
Autor/innen:
Manela Glarcher
(Hrsg.)
Bibliographische Daten:
Hogrefe,
1. Auflage 2026, 320 Seiten, 45,00 €, ISBN 978-3-456-86399-3
Rezensent/in:
Prof. Dr. Roman Helbig
Thematik und Kontext
Advanced Practice Nursing (APN) ist in vielen Ländern bereits umfassend implementiert. Auch für Deutschland kann es ein zukunftweisendes Versorgungskonzept sein. Es ist wissenschaftlich belegt, dass APN die Versorgungsqualität von Patient*innen als auch die Systemeffizienz verbessert. In Deutschland gilt die Etablierung von APN nach wie vor als wenig fortgeschritten. In den vergangenen Jahren wurden zwar neue Studienangebote geschaffen und verschiedene Praxisprojekte zur Implementierung von APN initiiert, der große Durchbruch ist bislang jedoch ausgeblieben. Das Buch kann einen Beitrag dazu leisten, mehr Grundlagenwissen zu vermitteln, Handlungsfelder als solche zu verstehen und die Implementierung zu beginnen. Bisher waren interessierte Personen angewiesen, vorwiegend englischsprachige Literatur zu lesen. Dies ändert sich durch das vorliegende Herausgeberwerk unmittelbar. Das Buch verfolgt das Ziel, internationale Bezüge herauszustellen und Potenziale für den deutschsprachigen Raum zu offenbaren. Die Mischung ermöglicht den unkomplizierten Transfer wesentlicher Erkenntnisse in die Praxis und bietet gleichsam Impulse.
Über die Herausgeberin
Priv.-Doz. Dr. Manela Glarcher, MSc, BSc, ist als Privatdozentin für Pflegewissenschaft am Institut für Pflegewissenschaft und -praxis der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität sowie als Honorary Fellow an der University of Wollongong in Australien tätig. Darüber hinaus ist Manela Glarcher Mitglied in verschiedenen Netzwerken: AFG International des Deutschen Netzwerks APN/ANP, Global Advanced Practice Research Collaborative (GAP-RC), European Academy of Nursing Science (EANS). Ihre Forschungsschwerpunkte liegen insbesondere im Feld Advanced Practice Nursing, Patient*innensicherheit sowie Outcome- und Versorgungsforschung.
Rahmen der Publikation
Das Advanced Practice Nursing-Buch ist ein praxisorientiertes und wissenschaftlich fundiertes Lehrbuch. Es ist außerdem ein Meilenstein für Deutschland, da die Literaturbestände zum Thema APN im aktuellen Diskurs vorwiegend englischsprachig vorliegen. Damit liegt nach langer Zeit wieder ein umfassendes deutschsprachiges Werk vor, das den aktuellen Erkenntnisstand abbildet. Das Buch schafft es, internationale Perspektiven, Rahmenmodelle, Rollenmodelle, Verantwortung und weitere Aspekte für interessierte Personen vereint darzustellen. Das Herausgeberwerk profitiert von einer großen Anzahl verschiedener Autor*innen, die gemeinsam dazu beitragen, dass sich dieses Buch zu einem Standard in Theorie und Praxis fortgeschrittener Pflegepraxis entwickeln wird.
Überblick zum Aufbau und Gliederung des Buches
Das Buch besteht aus zwei Teilen und insgesamt zehn Kapiteln. Der erste Teil befasst sich mit der internationalen Perspektive zu Advanced Practice Nursing. In diesem Buchteil wird die Entwicklung von APN in verschiedenen Ländern wie Australien, Kanada oder Japan beschrieben. Aber auch Theorien, Modelle und Frameworks sowie Setting- und populationsspezifische Differenzierung von Rollen werden betrachtet. Der Höhepunkt wird durch die Darstellung verschiedener Handlungsfelder in diversen Settings wie APN in der Kardiologie, Alterstraumatologie oder der Onkologie sehr praxisnah umgesetzt. Der zweite Buchteil befasst sich mit den Potenzialen im deutschsprachigen Raum. Es werden sowohl die theoretischen Grundlagen wie z.B. das Hamric-Modell sowie Grundlagen zum Clinical Assessment in den Handlungsfeldern von APN dargestellt. Der Höhepunkt in diesem Buchteil ist die Ableitung der Potenziale zu APN, gegliedert durch die Länder Deutschland, Österreich und der Schweiz.
Diskussion
Um Advanced Practice Nursing und das einhergehende Potenzial für den deutschsprachigen Raum zu verstehen, ist das Hamric-Modell elementar (S. 211ff.). Das Modell zeigt Kernkompetenzen erweiterter pflegerischer Handlungsfähigkeit, die von Pflegefachpersonen mit einem Masterabschluss in die unmittelbare klinische Tätigkeit eingebracht werden können. Zu den Kernkompetenzen gehören Zusammenarbeit, Coaching und Führung, Beratung und Konsultation, Forschung, klinisches und professionelles Leadership sowie ethische Entscheidungsfindung. Die Kernkompetenzen stehen für ein erweitertes Niveau pflegerischer Versorgung und sichern so die Abgrenzung zu anderen Pflegetätigkeiten. APNs können in verschiedenen Handlungsfeldern tätig sein und diese Kompetenzen unterschiedlich gewichtet eigenverantwortlich einbringen. Das vorliegende Buch stellt verschiedene Handlungsfelder (S. 98ff.) intensiv vor: In der Kardiologie können APNs z.B. das Selbstmanagement bei Patient*innen mit Herzinsuffizienz fördern, was unter anderem durch den demografischen Wandel und die Zunahme an chronischen Erkrankungen zunehmend wichtig wird. Auch der ambulante Raum profitiert von neuen Rollen wie Community Nursing als Versorgungsinstanz gemeindenaher Gesundheitsförderung. Die Potenziale einer erweiterten und fortgeschrittenen Pflegepraxis liegen insbesondere in der Verbesserung der Versorgungsqualität für Patient*innen und in einem möglichen Beitrag zur Bewältigung des zunehmenden Pflegenotstands. Ob diese Potenziale tatsächlich ausgeschöpft werden können, hängt jedoch maßgeblich davon ab, ob geeignete rechtliche, strukturelle und institutionelle Rahmenbedingungen geschaffen werden.
Fazit
Lässt sich das Fazit zu diesem Buch auf ein einziges Wort verdichten, dann lautet es: Großartig! Endlich ist ein aktuelles Grundlagenwerk zu Advanced Practice Nursing in deutscher Sprache erschienen, welches den Bogen von internationalen Bezügen bis in den deutschsprachigen Raum spannt. Es bietet für Dozent*innen, Studierende und Advanced Practice Nurses einen Mehrwert. Für Pflegefachpersonen, die die letzte Motivation für die Aufnahme eines Studiums zur Übernahme neuer Rollen suchen, kann das Buch entscheidende Impulse geben. Das Buch dient nicht nur dem Aufbau grundlegenden Wissens, sondern regt zugleich zu einer vertieften Auseinandersetzung mit einer modernen und professionellen pflegerischen Praxis an. Besonders gelungen ist dabei die ausgewogene Verbindung von theoretischen Grundlagen, praxisnahen Beispielen und anschaulichen Abbildungen.