
Autor/innen:
Matthias Prehm
Bibliographische Daten:
Springer Verlag, Heidelberg 2025, 155 Seiten, 34,99 € (Print), ISBN 978-3-662-71899-5 (Print), 29,99 € (eBook), ISBN 978-3-662-71900-8 (eBook)
Rezensent/in:
Simon Ludwig-Pricha
Teamarbeit gehört zu den Themen, bei denen sich vermutlich alle einig sind: Sie ist wichtig, sollte wertschätzend sein und ohne Kommunikation funktioniert sie nicht. Die konkrete Umsetzung guter Zusammenarbeit im beruflichen Alltag ist dennoch „work in progress“. Hier setzt Matthias Prehm mit Ein starkes Team in der Pflege an. Das Buch versteht sich weniger als wissenschaftliches Fachbuch sondernd als praxisorientierter Ratgeber. Pflegende sollen dabei unterstützt werden, den eigenen Anteil an gelingender Teamarbeit zu erkennen und zu gestalten.
Thematisch spannt Prehm dabei einen weiten Bogen. Ausgehend von der grundsätzlichen Bedeutung von Teamarbeit beschäftigt er sich unter anderem mit Mehrgenerationenteams und kultureller Vielfalt, der Wahrnehmung des Pflegeberufs und dem Berufsstolz. Weitere Kapitel widmen sich Teamfähigkeit, Anerkennung und Wertschätzung, Empathie und emotionaler Intelligenz, professionellem Handeln, Resilienz, Humor sowie der Rolle von Führungskräften. Damit greift das Buch zahlreiche Faktoren kurz und knapp auf, die Einfluss darauf haben können, ob Zusammenarbeit im Pflegealltag gelingt oder eben nicht.
Der Charakter eines Ratgebers zieht sich konsequent durch das gesamte Buch. Prehm spricht die Lesenden direkt an, arbeitet mit Beispielen aus dem Berufsalltag und formuliert immer wieder konkrete Tipps und Handlungsaufforderungen. Dabei geht es etwa darum, Konflikte direkt anzusprechen, Wertschätzung zu zeigen, Verantwortung zu übernehmen, das eigene Verhalten zu reflektieren oder sich bewusst mit den Bedürfnissen anderer Teammitglieder auseinanderzusetzen.
Ergänzt wird das Buch durch zahlreiche QR-Codes und Kurzlinks. Sie führen zu Videos, Interviews, Podcasts, weiterführenden Internetseiten und Materialien zur Selbstreflexion. Der Autor möchte damit über die reine Lektüre hinausgehen und Möglichkeiten zur persönlichen Weiterentwicklung anbieten. Gerade für Leserinnen und Leser, die sich erstmals mit Teamarbeit beschäftigen, ist dieser niedrigschwellige und handlungsorientierte Zugang durchaus attraktiv.
Allerdings liegt hier auch die wesentliche Einschränkung des Buches. Inhaltlich ist vieles richtig und für die Praxis relevant – wirklich neu ist davon jedoch wenig. Wertschätzung, Empathie, offene Kommunikation, Feedback, Resilienz, Verlässlichkeit, Selbstreflexion und ein konstruktiver Umgang mit Konflikten gehören inzwischen zum etablierten Repertoire der Literatur zu Teamarbeit und Führung. Auch die Ausführungen zum professionellen Handeln bewegen sich überwiegend entlang bekannter Werte wie Fairness, Verantwortungsübernahme, respektvoller Kommunikation und gegenseitiger Unterstützung. Wer sich bereits intensiver mit Kommunikation, Führung oder Teamentwicklung auseinandergesetzt hat, wird daher nur selten auf grundlegend neue Perspektiven stoßen.
Das muss nicht zwangsläufig gegen das Buch sprechen. Nicht jedes Buch muss ein Themenfeld neu erfinden. Als Einstieg bietet Ein starkes Team in der Pflege eine breite und gut zugängliche Orientierung und bündelt zahlreiche Aspekte an einem Ort. Für Auszubildende, Berufseinsteigende oder Mitarbeitende und Führungskräfte, die sich erstmals systematischer mit Teamarbeit beschäftigen möchten, ist das völlig in Ordnung. Wer dagegen bereits über entsprechende Vorkenntnisse verfügt oder eine vertiefte Auseinandersetzung mit Teamdynamiken erwartet, dürfte relativ schnell an die Grenzen des Buches stoßen. Es bleibt stärker beim praxisorientierten Versuch: „Wie kann ich es besser machen?“ als bei einer tieferen Analyse der dahinterliegenden Dynamiken und Strukturen.
Kritisch fällt zudem die visuelle Gestaltung auf. Das Buch enthält zahlreiche Abbildungen, Kästen und grafische Elemente, allerdings wirken diese stilistisch wenig aufeinander abgestimmt. Die einzelnen Elemente sind nicht zwingend schlecht gestaltet – in ihrer Gesamtheit entsteht jedoch keine überzeugende visuelle Linie. Manche Grafiken erinnern eher an Abbildungen aus wissenschaftlichen Abschlussarbeiten, andere wirken wie Illustrationen eines Ratgebers und wieder andere folgen einer völlig anderen Designsprache.
Diese Kritik ist weniger dem Autor als der verlegerischen Gestaltung anzulasten. Gerade Springer zeigt bei medizinischer Fachliteratur regelmäßig, dass komplexe Inhalte auch visuell hochwertig, modern und konsistent präsentiert werden können. Umso bedauerlicher ist es, wenn bei einem Buch über ein vermeintlich „weicheres“ Thema wie Teamarbeit dieser gestalterische Anspruch weniger konsequent verfolgt wird. Gerade ein praxisorientierter Ratgeber hätte von einer klaren, zeitgemäßen und einheitlichen visuellen Sprache erheblich profitieren können.
Fazit: Ein starkes Team in der Pflege ist ein zugänglicher und praxisnaher Ratgeber, der ein breites Spektrum relevanter Aspekte gelingender Teamarbeit zusammenführt. Matthias Prehm schreibt nah am beruflichen Alltag, gibt zahlreiche konkrete Impulse und erweitert das Buch durch digitale Zusatzangebote. Inhaltlich bleibt es allerdings weitgehend bei bekannten Konzepten und Empfehlungen. Für den Einstieg in das Thema ist das Buch daher gut geeignet; für eine vertiefte Auseinandersetzung mit Teamarbeit, Gruppendynamik oder Führung bietet es dagegen nur begrenzt Neues. Eine konsequentere und modernere grafische Gestaltung hätte den Ratgebercharakter zusätzlich stärken können. Wer einen unkomplizierten Einstieg und konkrete Denkanstöße für den eigenen Arbeitsalltag sucht, wird hier fündig. Wer bereits tiefer im Thema steckt, vermutlich deutlich weniger.