
Schewior-Popp, Susanne et al. (Hrsg.)
Thiemes Pflege 13. Auflage
Schewior-Popp, Susanne et al. (Hrsg.)Thiemes PflegeDas Lehrbuch für Pflegende in Ausbildung Georg Thieme Verlag, Stuttgart, 2017, 13., aktualisierte und erw. Aufl., 1480 S., 1892 Abb., 74,99 €, ISBN 9783132402935 (großes Format); 9783132402942 (kleines Format)
Eine Rezension von Paul-Werner Schreiner
Das zweite Inhaltsverzeichnis enthält leider nicht mehr die Kapitelgliederung. Das erhöht den Suchaufwand. Die Struktur des Lehrbuches ist ansonsten beibehalten worden.
• Der erste Teil ist den Grundlagen des Pflegeberufs gewidmet. Es finden sich hier Ausführungen zu der Entwicklung des Pflegeberufes und der Ausbildung sowie zu den Aufgaben und Arbeitsfeldern der Pflege. Pflegetheorien, Pflegewissenschaft und Pflegeforschung sind Gegenstand eines Kapitels, ebenso Organisation, Management und Recht. Dem Thema „Ethik“ ist – angemessen – ein eigenes Kapitel gewidmet. Ausführungen zur menschlichen Entwicklung und Sozialisation, zu Gesundheit und Krankheit, zu Gesundheitsförderung und Krankheitsprävention sowie zu den Grundlagen der Hygiene schließen den ersten Teil ab.
• Die ATLs sind Gegenstand des zweiten Teils des Buches. Am Anfang des Buches findet sich nach dem Vorwort der Herausgeber und Geleitworten von Franz Wagner, dem Bundesgeschäftsführer des DBfK, und Carsten Drude, dem Vorsitzenden des Bundesverbandes Lehrende Gesundheits- und Sozialberufe, ein Plädoyer für die Aktivitäten des täglichen Lebens als „Ordnungsstruktur im Kontext eines ganzheitlichen Menschenbildes“ aus der Feder von Liliane Juchli, der Erstherausgeberin des Lehrbuches, und Ursula Geißner, zeitweise Mitherausgeberin.
• Die Bilder zum Mobilisieren von Patienten mit Bewegungseinschränkungen aus der 11. Auflage wurden zwar ersetzt. Die jetzt vorhandenen Bilder sind aber auch nicht wirklich gut. Man könnte z. B. beim Rückenkolleg der BGW in Hamburg deutlich bessere Abbildungen bekommen.
• Die bereits in der Rezension der 11. Auflage angemahnten Ausführungen zum Expertenstandard Dekubitusprophylaxe fehlen in dem Kapitel „Dekubitusprophylaxe“ nach wie vor. Auch im Sachverzeichnis erscheint das Stichwort „Expertenstandard“ nur im Kontext von Harninkontinenz und Schmerzmanagement – in einem Lehrbuch für Auszubildende nicht wirklich verständlich.
• Der dritte Teil des Lehrbuches ist überschrieben mit „Bei der medizinischen Diagnostik und Therapie mitwirken“. Neben Ausführungen zu Infusionen, Transfusionen, Biopsien, Injektionen, Punktionen und zur Endoskopie werden hier die Grundlagen der Medikamentenlehre und des Umgehens mit Medikamenten vermittelt. Dem Wundmanagement ist ein eigener Abschnitt gewidmet, ebenso den pflegerisch relevanten Laborparametern (wobei sich hier die pflegerische Relevanz nicht immer erschließt) und bildgebenden Verfahren.
• In den Ausführungen zur Transfusion wäre es wünschenswert, wenn etwas expliziter auf die Regularien des Transfusionsgesetzes eingegangen würde – z. B., dass die Transfusion eine absolute ärztliche Vorbehaltstätigkeit ist, die nicht delegierbar ist. Ebenso sollte, da es diesbezüglich immer wieder Irritationen gibt, herausgestellt werden, worin der ärztliche Vorbehalt besteht – nämlich in der Identifizierung des Patienten und nicht im Aufdrehen der Rollerklemme am Transfusionssystem. Auch wäre deutlich zu machen, dass bis zu sechs Erythrozyten-Konzentrate in einem bestimmten Zeitfenster über ein System verabreicht werden dürfen, wenn entsprechende sterile Verschlusssysteme für EK-Beutel vorhanden sind.
• Gegenstand des vierten Teils ist die Gesundheits- und Krankenpflege bei bestimmten Patientengruppen. Das letzte Kapitel ist der Intensivpflege gewidmet. Die Ausführungen in dem Kapitel über Intensivpflege sind angesichts der Tatsache, dass es zu diesem Thema eigene dicke Lehrbücher gibt, notwendig verkürzt.
An dem letzten Beispiel wird das in den Rezensionen der vorhergehenden Auflagen angesprochene Grundproblem des Lehrbuches besonders deutlich. Es ist die Frage, ob bei zunehmendem Wissensstand eine eierlegende Wollmilchsau wirklich das geeignete Medium ist. Ein grundsätzlich begrenzter Raum und zunehmende Kenntnisse führen notwendig dazu, dass von immer mehr immer weniger und schließlich eben von allem nichts vermittelt wird.