Vor dem für Mittwoch, den 30. September 2026, geplanten Kabinettsbeschluss zum Pflegeneuordnungsgesetz (PNOG) fordert der Deutsche Pflegerat (DPR) einen grundlegenden Kurswechsel. Maßstab der Reform müsse der tatsächliche Versorgungsbedarf der Menschen sein – nicht die kurzfristige Finanzlage der Pflegeversicherung. Jede geplante Einsparmaßnahme müsse zudem auf ihre Folgen für die gesamte Versorgung geprüft werden.
„Der Referentenentwurf zum PNOG enthält richtige Ansätze bei Prävention, Rehabilitation und Pflegebegleitung. Jetzt muss daraus eine Reform werden, die die Versorgung tatsächlich besser organisiert“, sagt Christine Vogler, Präsidentin des Deutschen Pflegerats. „Ein gutes PNOG organisiert die Versorgung besser: bedarfsgerecht, zielgerichtet und zukunftsorientiert. Ein schlechtes PNOG organisiert nur den Mangel neu.“
Finanzierungs- und Strukturreform zusammendenken
Nach Auffassung des DPR gehören Finanzierungs- und Strukturreform zusammen. Eine ausschließliche Orientierung daran, wie schnell die Ausgaben der Pflegeversicherung gesenkt werden können, greife zu kurz. Die Gestaltung der Versorgung beeinflusse auch die Kosten, die an anderer Stelle entstünden.
Der DPR fordert deshalb eine Versorgungsfolgenabschätzung. Dabei müsse geprüft werden, welche Einsparungen eine Maßnahme tatsächlich bringt und welche Auswirkungen sie auf die betroffenen Menschen sowie auf die Kosten in anderen Bereichen hat.
„Bessere Strukturen sind unsere Chance, Versorgung zu sichern und die Kosten langfristig in den Griff zu bekommen. Wenn wir früher unterstützen, Selbstständigkeit erhalten, Rehabilitation konsequent nutzen, Versorgung koordinieren und Krisen verhindern, wirkt das weit über die Pflegeversicherung hinaus. Nicht weniger versorgen, sondern früher und besser – darauf kommt es an.“
Pflegefachpersonen eigenverantwortlich einsetzen
Für den Deutschen Pflegerat steht die geplante Pflegebegleitung beispielhaft für eine notwendige Kompetenzwende. Pflegefachpersonen könnten Unterstützungsbedarfe frühzeitig erkennen, beraten, Prävention und Rehabilitation anstoßen und komplexe Versorgung koordinieren.
Pflegebegleitung und Fallmanagement müssten daher als pflegefachliche Leistungen verankert werden. Pflegefachpersonen sollten diese Aufgaben eigenverantwortlich übernehmen und direkt abrechnen können.
„Die Profession Pflege muss als eigenständiger Teil der Lösung für Versorgung und Finanzstabilität anerkannt werden. Vorhandene Fachkompetenz nicht zu nutzen, ist Verschwendung. Wer die Versorgung sichern will, muss die Profession Pflege stärken und ihre Kompetenzen konsequent nutzen.“
Bedingungen für bedarfsgerechte Pflege sichern
Eine Reform, die die Versorgung nachhaltig verbessern soll, dürfe gleichzeitig nicht die Voraussetzungen für gute Pflege schwächen. Notwendige Leistungen sollten nicht aus finanziellen Gründen eingeschränkt werden. Der DPR fordert deshalb, die Tariftreue und eine verlässliche Refinanzierung sämtlicher Pflegepersonalkosten zu sichern.
Auch eine wissenschaftlich fundierte Personalbemessung dürfe sich nicht am bestehenden Personalmangel oder an Finanzierungsgrenzen orientieren. Der Pflegebedarf der Menschen werde nicht geringer, nur weil Personal oder finanzielle Mittel fehlten.
Zudem müsse die Pflegeversicherung von Aufgaben entlastet werden, die gesamtgesellschaftlich finanziert oder anderen Sicherungssystemen zugeordnet werden müssten. Kosten würden nicht verschwinden, wenn sie lediglich in andere Bereiche verschoben würden. Entscheidend sei eine insgesamt tragfähige Organisation der Versorgung für Menschen aller Altersgruppen, ihre An- und Zugehörigen und alle Pflegesettings.
DPR will PNOG an Versorgungsergebnissen messen
Christine Vogler fasst die Anforderungen des Deutschen Pflegerats zusammen:
„Wir brauchen keine Reform, die bedarfsgerechte Pflege kürzt und klein rechnet. Wir brauchen eine Reform, die sich konsequent daran messen lässt, ob sie die Versorgung von Menschen aller Altersgruppen in allen Pflegesettings nachhaltig sichert und verbessert.
Versorgungsbedarf vor Kürzungslogik. Kompetenz vor Berufsgrenzen. Die Profession Pflege als Teil der Lösung. Daran werden wir das PNOG messen.
Zur Pressemitteilung: https://deutscher-pflegerat.de/profession-staerken/pressemitteilungen/pnog-versorgung-sichern-statt-kuerzungslogik