein müssen, damit sie sich in den Pflegealltag integrieren lassen.

Erfahrungen pflegender Angehöriger fließen ein

Die Perspektive pflegender Angehöriger ist ein wesentlicher Bestandteil des Projekts. Menschen, die selbst ein Familienmitglied pflegen und ihre Erfahrungen weitergeben möchten, können sich an der Forschung beteiligen. Dadurch soll vermieden werden, dass neue Angebote am tatsächlichen Unterstützungsbedarf vorbeigehen.

Zusätzlich arbeiten die Forschenden mit Pflegeberatungszentren und weiteren beteiligten Akteuren zusammen. Auf diese Weise sollen Erwartungen, Wünsche und regionale Besonderheiten erfasst und bei der Entwicklung der Konzepte berücksichtigt werden. Ziel sind Lösungen, die pflegende Angehörige im Alltag praktisch entlasten und vorhandene Unterstützungsangebote leichter zugänglich machen.

Wissenschaftlicher Ansprechpartner:
Prof. Dr. Michael Heinrich-Zehm

m.heinrich-zehm@hamburger-fh.de


Zur Pressemitteilung: https://www.hfh-fernstudium.de/aktuelles-forschungsprojekt-verhinderungspflege

Foto: stock.adobe.com – Ievgen Skrypko

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