• Pflegebezogene Mikroschulungen: Handlungsorientierte Patientenedukation in kleinen Wissensportionen

    Martin Schieron

    Hogrefe, Göttingen 2024, 197 Seiten, 35,00 €, ISBN 978-3-456-85966-8

    Edukation ist eine der Kernaufgaben der Pflege und gleichzeitig ein wesentlicher Beitrag zur Verbesserung von Gesundheit und Lebensqualität. Sie befähigt Patient:innen und Angehörige, aktiv an ihrem Genesungsprozess mitzuwirken, Risiken zu minimieren und Eigenverantwortung zu stärken. Trotz ihrer großen Bedeutung in Ausbildung und Lehre wird die Edukation in der Praxis oft unterschätzt oder nur unsystematisch umgesetzt. In seinem Buch Pflegebezogene Mikroschulungen widmet sich Martin Schieron der praxisnahen und strukturierten Gestaltung dieser Edukationsangebote in Form von Mikroschulungen. Schieron ist Diplom-Pflegewissenschaftler. Er verbindet 17 Jahre praktische Erfahrung in Krankenhäusern mit langjähriger Tätigkeit in Prävention und Wissenschaft. Seine intensive Auseinandersetzung mit edukativen Ansätzen, darunter die Entwicklung von Mikroschulungen, bildet die Grundlage für seine fundierte und praxisorientierte Betrachtung des Themas.

    Der Begriff Mikroschulungen wurde Anfang der 2000er-Jahre von Angelika Zegelin geprägt und beschreibt kleine, präzise Schulungseinheiten, die von Pflegefachpersonen zur Wissensvermittlung genutzt werden. Mit dieser Publikation verfolgt Schieron das Ziel, Pflegefachpersonen zu befähigen, Mikroschulungen eigenständig zu entwickeln und umzusetzen. Er bietet eine aktualisierte, praxisnahe Anleitung, die theoretische Grundlagen mit praktischen Werkzeugen für eine qualitätsgesicherte Patientenedukation verbindet. Das Buch ist somit nicht nur ein Werkzeug zur Erstellung und Implementierung von Mikroschulungen, sondern bietet auch theoretische Grundlagen und praxisorientierte Hinweise.

    Das Werk gliedert sich in zwei Teile: Der erste Teil fokussiert auf die Entwicklung und praktische Anwendung von Mikroschulungen. Leser:innen finden hier eine detaillierte Anleitung zur Erstellung von Schulungskonzepten, unterstützt durch praktische Beispiele, wie die „Mikroschulung Sturzvorbeugung“. Der zweite Teil bietet einen fundierten Überblick zu theoretischen Aspekten der Patienten- und Familienedukation sowie der Gestaltung von Schulungsmaterialien. Der Anhang bietet Vorlagen und eine Evaluation bestehender Konzepte, darunter die Mikroschulung „Sturzvorbeugung“ als praxisnahes Beispiel. Ergänzend stehen Materialien wie die Originalversion der ersten Mikroschulung zur „Subkutanen Injektion“ und deren Evaluation in einer Mediathek zum Download bereit, die Anregungen für eigene Entwicklungen liefern. Martin Schieron gelingt es, ein umfassendes Handbuch zu einem Thema vorzulegen, das bisher in der Pflegepraxis leider viel zu wenig Aufmerksamkeit  erhält. Die klare Struktur des Buches und die Verfügbarkeit begleitender Materialien in einer Mediathek machen es für Pflegefachpersonen in der Patientenversorgung, aber auch für Mitarbeitende von Patienteninformationszentren oder einer Bildungseinrichtung zu einem wertvollen Werkzeug.

    Neu und besonders praxisrelevant ist die detaillierte Darstellung der Erstellung von Mikroschulungen. Dies schließt die Anpassung an unterschiedliche Zielgruppen und Settings ein, was die Flexibilität und Vielseitigkeit des Ansatzes unterstreicht. Die Verbindung von Theorie und Praxis wird durch zahlreiche Beispiele und praxisnahe Hinweise unterstützt. Gleichzeitig bietet der theoretische Teil genügend Tiefe, um auch wissenschaftliche Ansprüche zu erfüllen.

    Gestalterisch überzeugt das Buch durch seine Übersichtlichkeit und gut aufbereitete Grafiken, die komplexe Inhalte anschaulich vermitteln. Besonders nützlich ist die Mediathek mit Materialien, die sowohl für Anfänger:innen als auch erfahrene Pflegefachpersonen wertvolle Ressourcen bereithält.

    Interessierte, die das Buch nutzen möchten, um Mikroschulungen für Kolleg:innen zu entwickeln und durchzuführen, werden feststellen, dass der Fokus ausschließlich auf der Schulung von Patient:innen und deren Zugehörigen liegt. Dabei werden gezielt deren spezifische Bedürfnisse und Anforderungen in den Mittelpunkt gestellt. Zudem wäre eine noch ausführlichere Darstellung von Erfahrungen aus der Implementierung in verschiedenen Pflegekontexten wünschenswert.

    Pflegebezogene Mikroschulungen ist ein richtungsweisendes Buch für alle, die in der Pflege tätig sind und Patientenedukation aktiv gestalten möchten. Es bietet eine gelungene Mischung aus Theorie, Praxis und konkreten Werkzeugen, die direkt anwendbar sind. Insbesondere Pflegefachpersonen, die ihre pädagogischen Kompetenzen erweitern wollen, sowie Lehrende und Studierende der Pflegewissenschaft profitieren von dieser Publikation.

    Mit seiner praxisorientierten Ausrichtung und der fundierten Weiterentwicklung eines bewährten Konzepts leistet Martin Schieron einen wertvollen Beitrag zur Weiterentwicklung und Professionalisierung der Pflege.

    Eine Rezension von Johannes Wünscher, MSc.

  • New Work – Arbeitskultur in der Pflege neu gedacht

    Katharina Day (Hrsg.)

    Facultas Verlag, Wien 2024, 109 Seiten, 16,40 €, ISBN 978-3-7089-2489-2

    Der von Katharina Day herausgegebene Tagungsband New Work – Arbeitskultur in der Pflege neu gedacht beschäftigt sich mit den aktuellen Herausforderungen in der Pflegebranche und der Frage, wie innovative Arbeitsmodelle zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen beitragen können. Im Zentrum steht die Idee von New Work, einem Konzept, das in den 1970er-Jahren von Frithjof Bergmann geprägt wurde und sich mit neuen Formen der Arbeit und Selbstbestimmung befasst. 
    Die Publikation geht auf eine Fachtagung zurück, die am 3. Oktober 2024 am Campus Rudolfinerhaus in Wien stattfand und verschiedene Stimmen von Expert*innen aus Wissenschaft und Praxis vereint.
    Mag.a Katharina Day studierte Internationale Betriebswirtschaftslehre, arbeitete in Marketing- und Projektmanagementfunktionen in der Telekommunikations- und Pharmabranche, sammelte internationale Erfahrung in Großbritannien und der Schweiz und ist seit 2016 als Praktikumskoordinatorin am Campus Rudolfinerhaus für die praktische Ausbildung mitverantwortlich.
    Die Gliederung des Buches folgt einer nachvollziehbaren Struktur, die zunächst grundlegende Fragestellungen und Forschungsergebnisse zur Arbeitszufriedenheit in der Pflege behandelt, bevor konkrete Praxisbeispiele vorgestellt werden. 
    Das Buch ist in zwei Hauptbereiche gegliedert: theoretische Grundlagen und praxisorientierte Umsetzungsbeispiele.
    Einleitend analysieren Benesch et al. in ihrem Beitrag „Pflegekraft sucht JobTreffer!“, welche Erwartungen Pflegefachpersonen an Arbeitsbedingungen haben und welche Faktoren ihre berufliche Zufriedenheit beeinflussen. Dabei wird deutlich, dass eine bessere Work-Life-Balance, mehr Mitbestimmung und ein wertschätzendes Arbeitsumfeld entscheidend sind.
    Darauf aufbauend zeigt Marion King in „Gute Arbeit! Ein Wegweiser durch neue Arbeitsmodelle“ verschiedene Strategien auf, die Pflegefachpersonen mehr Partizipation und Selbstwirksamkeit ermöglichen. Sie hebt besonders die Bedeutung flacher Hierarchien und flexiblerer Arbeitsstrukturen heraus.
    Ein Praxisbeispiel bietet Philipp Tessin in seinem Beitrag über die AGAPLESION-Kliniken. Dort wurden innovative Arbeitsmodelle erfolgreich eingeführt, beispielsweise flexible Arbeitszeiten, teamzentrierte Strukturen und Mitbestimmung der Pflegefachpersonen. Diese Maßnahmen hatten eine höhere Arbeitszufriedenheit und eine verbesserte Versorgungsqualität zur Folge.
    Einen weiteren innovativen Ansatz stellt Wolfgang Huber vor, indem er das in Österreich adaptierte niederländische Buurtzorg-Modell beschreibt. Dieses setzt auf kleine, selbstorganisierte Teams, die eigenverantwortlich die Planung und Versorgung übernehmen. Schwerpunkte liegen auf interdisziplinärer Zusammenarbeit, Digitalisierung und Bürokratieabbau. Erste Erfahrungen zeigen eine höhere Zufriedenheit der Pflegefachpersonen und Patient*innen. Jedoch bestehen Herausforderungen in Bezug auf Finanzierung und rechtliche Rahmenbedingungen.
    Zum Abschluss schildern Ewers, Wolf und Moser im Beitrag „New Work – Leitbild und Kultur für die Pflege der Salzburger Landeskliniken“, wie New Work-Prinzipien in einer großen Klinikorganisation erfolgreich zur Anwendung kommen. Die Salzburger Landeskliniken (SALK) setzen auf eine mitarbeiterzentrierte und wertebasierte Arbeitskultur mit partizipativen Entscheidungsstrukturen und interprofessionellen Teams. Besondere Aufmerksamkeit gilt der Mitbestimmung der Pflegefachpersonen bei Dienstplänen, um Arbeitszufriedenheit und Versorgungsqualität zu steigern. Regelmäßige Feedbackgespräche und Workshops unterstützen zudem die Identifikation mit der eigenen Arbeit und dem Unternehmen. Flexible Arbeitszeitmodelle, darunter selbstbestimmte Dienstpläne, sollen die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben erleichtern.

    Bewertung und Relevanz

    Die Publikation bietet eine fundierte Auseinandersetzung mit den Chancen und Herausforderungen von New Work in der Pflege. Durch die Verbindung theoretischer Analysen mit praxisnahen Beispielen ist sie sowohl für Wissenschaftlerinnen als auch für Entscheidungsträgerinnen im Gesundheitswesen von Interesse.
    Besonders wertvoll sind empirische Untersuchungen, die zeigen, welche Faktoren für die Zufriedenheit und den Verbleib von Pflegefachpersonen im Beruf entscheidend sind. Die Studien belegen, dass unzureichende Arbeitsbedingungen und mangelnde Mitgestaltungsmöglichkeiten häufige Gründe für Berufsausstiege sind.
    Ein kritischer Punkt ist die Übertragbarkeit der vorgestellten Konzepte. Viele Modelle sind stark an spezifische institutionelle Rahmenbedingungen gebunden und lassen sich nicht ohne Weiteres auf andere Einrichtungen übertragen. Dennoch wird deutlich, dass flexible und partizipative Strukturen realisierbar sind und positive Effekte erzielen.
    Die Publikation ist klar und übersichtlich strukturiert. Die Texte sind gut lesbar und wissenschaftlich fundiert, jedoch ohne übermäßigen Fachjargon. Grafische Darstellungen werden sparsam, aber gezielt eingesetzt. Besonders hilfreich sind Zusammenfassungen und Praxisbeispiele, die theoretische Überlegungen veranschaulichen.

    Fazit

    New Work – Arbeitskultur in der Pflege neu gedacht bietet wertvolle Impulse für die Zukunft der Pflege. Die Verbindung von wissenschaftlichen Erkenntnissen mit erprobten Praxisbeispielen macht das Buch zu einer wertvollen Ressource für alle, die innovative Arbeitsmodelle entwickeln und umsetzen möchten. Trotz Herausforderungen in der Umsetzung zeigt der Sammelband, dass eine Neugestaltung der Arbeitskultur in der Pflege möglich ist und langfristig zu besseren Arbeitsbedingungen führen kann.
    Was diese Publikation besonders macht, ist die Verknüpfung von wissenschaftlichen Erkenntnissen mit praxisnahen Umsetzungen. Während in vielen Arbeiten über New Work oft theoretische Konzepte dominieren, legt dieser Band einen starken Fokus auf anwendbare Lösungen im Pflegebereich. Besonders wertvoll sind die empirischen Untersuchungen, die zeigen, welche Faktoren Pflegefachpersonen als entscheidend für ihre Zufriedenheit und ihren Verbleib im Beruf bewerten. Die Ergebnisse belegen eindrücklich, dass Mängel in den Arbeitsbedingungen maßgeblich zur Abwanderung aus der Pflege beitragen. 
    Durch die Darstellung erfolgreicher Praxisbeispiele wird deutlich, dass alternative Arbeitsmodelle nicht nur theoretisch denkbar, sondern auch umsetzbar sind.
    Allerdings bleibt die Frage offen, inwieweit sich alle vorgestellten Konzepte auf andere Kontexte übertragen lassen. Ist ein Transfer tatsächlich möglich angesichts der sehr spezifischen institutionellen Rahmenbedingungen?
    Insgesamt ist New Work – Arbeitskultur in der Pflege neu gedacht eine empfehlenswerte Lektüre für alle, die sich mit der Weiterentwicklung von Arbeitsmodellen im Pflegebereich beschäftigen. Wer sich mit innovativen Arbeitsmodellen auseinandersetzt, findet hier eine fundierte und gut strukturierte Übersicht über aktuelle Entwicklungen im Bereich „New Work‟ in der Pflege.

    Eine Rezension von Michaela Key 
    MSc. Gesundheits -und Pflegepädagogik

  • Telematikinfrastruktur: Pflegeeinrichtungen stehen vor Herausforderungen bei der Umsetzung

    Die Anbindung der Pflegeeinrichtungen in Deutschland an die Telematikinfrastruktur (TI) ist beschlossen. Bis zum 1. Juli 2025 müssen rund 36.000 ambulante und stationäre Pflegeeinrichtungen an die TI angeschlossen sein. Doch wenige Monate vor Ablauf der Frist zeigt sich, dass noch erheblicher Handlungsbedarf besteht.

    Eine gemeinsame Umfrage des Bundesverbands Gesundheits-IT – bvitg e. V. und der opta data Gruppe, durchgeführt mit Unterstützung der Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege e. V. (BAGfW), des Bundesverbands Ambulante Dienste und Stationäre Einrichtungen (bad) e. V., des Deutschen Berufsverbands für Pflegeberufe e. V. (DBfK) sowie des Deutschen Pflegerats e. V. (DPR), liefert aktuelle Einblicke in den Stand der TI-Anbindung. Demnach gaben 92 Prozent der befragten Einrichtungen (280 von 306) an, über die verpflichtende Anbindung informiert zu sein.

    Trotz dieser hohen Bekanntheit sind bislang nur knapp 12.000 Einrichtungen – etwa 33 Prozent – einen Schritt weitergegangen und haben eine SMC-B-Karte beantragt. Diese ist für den Zugang zur TI erforderlich, wurde jedoch bislang noch nicht an die betreffenden Einrichtungen ausgegeben.

    „Die Umfrage hat unseren Eindruck bestätigt, dass die Anbindung der Pflege an die Telematikinfrastruktur nicht mit – sondern nebenhergedacht wird. Bei den Herausforderungen, die Pflegeeinrichtungen momentan zu stemmen haben, nicht verwunderlich. Hier müssen die Einrichtungen dringend besser informiert und auch praktisch in der Umsetzung unterstützt werden“, konstatiert bvitg-Geschäftsführerin Melanie Wendling.

    Die Zahl der bereits vergebenen KIM-Adressen (Kommunikation im Medizinwesen) fällt mit rund 2.000 noch geringer aus. Innerhalb der kommenden vier Monate müssen daher noch etwa 27.000 Pflegeeinrichtungen eine SMC-B-Karte beantragen und mehr als 34.000 Einrichtungen an den KIM-Fachdienst angebunden werden.

    Auf die Frage nach den noch bestehenden Hürden bei der TI-Anbindung nannten 200 von 251 befragten Einrichtungen (80 %) insbesondere fehlende Schulungen, Anleitungen und Serviceangebote als zentrale Herausforderungen. Zwar haben die Informationskampagnen der Verbände ihre Wirkung gezeigt und die Einrichtungen rechtzeitig sensibilisiert, doch die praktische Umsetzung des Übergangs bleibt eine Herausforderung.

    Wolfgang Voßkamp (bad e. V.): „Das größte Hindernis für die Einrichtungen, sich anschließen zu lassen ist die andauernde Unzuverlässigkeit. Bisher ist nicht eine einzige Umsetzung der Fachdienste fristgerecht umgesetzt worden. In der täglichen Beratung wird deutlich, dass niemand an die vorgegebenen Startdaten glaubt und sich der größte Teil der Einrichtungen deswegen nicht traut, Investitionen vorzunehmen. Der bad e. V. hatte schon 2024 vorgeschlagen, alle Termine so weit zu verschieben, dass sie dann sicher eingehalten werden können.
    Die Wahrscheinlichkeit, dass bis zum 1. Juli 2025 alle ambulanten und stationären Pflegeeinrichtungen an die TI angeschlossen sein werden, ist illusorisch.“


    Zur Pressemitteilung: https://www.bvitg.de/pressemitteilung-telematikinfrastruktur-in-der-pflege-die-naechste-huerde-nehmen/

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  • Deutscher Pflegerat legt Koalitionsvertragstext zur Stärkung der Profession Pflege vor

    Der Deutsche Pflegerat (DPR) hat ein wegweisendes Impulspapier für die laufenden Koalitionsverhandlungen veröffentlicht. Erstmals enthält ein solches Papier einen vollständig ausformulierten Koalitionsvertragstext aus der Perspektive der Pflegeberufe.

    Mit diesem Vorschlag gibt der DPR der Politik einen konkreten und direkt umsetzbaren Impuls, um die beruflich Pflegenden nachhaltig zu stärken und die pflegerische Versorgung in Deutschland zukunftssicher auszurichten.

    Pflege als gesamtgesellschaftliche Aufgabe

    „Die pflegerische Versorgung ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Ohne eine starke und eigenständige Pflegeprofession wird es keine zukunftssichere Gesundheitsversorgung geben“, betont Christine Vogler, Präsidentin des Deutschen Pflegerats. „Mit unserem Impulspapier zeigen wir, welche Maßnahmen konkret erforderlich sind, um die beruflich Pflegenden zu stärken und die Versorgungssicherheit für Millionen Menschen zu gewährleisten.“

    Zentrale Forderungen des Deutschen Pflegerats

    Der Deutsche Pflegerat (DPR) fordert unter anderem:

    • Schnelle Umsetzung zentraler Gesetzesvorhaben: Das Pflegekompetenzgesetz und das Pflegefachassistenzeinführungsgesetz sollen innerhalb der ersten 100 Tage der neuen Bundesregierung erneut ins parlamentarische Verfahren eingebracht werden.
    • Gleichberechtigte Einbindung der Pflege in die Selbstverwaltung des Gesundheitswesens: Der Deutsche Pflegerat sowie die bestehenden Landespflegekammern müssen institutionalisiert und finanziell abgesichert in die gesundheitspolitische Entscheidungsfindung integriert werden.
    • Anerkennung der Pflege als eigenständige Säule des Gesundheitswesens: Die Pflegeprofession soll aktiv an der Gestaltung und Umsetzung der Versorgungsstrukturen beteiligt werden, um eine nachhaltige Gesundheitsversorgung und Prävention zu gewährleisten.

    Aufruf an die Politik

    Die professionell Pflegenden sind eine tragende Säule des Gesundheitswesens und leisten einen entscheidenden Beitrag zur Versorgungssicherheit und Gesundheitsprävention. Eine zukunftsfähige Gesundheitsversorgung in Deutschland ist ohne eine starke und eigenständige Pflegeprofession nicht realisierbar.

    Um dies zu gewährleisten, sind politische Weichenstellungen erforderlich, die den Pflegenden mehr Handlungsautonomie, Selbstständigkeit und verbesserte Arbeitsbedingungen ermöglichen. Der Deutsche Pflegerat appelliert daher an die politischen Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger, die Impulsvorschläge des Rats in den Koalitionsverhandlungen zu berücksichtigen und so ein klares Signal für die Zukunft der Pflege zu setzen.

    Das vollständige Impulspapier können Sie hier lesen.


    Zur Pressemitteilung: https://deutscher-pflegerat.de/profession-staerken/pressemitteilungen/deutscher-pflegerat-legt-ausformulierten-koalitionsvertragstext-zur-staerkung-der-profession-pflege-vor

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  • Innovationspreis für die Langzeitpflege verliehen

    Unter dem Motto „Innovationen für ein selbstbestimmtes und würdevolles Altern“ hat der Verband katholischer Altenhilfe in Deutschland im Rahmen seiner Bundestagung drei praxiserprobte Projekte mit dem Innovationspreis für die Langzeitpflege ausgezeichnet. Mitglieder des Verbandes hatten die Gelegenheit, ihre Projekte einzureichen. Die prämierten Projekte eröffnen neue Perspektiven für eine zukunftsfähige Pflege.

    Zukunftsweisende ambulante Versorgung: 1. Preis für „Integrierte Pflegebegleitung“

    Pflegebedürftigkeit stellt Angehörige häufig vor große Herausforderungen. Genau hier setzt das Projekt „Integrierte Pflegebegleitung“ der Caritasverbände Paderborn und Olpe an. Diese neue Leistung ambulanter Pflegedienste kombiniert individuelle Beratung, psychosoziale Unterstützung und eine enge Vernetzung mit dem sozialen Umfeld der Betroffenen. Ein interdisziplinäres Team aus Pflegekräften, Sozialarbeiter:innen und Alltagsbegleiter:innen bietet Menschen im Alter sowie pflegenden Angehörigen bis zu sechs Monate lang Unterstützung, bis die Pflegesituation stabilisiert ist.

    Ein geschützter Raum für schwule Männer mit Demenz: 2. Preis für „Bleib Du!“

    Der Caritasverband Düsseldorf hat mit dem Projekt „Bleib Du!“ ein bundesweit einzigartiges Angebot ins Leben gerufen, das speziell auf schwule Männer mit Demenz ausgerichtet ist. Männer, die im Laufe ihres Lebens oft Ausgrenzung erfahren haben, finden hier einen geschützten Raum, in dem sie sich verstanden und akzeptiert fühlen. Das Projekt setzt auf einen Peer-to-Peer-Ansatz: Ehrenamtliche schwule Männer begleiten die Teilnehmenden, um ihnen soziale Teilhabe zu ermöglichen. Das wöchentliche Treffen hat sich mittlerweile zu einer starken Gemeinschaft entwickelt, die sich gegenseitig unterstützt und stärkt.

    Sorgende Dorfgemeinschaft: 3. Preis für das „Quartiershaus Hetzerath“

    Mit dem Quartiershaus Hetzerath hat die Pflegegesellschaft St. Martin Trier der BBT-Gruppe ein innovatives Konzept für den ländlichen Raum entwickelt. Das Haus vereint verschiedene Wohn- und Pflegeangebote, einen Nachbarschaftstreff, Tagespflege sowie ein medizinisches Versorgungszentrum. Auf diese Weise entsteht eine „sorgende Dorfgemeinschaft“, die pflegebedürftige Menschen in ihrem gewohnten Umfeld unterstützt. Durch das Engagement eines Bürgervereins werden niederschwellige Betreuungsangebote und eine aktive Nachbarschaftshilfe gewährleistet.

    Barbara Dietrich-Schleicher, Vorsitzende des Verbandes katholischer Altenhilfe in Deutschland, würdigt das Engagement aller Teilnehmenden: „Angesichts der herausfordernden Lage in der Pflege ist es beeindruckend, wie viele unserer Mitglieder sich – im Großen wie im Kleinen – für Veränderungen im Sinne der Pflegebedürftigen einsetzen. Jedes dieser Projekte zeigt, dass es Menschen gibt, die mit Herzblut an Lösungen arbeiten. Dafür gebührt allen Beteiligten unser Dank. Wir hoffen, dass die unterschiedlichen Projekte Kreise ziehen, denn eines ist klar: Die Zukunft der Pflege als gesamtgesellschaftliche Aufgabe gelingt besser, wenn es vor Ort Ideengeber für ein gemeinsames Miteinander gibt. Den Gewinner:innen gratulieren wir sehr herzlich!“

    Der VKAD-Innovationspreis wird alle zwei Jahre verliehen. Die nächste Ausschreibung findet 2027 statt.

    Mehr Informationen zu den Gewinnerprojekten und allen Bewerbungen finden sich auf www.vkad.de/innovationspreis


    Zur Pressemitteilung: https://www.vkad.de/innovationspreis-fur-die-langzeitpflege-drei-wegweisende-projekte-ausgezeichnet/

    Foto: Preisträger:innen 1. Platz: V.l.n.r. Mirielle Röttger und Rainer Keßler (beide Caritasverband Paderborn e.V.), Marion Hegener und Dirk Schürmann (beide Caritasverband für den Kreis Olpe e.V.),  Fotograf: Timo Allin

  • Pflegekammer NRW kritisiert Bürokratie: Pflegekräfte erheben Daten, die nicht genutzt werden

    Angesichts des steigenden Arbeitsaufkommens in der Pflege warnt die Pflegekammer NRW das Institut für das Entgeltsystem im Krankenhaus (InEK) davor, Pflegefachpersonen mit zusätzlichem bürokratischem Aufwand zu belasten. Konkret geht es um die Erhebung von Daten zur Berechnung des Personalbedarfs, die derzeit von Pflegekräften während ihrer Dienstzeit erfasst und eingepflegt werden. „Es kann doch nicht sein, dass diese Daten, die von Pflegefachpersonen für das InEK erhoben werden, dort letztlich gar keine Verwendung finden. Das bindet unnötig Ressourcen, sorgt für Frust bei den Kolleg*innen und schafft keinerlei Mehrwert“, kritisiert Sandra Postel, Präsidentin der Pflegekammer NRW. Die Kammer fordert daher eine sinnvolle Nutzung der erhobenen Daten oder eine deutliche Reduzierung der Dokumentationspflichten. Ziel müsse es sein, Pflegefachpersonen von überflüssiger Bürokratie zu entlasten und ihnen mehr Zeit für die eigentliche pflegerische Versorgung zu ermöglichen.

    Die Kammer ruft das InEK dazu auf, das System der „Pflegepersonalregel 2.0“ (PPR 2.0), für das diese Daten erhoben werden, kritisch zu überprüfen. „Wir sind uns darin einig, dass wir eine präzise Berechnung des Personalschlüssels brauchen, die sich am tatsächlichen Bedarf auf einer Station während einer Schicht orientiert“, so Postel. Dass hierfür möglichst schichtgenaue Daten erhoben werden müssen, leuchte ein. Allerdings: „Wenn die nicht im Interesse der Pflegefachpersonen auch ausgewertet werden, ergibt das alles keinen Sinn“, sagt die Kammer-Präsidentin.

    Hintergrund zur PPR 2.0: Die „Pflegepersonalregel 2.0“ (PPR 2.0) ist ein Punktesystem zur Ermittlung des individuellen Pflegebedarfs von Patient/innen. Es bestimmt, in welchem Umfang pflegerische Unterstützung erforderlich ist – beispielsweise bei der Ernährung oder der Wundversorgung. Auf Grundlage dieser Einstufung wird der Personalbedarf berechnet und festgelegt, wie vielePflegefachpersonen pro Patient/in erforderlich sind. In der praktischen Umsetzung bringt das System jedoch erhebliche Herausforderungen mit sich.

    Innerhalb der Pflegekammer NRW engagieren sich zahlreiche Pflegefachpersonen aus der Praxis, die auf Schwierigkeiten bei der Umsetzung der PPR 2.0 hinweisen. Ein Beispiel aus der Kinderkrankenpflege verdeutlicht die Problematik: Die digitalen Tools der PPR 2.0 berücksichtigen die Unterschiede zwischen Erwachsenen und Kindern nicht ausreichend. Dies kann zu fehlerhaften oder ungenauen Einstufungen und damit zu einer nicht bedarfsgerechten Versorgung der Patient*innen führen. Zudem zeigt sich, dass die auszufüllenden Unterlagen in der Kinderkrankenpflege an vielen Stellen unterschiedlich interpretiert werden können. Dadurch handhaben Krankenhäuser die Dokumentation uneinheitlich, was eine bundesweite Vergleichbarkeit der Daten erschwert. In der Folge werden die erhobenen Informationen nicht sinnvoll genutzt.

    „Wir möchten sicherstellen, dass Pflegefachpersonen ihre Zeit dort einsetzen können, wo sie am meisten gebraucht wird – bei der direkten Versorgung der Patient*innen. Die Bürokratie muss so gestaltet werden, dass sie die Pflege nicht unnötig belastet und die Qualität der Versorgung nicht beeinträchtigt“, erklärt Sandra Postel, Präsidentin der Pflegekammer NRW.


    Zur Pressemitteilung: https://www.pflegekammer-nrw.de/pflegekammer-nrw-bemaengelt-zeitverschwendung-in-der-pflege-durch-erhebung-von-daten-die-nicht-genutzt-werden/

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  • Als wir nur tüchtige Mädchen waren – Wie wir die Seele der Pflege verstehen

    Christa Olbrich

    Wermeling Verlag, Münster 2025, 213 Seiten, 23,00 €, ISBN 978-3-9821318-7-0

    Das Buch mit dem provokanten Titel Als wir nur tüchtige Mädchen waren. Wie wir die Seele der Pflege verstehenbeleuchtet die Sozialisierung und Professionalisierung des Pflegeberufs in Deutschland anhand gesellschaftlicher und (gesundheits)politischer Entwicklungen sowie autobiographischer oftmals auch anekdotischer Bezüge der Autorin.

    Prof. em. Dr. phil. Christa Olbrich hat fast das komplette Karriere-Spektrum der Pflege durchlaufen – sie war Krankenhaushelferin, Krankenschwester, Stationsleitung, Pflegepädagogin, hat promoviert und hatte die Professur Pflegedidaktik und Pflegewissenschaft, zeitweise als Dekanin, der Katholischen Hochschule in Mainz inne. Zudem ist sie Autorin verschiedener autobiographischer und fachlicher Bücher, unter anderem auch des Standardwerks Pflegekompetenz. Man kann sie zurecht als eine der Pflegepionierinnen Deutschlands bezeichnen, was auch ihre weiterhin umfangreiche Dozentinnen-/Referentinnentätigkeit zeigt.

    Das Werk ist als eine Art Autobiographie im Kontext der Entwicklung des Pflegeberufs anzusehen und zeigt die Möglichkeiten, Ressourcen aber auch Grenzen der zunehmenden Professionalisierung der Pflege in Deutschland auf und endet mit einer Vision, wie sich Pflege weiter entwickeln könnte und sollte. 

    Anhand der eigenen persönlichen Historie eingebettet in den historischen Wandel der jeweiligen Zeit wird die Professionalisierung und Sozialisierung der Pflege in Deutschland erläutert. Beginnend mit der eigenen Ausbildung als Krankenhaushelferin über die eigene Sozialisierung als Krankenpflegerin mit Leitungsfunktion bis hin zur eigenen Akademisierung mit dem Innehaben einer Professur wird insbesondere auch auf die Rolle und den Blick auf das weibliche Geschlecht mitsamt gesellschaftlicher und politischer Entwicklungen Bezug genommen und beides miteinander verwoben.

    Das Buch bietet einen guten Überblick über die Möglichkeiten der eigenen beruflichen Professionalisierung eingebettet in den jeweiligen Zeitgeist mit Tipps aus persönlichen Anekdoten, manches Mal auch „Grabenkämpfen“ und endet mit einer Vision, wie sich Pflege künftig selbstbewusst, im wahrsten Sinn des Wortes, verorten kann. Somit dient es Pflegenden aller Ebenen, aber auch weiteren Gesundheitsfachberufen (Ärzt:innen hierbei mitgemeint), als Anreiz, die eigene Historie und Karriere sowie berufliche Entwicklungen zu überdenken.

    Zwar spannen manche Anekdoten und Bezüge zeitweise den Bogen von der Mikro- hin zur Meso- und Metaebene, allerdings verliert man sich nicht in etwaigen Gedankensprüngen, sondern kann die entsprechenden Erklärungen und gegenseitigen Einflussfaktoren gut nachvollziehen, da sich beides zum Teil gegenseitig bedingt.

    Das Ziel des Buchs, die persönliche, berufliche Entwicklung zu reflektieren sowie daraus hervorgehend Chancen und Grenzen auszuloten, wird erreicht, allerdings bleibt die Reflexion des beruflichen Selbstverständnisses oberflächlich, was aber auch durch die generalisierte Unklarheit in selbigem zu erklären ist. Trotz der teils rasanten, nichtsdestotrotz ausländischen Vorbildern um Jahrzehnte hinterherhinkenden, Entwicklung der teils selbsternannten Profession Pflege in Deutschland, bleibt weiterhin unklar, was den Kern pflegerischen Handelns ausmacht. Hierbei wird der Bogen zwischen dem Selbstverständnis als Arzt/Ärzt:inassisstenz bis hin zur selbsterschöpfenden und unerschöpflichen Ganzheitlichkeit gespannt, unklar bleibt allerdings nach wie vor die Frage „Was ist Pflege?“. Die Lösung liegt vermeintlich in der Thematik Vorbehaltsaufgaben bei welcher „die Pflege“ als eine Art Lotsenfunktion fungiert, unscharf bleibt hierbei trotz dessen, welche originären pflegerischen Grundlagenaufgaben dies beinhalten soll. Zwar bietet die Autorin mit dem Thememkomplex „Spiritual Care“ eine Möglichkeit an, allerdings kommt dies der ganzheitlichen Betrachtung und Behandlung des Individuums recht nah.

    Das Buch ist aufgrund der Orientierung am historischen Zeitstrahl mitsamt den entsprechenden persönlichen, gesellschaftlichen und (berufs)politischen Entwicklungen übersichtlich gestaltet sowie nachvollziehbar gegliedert und behandelt aufgrund der weiterhin unablässigen Entwicklung im Gesundheitswesen ein äußerst aktuelles Thema. Es lohnt sich nicht nur deshalb, die vergangene vor dem Hintergrund der gegenwärtigen und zukünftigen Entfaltung der Pflege im Rahmen der Lektüre dieses Buchs zu reflektieren. Insgesamt fokussieren die Inhalte vor allem die Krankenpflege und das Krankenhaussetting, die Altenpflegesicht wird teilweise zu wenig adressiert. Auch wenn die Themen Vorbehaltsaufgaben und Verkammerung als mögliche Lösungen benannt werden, muss hierbei festgehalten werden, dass die Pflege in ihrer Gesamtheit wenig Bestrebungen zeigt, sich selbst der sogenannten Disziplinargesellschaft mit einer starken Fokussierung auf Selbstverwirklichung zuzuordnen. Es ist allerdings vor dem Hintergrund der jahrzehntelangen Ressourcenknappheit vollkommen legitim, wenn sich ein Gros des Berufs der passiveren Form der Leistungsgesellschaft zugehörig fühlt, bei der man eher als Empfänger:in von Anweisungen und Entwicklungen reagiert anstatt selbstverwirklichend zu agieren. Somit ist das Buch vor allem auch als Impuls aus Sicht des appellierenden und anpackenden Pioniergeistes anzusehen sowie hieraus hervorgehend, diesen bei der Lektüre (selbst)reflektierend zu nutzen.

     

    Eine Rezension von Marco Sander, 
    B.A. Pflege und Gesundheitsförderung, M.A. Pflegewissenschaft

  • Primary Nursing in der Langzeitpflege

    Tanja Stuhl & Siegfried Bader

    Schlütersche Verlagsgesellschaft, Hannover 2025, 268 Seiten, 49,00 €, ISBN 3842609183

    Die Langzeitpflege steht vor großen Herausforderungen: Ein wachsender Pflegebedarf, ein steigender Fachkräftemangel und eine oft als unzureichend empfundene Versorgungsqualität setzen Pflegeeinrichtungen zunehmend unter Druck. In diesem Kontext gewinnt das Modell des Primary Nursing zunehmend an Bedeutung. Während es in der Akutpflege bereits etabliert ist, wird es in der Langzeitpflege bislang nur selten systematisch angewendet. Das Buch Primary Nursing in der Langzeitpflege von Tanja Stuhl und Siegfried Bader setzt genau hier an. Es bietet eine umfassende Einführung in das Konzept des Primary Nursing und zeigt auf, wie es erfolgreich in Pflegeeinrichtungen implementiert werden kann. Dabei geht es nicht nur um die theoretischen Grundlagen des Modells, sondern vor allem um konkrete Handlungsempfehlungen für die Praxis.

    Tanja Stuhl und Siegfried Bader sind ausgewiesene Expert:innen im Bereich der Pflegeorganisation und -wissenschaft. Beide verfügen über langjährige Erfahrung in der praktischen Pflege sowie in der Entwicklung innovativer Versorgungskonzepte. Stuhl hat sich in ihrer wissenschaftlichen Arbeit intensiv mit Strukturveränderungen in der Pflege beschäftigt und ist als Autorin mehrerer Fachpublikationen bekannt. Bader hingegen bringt seine Expertise als Berater für Pflegeeinrichtungen ein und hat sich auf die Implementierung neuer Organisationsformen spezialisiert. 

    Die Publikation wurde vor dem Hintergrund der zunehmenden Notwendigkeit entwickelt, neue Versorgungsmodelle in der Langzeitpflege zu etablieren. Während Primary Nursing in Krankenhausstrukturen bereits vielfach erprobt ist, gibt es bisher nur wenige systematische Ansätze zur Umsetzung in Pflegeheimen oder ambulanten Langzeitpflegeeinrichtungen. Das Buch basiert auf aktuellen Forschungsergebnissen, Praxiserfahrungen und Fallstudien aus Einrichtungen, die das Modell bereits implementiert haben. Zudem fließen Erkenntnisse aus interdisziplinären Projekten und Modellversuchen ein, die den Erfolg und die Herausforderungen einer Umstellung auf Primary Nursing in der Langzeitpflege dokumentieren.

    Das Buch ist praxisnah und übersichtlich strukturiert. Es beginnt mit einer Einführung in das Konzept des Primary Nursing, seiner historischen Entwicklung und den Grundprinzipien dieses Pflegemodells. Die Autor:innen erläutern, wie Primary Nursing die Beziehung zwischen Pflegekraft und Pflegebedürftigen stärkt, indem eine einzelne Pflegefachperson die umfassende Verantwortung für die Betreuung einer Person übernimmt. Dadurch wird eine kontinuierliche und qualitativ hochwertige Versorgung sichergestellt. Im weiteren Verlauf wird der spezifische Nutzen dieses Modells für die Langzeitpflege herausgearbeitet. Dabei geht es unter anderem um die Frage, warum das herkömmliche Bezugspflegemodell oft nicht ausreicht, um den aktuellen Herausforderungen gerecht zu werden. Die Autor:innen beleuchten die strukturellen, organisatorischen und kulturellen Voraussetzungen für eine erfolgreiche Implementierung und zeigen auf, welche Schritte für eine nachhaltige Veränderung erforderlich sind. Ein besonderer Fokus liegt auf der praktischen Umsetzung. Es wird detailliert beschrieben, wie Pflegeeinrichtungen den Umstellungsprozess gestalten können, welche Hürden auftreten können und wie mit Widerständen im Team umzugehen ist. Hierbei spielen Schulungskonzepte für Pflegekräfte ebenso eine Rolle wie die Anpassung von Arbeitsprozessen und Dokumentationssystemen. Unterstützt wird die Darstellung durch zahlreiche Abbildungen, Tabellen und Fallbeispiele, die die theoretischen Inhalte anschaulich ergänzen. Das Buch schließt mit einer Reflexion über die Herausforderungen und Chancen von Primary Nursing in der Langzeitpflege. Dabei werden auch mögliche Zukunftsperspektiven für dieses Modell aufgezeigt, insbesondere im Hinblick auf den demografischen Wandel und die Notwendigkeit einer nachhaltigeren Pflegeorganisation.

    Ein zentrales Alleinstellungsmerkmal dieser Publikation ist die systematische Übertragung des Primary Nursing-Konzepts auf die Langzeitpflege. Während es in der Akutversorgung längst erprobt ist, fehlte bisher eine detaillierte Anleitung für die Umsetzung in Pflegeheimen und ambulanten Einrichtungen. Das Buch schließt diese Lücke und liefert erstmals einen strukturierten Implementierungsleitfaden, der auf realen Praxiserfahrungen basiert.

    Der Nutzen dieses Buches ist vielfältig. Pflegekräfte profitieren von der Möglichkeit, ihre Arbeit durch mehr Eigenverantwortung und eine intensivere Beziehung zu ihren Patient:innen aufzuwerten. Führungskräfte erhalten einen detaillierten Fahrplan zur Umsetzung des Modells in ihren Einrichtungen und bekommen wertvolle Hinweise zur Organisationsentwicklung. Auch für Pflegeeinrichtungen insgesamt bietet das Buch eine wertvolle Orientierung, um die Versorgungsqualität zu steigern und gleichzeitig die Arbeitszufriedenheit der Mitarbeitenden zu verbessern.

    Die Thematik ist zwar spezifisch auf die Langzeitpflege fokussiert, wird aber in einer Breite und Tiefe behandelt, die weit über eine bloße Einführung hinausgeht. Das Buch bietet nicht nur theoretische Grundlagen, sondern auch einen praxisorientierten Leitfaden, der in allen Schritten der Implementierung unterstützt. Das Ziel der Publikation, eine anwendungsorientierte Einführung in Primary Nursing in der Langzeitpflege zu bieten, wird zweifellos erreicht. Die klare Struktur, die verständliche Sprache und die zahlreichen anschaulichen Beispiele machen es zu einer wertvollen Lektüre sowohl für erfahrene Pflegekräfte als auch für Entscheidungsträger:innen in der Pflegebranche.

    Die gestalterische Umsetzung ist gelungen: Die Vielzahl an Abbildungen und Tabellen erleichtert den Zugang zum Inhalt, und die klare Kapitelstruktur ermöglicht eine schnelle Orientierung. Dadurch eignet sich das Buch nicht nur als kontinuierliche Lektüre, sondern auch als Nachschlagewerk für spezifische Fragestellungen in der Praxis. Vergleicht man dieses Buch mit anderen Publikationen zum Thema Primary Nursing, fällt auf, dass die meisten bisherigen Werke sich auf den Krankenhausbereich konzentrieren. Ein Beispiel dafür ist Primary Nursing: Patientenorientierung in der Praxis von Marie Manthey, das sich primär mit der Anwendung in klinischen Settings befasst. Suhl und Bader erweitern den Fokus hingegen auf die Langzeitpflege und schließen damit eine Lücke in der Fachliteratur.

    Mit Primary Nursing in der Langzeitpflege legen Tanja Suhl und Siegfried Bader ein fundiertes, praxisnahes und gut strukturiertes Werk vor, das einen wichtigen Beitrag zur Weiterentwicklung der Pflegeorganisation leistet. Es verbindet wissenschaftliche Erkenntnisse mit konkreten Umsetzungshilfen und bietet Pflegeeinrichtungen eine wertvolle Orientierungshilfe für die Einführung dieses Pflegemodells. Besonders für Führungskräfte und Entscheidungsträger:innen in der Pflege ist es eine unverzichtbare Lektüre, die dabei hilft, den Herausforderungen der Langzeitpflege mit innovativen Ansätzen zu begegnen.

    Eine Rezension von Denise Vey

  • Österreich: Pflegekräfte werden in die Schwerarbeitsverordnung aufgenommen

    Pflegekräfte erbringen täglich herausragende Leistungen. Sie stehen Menschen zur Seite, wenn diese auf Unterstützung, Betreuung und Zuwendung angewiesen sind – sei es im Krankenhaus, im Pflegeheim, in der mobilen Pflege oder in der Hospizbegleitung. Dabei geraten viele Pflegekräfte regelmäßig an ihre körperlichen und psychischen Belastungsgrenzen.

    Trotz ihrer zentralen Bedeutung im Gesundheits- und Sozialsystem wurde die hohe Belastung von Pflegekräften bislang nicht umfassend gesetzlich berücksichtigt. Nun reagiert die Bundesregierung auf eine langjährige Forderung von Pflegeorganisationen, Gewerkschaften und Betroffenen: Pflegekräfte werden in die Schwerarbeitsverordnung aufgenommen. Im Rahmen einer gemeinsamen Pressekonferenz stellten Gesundheits- und Sozialministerin Korinna Schumann sowie ÖVP-Klubobmann August Wöginger die Eckpunkte der geplanten Änderungen vor. Demnach erhalten Pflegekräfte künftig die Möglichkeit, mit 60 Jahren in Pension zu gehen – vorausgesetzt, sie haben mindestens 45 Versicherungsjahre sowie 10 Jahre Schwerarbeit innerhalb der letzten 20 Jahre nachgewiesen.

    Gesundheits- und Sozialministerin Korinna Schumann unterstreicht die Notwenigkeit der vereinbarten Verbesserungen: „Für unsere Gesellschaft ist die Arbeit von Pflegekräften eine zentrale Stütze. Die Pflege ist systemrelevant. Als Zeichen des Respekts und der Wertschätzung wird die Arbeit von Pflegekräften daher nun besser für die Schwerarbeitspension berücksichtigt, denn Pflege ist Schwerarbeit. Es ist in unser aller Interesse, dass es faire Arbeitsbedingungen für Pflegekräfte gibt. Und es ist besonders wichtig, dass anerkannt wird, welch körperlicher und psychischer Kraftakt Pflegearbeit ist. Wir setzten mit den Verbesserungen auch eine langjährige Forderung der Betroffenen um. Ich habe noch kurz vor der Pressekonferenz mehr als 190.000 Unterschriften für die Einstufung der Pflegekräfte als Schwerarbeiterinnen und Schwerarbeiter übernommen“.

    ÖVP-Klubobmann August Wöginger erklärt zur Neuregelung: „Mit der Vereinfachung, als Pflegekraft in die Schwerarbeit zu kommen, setzen wir ein Zeichen der Wertschätzung und des Respekts all jenen gegenüber, die in der Pflege arbeiten. Wir wollen für jene, die über Jahre tatsächlich in der Pflege schwer gearbeitet haben und für die Patientinnen und Patienten „am Bett“ da waren, eine verbesserte Anerkennung ihrer schweren Arbeit in der Pflege schaffen. Es ist uns bewusst, dass Pflege einer der härtesten Jobs im Lande ist - Pflege ist Schwerarbeit. Es ist also wichtig, Pflegeberufe dort einzuordnen, wo sie hingehören: In die Schwerarbeit. Mit diesem Schritt bauen wir weiter aus, was wir in der vergangenen Legislaturperiode begonnen haben“.

    Im Zuge der Reform werden die Kriterien für die Anerkennung von Schwerarbeit neu definiert und objektiviert. Bisher lag der Fokus ausschließlich auf eindeutig körperlich belastenden Tätigkeiten, wie etwa Schichtdiensten mit mindestens sechs Nachtdiensten pro Monat oder dem Erreichen bestimmter Kaloriengrenzen bei körperlicher Arbeit. Künftig werden auch psychische Belastungen und Mehrfachbelastungen in die Bewertung einbezogen – ein bedeutender Fortschritt für im Pflegebereich tätige Menschen. Zudem ist eine verbesserte Anerkennung von geleisteten Stunden und Diensten vorgesehen, um der tatsächlichen Arbeitsrealität besser Rechnung zu tragen.

    Die Bundesregierung bekennt sich darüber hinaus zu weiteren Verbesserungen bei Arbeitszeit und Dienstplänen, zur Entlastung durch mehr Personal und zu einer Attraktivierung des Pflegeberufs für künftige Generationen.


    Zur Pressemitteilung: https://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20250422_OTS0068/schumannwoeginger-pflegekraefte-werden-in-die-schwerarbeitsverordnung-aufgenommen

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  • Lebensphasengerechte Personalentwicklung unterstützt Fachkräftesicherung in der Pflege

    Im Rahmen des Projekts „Lebensphasengerechte Personalentwicklung mit abgestimmten Qualifikations- und Tätigkeitsprofilen und Berufslaufbahn“ haben das Forschungsinstitut Betriebliche Bildung (f-bb) und das Institut Arbeit und Technik der Westfälischen Hochschule Gelsenkirchen (IAT) untersucht, wie durch flexible Laufbahngestaltung die Fachkräftesicherung in der Pflege verbessert werden kann. Die nun vorgestellten Ergebnisse beinhalten praxisnahe Konzepte, die Einrichtungen dabei unterstützen sollen, Personalentwicklung lebensphasenorientiert auszurichten und qualifikationsgerechte Einsatzmöglichkeiten entlang der gesamten Berufslaufbahn zu schaffen.

    Wie kann der Pflegeberuf attraktiver gestaltet und der Fachkräftemangel langfristig eingedämmt werden? Mit dieser Fragestellung beschäftigte sich das vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) beauftragte Forschungsprojekt „Lebensphasengerechte Personalentwicklung mit abgestimmten Qualifikations- und Tätigkeitsprofilen und Berufslaufbahn“ (LPP). Ziel des Projekts war es, ein besseres Verständnis für die bestehenden Karrierewege in der Pflege zu entwickeln und deren Vielfalt gezielt zu stärken, um individuelle Entwicklungsmöglichkeiten für Pflegefachkräfte in verschiedenen Lebensphasen zu schaffen.

    Das f-bb und das IAT haben gemeinsam praxisorientierte Konzepte für eine lebensphasengerechte Personalentwicklung in der Pflege erarbeitet. Unterstützt wurde das Projektkonsortium dabei von Prof. Karin Reiber in beratender Funktion. Zentrale Erkenntnis: Berufliche Laufbahnen in der Pflege verlaufen häufig in kurzen Zyklen von drei bis fünf Jahren. Daraus ergibt sich ein klarer Bedarf an flexiblen Personalentwicklungsstrategien, die auf unterschiedliche Lebensphasen und individuelle Karriereverläufe abgestimmt sind.

    Vielfalt statt Normbiografie: Die Metrokarte als Orientierungshilfe

    „Unsere Metrokarte zur Pflegelaufbahn verdeutlicht, dass es nicht den einen linearen Karriereweg gibt. Stattdessen eröffnen sich vielfältige Entwicklungsmöglichkeiten, die individuell und situativ gestaltet werden müssen“, erläutert Dr. Barbara Kiepenheuer-Drechsler (f-bb), Projektleitung des Forschungskonsortiums.



    Die Ergebnisse basieren auf Literaturrecherchen, Fokusgruppen, Interviews sowie Fallstudien. Sie verdeutlichen unter anderem, dass Führungskräfte maßgeblich die berufliche Entwicklung beeinflussen. Aushandlungsprozesse zwischen individuellen Lebenssituationen und betrieblichen Möglichkeiten spielen eine zentrale Rolle.

    „Pflegekarrieren verlaufen nicht geradlinig – sie entwickeln sich entlang biografischer Lebenssituationen und persönlicher Entscheidungen“, ergänzt Dr. Lena Marie Wirth, Co-Leitung im Forschungsschwerpunkt Arbeit & Wandel am IAT. „Dafür müssen Organisationen mehr Flexibilität in der Personalentwicklung ermöglichen“.

    Flexible Personalentwicklung als Schlüssel zur Fachkräftesicherung

    Das Projekt LLP zeigt, wie entscheidend es ist, die Vielfalt beruflicher Werdegänge in der Pflegebranche anzuerkennen und aktiv zu fördern. Damit leistet es einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung nachhaltiger Personalstrategien in einem zentralen Berufsfeld des Gesundheitswesens.

    Die im Projekt erarbeiteten Praxisimpulse sind in eine Handreichung eingeflossen, die Pflegeeinrichtungen bei der Umsetzung lebensphasengerechter Personalentwicklung unterstützt. Eine ergänzend entwickelte „Metrokarte“ veranschaulicht verschiedene Stationen individueller Berufslaufbahnen und bietet sowohl Pflegefachpersonen als auch Einrichtungen eine praxisnahe Orientierungshilfe.

    Die Projektergebnisse wurden auf dem Forum „Betriebliche Bildung in Gesundheitsberufen“ am 28. und 29. April in Bielefeld vorgestellt und stießen auf großes Interesse in Wissenschaft und Praxis. Die Ergebnisse sind außerdem online abrufbar unter: https://www.bibb.de/de/184983.


    Zur Pressemitteilung: https://idw-online.de/de/news851469 

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  • Pflegeberuf hochgeschätzt, aber selten gewählt: SRH-Umfrage zeigt Diskrepanz zwischen Anerkennung und Berufswahl

    Eine repräsentative Umfrage des Gesundheits- und Bildungsunternehmens SRH zeigt: 96 Prozent der Berufstätigen in Deutschland halten eine Tätigkeit in der Gesundheits- und Krankenpflege für unverzichtbar. Besonders hoch ist die Zustimmung in der Altersgruppe der 30- bis 64-Jährigen mit rund 98 Prozent, aber auch unter den 16- bis 29-Jährigen schätzen rund 83 Prozent den Beruf als unverzichtbar ein. Trotz dieser breiten gesellschaftlichen Anerkennung können sich viele Menschen nicht vorstellen, selbst in der Pflege zu arbeiten – und die vielfältigen Karrierechancen im Berufsfeld sind oft wenig bekannt.

    Zum Tag der Pflegenden am 12. Mai hat die SRH gemeinsam mit dem Meinungsforschungsinstitut Civey Berufstätige mit und ohne Pflegehintergrund zu ihrer Haltung gegenüber dem Pflegeberuf befragt*. Die Ergebnisse zeigen: Wer sich eine Tätigkeit in der Pflege nicht vorstellen kann, nennt vor allem die hohe körperliche Belastung (41 Prozent), emotionale Anforderungen (38 Prozent) und schwierige Arbeitsbedingungen infolge von Personalmangel (37 Prozent) als Hinderungsgründe. Dabei wird häufig übersehen, dass Pflege nicht nur systemrelevant ist, sondern auch ein vielseitiges Berufsfeld mit zahlreichen Entwicklungs- und Aufstiegsmöglichkeiten bietet.

    Pflege eröffnet neue Perspektiven

    Wer sich für eine Ausbildung in der Pflege entscheidet, tut dies meist aus persönlicher Überzeugung. 63 Prozent der Befragten, die sich einen Einstieg in den Pflegeberuf vorstellen können, nennen die Arbeit mit Menschen als Hauptmotiv. Für 60 Prozent steht die Sinnhaftigkeit der Tätigkeit im Vordergrund. Auch die hohe Arbeitsplatzsicherheit (38 Prozent), die Vielfalt der Aufgaben und Spezialisierungsmöglichkeiten (25 Prozent) werden als wichtige Beweggründe genannt. Aufstiegs- und Karrieremöglichkeiten spielen mit jeweils rund 10 Prozent hingegen nur eine untergeordnete Rolle.

    Dabei kann eine Pflegeausbildung ein Sprungbrett in eine vielseitige Laufbahn sein. „Neugierig bleiben und offen sein lohnt sich in der Pflege besonders“, rät Blerta Muqaku, Geschäftsführerin des SRH Krankenhauses Oberndorf a. N., die selbst als Pflegefachkraft ihre Karriere startete. Der Weg über Stationsleitung, Pflegedienstleitung und Pflegedirektorin hilft ihr heute enorm. „Sowohl in der Zusammenarbeit mit den Mitarbeitenden, als auch bei strategischen Entscheidungen ist es von Vorteil, dass mir verschiedene Perspektiven und Strukturen so gut bekannt sind.“

    Auch Maja Jovic, die gerade die pflegerische Leitung des Zentrums für Intensivmedizin, Anästhesie und Schlaganfallbehandlung am SRH Klinikum Karlsbad-Langensteinbach übernommen hat, startete ihren beruflichen Weg mit einer Ausbildung in der Pflege. Bei Fachweiterbildungen und Programmen für Führungskräfte werden Mitarbeitende von der SRH gefördert und finanziell unterstützt. „Die Weiterbildungs- und Aufstiegsmöglichkeiten in der Pflege und bei SRH sind vielfältig. Toll ist, dass dabei die Mitarbeitenden, ihre Bedürfnisse und Motivation individuell berücksichtigen werden können.“

    Beiden Kolleginnen merkt man die Verbindung von fachlicher und menschlicher Kompetenz an: „In der Pflege trägt man Verantwortung, trifft Entscheidungen, arbeitet im Team und bleibt stets wachsam für das, was ein Mensch wirklich braucht. Gesundheits- und Krankenpflege ist für mich ein Beruf mit tiefem Sinn, in dem jeder Handgriff, jedes Wort und jede Geste einen Unterschied machen kann“, fasst Blerta Muqaku zusammen.

    Ein Perspektivwechsel in der Pflege lohnt sich: Kaum ein anderes Berufsfeld bietet derart vielfältige Weiterbildungsmöglichkeiten in einem krisensicheren Umfeld. Angesichts des stetig wachsenden Bedarfs an qualifiziertem Pflegepersonal eröffnen gezielte Weiterbildungen zusätzliche Karrierechancen und stärken die berufliche Perspektive.

    Ein Beruf mit Zukunft – und mit Aufklärungsbedarf

    Die Gesundheits- und Krankenpflege vereint Sinnstiftung, Verantwortung und vielfältige Entwicklungsmöglichkeiten. Wer mit Offenheit und Lernbereitschaft in diesen Beruf startet, kann nicht nur einen wertvollen Beitrag für andere leisten, sondern auch persönliche Karrierewege gestalten – ob in der praktischen Pflege, der Lehre oder in leitenden Funktionen.

    Wie Erfahrungen aus der Praxis zeigen, können gezielte Fördermaßnahmen, Mentoring-Programme und mehr Sichtbarkeit des Berufsbildes dazu beitragen, vorhandene Potenziale besser zu nutzen. Davon profitieren sowohl Einsteiger:innen als auch erfahrene Pflegekräfte mit dem Wunsch nach Weiterentwicklung.


    *Information zur Umfrage

    Im Auftrag der SRH hat Civey vom 7. bis 22.4.2025 rund 2.500 16- bis 64-Jährige sowie 1.500 16- bis 64-Jährige, die sich vorstellen können, eine Ausbildung im Pflegeberuf zu machen und 2.500 16- bis 64-Jährige, die sich nicht vorstellen können, eine Ausbildung im Pflegeberuf zu machen, online befragt. Alle Daten wurden im Civey-eigenen Panel mit verifizierten Teilnehmenden erhoben. Die Ergebnisse sind unter Berücksichtigung des statistischen Fehlers von 3,5 Prozentpunkten repräsentativ für 16- bis 64-Jährige. Weitere Informationen zur Methodik finden Sie hier.


    Zur Pressemitteilung: https://www.srh.de/de/news/2025/q2/srh-umfrage-pflege-hat-aufklaerungsbedarf/

    Foto (c) SRH

  • Akutpsychiatrische Pflege – Praxishandbuch für Pflegefachpersonen, Fachpflegende und APNs

    Witzmann, Markus&Müller, Christoph (Hrsg.)

    Hogrefe Verlag, Bern 2025, 352 Seiten, 45,00 €, ISBN 978-3-456-86285-9

    Die Herausgeber Prof. Dr. Markus Witzmann, Studiengangsleiter des berufsbegleitenden Masterstudiengangs "Mental Health" an der Hochschule München, und Christoph Müller, Qualitätsmanagement-Beauftragter einer Klinik der Maximalversorgung, legen mit diesem Werk ein umfassendes und praxisnahes Handbuch zur akutpsychiatrischen Pflege vor. Entstanden aus der engen Verbindung langjähriger klinischer Erfahrung und der akademischen Auseinandersetzung mit pflegerischer Professionalisierung, stellt das Buch eine wertvolle Ressource für Pflegefachpersonen in verschiedensten Settings dar.

    Der Entstehungshintergrund des Buches ist geprägt vom Anspruch „aus der Praxis für die Praxis“: Die Herausgebenden versammelten ein interdisziplinär zusammengesetztes Autor:innenteam aus der klinischen Praxis, um den State of the Art der akutpsychiatrischen Pflege fundiert abzubilden. Der Entstehungsprozess wurde – wie von den Herausgebenden berichtet – durch die Herausforderungen der Corona-Pandemie zusätzlich erschwert und spiegelt in besonderer Weise die Resilienz des beteiligten Teams wider.

    Inhaltlich gliedert sich das Buch in mehrere Schwerpunkte: Zentrale Themen sind die Bewältigung von Krisen im akutpsychiatrischen Setting, die Professionalisierung psychiatrischer Pflege und die Betrachtung aktueller Entwicklungen wie Recovery-Ansätze, das Gezeitenmodell, pflegerische Gruppenangebote sowie Mileutherapie. Besonders hervorzuheben ist die bewusste Thematisierung bislang vernachlässigter Aspekte wie Selbstvernachlässigung und Sexualität. Die Struktur des Werkes ermöglicht den Lesenden einen multiperspektivischen Zugang: Theoretische Grundlagen, Praxiserfahrungen und aktuelle Forschungsergebnisse sind gleichermaßen berücksichtigt. Der Aufbau folgt einer klaren didaktischen Linie, unterstützt durch zahlreiche Praxisboxen, Fallbeispiele und Reflexionsanregungen, subjektive Einschätzung und Diskussion:

    In meinen Augen ist es den Herausgebenden gelungen, ein umfassendes, facettenreiches Bild des Settings der akutpsychiatrischen Pflege zu vermitteln. Besonders beeindruckt hat mich die Vielfalt der dargestellten Perspektiven sowie die disziplinübergreifende Informationsdichte. Pflegefachpersonen werden explizit in ihrer Wirksamkeit gestärkt, sei es im stationären Alltag, in innovativen ambulanten Krisendiensten, im Rahmen der ambulanten psychiatrischen Akutversorgung oder StäB.

    Das Buch versorgt die Lesenden mit aktuellen, theoretischen Impulsen und praxisnahen Modellen und bietet darüber hinaus auch einen kompakten Überblick über häufige psychiatrische Krankheitsbilder und Psychopharmakotherapie. Besonders positiv hervorzuheben ist, die auffallende Betonung des Themas Delir – ein bislang oft vernachlässigtes Syndrom in der psychiatrischen Pflege. Durch die häufige Erwähnung wird eine dringend notwendige Sensibilisierung für diese Problematik geschaffen und ein wichtiger Beitrag zur Schließung der bestehenden Literatur- und Versorgungslücke geleistet. Dies ist aktueller denn je: 2027 soll ein neuer Expertenstandard zur pflegerischen Delirversorgung vom DNQP folgen. 

    Weniger überzeugend empfand die Rezensentin hingegen das Kapitel zur Gerontopsychiatrie (S. 99 f.). Der Ausblick blieb hier zu kurz und oberflächlich. Gerade im Hinblick auf die hohe Delirinzidenz bei älteren Patient:innen – insbesondere bei bestehender Demenz oder Depression – wäre eine wesentlich vertieftere Auseinandersetzung wünschenswert gewesen. Aspekte wie differenzialdiagnostische Überlegungen, präventive Maßnahmen oder spezialisierte pflegerische Interventionen im Umgang mit Altersdelirien hätten das Werk an dieser Stelle sinnvoll ergänzen können. Dies gilt auch stellvertretend für andere psychiatrischen Erkrankungen, die hier vermehrt in der Gerontopsychiatrie zusammenkommen. Die Fokussierung auf Biografiearbeit und Validation ist zwar wichtig, deckt jedoch das komplexe Erfordernis einer gerontopsychiatrischen Versorgung nur unzureichend ab.

    Fazit

    „Akutpsychiatrische Pflege“ bietet eine hochaktuelle, praxisnahe und wissenschaftlich fundierte Grundlage für alle Pflegefachpersonen, Fachpflegenden und APNs, die im Bereich der akutpsychiatrischen Versorgung tätig sind oder sich dafür qualifizieren möchten. Besonders empfehlenswert ist das Werk für Berufseinsteigende ebenso wie für erfahrene Pflegefachpersonen, die ihren Blick auf pflegerische Interventionen und die Gestaltung pflegerischer Beziehungen schärfen und vertiefen wollen. Kleinere Schwächen in einzelnen Kapiteln mindern den Gesamteindruck kaum: Das Buch setzt wichtige Impulse für die weitere Professionalisierung der psychiatrischen Pflege.

    Dieses Buch sollte zur Grundausstattung jeder psychiatrischen Klinikbibliothek zählen. Es bietet nicht nur aktuelles Fachwissen, sondern inspiriert dazu, psychiatrische Pflege als gestaltbaren und hochprofessionellen Raum zu verstehen.

    Eine Rezension von Elvira Clemens, 
    BA Germanistik / Erziehungswissenschaften, BA Pflege- und Gesundheitswissenschaften i.A.

  • WHO: Weltweit mehr Pflegekräfte, aber Verteilung weiterhin ungleich

    Laut dem kürzlich veröffentlichten Bericht State of the World’s Nursing 2025, der von der Weltgesundheitsorganisation (WHO), dem Internationalen Rat der Krankenschwestern (ICN) und Partnern herausgegeben wurde, ist die Zahl der Pflegekräfte weltweit von 27,9 Millionen im Jahr 2018 auf 29,8 Millionen im Jahr 2023 gestiegen. Trotz dieses Wachstums bestehen jedoch nach wie vor erhebliche regionale Unterschiede in der Verfügbarkeit von Pflegekräften.

    Die ungleichen Verteilungen der Pflegekräfte weltweit hindern viele Menschen daran, grundlegende Gesundheitsdienste zu erhalten. Dies könnte die Fortschritte in Richtung einer universellen Gesundheitsversorgung (UHC), der globalen Gesundheitssicherheit und der gesundheitsbezogenen Entwicklungsziele gefährden. Der Bericht wurde zum Internationalen Tag der Krankenschwestern veröffentlicht und bietet eine umfassende Analyse der Pflegekräfteversorgung auf globaler, regionaler und nationaler Ebene.

    Trotz globaler Fortschritte bei der Reduzierung des Mangels an Pflegekräften – von 6,2 Millionen im Jahr 2020 auf 5,8 Millionen im Jahr 2023 – zeigen die Daten, dass etwa 78 % der weltweiten Pflegekräfte in Ländern arbeiten, die nur 49 % der globalen Bevölkerung repräsentieren. Besonders Länder mit niedrigem und mittlerem Einkommen haben Schwierigkeiten, genügend Pflegekräfte auszubilden, zu beschäftigen und im System zu halten. Um diesem Mangel entgegenzuwirken, müssen diese Länder verstärkt in den Aufbau und die Sicherung von Arbeitsplätzen investieren.

    Der WHO-Generaldirektor, Dr. Tedros Adhanom Ghebreyesus, erklärte: „Dieser Bericht enthält ermutigende Nachrichten, und wir gratulieren den Ländern, die Fortschritte machen. Doch wir dürfen die bestehenden Ungleichheiten im globalen Pflegeumfeld nicht ignorieren. Ich fordere die Länder und Partner auf, diesen Bericht als Orientierung zu nutzen, um zu erkennen, wo wir stehen und was noch zu tun ist.“

    Ein weiteres zentrales Thema im Bericht sind die sozialen und geschlechtsspezifischen Ungleichheiten. Frauen stellen weiterhin 85 % der globalen Pflegekräfte. Der Bericht hebt auch die bedeutende Rolle von ausländischen Pflegekräften hervor: 1 von 7 Pflegekräften weltweit – und 23 % in Ländern mit hohem Einkommen – stammen aus dem Ausland.

    Für die Jahre 2026–2030 fordert der Bericht mehrere politische Prioritäten, darunter die Schaffung und gerechte Verteilung von Pflegearbeitsplätzen, die Verbesserung der Arbeitsbedingungen, die Förderung von Gleichstellung und der Schutz von Pflegekräften in fragilen und konfliktbeladenen Regionen. Ebenso sollen digitale Technologien genutzt und Pflegekräfte auf eine klimafreundliche Gesundheitsversorgung vorbereitet werden.


    Zur Pressemitteilung: https://www.who.int/news/item/12-05-2025-nursing-workforce-grows--but-inequities-threaten-global-health-goals

    Foto: stock.adobe.com - Yaw Niel

  • DBfK: Neuer Vorstand gewählt – Vera Lux als Präsidentin bestätigt

    Die Delegiertenversammlung des Deutschen Berufsverbands für Pflegeberufe (DBfK) hat am Samstag, den 17. Mai 2025, einen neuen Vorstand gewählt. Vera Lux wurde mit großer Mehrheit als Präsidentin im Amt bestätigt. Sie wird den Verband für weitere vier Jahre führen.

    „Ich freue mich sehr über das Vertrauen der Delegierten. Gemeinsam mit dem neu gewählten Vorstand werden wir den DBfK als starke Stimme der Pflege weiter voranbringen. Unser Ziel bleibt klar: Professionalisierung, bessere Rahmenbedingungen, mehr Mitsprache und eine zukunftsfähige Gesundheitsversorgung mit einer starken professionellen Pflege“, sagte Vera Lux nach ihrer Wiederwahl.

    Neben der Präsidentin wurden vier weitere Mitglieder in den Vorstand gewählt: Elizabeth Tollenaere (Vizepräsidentin) und Stefan Werner (Vizepräsident) wurden wiedergewählt, Andrea Uhlmann und Lina Gürtler wurden neu in den Vorstand gewählt. Sie ergänzen das ehrenamtliche Gremium, in dem mit Andrea Kiefer (DBfK Südwest), Sabine Berninger (DBfK Südost), Martin Dichter (DBfK Nordwest) und Johannes Wünscher (DBfK Nordost) auch die Vorsitzenden der vier Regionalverbände des DBfK vertreten sind.

    Mit dem Wechsel im Vorstand endet die Amtszeit von Katrin Havers und Thomas Nogueira, die den DBfK in den vergangenen Jahren mit großem Engagement im Vorstand vertreten haben. Ihre Impulse und Perspektiven haben die Arbeit des Gremiums bereichert und wichtige Akzente in der berufspolitischen Entwicklung gesetzt.


    Zur Pressemitteilung: https://www.dbfk.de/de/newsroom/pressemitteilungen/meldungen/2025/Neuer-Vorstand-gewaehlt.php

    Foto: v. I.: Sabine Berninger, Martin Dichter, Lina Gürtler, Stefan Werner (Vizepräsident), Andrea Uhlmann, Vera Lux (Präsidentin), Johannes Wünscher, Elizabeth Tollenaere (Vizepräsidentin), Andrea Kiefer (c) Sebastian Heise

  • „Festgenagelt sein“ Der Prozess des Bettlägerigwerdens

    Angelika Zegelin (Hrsg.)

    Hogrefe, 3. überarbeitete und erweiterte Auflage, Bern 2025, 296 Seiten, 38,00 €, ISBN 978-3456863658

    Thematik und Kontext

    Bettlägerigkeit entsteht in einem Prozess. Gleichsam ist Bettlägerigkeit ein Pflegeproblem, welches innerhalb der Praxis häufig auftritt und Prävention durch Pflegefachpersonen erfordert. Angelika Zegelin beschreibt in ihrer Rolle als Autorin und Herausgeberin die Entwicklung von Bettlägerigkeit und schafft es so, ein Grundlagenwerk der Pflegewissenschaft bereits in dritter Auflage zu veröffentlichen. Gründe, Formen, Entwicklung und Bewältigung, Prävention und Rehabilitation von Bettlägerigkeit werden aufgegriffen. Durch die umfassende Bearbeitung dieser Themen schafft es Angelika Zegelin seit der ersten Auflage dieses Buches, wesentliche pflegewissenschaftliche Grundlagenarbeit zu betreiben. Die dritte Auflage, so Zegelin im Nachwort, setzt einen Schwerpunkt auf Aktivitäten der letzten zehn Jahre, die in diesem Buch präsentiert werden. Weitere Autoren und Autorinnen wie Sebastian Hoffmann, Christine Kanike-Schmidt, Jürgen Georg und Peter Nydahl beschreiben in diesem Buch Spezifika wie Prävention von Bettlägerigkeit bei Demenz, Unterrichtskonzept zur Prävention von Bettlägerigkeit, Pflegeprozess sowie Mobilisation auf der Intensivstation. „Festgenagelt sein“ beschreibt anschaulich und wissenschaftlich fundiert den Prozess des Bettlägerigwerdens und bietet damit einen Mehrwert für die professionelle Pflege.

    Über die Autorin 

    Hon.-Prof. Dr. Angelika Zegelin ist Krankenschwester und Lehrerin für Pflegeberufe. Sie studierte nebenberuflich Erziehungswissenschaft und promovierte 2004 zum Thema Bettlägerigkeit. Bis 2015 war Angelika Zegelin am Institut für Pflegewissenschaft der Universität Witten/Herdecke als Pflegewissenschaftlerin und Curriculums-Beauftragte beschäftigt.

    Rahmen der Publikation

    Das vorliegende Buch ist im Rahmen einer Promotion im Jahr 2004 entstanden. Durch die Analyse von 32 Tiefeninterviews durch die Datenauswertungsmethode der Grounded Theory ist es gelungen, eine Theorie zur Entstehung von Bettlägerigkeit zu entwickeln. Die dritte Auflage dieses pflegewissenschaftlichen und neu veröffentlichen Klassikers ist um ein aktualisiertes Nachwort ergänzt. Zusätzlich wurde ein Kapitel zum Pflegeprozess inkl. Basisassessment sowie zusätzliche Beiträge zum Thema Prävention, Unterrichtskonzept sowie Mobilisation auf der Intensivstation ergänzt. 

    Überblick zum Aufbau und Gliederung des Buches 

    Insgesamt verfügt das Buch über 13 Kapitel sowie verschiedene Unterkapitel. Zunächst werden die Erkenntnisse aus der Dissertation der Autorin Angelika Zegelin beschrieben. Der Aufbau des Buches ist klar strukturiert: Kapitel 1 vermittelt zunächst den aktuellen Erkenntnisstand zum Thema Bettlägerigkeit. Im zweiten Kapitel wird die Methodologie der zugrunde liegenden Studie anschaulich und nachvollziehbar dargelegt. Kapitel 3 präsentiert ausgewählte Fallvignetten in Form von Beobachtungen und Berichten, die das Thema lebendig illustrieren. Es folgt Kapitel 4, in dem das Phasenmodell vorgestellt wird. Die darauffolgenden Kapitel widmen sich den zentralen Ergebnissen, deren Einordnung in die Kernkategorie, einer differenzierten Diskussion sowie dem Erkenntnisgewinn. Auch methodische und inhaltliche Reflexionen werden umfassend behandelt. Kapitel 9 stellt darüber hinaus praxisrelevante Ergebnisse aus konkreten Projekten vor. Ab Kapitel 10 kommen schließlich Mitautorinnen und Mitautoren zu Wort, die einzelne Spezifika vertiefen und damit unterschiedliche Perspektiven einbringen. 

    Diskussion 

    Bettlägerigkeit und Pflegebedürftigkeit stehen in einem Zusammenhang. Aus diesem Grund hat sich die Herausgeberin entschieden, nach einer umfassenden Literaturrecherche eine qualitative Pflegeforschung durchzuführen. Es ist interessant zu lesen, welche Erkenntnisse zum Thema Bettlägerigkeit zum Zeitpunkt der Erstellung der Dissertation vorlagen. Anhand der Literaturangaben kann schnell überprüft werden, dass diese Erkenntnisse nicht aktualisiert wurden und stattdessen im zeitlichen Kontext der Forschung beschrieben werden. Damit sind die Ergebnisse aus der Literatur mindestens 20 Jahre alt. Hier wäre es wünschenswert gewesen, den aktuellen Stand der Literatur herauszuarbeiten und darzustellen. 

    Eine Stärke in diesem Buch liegt in der Darstellung der Methodik. Es wurde die Grounded Theory in einem vorbildhaften Charakter angewandt. Es wird das großartige Potenzial der durchgeführten Forschung deutlich. Auch die im Anschluss beschriebenen Personen mit ihren Geschichten sowie das Phasenmodell sind spannend und eindrücklich zu lesen. Es wird gleichsam der hohe Praxisbezug deutlich, indem die Erkenntnisse aus den Daten heraus entwickelt wurden. Immer wieder werden die empirischen Erkenntnisse anhand von Interviewzitaten belegt. Die Artikel der weiteren Autoren binden die Erkenntnisse in neue Zusammenhänge ein und erweitern damit die Sichtweise auf die Theorie des Bettlägerigwerdens. Ebenso wird eine Verbindung zur aktuellen Gegenwart hergestellt. 

    Bettlägerigkeit präventiv vorzubeugen ist eine Aufgabe, die Pflegefachpersonen mit all ihren Kompetenzen übernehmen. Das vorliegende Buch bietet das erforderliche Wissen, das professionelle Handlungswissen aufzubauen bzw. zu vertiefen. Außerdem kann durch das Lesen ein Bewusstsein aufgebaut werden, dass Bettlägerigkeit prozesshaft entsteht und die allmähliche Ortsfixierung damit kontinuierlich und fortlaufend entsteht. 

    Fazit 

    Ein pflegewissenschaftlicher Klassiker im neuen und erweiterten Gewand. Eine Leseempfehlung kann ausdrücklich für alle Interessierten im Bereich Pflege ausgesprochen werden: Praktiker:innen, Lehrer:innen, Wissenschaftler:innen. Durch dieses Buch wird sowohl der Fokus auf Theorie als auch auf die Praxis zur Vermeidung von Bettlägerigkeit gerichtet. Es ist ein Mehrwert, dass das Buch bereits in der dritten Auflage in einer überarbeiteten und erweiterten Version vorliegt.  

    Eine Rezension von Dr. Roman Helbig

  • Sterben und Tod in der Palliativ- und Intensivpflege

    Manfred Baumann

    Mabuse-Verlag Verlag, Frankfurt am Main 2025, 452 Seiten, 57,00 €, ISBN 9783863217365

    Baumann, als Praktiker und Theoretiker im Bereich der Gesundheits- und Pflegewissenschaften, hat sich in dieser Publikation der schwierigen Thematik des Sterbens und der damit verbundenen Belastungen gewidmet. Dabei verfolgt er die Zielsetzung, die subjektiven Perspektiven von Pflegekräften zu ergründen, die im Kontext der Intensivpflege und Palliativpflege mit Sterbenden und deren Familien arbeiten. Die zentrale Fragestellung ist, wie Pflegekräfte mit den emotionalen und ethischen Herausforderungen umgehen und welche professionellen Ressourcen sie zur Bewältigung dieser Herausforderungen benötigen. Der Umgang mit Tod und Sterben ist eine der herausforderndsten und ethisch tiefgreifendsten Aufgaben in der Pflegepraxis. Besonders in der Intensivpflege und Palliative Care werden Pflegepersonen immer wieder mit existenziellen Fragestellungen konfrontiert: Wie können wir Sterbende angemessen begleiten? Wie viel Nähe ist zu viel Nähe? Welche Verantwortung tragen wir gegenüber den Angehörigen? Und nicht zuletzt: Wie gehen wir mit den eigenen Emotionen in einem solch belastenden Kontext um? Manfred Baumann widmet sich diesen Fragen in seiner Publikation „Sterben und Tod in der Palliativ- und Intensivpflege“, indem er die Erfahrungswelt von Pflegepersonen im Umgang mit extrem belastenden Situationen in der Pflegearbeit unter die Lupe nimmt.

    Das Buch erscheint in einer Zeit, in der Fragen rund um Sterben, Tod und würdige Begleitung zunehmend in den Fokus gesellschaftlicher Aufmerksamkeit rücken. Die demografische Entwicklung, die steigende Zahl chronisch erkrankter und hochbetagter Menschen sowie der medizinisch-technische Fortschritt stellen unser Gesundheitssystem vor grundlegende ethische und strukturelle Herausforderungen. Insbesondere Pflegefachpersonen in der Intensiv- und Palliativversorgung stehen dabei in einem Spannungsfeld: Einerseits sind sie eingebunden in Prozesse der Effizienzsteigerung und Technisierung, andererseits tragen sie die Verantwortung, den individuellen, menschlichen Aspekt der Begleitung am Lebensende zu wahren.

    In diesem Kontext liefert Baumanns Untersuchung einen bedeutsamen Beitrag: Sie richtet den Fokus auf die Perspektiven jener Berufsgruppe, die Sterbeprozesse nicht nur beobachtet oder begleitet, sondern diese tagtäglich aktiv mitgestaltet. Damit rückt er Erfahrungen und Deutungsmuster von Pflegekräften ins Zentrum – eine Sichtweise, die in der gesundheitspolitischen wie auch wissenschaftlichen Diskussion häufig unterrepräsentiert ist. Die Publikation nimmt damit ein hochaktuelles und berufsrelevantes Thema auf, das sowohl für die Profession Pflege als auch für Bildungskontexte von wachsender Bedeutung ist.

    Im Zentrum der Untersuchung stehen 20 leitfadengestützte biografisch-narrative Interviews mit erfahrenen Pflegefachpersonen aus der Intensiv- und Palliativpflege. Baumann wählt bewusst einen qualitativ-interpretativen Zugang und nutzt die dokumentarische Methode nach Bohnsack, die eine systematische Analyse der impliziten Orientierungen und Deutungsmuster der Interviewten erlaubt. Damit gelingt es ihm nicht nur, explizit Gesagtes, sondern auch habitualisierte Denk- und Handlungsmuster sichtbar zu machen. Diese methodische Fundierung verleiht den Ergebnissen eine hohe Validität innerhalb des qualitativen Forschungsparadigmas. Positiv hervorzuheben ist zudem, dass der Autor seine methodologischen Entscheidungen transparent begründet und kritisch reflektiert – ein Aspekt, der das Buch auch für anspruchsvolle Lesende mit forschungsmethodischem Interesse wertvoll macht.

    Die Auswertung der Interviews bringt eine Vielzahl an Orientierungen zum Vorschein, die Pflegekräfte im Umgang mit Sterben und Tod leiten. Baumann strukturiert diese Orientierungen entlang zweier zentraler Erfahrungspole: zum einen das „Erschreckende“, zum anderen das „Schöne“. Unter dem Erschreckenden fasst er Erfahrungen zusammen, die durch plötzliche Todesfälle, entgrenzte Situationen, persönliche Überforderung oder ethisch fragwürdige Entscheidungen geprägt sind. Hierzu zählen etwa invasive Maßnahmen am Lebensende oder Kommunikationsabbrüche mit Angehörigen. Demgegenüber stehen Erfahrungen des „Schönen“ – Momente gelingender Abschiede, authentischer Nähe und stiller, würdevoller Begleitung. Diese Spannung verdeutlicht, wie ambivalent das Erleben von Sterbeprozessen für Pflegekräfte ist – zwischen professioneller Distanz, moralischem Anspruch und emotionaler Betroffenheit. Besonders eindrucksvoll ist dabei, wie Baumann aufzeigt, dass sich diese Orientierungen nicht linear zuordnen lassen, sondern häufig ineinandergreifen und situationsabhängig wechseln.

    Baumann diskutiert seine Ergebnisse nicht nur als individuelle Erfahrungsberichte, sondern als Ausdruck kollektiver beruflicher Orientierungsmuster. Er interpretiert diese Orientierungen als strukturgebend für das berufliche Selbstverständnis in der Intensiv- und Palliativpflege. Dabei betont er, dass die Auseinandersetzung mit Tod und Sterben keine „Privatsache“ der Pflegenden ist, sondern ein professioneller Lern- und Entwicklungsprozess, der institutionell unterstützt werden muss. Die Orientierungen fungieren in seiner Argumentation als „Kompass“ im moralisch aufgeladenen Pflegealltag: Sie ermöglichen nicht nur Handlungsfähigkeit, sondern sind auch Ausgangspunkt für Reflexion und Professionalisierung. 

    Die Kapitel sind miteinander verwoben und folgen einem narrativen Stil, der sowohl theoretische Grundlagen als auch empirische Fallbeispiele integriert. Der Autor führt die Lesenden durch die verschiedenen Aspekte der Pflege in extrem belastenden Situationen: Von der Wahrnehmung von Lebensqualität und Würde bis hin zu der Frage, wie man als Pflegekraft die eigenen emotionalen Belastungen managen kann.

    Baumann gelingt es, aus der Perspektive der Pflegekräfte heraus zu schildern, wie herausfordernd und komplex dieser Umgang sein kann. In vielen Passagen hebt er den emotionalen, moralischen und auch physischen Druck hervor, dem Pflegende ausgesetzt sind. Das Buch vermittelt eindrucksvoll, wie diese Belastungen das professionelle Handeln beeinflussen und welche ethischen Entscheidungen dabei getroffen werden müssen.

    Ein weiteres zentrales Element des Buches ist die Reflexion über die institutionellen Rahmenbedingungen, die den Umgang mit Tod und Sterben beeinflussen. Hier setzt Baumann insbesondere bei der Notwendigkeit an, dass Pflegekräfte in diesen Bereichen speziell ausgebildet und kontinuierlich weiterqualifiziert werden müssen, um professionell auf die damit verbundenen Herausforderungen reagieren zu können.

    Unstrittig ist Baumanns Ausblick auf die Weiterentwicklungs- und Lernpotenziale, die sich aus den geschilderten Erfahrungen ergeben. Zwar liegt der Fokus seiner Studie auf emotional belastenden Situationen, doch versteht er diese nicht bloß als Krisenerfahrungen, sondern als Ausgangspunkte für berufliches Wachstum. Die Auseinandersetzung mit moralischen Konflikten, mit Ambivalenzen im Umgang mit Sterbenden oder mit Gefühlen von Ohnmacht wird als Motor für Reflexion und Haltungsentwicklung beschrieben – ein Zugang, der im Kontext professioneller Qualifizierung hohe Relevanz besitzt.

    Gerade aus bildungsbezogener Perspektive eröffnet sich hier ein vielschichtiger didaktischer Zugang: Die von Baumann herausgearbeiteten Orientierungen eignen sich hervorragend als Impulse für Weiterbildungsformate, etwa zur ethischen Entscheidungsfindung, zur kommunikativen Kompetenz oder zur Selbstsorge im Umgang mit existenziellen Belastungen. Das Buch bietet damit substanzreiche Anknüpfungspunkte für Curricula im Bereich der spezialisierten Palliative Care und der Intensivpflege – insbesondere, um Lernprozesse in sensiblen, emotional hoch aufgeladenen Themenfeldern anzustoßen.

    Dabei geht Baumann über rein beschreibende Fallvignetten hinaus: Er plädiert für eine systematische Auseinandersetzung mit den Herausforderungen am Lebensende und betont die Notwendigkeit eines professionellen Orientierungswissens, das nicht allein durch Routinen oder technische Fertigkeiten vermittelt werden kann. Vielmehr wird sichtbar, wie essenziell reflektierte Erfahrung, kollegialer Austausch und ethische Klärung für ein tragfähiges pflegerisches Handeln sind.

    Besonders bemerkenswert ist, wie Baumanns Arbeit zur Selbstreflexion anregt: Die eindringlichen Perspektiven werfen grundlegende Fragen auf – nicht nur zur Praxis, sondern auch zur Haltung. Wie gelingt empathisches Handeln unter Druck? Wo liegen die Grenzen professioneller Nähe? Wie kann Würde gewahrt werden, wenn Handlungsspielräume begrenzt sind? Solche Fragen lassen sich im Rahmen von Weiterbildungsmodulen nicht nur analytisch, sondern auch erfahrungsbasiert bearbeiten – etwa durch Fallbesprechungen, ethische Fallarbeit oder biografisch-reflexive Elemente.

    Damit positioniert sich das Buch als ein wertvoller Impulsgeber für die didaktische Gestaltung anspruchsvoller Bildungsprozesse. Es unterstützt die Entwicklung einer Haltung, die Sterbebegleitung nicht als bloße Funktion innerhalb eines Systems begreift, sondern als Kern professioneller Pflege. Die dargestellten Erfahrungen machen eindrucksvoll deutlich: Die Begleitung von Sterbenden ist keine selbstverständliche Kompetenz, sondern erfordert kontinuierliche Auseinandersetzung – mit sich selbst, mit anderen und mit den strukturellen Bedingungen des pflegerischen Handelns.

    Manfred Baumann legt mit „Sterben und Tod in der Palliativ- und Intensivpflege“ eine inhaltlich dichte, sprachlich anspruchsvolle und in weiten Teilen beklemmend ehrliche Untersuchung vor. Die Stärke des Buches liegt unbestritten in der ungeschönten Sicht auf die Erfahrungsrealität von Pflegenden im Umgang mit Tod, Schmerz und Grenzsituationen. Aus Sicht der beruflichen Weiterbildung in Gesundheitsberufen bietet das Werk besonders im Hinblick auf ethische Fallbesprechungen und professionsbezogene Reflexionen wertvolle Impulse.

    Es fällt auf, dass der Schwerpunkt der Darstellung deutlich auf belastenden, negativ konnotierten Erfahrungen liegt, während positive Bewältigungsstrategien sowie alternative, systematisch erhobene Perspektiven weitgehend unberücksichtigt bleiben. Für die Gestaltung professioneller Lernprozesse in der Weiterbildung wäre eine differenziertere und ausgewogenere Darstellung hilfreich gewesen, um ein realistischeres Spektrum pflegerischer Praxis im Umgang mit Sterben und Tod abzubilden. Gleichwohl setzt Baumann einen relevanten bildungsbezogenen Impuls: Er verdeutlicht, dass der professionelle Umgang mit existenziellen Situationen nicht vorausgesetzt werden kann, sondern Gegenstand gezielter Auseinandersetzung und reflexiver Lernprozesse sein muss – und genau hier setzt sein Buch einen wichtigen Akzent.

    Für Lehrpersonen und Weiterbildner:innen in der Palliativ- und Intensivpflege, für ethische Beratungen im Gesundheitswesen sowie für erfahrene Pflegefachpersonen, die sich mit ihrer Rolle und Verantwortung am Lebensende auseinandersetzen möchten, ist dieses Buch unbedingt lesenswert. Auch wenn es an manchen Stellen einseitig bleibt, eröffnet es Räume für das, was in der täglichen Praxis oft zu kurz kommt: das Nachdenken über das eigene Tun – und über das, was Pflege im Innersten ausmacht.

    Eine Rezension von Romy Flotow,
    MSc Health Professions Education

  • Bewegungsbezogene Gesundheitskompetenz stärken: UKE startet Projekt mit Unterstützung der DAK-Gesundheit

    Die DAK-Gesundheit unterstützt mit rund 400.000 Euro ein neues Forschungsprojekt des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE), das die bewegungsbezogene Gesundheitskompetenz von Pflegefachpersonen nachhaltig stärken soll.

    Pflegekräfte sind in ihrem Berufsalltag stark körperlich gefordert. Viele der dabei notwendigen Bewegungen werden jedoch nicht immer gesundheitsfördernd oder langfristig gesundheitserhaltend ausgeführt – mit Folgen für das eigene Wohlbefinden. Hier setzt das dreijährige Projekt „BeGeKo-Care – Entwicklung einer hybriden Intervention zur Förderung der bewegungsbezogenen Gesundheitskompetenz von Pflegefachpersonen“ an. Geleitet wird das Vorhaben von Prof. Dr. Susanne Klotz aus dem Bereich Physiotherapie des UKE.

    Ziel des Projekts ist es, Pflegefachpersonen gezielt dabei zu unterstützen, ihre körperlichen Belastungen im Arbeitsalltag gesundheitsbewusst zu bewältigen. In einem ersten Schritt wird die aktuelle Situation im Hinblick auf die bewegungsbezogene Gesundheitskompetenz in der Pflege analysiert. Anschließend wird in enger Zusammenarbeit mit Pflegekräften des UKE eine hybride Intervention entwickelt, die aus einem digitalen Selbstlernkurs sowie begleitenden Kleingruppentrainings in Präsenz besteht. Die Maßnahme wird wissenschaftlich begleitet und evaluiert.


    Zur Pressemitteilung: https://www.uke.de/allgemein/presse/pressemitteilungen/detailseite_168837.html

    Foto: erstellt mithilfe von KI - AdobeFirefly

  • Richtlinien für Qualitätsprüfungen in ambulanten Pflegediensten veröffentlicht

    Der Medizinische Dienst Bund hat Ende August neue Richtlinien für die Qualitätsprüfung in ambulanten Pflegediensten veröffentlicht. Sie wurden am 19. Mai 2025 erlassen, am 7. August 2025 vom Bundesministerium für Gesundheit genehmigt und treten zum 1. Juli 2026 in Kraft.

    Die „Qualitätsprüfungs-Richtlinien ambulante Pflege Teil 1a – Ambulante Pflegedienste“ (QPR ambulante Pflege Teil 1a) bilden die Grundlage für die Qualitätsprüfung in der allgemeinen ambulanten Pflege, der außerklinischen Intensivpflege sowie der psychiatrischen häuslichen Krankenpflege, wie sie von ambulanten Pflegediensten erbracht werden. Außerdem regeln sie die Prüfung der Abrechnungen ambulanter Pflegedienste mit den gesetzlichen Kranken- und Pflegekassen. Die Qualitätsprüfung von ambulanten Betreuungsdiensten wird in einem eigenen Teil 1b der QPR ambulante Pflege festgelegt.

    Die neue Prüfsystematik für ambulante Pflegedienste orientiert sich an der bereits in der vollstationären Pflege und der Tagespflege etablierten Prüfphilosophie, wurde jedoch speziell an die Besonderheiten der ambulanten Versorgung angepasst.

    „Mit den neuen Qualitätsprüfungs-Richtlinien wird der Fokus noch stärker auf die Versorgungsqualität gerichtet. Neu ist beispielsweise, ob Pflegedienste eine drohende Überforderung von pflegenden Angehörigen im Blick haben und ansprechen, um die Pflegesituation stabil zu halten. Dies soll dazu beitragen, dass Pflegebedürftige möglichst lange in ihrer häuslichen Umgebung bleiben können. Zugleich verschlanken die neuen Richtlinien die zukünftigen Qualitätsprüfungen und fördern und stärken die Fachlichkeit der Pflegeeinrichtungen und der Prüfinstitutionen“, sagt Carola Engler, stellvertretende Vorstandsvorsitzende des Medizinischen Dienstes Bund.

    Im Mittelpunkt steht die Qualität, die bei der versorgten Person ankommt

    Die Qualitätsprüfung rückt künftig noch stärker die Ergebnisqualität in den Mittelpunkt, während einrichtungsbezogene Strukturkriterien – mit wenigen Ausnahmen – nicht mehr prüfrelevant sein werden. So entfallen etwa Prüfaspekte zu Erste-Hilfe-Schulungen der Mitarbeitenden. Statt einer detaillierten Bewertung vieler Einzelkriterien werden die zentralen Themen nun anhand übergeordneter Qualitätsaspekte beurteilt.

    Zur Beurteilung der Versorgungsqualität nimmt der Prüfdienst stichprobenartig Kontakt zu vom Pflegedienst betreuten Personen auf und führt Vor-Ort-Besuche durch. Die Auswahl erfolgt zufällig. In den Richtlinien ist festgelegt, wie viele Personen je nach Leistungsbereich – allgemeine ambulante Pflege, außerklinische Intensivpflege oder psychiatrische häusliche Krankenpflege – in die Prüfung einzubeziehen sind.

    Zusammenfassende Bewertung eines Qualitätsaspekts anhand von Leitfragen

    Der zukünftige Prüfkatalog orientiert sich an übergeordneten Qualitätsaspekten. Für jeden Aspekt erhebt das Prüfteam zunächst relevante Informationen. Diese werden mithilfe von Leitfragen ausgewertet, woraufhin eine zusammenfassende Einschätzung erfolgt. Die Ergebnisse werden in vier Bewertungskategorien eingeordnet:

    • A  Keine Auffälligkeiten oder Defizite
    • B  Auffälligkeiten, die keine Risiken oder negativen Folgen für die versorgte Person erwarten lassen 
    • C  Defizit mit Risiko negativer Folgen 
    • D  Defizit mit eingetretenen negativen Folgen.

    Für die Darstellung der Qualität sind ausschließlich die Bewertungskategorien C und D relevant. Die konkreten Regeln für diese Qualitätsdarstellung werden zwischen den Kostenträgern und den Leistungserbringerverbänden vereinbart und treten gleichzeitig mit den Qualitätsprüfungs-Richtlinien in Kraft.

    Beratungsorientierter Prüfansatz wird gestärkt

    Die Richtlinien basieren weiterhin auf einen beratungsorientierten Prüfansatz. Dabei beraten die Prüferinnen und Prüfer die Pflegeeinrichtung und ihr Personal während der Prüfung zu möglichen Qualitätsverbesserungen. Neu ist, dass das Fachgespräch mit den Mitarbeitenden des Pflegedienstes künftig eine größere Rolle bei der Bewertung der individuellen Versorgungsqualität einnimmt.

    Zur Sensibilisierung der Pflegedienste wurden Qualitätsaspekte aufgenommen, die ausschließlich beratenden Zwecken dienen. Sie behandeln unter anderem die Zusammenarbeit zwischen Pflegedienst und pflegenden Angehörigen sowie den Umgang mit Anzeichen von Gewalt, Vernachlässigung oder Unterversorgung der Pflegebedürftigen.


    Hintergrund: Der Gesetzgeber hatte den Qualitätsausschuss Pflege beauftragt, durch wissenschaftliche Projekte neue Prüfverfahren sowie eine Alternative zur bisherigen Darstellung der Qualität von Pflegeeinrichtungen in Form von Pflegenoten zu entwickeln. Für die stationäre Pflege gibt es bereits seit 2019 ein neues Qualitätssystem. Nun liegt auch für die ambulante Pflege ein vergleichbares Qualitätssystem vor, das im Auftrag des Qualitätsausschusses Pflege von Wissenschaftlern der Hochschule Osnabrück (Prof. Dr. Andreas Büscher) sowie des Institutes für Pflegewissenschaft an der Uni Bielefeld (Prof. Dr. Klaus Wingenfeld) entwickelt und anschließend einem intensiven Evaluationsprozess unterzogen worden ist. Im Anschluss wurden die „Maßstäbe und Grundsätze für die Qualität und Qualitätssicherung sowie die Vereinbarung zur Qualitätsdarstellung in der ambulanten Pflege“ von den Vereinbarungspartnern (Verbände der Kostenträger und der Einrichtungsträger) überarbeitet. Die jetzt für die Qualitätsprüfung von ambulanten Pflegediensten nach 114a Absatz 7 SGB XI vorgelegten Richtlinien hat der Medizinische Dienst Bund auf Basis des wissenschaftlich entwickelten Prüfkonzeptes und der Maßstäbe und Grundsätze erstellt und erlassen. Die Qualitätsprüfungen werden vom Medizinischen Dienst und vom Verband der privaten Krankenversicherung durchgeführt.


    Zur Pressemitteilung: https://md-bund.de/presse/pressemitteilungen/neueste-pressemitteilungen/richtlinien-fuer-qualitaetspruefungen-in-ambulan-ten-pflegediensten-veroeffentlicht.html

    Foto: stock.adobe.com - goodluz

  • Alzheimer Forschung Initiative e.V. fördert erstmals Pflegeforschung

    Die gemeinnützige Alzheimer Forschung Initiative e.V. (AFI) stellt 500.000 Euro zur Verfügung, um das Schulungsprogramm „CogStim24“ an der Universität zu Köln zu entwickeln und zu überprüfen. Das Projekt wird von der Gerontologin Dr. Ann-Kristin Folkerts und der Neuropsychologin Prof. Dr. Elke Kalbe geleitet. Ziel ist es, Pflege- und Betreuungspersonen praxisnah zu vermitteln, wie sie Menschen mit Demenz im Alltag durch gezielte geistige Anregungen fördern können. Damit unterstützt die AFI erstmals ein Forschungsvorhaben im Bereich der Pflegewissenschaft.

    Alltagsbegleitende geistige Aktivierung von Menschen mit Demenz

    Oft sind es scheinbar kleine Reize – ein vertrauter Duft, das Erinnern an frühere Erlebnisse oder das Fortführen eines bekannten Sprichworts –, die Menschen mit Demenz trotz nachlassender Erinnerungen erreichen können. Im Alltag fehlen den Erkrankten jedoch häufig Gelegenheiten für solche geistigen Anregungen und für soziale Interaktion.

    Die gemeinnützige Alzheimer Forschung Initiative e.V. (AFI) fördert nun mit 500.000 Euro die Fertigstellung und Evaluation eines speziellen Schulungsprogramms. Dieses soll Pflege- und Betreuungspersonen in Einrichtungen sowie im häuslichen Umfeld darin schulen, Menschen mit Demenz im Alltag gezielt zu aktivieren und zu fördern. Damit unterstützt die AFI erstmals ein Forschungsvorhaben aus dem Bereich der Pflegeforschung.

    Das Programm „24/7 Kognitive Stimulation für Menschen mit Demenz (CogStim24)“ ist an der Medizinischen Fakultät und der Uniklinik Köln der Universität zu Köln angesiedelt. Entwickelt wurde es von der Gerontologin Dr. Ann-Kristin Folkerts und der Neuropsychologin Prof. Dr. Elke Kalbe in Zusammenarbeit mit dem Pflegewissenschaftler Prof. Dr. Sascha Köpke. Pflege- und Betreuungspersonen sowie Vertreter:innen von Menschen mit Demenz in stationären Einrichtungen wurden aktiv einbezogen. Ziel ist es, den Fachkräften zu vermitteln, wie sie die geistige Aktivierung von Menschen mit Demenz gezielt unterstützen können. Besonders daran ist, dass die Übungen nicht zu festen Gruppenzeiten stattfinden, sondern flexibel in alltägliche Pflegesituationen wie Waschen, Anziehen oder Essen integriert werden – rund um die Uhr.

    Erinnerungsarbeit, Anregung für alle Sinne, Bewegung und Entspannung

    In der 11-wöchigen Schulung erlernen Pflege- und Betreuungspersonen vielfältige Methoden, darunter biografische Arbeit, Sinnesanregungen, den Einsatz von Musik und Bewegung sowie kleine Denkaufgaben. Die dazugehörigen Materialien sind in zwei Schwierigkeitsstufen abgestimmt, sodass die meisten Menschen mit Demenz – unabhängig von ihrem kognitiven oder körperlichen Zustand – aktiv einbezogen werden können.

    Pflege- und Betreuungspersonen schätzen das Programm trotz Herausforderungen wie Zeitdruck oder Personalknappheit als praktikabel und bereichernd ein. Dies zeigte eine erste Machbarkeitsstudie des Forschungsteams. Auf Grundlage dieser Erkenntnisse soll CogStim24 nun weiterentwickelt werden, um langfristig in der Praxis verankert zu werden.

    Zwei zentrale Fragen stehen jetzt im Fokus:

    1. Verbessert sich durch alltagsintegrierte kognitive Aktivierung die Lebensqualität und geistige Leistungsfähigkeit von Menschen mit Demenz?
    2. Wirkt sich das Programm auch positiv auf die Zufriedenheit der Pflege- und Betreuungspersonen aus?

    Das Schulungsprogramm soll in Workshops gemeinsam mit Pflege- und Betreuungspersonen fertiggestellt werden, wobei auch Rückmeldungen von Menschen mit Demenz und deren Angehörigen berücksichtigt werden. In einer anschließenden Wirksamkeitsstudie wird untersucht, wie sich das Programm auf die geistigen Fähigkeiten und die Lebensqualität der Menschen mit Demenz sowie auf die Zufriedenheit der Pflege- und Betreuungspersonen auswirkt.

    „Durch kognitive Stimulation, die im Alltag mitläuft, können wir viel mehr Menschen erreichen als mit Gruppenangeboten zu festen Zeiten. Die Versorgungssituation von Menschen mit Demenz könnte sich dadurch deutlich verbessern“, sagt Prof. Kalbe. Das Forschungsteam zielt mit dem Ansatz auch auf die Verbesserung des Pflegealltags ab. „Es wäre ein Meilenstein, wenn sich unser Ansatz auch positiv auf die (Arbeits-)Zufriedenheit von Pflege- und Betreuungspersonen auswirken würde“, ergänzt Dr. Folkerts.

    Pflegeforschung: Neuer Förderungsschwerpunkt der AFI

    Anlässlich ihres 30-jährigen Bestehens startet die AFI mit dieser Projektförderung einen neuen Forschungsschwerpunkt: Pflegeforschung wird künftig neben der Grundlagenforschung das zweite Standbein der Forschungsförderung der Organisation. Jährlich sollen Fördergelder für ein neues Pflegeforschungsprojekt bereitgestellt werden. Mit diesem Ansatz möchte die AFI die Versorgung von Menschen mit Demenz nachhaltig verbessern. Die 500.000 Euro für das erste Pflegeprojekt sind zugleich die höchste Fördersumme, die die AFI bislang für ein einzelnes Projekt bereitgestellt hat.

    Über die Alzheimer Forschung Initiative e.V.

    Die Alzheimer Forschung Initiative e.V. (AFI) ist ein gemeinnütziger Verein, der das Spendenzertifikat des Deutschen Spendenrats e.V. trägt. Seit 1995 fördert die AFI mit Spendengeldern Forschungsprojekte engagierter Demenzforscherinnen und -forscher. Seit 2025 stellt die AFI auch Fördergelder für Pflegeforschung bereit. Mit kostenlosen Broschüren und auf der Website www.alzheimer-forschung.de informiert die AFI über die Alzheimer-Krankheit und andere Demenzen. Bis heute konnte der Verein 421 Forschungsaktivitäten mit 18,2 Millionen Euro unterstützen und über 975.000 Ratgeber und Broschüren verteilen. Botschafterin der AFI ist die Journalistin und Sportmoderatorin Okka Gundel. Weitere Informationen zur Arbeit des Vereins und zu Spendenmöglichkeiten sind zu finden unter www.alzheimer-forschung.de. 
     


    Zur Pressemitteilung: https://www.alzheimer-forschung.de/presse/pressemitteilungen/meldung/foerderung-pflegeforschung/

    Foto: Pflegeforscherinnen Dr. Ann-Kristin Folkerts (li.) und Prof. Elke Kalbe mit Schulungsmaterialien

  • Christine Vogler: Pflegefachlicher Kern muss gesichert werden

    Der Deutsche Bundestag hat kürzlich in erster Lesung die Gesetzentwürfe zur Befugniserweiterung und Entbürokratisierung in der Pflege sowie zur Einführung einer bundeseinheitlichen Pflegefachassistenzausbildung beraten. Der Deutsche Pflegerat (DPR) bewertet beide Vorlagen als wichtige Impulse zur Stärkung der Pflegeberufe und spricht sich für eine entschlossene und zügige Umsetzung aus.

    Christine Vogler, Präsidentin des Deutschen Pflegerats, zur Befugniserweiterung: „Mit dem Beginn der Beratungen im Bundestag beginnt der entscheidende erste Schritt, die Kompetenzen von Pflegefachpersonen endlich voll zu nutzen. Wichtig ist nun, dass der pflegefachliche Kern auf diesem Weg nicht verwässert wird. Pflegefachpersonen brauchen klare, verbindliche Befugnisse, um selbstständig und eigenverantwortlich handeln zu können. So wird die Gesundheitsversorgung gestärkt und der Beruf zukunftsfähig gemacht.
    Dazu gehört auch, dass die maßgeblichen Organisationen der Pflegeberufe auf Bundesebene verbindlich einbezogen, echte Mitgestaltungs- und Mitwirkungsrechten erhalten und eine dauerhaft finanzierte, hauptamtliche Struktur bekommen.“

    Zur geplanten bundeseinheitlichen Pflegefachassistenzausbildung betont Vogler: „Die bundeseinheitliche Pflegefachassistenzausbildung beendet die 27-fachen zersplitterten Regelungen der Länder. Das ist ein echter Fortschritt für Qualität, Vergleichbarkeit und Berufsmobilität. Entscheidend wird jetzt die konkrete Umsetzung des Gesetzentwurfes mit seinen verlässlichen Standards und seiner konsequenten Durchlässigkeit hin zur dreijährigen Ausbildung im Parlament und dann in der Ausbildung und im Berufsalltag sein, damit die Pflegefachassistenz zum attraktiven Einstieg in den Pflegeberuf wird.“


    Zur Pressemitteilung: https://deutscher-pflegerat.de/profession-staerken/pressemitteilungen/deutscher-pflegerat-bundestagsdebatte-zur-staerkung-der-pflegeberufe

    Foto: Christine Vogler, Präsidentin Deutscher Pflegerat e.V., Bildrechte: Christine Vogler

  • Springerkonzepte entlasten Pflegekräfte – Hochschule Kempten evaluiert Modellprojekt in Bayern

    Kurzfristige Personalausfälle sind in der Langzeitpflege keine Ausnahme, sondern Alltag. Oft müssen Pflegekräfte an eigentlich freien Tagen einspringen oder offene Dienste werden durch Leiharbeitskräfte abgedeckt. Die Folgen: unzuverlässige Dienstpläne, sinkende Zufriedenheit bei den Mitarbeitenden und steigende Personalkosten. Um hier gegenzusteuern, hat das Bayerische Staatsministerium für Gesundheit, Pflege und Prävention (StMGP) das Modellprojekt „Springerkonzepte in der Langzeitpflege“ gestartet. Die wissenschaftliche Evaluation des Projekts liegt nun vor und wurde von der Hochschule Kempten unter der Leitung von Prof. Dr. Johannes Zacher und Prof. Dr. Philipp Prestel durchgeführt.

    Erprobung flexibler Personalkonzepte

    Das Modellprojekt lief von September 2023 bis Oktober 2024 und umfasste 65 Einrichtungen der ambulanten sowie (teil-)stationären Langzeitpflege in Bayern. Getestet wurden dabei unterschiedliche Ausgestaltungen von Springerkonzepten – von flexiblen Einsatz- und Dienstplanmodellen über speziell eingerichtete Koordinationsstrukturen bis hin zu Rufbereitschaften und finanziellen Anreizsystemen.

    Wissenschaftliche Begleitung durch die Hochschule Kempten

    Die Hochschule Kempten übernahm die wissenschaftliche Begleitung des Modellprojekts und prüfte die Wirksamkeit der eingesetzten Konzepte, den Personalbedarf sowie die zu erwartenden Kosten. Grundlage der Evaluation waren qualitative Experteninterviews, Befragungen von Springerkräften und Stammbelegschaften sowie detaillierte Analysen von Dienstplandaten.

    Ergebnisse: Vielfältige Konzepte, klare Entlastungseffekte

    Die Evaluation macht deutlich: Springerkonzepte entlasten die Stammbelegschaften spürbar. Dank der flexiblen Einsatzplanung der Springerkräfte müssen reguläre Mitarbeitende seltener kurzfristig einspringen, wodurch Dienstpläne stabiler werden. Auch der Planungs- und Organisationsaufwand für Leitungskräfte verringert sich deutlich. Der Abschlussbericht zeigt zudem auf, wie Springerkonzepte in der Langzeitpflege refinanziert werden können, und enthält praxisnahe Empfehlungen für ein wirksames Ausfallmanagement. Damit liefert das Projekt eine belastbare Grundlage für die Weiterentwicklung und den breiten Einsatz von Springerkonzepten in der Langzeitpflege.

    „Die Evaluation des Modellprojekts zeigt, wie Springerkonzepte als innovative Personaleinsatzmodelle zur Entlastung von Pflegekräften beitragen können. Die Ergebnisse des Projekts liefern somit eine fundierte Grundlage für eine zukunftsweisende und nachhaltige Personaleinsatzplanung in der Langzeitpflege“, so Prof. Dr. Johannes Zacher, Projektleiter an der Hochschule Kempten.

    Über das IGG – Institut für Gesundheit und Generationen

    Das IGG – Institut für Gesundheit und Generationen der Hochschule Kempten widmet sich der interdisziplinären Forschung in den Bereichen Gesundheitsförderung und Prävention sowie Versorgung im Alter und hat sich dabei zum Ziel gesetzt, Praxis, Lehre und Forschung miteinander zu verbinden. http://www.hs-kempten.de/igg

    Wissenschaftliche Ansprechpartner:
    Prof. Dr. Johannes Zacher, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.
    Prof. Dr. Philipp Prestel, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.


    Zur Pressemitteilung: https://www.hs-kempten.de/hochschule/aktuelles/artikel/springerkonzepte-entlasten-pflegepersonal-deutlich-3516

    Foto: stock.adobe.com - amnaj

  • Queen Silvia Nursing Award – finale Bewerbungsrunde läuft

    Der renommierte Queen Silvia Nursing Award geht in seine finale Bewerbungsrunde. Vom 1. August bis zum 31. Oktober 2025 sind Pflegefachpersonen und Pflegestudierende in Schweden, Finnland, Deutschland, Polen und Litauen eingeladen, ihre innovativen Ideen zur Verbesserung der Versorgung älterer Menschen sowie von Menschen mit Demenz einzureichen.

    Seit seiner Gründung im Jahr 2013 würdigt der Preis Mitgefühl, Führungsstärke und Kreativität in der Pflege. Mit der diesjährigen Ausschreibung endet eine über ein Jahrzehnt währende Reise, die zahlreiche Impulse für die Weiterentwicklung der Alten- und Demenzpflege gegeben hat.
    „Lassen Sie uns diese letzte Runde zu einer Feier dessen machen, was wir gemeinsam geschaffen haben – ein Vermächtnis von Würde, Empathie und Fortschritt“, heißt es seitens der Organisatoren.

    Über den Queen Silvia Nursing Award

    Der Queen Silvia Nursing Award würdigt und unterstützt Pflegekräfte für ihre Beiträge zur Verbesserung der Pflegequalität älterer Menschen und von Menschen mit Demenzdiagnose. Der Preis hebt innovative Ideen hervor, die die Pflege verbessern, die berufliche Entwicklung fördern und die nächste Generation von Pflegefachkräften inspirieren.
    Die Gewinnerinnen und Gewinner erhalten ein Stipendium, Zugang zu wertvollen Vernetzungsmöglichkeiten sowie zu exklusiven Lernerfahrungen mit führenden Expertinnen, Experten und Organisationen.

    Mission

    Die Mission des Queen Silvia Nursing Award ist es, Pflegekräfte zu stärken und ihre Innovationen, ihr Wissen und ihre Führungsqualitäten sichtbar zu machen. Indem er kreative Lösungen unterstützt, berufliches Wachstum fördert und internationale Zusammenarbeit ermöglicht, trägt der Preis zu einer besseren Gesundheitsversorgung für zukünftige Generationen bei.

    Alle Informationen zur Bewerbung finden Sie hier: https://www.queensilvianursingaward.com/de


    Fotoquelle: https://www.queensilvianursingaward.com/de

  • IMC Krems startet Forschungsprojekt zur Sturzprävention bei Parkinson

    Mit dem neuen Forschungsprojekt PreFOG betritt das IMC Krems wissenschaftliches Neuland: Unter der Leitung von Assoz.-Prof. (FH) Agnes Wilhelm, MSc, Professorin am Institut für Therapie- und Hebammenwissenschaften, arbeitet ein interprofessionelles Team daran, das sogenannte Freezing of Gait (FoG) – eine plötzliche Bewegungsblockade beim Gehen – bei Menschen mit Idiopathischem Parkinsonsyndrom (IPS) vorhersagbar zu machen. Ziel ist es, mithilfe modernster Machine-Learning-Algorithmen und innovativer Smart-Einlegesohlen das Sturzrisiko deutlich zu reduzieren. Gefördert wird das Projekt vom Land Niederösterreich im Rahmen der WST3-Ausschreibung des NÖ Wirtschafts- und Tourismusfonds und durch Mittel der Europäischen Union (EFRE) kofinanziert.

    Wenn Gehen plötzlich stoppt 

    Rund 40 Prozent aller Menschen mit Idiopathischem Parkinsonsyndrom (IPS) erleben im Verlauf ihrer Erkrankung sogenannte Freezing-of-Gait-Episoden – plötzliche Bewegungsblockaden. Nach mehr als zehn Krankheitsjahren sind bereits über 70 Prozent der Betroffenen davon betroffen. FoG zählt zu den zentralen Risikofaktoren für Stürze, die oftmals schwere Verletzungen und den Verlust von Selbstständigkeit nach sich ziehen. Bis zu 61 Prozent aller Stürze bei Parkinson-Patient*innen lassen sich direkt auf diese Episoden zurückführen.

    Der innovative Ansatz

    Im Gegensatz zu bisherigen Studien, die meist mehrere Messgeräte an unterschiedlichen Körperstellen einsetzten, verfolgt das Projekt PreFOG einen innovativen Ansatz: Es stützt sich ausschließlich auf Daten von Smart-Einlegesohlen, die mit Druck- und Bewegungssensoren (IMUs) ausgestattet sind. Zum Einsatz kommen dabei die Smart-Einlegesohlen StAPPone der StAPPtronics GmbH. Auf Basis dieser Daten entwickelt das Forschungsteam prädiktive Modelle, die Freezing-of-Gait-Episoden frühzeitig erkennen sollen.

    „Unser Ziel ist es, FoG vorherzusagen, bevor es überhaupt auftritt – und damit Zeit zu gewinnen, um Stürze zu verhindern“, erklärt Projektleiterin Agnes Wilhelm. „Das könnte die Lebensqualität und Sicherheit von Parkinson-Betroffenen entscheidend verbessern.“

    Das Projekt wird als interdisziplinäres Gemeinschaftsvorhaben an der IMC Krems University of Applied Sciences durchgeführt. Beteiligt sind die Studiengänge Physiotherapie, Informatik sowie Engineering Responsible AI Systems. Zum Projektteam gehören Agnes Wilhelm, Tanja Miksch und Anna Dopona (Physiotherapie), Sarita Paudel, Himanshu Buckchash und Charles Anthony (Informatik) sowie Ruben Ruiz Torrubiano (Engineering Responsible AI Systems).

    Nachhaltig und digital

    PreFOG bringt Know-how aus der motorischen Rehabilitation, der Datenwissenschaft und dem Maschinellen Lernen zusammen. Neben der öffentlichen wissenschaftlichen Kommunikation eröffnet das Projekt neue Perspektiven für den Technologietransfer.


    Zur Pressemitteilung: https://www.imc.ac.at/ueber-uns/medien-presse/news/detail/forschung-zur-sturzpraevention-bei-parkinson-patientinnen/

    Foto: Das interprofessionelle Projektteam des Forschungsprojekts PreFOG am IMC Krems: Gemeinsam arbeiten Expert*innen aus Physiotherapie, Informatik und Engineering Responsible AI Systems an innovativen Lösungen zur Sturzprävention bei Parkinson-Patient*innen.

  • Landespflegepreis für Heidelberger Team: Pflege stärkt Familien psychisch erkrankter Kinder

    Große Anerkennung für die Pflege am Universitätsklinikum Heidelberg: Das Team der Kinder- und Jugendpsychiatrie am Zentrum für Psychosoziale Medizin (ZPM) erhielt den Landespflegepreis Baden-Württemberg. Ausgezeichnet wurde das innovative Projekt „Angehörigenintegration in der kinder- und jugendpsychiatrischen Pflege“, das Eltern und Familien psychisch erkrankter Kinder gezielt unterstützt und die Rolle der Pflege im interdisziplinären Behandlungsteam stärkt. Mit dem Landespflegepreis würdigt die Bundesfachvereinigung Leitender Krankenpflegepersonen der Psychiatrie e.V. (BLFK) Projekte, die die Pflege neu denken und nachhaltig weiterentwickeln.

    Pflege stärkt Familien

    „Herzlichen Glückwunsch an das Team aus dem ZPM. Die Initiative unserer Pflegenden zeigt eindrucksvoll, wie Pflege Verantwortung in psychosozialen Behandlungsprozessen übernehmen und Familien nachhaltig stärken kann“, sagt Yvonne Dintelmann, Pflegedirektorin des Universitätsklinikums Heidelberg.

    Eltern psychisch erkrankter Kinder sind häufig stark belastet und stoßen im Alltag an ihre Grenzen. Das Heidelberger Projekt setzt hier mit einem neuen, pflegegeleiteten Beratungsansatz an, der Familien in schwierigen Lebenssituationen unterstützt. Speziell geschulte Pflegefachpersonen bieten systemische Elternberatung, Angehörigengruppen und Ernährungsberatung an. Ziel ist es, familiäre Dynamiken zu verbessern, Druck zu verringern und dadurch die psychische Stabilität der Kinder zu fördern.

    „Viele unserer jungen Patientinnen und Patienten leiden zum Beispiel unter Angststörungen, die oft zu Schulverweigerung führen“, erklärt Katrin Häcker, Gesundheits- und Krankenpflegerin und systemische Elternberaterin. „Eltern neigen dann z.B. manchmal dazu, aus Überfürsorge oder Angst Druck aufzubauen, was das Kind zusätzlich belastet und den Schulbesuch erschwert. Ziel der Beratung kann sein, diesen Druck abzubauen, eigenen Ängste zu verstehen und Impulse zu erhalten, wie die Eltern ihre Kinder in der schwierigen Situation mit Verständnis und Ruhe unterstützen und begleiten können.“

    Neue Rolle der Pflege im Behandlungsteam

    Für das Projekt wurde eine eineinhalbjährige Inhouse-Weiterbildung zur systemischen Elternberatung durchgeführt. Seitdem können Familien in der Ambulanz, der Tagesklinik und auf Station gezielt Beratungsgespräche in Anspruch nehmen. Behandelnde weisen auf das Angebot hin, sobald im familiären Umfeld besondere Belastungen erkennbar sind.

    Das Modellprojekt verdeutlicht, wie die Pflege eine Brückenfunktion zwischen Therapie und Familienalltag einnehmen kann. „Die Pflegenden bringen einen eigenen, wertvollen Blick auf die Familien mit“, betont Anja Kemptner, Bereichsleitung Kinder- und Jugendpsychiatrie am Zentrum für Psychosoziale Medizin. „Wenn mehrere Professionen gemeinsam auf eine Familie schauen, erhöht das den Therapieerfolg – und stärkt die Familien nachhaltig.“

    Hohe Resonanz und positive Wirkung

    Die Resonanz auf das Angebot ist positiv: Viele Eltern haben die Beratung bereits dankbar angenommen und empfinden die Gespräche als entlastend, hilfreich und häufig als Wendepunkt im Umgang mit schwierigen Alltagssituationen. Auch die Mitarbeitenden berichten von einem Perspektivwechsel und einer Stärkung ihrer fachlichen Rolle.


    Zur Pressemitteilung: https://www.klinikum.uni-heidelberg.de/newsroom/landespflegepreis-fuer-heidelberger-pflege-team/#

    Foto: Preisverleihung des Landespflegepreises (v.l.): Simon Weiß, stv. Landesvorsitzender der BFLK, Laudatorin Maike Scheffold, Thomas Walter, Preisträger 3. Platz, Katrin Höcker, Gewinnerin vom Universitätsklinikum Heidelberg, Buyandelger Bender, Anja Kemptner, Gewinnerin vom Universitätsklinikum Heidelberg, Anna Heinsch, Preisträgerin 2. Platz, und Laudatorin Luisa Sauter. Bild: Barbara Baur, Zentrum für Psychiatrie Reichenau

  • Harninkontinenz in der Demenzpflege: Neues Forschungsprojekt untersucht Pflegepraxis

    Ein aktuelles Forschungsprojekt der Universität Witten/Herdecke untersucht, wie die Pflege von Menschen mit fortgeschrittener Demenz und Harninkontinenz optimiert werden kann.

    Harninkontinenz – also der unfreiwillige Verlust von Urin – ist ein häufig auftretendes, jedoch oft wenig beachtetes Problem in der Altenpflege. Besonders stark betroffen sind Menschen mit fortgeschrittener Demenz: Sie verlieren zunehmend die Kontrolle über ihre Blase und sind häufig nicht mehr in der Lage, selbstständig die Toilette aufzusuchen. Die Konsequenzen sind erheblich und wirken sich sowohl auf die Lebensqualität der Betroffenen als auch auf die Pflegenden aus – Scham, Belastung und Einschränkungen im Alltag sind die Folge.

    Genau hier setzt die Promotion von Melanie Maschewski an. Die Doktorandin am Department für Pflegewissenschaft der Universität Witten/Herdecke (UW/H) untersucht in ihrer Arbeit, wie Pflegende Menschen mit fortgeschrittener Demenz und Harninkontinenz versorgen und welche Entscheidungen sie dabei treffen. Dabei geht es unter anderem darum, welche Maßnahmen eingesetzt werden, wie sie mit Widerstand oder Scham umgehen und welche Gedanken, Erfahrungen und Werte ihr pflegerisches Handeln leiten.

    Bisherige Studien geben dazu nur eingeschränkt Auskunft: Sie erfassen vor allem die Häufigkeit von Inkontinenz, die Belastungen für Pflegende und einzelne eingesetzte Maßnahmen. Wie Pflegende jedoch Entscheidungen treffen, welche Strategien sich im Alltag bewähren und welche Arbeitsbedingungen dafür erforderlich sind, blieb bislang weitgehend unerforscht. Die Promotion von Melanie Maschewski schließt diese Forschungslücke.

    Die gewonnenen Erkenntnisse sollen Pflegenden Reflexionsmöglichkeiten bieten, Einrichtungen Impulse für bessere Rahmenbedingungen liefern und Politik sowie Ausbilder:innen bei der Gestaltung von praxisgerechter Pflege unterstützen.


    Zur Pressemitteilung: https://www.uni-wh.de/umgang-mit-harninkontinenz-bei-demenz-was-pflegende-in-der-praxis-wirklich-brauchen

    Foto: stock.adobe.com - manassanant

  • Todes- und Suizidwünsche: Ethische Herausforderungen in der Pflege

    Karen Klotz, Anna-Henrikje Seidlein, Annette Riedel

    Springer Verlag, Berlin 2025, 54 Seiten, 14,99 €, ISBN 978-3-662-71018-0

    Zusammenfassung / Inhalt

    Das Buch behandelt den professionellen Umgang mit Todes- und Suizidwünschen im Pflegekontext. Es liefert Definitionen und Abgrenzungen (Todeswunsch, Suizidwunsch, assistierter Suizid), beleuchtet Prävalenz, rechtliche Rahmenbedingungen, ethische Spannungsfelder sowie die Rolle von Pflegefachpersonen. Zentrale Themen sind:

    • Suizidprävention als professioneller Auftrag

    • Ethische Herausforderungen in unterschiedlichen Settings (z. B. Altenpflege, Psychiatrie, Palliativversorgung)

    • Moral Distress und Gewissenskonflikte bei Pflegenden

    • Möglichkeiten und Grenzen von Gewissensvorbehalten

    Ziel des Buches

    Die Autorinnen möchten Pflegefachpersonen für die ethische und rechtliche Komplexität sensibilisieren, ihnen Orientierung für den Umgang mit Todes- und Suizidwünschen geben und ihre Rolle in der Suizidprävention stärken. Adressiert werden insbesondere Pflegende, aber auch Lehrende, Forschende und Fachkräfte aus angrenzenden Disziplinen.

    Aufbau des Buches

    Das Werk ist als „Essential“ konzipiert – kompakt, übersichtlich und praxisnah. Nach einer Einleitung, die die Bedeutung des Themas für die Pflege hervorhebt, folgt eine Auseinandersetzung mit zentralen Begriffen und Konzepten wie Terminologie, Suizidassistenz, der Rolle der Pflege, ethischen Herausforderungen und Moral Distress. Anschließend werden Aspekte der Suizidprävention, der nationale Rahmen, der Beitrag der Pflege sowie die ethischen Implikationen beleuchtet. Ein weiterer Abschnitt widmet sich individuellen Abwägungen, dem Gewissensvorbehalt und den daraus resultierenden Konsequenzen für die Praxis. Zum Abschluss werden die wichtigsten Kernaussagen zusammengefasst und weiterführende Literatur empfohlen.

    Übersichtlichkeit und Praxisbezug

    Die Sprache ist klar und verständlich, ohne dabei an wissenschaftlicher Präzision zu verlieren. Tabellen, Abbildungen und Definitionen tragen zu einer übersichtlichen Strukturierung der Inhalte bei. Durch den hohen Praxisbezug erhalten Pflegende konkrete Handlungsorientierungen für Gespräche, Einschätzungen und ethische Reflexionen.

    Kritikpunkte

    Aufgrund des kompakten Formats als Essential bleibt die Darstellung stellenweise knapp und kann nur Überblickswissen vermitteln, nicht jedoch detaillierte Handlungsanleitungen. Internationale Vergleiche werden zwar einbezogen, sind jedoch nicht immer unmittelbar auf den deutschen Kontext übertragbar. Einige Themen – etwa die psychische Belastung von Pflegenden oder interprofessionelle Konflikte – könnten zudem noch ausführlicher behandelt werden.

    Fazit und Mehrwert

    Das Buch bietet eine wertvolle Einführung in ein hochsensibles Thema, das für die pflegerische Praxis zunehmend Relevanz gewinnt. Es schärft das Bewusstsein für die ethische Verantwortung und stärkt Pflegende in ihrer Rolle zwischen Empathie, Suizidprävention und eigener Gewissensentscheidung.
    Mehrwert: Kompakte Orientierung, praxisnahe Reflexionsimpulse, Stärkung der pflegeethischen Kompetenz. Besonders empfehlenswert für Pflegende in Ausbildung, Praxis und Leitungsfunktionen.

     

    Eine Rezension von Anett Friedrich,
    M. Ed. Medizinpädagogin & Diversitytrainerin

  • Bundesrat bremst Pflegekompetenzgesetz

    Der Bundesrat hat das Gesetz zur Befugniserweiterung und Entbürokratisierung in der Pflege an den Vermittlungsausschuss überwiesen. Anlass ist eine im Bundestag ergänzte Regelung zur Krankenhausfinanzierung, die nach Einschätzung der Länder zu erheblichen Mindereinnahmen führen könnte.

    Die umstrittene Regelung sieht vor, die sogenannte Meistbegünstigungsklausel bei der Vergütung von Krankenhäusern für das Jahr 2026 auszusetzen. Die Länder warnen vor einem Verlust von rund 1,8 Milliarden Euro für die Kliniken und kritisieren die Maßnahme als problematisch im Zusammenhang mit der einmaligen Bundesunterstützung zur Inflationskompensation.

    Im Kern des Gesetzes stehen jedoch Maßnahmen zur Stärkung der Pflege. Es soll Pflegefachpersonen ermöglichen, mehr medizinische Aufgaben eigenständig zu übernehmen, die Antragstellung für Pflegeleistungen vereinfachen und die Versorgung in gemeinschaftlichen Wohnformen verbessern. Ziel ist es, die Arbeitsbelastung zu verteilen, die Versorgung im ländlichen Raum zu sichern und den Pflegeberuf attraktiver zu gestalten.

    Der Vermittlungsausschuss, ein gemeinsames Gremium von Bundestag und Bundesrat, wird nun über mögliche Änderungen beraten. Der genaue Zeitpunkt der Sitzung steht derzeit noch nicht fest.

    Darüber hinaus fordert der Bundesrat Maßnahmen zum Schutz des Pflege- und Krankenhauspersonals vor Gewalt, darunter Schulungen, bauliche Anpassungen und Förderprogramme. Außerdem wird eine Überarbeitung der Vergütungssysteme der Krankenhäuser sowie eine stärkere Förderung der sektorenübergreifenden Versorgung gefordert.


    Zur Pressemitteilung: https://www.bundesrat.de/SharedDocs/texte/va/25/20251121-pflegekompetenzgesetz.html

    Foto: Das Gebäude des Bundesrates © Bundesrat

  • New Work im Krankenhaus – Shared Governance in der Pflegepraxis

    Julia Mayer, Andres Ellermeyer, Laura Gerken, Maria Kitzmantel (Hrsg.)

    Springer-Verlag, 2025, 211 Seiten, 34,99 €, ISBN 978-3-662-704-3 (eBook), ISBN 978-3-662-70409-7 (Softcover)

    Das vorliegende Fachbuch zeigt die Umsetzbarkeit des „New Work" Ansatzes exemplarisch im TUM Klinikum Rechts der Isar. Konkret wird der Ansatz des „Shared Leadership" (gemeinsame Führung) und die daraus resultierende Organisationsstruktur der „Shared Governance" als gemeinschaftliche Führung, Verantwortung und Entscheidungsfindung dargestellt. Das Buch zeigt anhand eines Implementierungsprojektes in Form eines Traineeprogramms die Umsetzbarkeit der „Share Governance" in die klinische Pflegepraxis. Es handelt sich um Fach- und Sachbuch aus dem Bereich Management/Organisationsentwicklung mit hohem Praxisbezug.

    Herausgeberinnen

    Julia Mayer: Bachelor in „Managemnet und Expertsise im Pflege- und Gesundheitswesen", derzeit stellvertretende Pflegedirektorin am Universitätsklinikum Mannheim. Andrea Ellermeyer: MscN (Univ.), Pflegweissenschaftlerin, derzeit Leiterin der Stabsstelle Pflegewissenschaft am TUM Klinikum Rechts der Isar und Lehrbeauftragte für Pflegewissenschaft an der TU München. Laura Gerken: Bachelor Pflege, M.Sc. Pflegewissenschaften, derzeit APN (Advanced Practice Nurse), Pflegefachchliche Leitung in der Neurochirurgie am TUM Klinikum Rechts der Isar. Maria Kitzmantel: M.Sc.Neurokognitive Psychologie und M.A. In Pädagogik, Psychologie und Kinder- und Jugendpsychiatrie. Derzeit Organisationspsychologin der Pflegedirektion am TUM Klinikum Rehts der Isar.

    Das Buch führt zu Beginn in die Bedeutung von „New Work" als innovativen Ansatz zur Fachkräftesicherung durch Kompetenzentwicklung im Pflegeberuf ein. Dabei wird die Bedeutung der Entwicklung von beruflichen Rollen in der Pflege als Erfolgsfaktor aufgezeigt, um die Attraktivität des Berufes zu steigern und zudem eine hochwertige Pflegequalität zu sichern. In diesem Kontext wird der Mehrwert der Organisationsentwicklung zur „Shared Governance" ausgeführt.

    Der „Shared Governance" wird das Führungsverständnis von „New Work", dem „New Leadership" zu Grunde gelegt. Die Enthierarchisierung der Führung, als eines der bedeutendsten Merkmale von New Work", zeigt sich in der „Shared Governance" als gemeinsame Entscheidungsfindung, Führung und Teilen der Verantwortung durch Experten auf Augenhöhe.

    Die Autorinnen arbeiten den Governance Ansatz mit den Säulen Personalmanagement, Qualitäts-, Risiko-und Chancenmanagement, Pflegepädagogik und Pflegewissenschaft heraus. In der klinischen Pflegepraxis durch die Etablierung von APN (Advanced Practice Nurse) in Zusammenarbeit mit Pflegeexpert*innen auf Stations- und Bereichsebene.

    Anhand eines konkreten Entwicklungsprojektes – der Implementierung der „Shared Governance" (Shared-Governance-Traineepogramm) – werden Chancen und Herausforderungen praxisnah dargestellt. Die Evaluation nach drei Jahren resümiert den Mehrwert durch Implementierung des innovativen Ansatzes im Rahmen von „New Work". Konkret in der Zunahme von akademisierten Pflegekräften im klinischen Alltag, der Zunahme an Fachexpertise durch Weiterbildungen und akademische Laufbahnen bis hin zum Masterniveau – die Zunahme der Zufriedenheit und Loyalität kann sich nachweislich durch Abnahme von Krankheitstagen und geringerer Fluktuationsrate herleiten lassen.

    Insbesondere in der Darstellung des Shared-Governance-Traineeprogramms als Entwicklungsprojekt am TUM Klinikum Rechts der Isar liegt der besondere Nutzen des Buches. Es belegt die Umsetzbarkeit von „New Work“ in der klinischen Pflege. Informativ wird die Leserschaft in das zugrunde liegende Mindset insbesondere dem partizipativem Führungsverständnis von „New Work“ eingeführt, Grafiken und Tabellen unterstützen die inhaltlichen Ausführungen.

    Das Buch richtet sich an professionell Pflegende, die sich zum einen für aktuelle Führungsansätze und Organisationsentwicklung interessieren und/oder konkrete Umsetzungsmöglichkeiten des „New Work“ Ansatzes in der klinischen Pflege suchen.

    Die, durch die Herausgeberinnen versprochenen Denkanstöße zur Steigerung der Attraktivität des Pflegeberufes werden geliefert. Es wird verdeutlicht, wie durch gemeinsame Entscheidungsfindung, Empowerment und Zufriedenheit im Pflegeberuf gefördert wird.

    Auf der Grundlage, des steigenden Bedarfs an Pflegefachkräften, steigenden fachlichen Anforderungen an den Beruf braucht es wachstumsförderliche Rahmenbedingungen und Engagement. Die Ausführungen zeigen, wie die Pflegeprofession selbst, aus der eigenen Expertise heraus, bei hohem Engagement, die Arbeitsbedingungen selbst positiv „mit“gestalten kann. Gleichermaßen appelliert das Buch an eine Führungskultur, die Wachstum und Organsiationsentwicklung bei gemeinsamer Entscheidungsfindung zulässt, Karrierewege durch Empowerment eröffnet und fördert. 

    Zusammenfassend handelt es sich um ein höchst informatives Fachbuch, welches die breite Leserschaft professionell Pflegender anspricht. Sowohl Führungskräfte und Expert*innen, welche sich für innovative Führungsansätze öffnen, als auch Pflegepraktiker*innen, die patientenzentriert und eigenverantwortlich arbeiten wollen. 

    „New Work“ wird seit dem niederländischen Modell „Buurtzorg“ seit 2006 in der Fachwelt vielfach diskutiert. Bisweilen gibt es noch zu wenig Praxisbeispiele, die aufzeigen, wie „New Work“ im klinischen Pflegebereich umgesetzt werden kann. Das vorliegende Buch nimmt sich dieser Lücke an und trägt zur weiteren Implementierung von „New Work“ im klinischen Pflegebereich bei. Das Konzept des Traineeprogramms überzeugt durch die Berücksichtigung von besonderen Rahmenbedingungen im Pflegesektor, welche Implementierungsvorhaben, insbesondere aufgrund knapper Personalressourcen, erschweren. So zeigen die Autorinnen auf, wie auch bei erschwerten Bedingungen die Umsetzung gelingen kann. Das Traineeprogramm wird in den Stellenplan integriert und es wird die Umsetzbarkeit bei etwaigen Personalausfällen berücksichtigt. Durch die Darstellung „kleiner Interventionen“ wie beispielsweise das

    „One-Minute-Wonder“ und die Implementierung von regelmäßigen, themenzentrierten Kurzbesprechungen wird aufgezeigt, wie Weiterentwicklung auch mit geringen Ressourcen möglich ist. Deutlich wird allerdings auch: Eine Arbeitskultur der „Shared Governance“ im Sinne von „New Work“ fördert und fordert zugleich. Sie ist nicht umsetzbar ohne das aufrichtige Engagement aller Beteiligten. 

    Das Buch inspiriert indem es konkret die Umsetzbarkeit aufzeigt und überzeugende Anreize liefert „New Work“ in Form der „Shared Governance“ im klinischen Pflegebereich zu implemetieren.

    Eine Rezension von Dioselina Windrath, Management im Gesundheitswesen M.A.

  • GKV-Modellprogramm: Mehr Qualität in der Versorgung durch neuen Personalmix in der Pflege

    Das Modellprogramm des GKV-Spitzenverbands zur Weiterentwicklung der Personalbemessung in der vollstationären Pflege ist nun abgeschlossen. Die teilnehmenden Einrichtungen wurden während der Umsetzung des neu entwickelten Personalkonzepts unterstützt. Seit Juli 2023 haben alle vollstationären Pflegeeinrichtungen die Möglichkeit, ihren Personalbedarf nach einer aktualisierten Bemessung zu planen und gezielt mehr Personal – insbesondere qualifizierte Assistenzkräfte in Pflege und Betreuung – einzusetzen. Die Ergebnisse des Programms zeigen positive Effekte: die pflegerische Versorgungsqualität verbesserte sich, die Lebensqualität der Bewohnenden stieg, und die Zufriedenheit der Mitarbeitenden nahm zu.

    Dazu Oliver Blatt, Vorstandsvorsitzender des GKV-Spitzenverbandes: „Der Personalmix in der Pflege ist wichtig für eine bessere Versorgung. Es reicht nicht, einfach nur mehr Personal einzusetzen, letztendlich kommt es darauf an, in welcher Form und nach welcher Qualifikation das zusätzliche Personal entsprechende Aufgaben übernimmt. Das entwickelte Personalkonzept ist ein Instrument, mit dem Pflegeeinrichtungen in der vollstationären Pflege den für sie besten Personaleinsatz entwickeln können. Wir hoffen, dass viele Einrichtungen die Ergebnisse als Hilfe nutzen, um für die Praxis eine gute Balance zwischen den Bedarfen der Pflegebedürftigen, den fachlichen Anforderungen und den vorhandenen Pflegekräften zu finden. Dafür stellen wir ein umfangreiches Angebot an Schulungsmaterialien zur Unterstützung bereit.“

    Im Mittelpunkt des Modellprogramms stand die Entwicklung, Erprobung und wissenschaftliche Evaluation eines neuen Personalkonzepts in zehn vollstationären Modelleinrichtungen. Dazu gehörten auch die Entwicklung einer Strategie für eine möglichst breite Umsetzung sowie die Anpassung des Personalbemessungsinstruments. In der wissenschaftlichen Gesamtbewertung wurden die Effekte von zusätzlichem Personal und der Einführung des neuen Konzepts untersucht. Besonders betrachtet wurde, wie sich Aufgaben bei veränderter Zusammensetzung des Personals optimal verteilen lassen und wie der neue Personalmix bestmöglich genutzt werden kann, um die Versorgung zu verbessern und die Zufriedenheit der Mitarbeitenden zu steigern.

    Vollstationäre Pflegeeinrichtungen in Deutschland sowie ihre Mitarbeitenden werden ab sofort umfassend dabei unterstützt, das neue Personalkonzept erfolgreich umzusetzen. Für die praktische Umsetzung stehen auf der Webseite des GKV-Spitzenverbandes anschauliche Module, Arbeitshilfen und Materialien zur Verfügung.

    Hintergrund

    Seit Juli 2023 haben vollstationäre Pflegeeinrichtungen über eine neue Bemessung des Personalbedarfs gemäß § 113c Absatz 1 SGB XI die Möglichkeit, mehr Personal als zuvor in Pflege und Betreuung einzusetzen. Die Personalschlüssel fußen auf Vorarbeiten nach § 113c Satz 1 SGB XI in der am 1. Januar 2016 geltenden Fassung zu einem Personalbemessungsinstrument für die vollstationäre Pflege der Universität Bremen aus dem Jahr 2020 (PeBeM). Im Jahr 2021 wurde das Modellprogramm nach § 8 Absatz 3b SGB XI zur wissenschaftlich gestützten Begleitung der Einführung und Weiterentwicklung des wissenschaftlich fundierten Verfahrens zur einheitlichen Bemessung des Personalbedarfs in Pflegeeinrichtungen nach qualitativen und quantitativen Maßstäben beim GKV-Spitzenverband eingerichtet. Das Modellprogramm wird von einem Begleitgremium fachlich beraten und unterstützt.


    Zur Pressemitteilung: https://www.gkv-spitzenverband.de/gkv_spitzenverband/presse/pressemitteilungen_und_statements/pressemitteilung_2193408.jsp

    Foto: stock.adobe.com - Pixel-Shot

  • Pflegemanagement-Award 2026 verliehen

    Sandra Postel wurde zur Pflegemanagerin des Jahres 2026 ausgezeichnet. Bei den Nachwuchs-Preisträger:innen überzeugten insbesondere Advance Practice Nursing, sektorenübergreifende Ansätze und die gelungene Integration in bestehende Versorgungskonzepte. Der erste Platz wurde dabei gleich zweimal vergeben. Die Auszeichnung wird jährlich vom Bundesverband Pflegemanagement gemeinsam mit Springer Pflege verliehen.

    Mit Sandra Postel wird eine Pflegepersönlichkeit zur Pflegemanagerin des Jahres 2026 gekürt. Die Preisträger:innen des Nachwuchspreises repräsentieren eine neue Generation von Pflegeführungskräften, die den Wandel aktiv gestalten und fachliche Expertise mit Management-, Integrations- und wissenschaftlichen Kompetenzen verbinden. Die Preisverleihung fand am 30. Januar 2026 im Rahmen des Kongresses Pflege in Berlin statt. Zu den Sponsoren der Veranstaltung zählen ZEQ, Fresenius Kabi Deutschland und Arjo.

    Pflegemanagerin des Jahres

    Sandra Postel wurde in der Kategorie Pflegemanager:in des Jahres an die Spitze gewählt. Als Präsidentin der Pflegekammer NRW und Leiterin der Stabstelle „Pflege und Sozialpolitik“ bei der Marienhaus-Gruppe hat sie die Jury mit ihrem konsequenten Engagement für die berufspolitische Weiterentwicklung der professionellen Pflege beeindruckt – ein Leitmotiv, das sich durch ihren gesamten beruflichen Werdegang zieht. Ihre ausgeprägte Fach- und Führungskompetenz gründet auf einer Kombination vielfältiger Qualifikationen und ihrer langjährigen Erfahrung als Pflegefachfrau, Berufspädagogin und Pflegewissenschaftlerin. Bekannt ist sie zudem für ihre praxisnahe, lösungsorientierte Arbeitsweise sowie ihr hohes Maß an Verhandlungs- und Moderationsfähigkeit. „Sandra Postel ist eine herausragende Pflegepersönlichkeit, prädestiniert für die Mitgestaltung der künftigen Pflegeposition und übernimmt damit eine besondere Vorbildrolle für den Pflegenachwuchs“, freut sich Sarah Lukuc, Vorstandsvorsitzende des Bundesverbands Pflegemanagement. 

    Nachwuchs-Pflegemanager:in des Jahres

    In der Kategorie Nachwuchs-Pflegemanager:in des Jahres teilen sich Dorothea Sophie Baus vom Evangelischen Klinikum Bethel und David García Méndez von der Klinik für Gerontopsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Pfalzklinikums AdöR den ersten Platz. Mit ihren Projekten zeigen beide auf, welches Potenzial die Patient:innenversorgung durch den gezielten Einsatz von Advanced Practice Nursing entfalten kann. Zentral für ihre Führungsarbeit ist ein partizipativer Ansatz, der auf Empowerment setzt und damit den Wandel aktiv gestaltet.

    Dorothea Sophie Baus hat mit der Einführung von Advanced Practice Nursing am Akutkrankenhaus Bethel neue Maßstäbe gesetzt. Grundlage für den Erfolg ihres gemeinsam entwickelten Projekts „Patientenbeteiligung mal anders“ sind ihr fundiertes pflegepraktisches Wissen, ihre akademische Expertise – unter anderem in der Organisationsentwicklung – sowie ihre strategische Führungskompetenz. Das Projekt wurde 2024 mit der Theodor-Fliedner-Medaille ausgezeichnet und gilt inzwischen als wegweisendes Modell für die Entwicklung der APN-Rolle in Deutschland.

    Als Projektleiter von „Prävent+ – Ihr Plus für ein gesundes Gedächtnis“ setzt David García Méndez seine umfassende Erfahrung als Pflegepraktiker und -akademiker gezielt für eine gestaltende Pflege ein. Auf Grundlage einer detaillierten Analyse der Versorgungssituation entwickelte er gemeinsam mit seinem Team die zentralen Elemente des zukünftigen Versorgungsmodells. Dabei stehen Früherkennung mit evidenzbasierten Instrumenten sowie die strukturierte Einbindung und Unterstützung pflegender Angehöriger im Fokus. Besonders hervorzuheben ist die innovative Kombination aus sektorenübergreifendem Ansatz und der Einführung von APNs als fallverantwortliche Fachkräfte in der Demenzdiagnostik und -versorgung.

    Den zweiten Platz belegte Borislav Bacic, der exemplarisch für gelungene Integration, Pflegeexzellenz und Führungsstärke steht. 2018 kam er aus Serbien nach Deutschland, nahm am „Triple Win Programm“ teil und erlangte parallel zu seiner Arbeit auf Station sowohl die fachliche Anerkennung als auch die Deutsch-Sprachprüfung. Schon kurze Zeit später übernahm er die Leitung der kardiologischen Wachstation. Durch fachliche Expertise, Empathie und offene Kommunikation gelang es ihm innerhalb weniger Monate, aus einem unzufriedenen Team mit hoher Fluktuation ein leistungsstarkes Spitzenteam zu formen.

    „Als ehemalige Preisträgerin freut es mich besonders zu sehen, dass die neue Generation an Pflegemanagern angekommen ist: Gestaltung statt Begleitung, Integration statt Einzelkämpfertum, Übertragung von Verantwortung statt Delegation von Aufgaben. Die professionelle Pflege hat ihr Schattendasein verlassen. Auch dank solcher Pflegepersönlichkeiten wie unserer diesjährigen Pflegemanagerin des Jahres“ begeistert sich Sarah Lukuc.


    Zur Pressemitteilung: https://www.bv-pflegemanagement.de/meldung/items/832.html

    Foto: v.l. Dorothea Sophie Baus, Sandra Postel, David García Méndez, Borislav Bacic (c) Marten Ronneburg/Springer Medizin Verlag GmbH

  • Deutscher Pflegerat begrüßt Inkrafttreten der Pflegeberufebeteiligungsverordnung

    Die Pflegeberufebeteiligungsverordnung wurde am 13. Februar 2026 im Bundesgesetzblatt veröffentlicht und trat am darauffolgenden Tag in Kraft. Sie schafft einen verbindlichen Rahmen, um die Beteiligung der Pflegeberufe auf Bundesebene zu sichern. Gleichzeitig legt die Verordnung fest, wie die Pflegeprofession in die Aufgaben nach dem Fünften und Elften Buch des Sozialgesetzbuches eingebunden wird, und stärkt die Position der pflegefachlichen Organisationen auf Bundesebene.

    „Der 13. Februar markiert einen wichtigen Schritt für die Beteiligung der Pflegeprofession und ihre Professionalisierung auf Bundesebene. Jetzt kommt es darauf an, die Mitwirkungsrechte gemeinsam auszufüllen und weiter Verantwortung zu übernehmen – für eine starke Profession Pflege und eine verlässliche Versorgung“, sagt Christine Vogler, Präsidentin des Deutschen Pflegerats.

    Die Verordnung bringt Transparenz bei Verfahren, Zuständigkeiten und Mitwirkungsrechten. Sie benennt den Deutschen Pflegerat als zentrale Organisation der Pflegeberufe auf Bundesebene und legt klar fest, wie diese Rechte wahrgenommen werden. Damit sendet die Verordnung ein deutliches Signal für die Stärkung der Profession Pflege.

    „Die Mitwirkung der Pflegeprofession sollte perspektivisch über das SGB V und SGB XI hinaus dort wirksam werden, wo Pflege thematisch und inhaltlich betroffen ist“, ergänzt Vogler. „Dazu gehört, Mitwirkungsrechte weiterzuentwickeln und über das Ehrenamt hinaus dauerhaft und strukturell abzusichern, damit pflegefachliche Expertise wirksam in Entscheidungsprozesse einfließen kann.“

    Die Herausforderungen in der Pflege sind umfangreich. Ihre erfolgreiche Bewältigung setzt koordinierte Maßnahmen, gebündelte fachliche Expertise und eine konstruktive Zusammenarbeit aller Verbände, Organisationen und Körperschaften voraus, die die Interessen der beruflich Pflegenden vertreten.

    Der Deutsche Pflegerat wertet das Inkrafttreten der Verordnung als einen entscheidenden Schritt für die künftige Zusammenarbeit. Die Stärkung der Pflegeberufe dient nicht als Selbstzweck, sondern bildet die Grundlage, um die Versorgungsqualität weiterzuentwickeln und Pflegewissen gezielt in politische sowie fachliche Entscheidungen einzubringen.

    Der Deutsche Pflegerat bedankt sich beim Bundesgesetzgeber sowie beim Bundesministerium für Gesundheit und beim Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend für die Verabschiedung der Pflegeberufebeteiligungsverordnung. Gleichfalls würdigt der Pflegerat die Bundesländer, die der Verordnung zugestimmt und damit die Grundlage für eine verbindliche Beteiligung der Pflegeberufe auf Bundesebene geschaffen haben.

    Download der Verordnung  über die Beteiligung der maßgeblichen Organisationen der Pflegeberufe auf Bundesebene (Pflegeberufebeteiligungsverordnung – PflBBetV)


    Zur Pressemitteilung: https://deutscher-pflegerat.de/profession-staerken/pressemitteilungen/pflegeberufebeteiligungsverordnung-in-kraft

    Foto: stock.adobe.com - Asier

  • „Einsparpotenzial Pflege“: FinanzKommission Gesundheit legt 66 Reformvorschläge für die GKV vor

    Die FinanzKommission Gesundheit (FKG) hat ihren ersten Bericht vorgelegt, der kurzfristige Reformmaßnahmen zur Stabilisierung der Beitragssätze der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) ab dem Jahr 2027 enthält. Ziel ist es, die finanzielle Tragfähigkeit der GKV sicherzustellen und gleichzeitig ein hohes Qualitäts- und Leistungsniveau der Versorgung zu bewahren.

    Die Prognosen der FKG zeigen, dass die Ausgaben der GKV deutlich schneller steigen als die Einnahmen. Ohne Reformen würde der durchschnittliche Zusatzbeitragssatz bereits 2027 von derzeit 2,9 % auf 3,7 % ansteigen und bis 2030 auf 4,7 % klettern. Die daraus resultierende Deckungslücke würde 2027 bei 15,3 Mrd. € liegen und bis 2030 auf 40,4 Mrd. € anwachsen. Für ein durchschnittliches Mitglied der GKV würde dies Mehrbelastungen von 260 € im Jahr 2027 bis zu 680 € im Jahr 2030 bedeuten, jeweils zur Hälfte durch Versicherte und Arbeitgeber zu tragen.

    In der Pflege identifizierte die Kommission insbesondere die Personalkosten und die zusätzlichen Vergütungen für pflegeentlastende Maßnahmen als zentrale Treiber der Ausgabendynamik. Zugleich bestehen strukturelle Herausforderungen bei der Integration von Pflegeleistungen in die stationäre Versorgung.

    Reformempfehlungen im Bereich Pflege

    Der Bericht der FinanzKommission Gesundheit umfasst insgesamt 66 Reformempfehlungen, von denen mehrere direkt auf den Bereich Pflege abzielen. Die Kommission identifiziert insbesondere Personalkosten, Zusatzvergütungen und strukturelle Herausforderungen als zentrale Treiber der Ausgabendynamik in der Pflege. 

    • Wiedereingliederung der Pflegepersonalkosten in die stationäre Versorgung (0,6 Mrd. € Einsparung)
      Bisher wurden Pflegepersonalkosten teilweise separat von den stationären Fallpauschalen (DRGs) abgerechnet. Die Wiedereingliederung soll sicherstellen, dass die Finanzierung der Pflegeleistungen direkt an die stationären Versorgungskosten gekoppelt wird. Dadurch sollen Doppelfinanzierungen vermieden und die Ressourcennutzung effizienter gestaltet werden.
    • Streichung der zusätzlichen Vergütung für pflegeentlastende Maßnahmen (0,7 Mrd. € Einsparung)
      Die GKV zahlt derzeit Pauschalen für Maßnahmen, die Pflegekräfte entlasten sollen, beispielsweise durch zusätzliche Assistenzleistungen. Die Kommission schlägt vor, diese Zahlungen zu streichen, da die tatsächliche Entlastung bisher schwer messbar ist und teilweise doppelte Zahlungen erfolgen. Durch die Abschaffung sollen die Mittel gezielter eingesetzt werden, ohne dass die pflegerische Versorgung beeinträchtigt wird.
    • Streichung der Prüfquoten in Pflegeeinrichtungen (1,4 Mrd. € Einsparung)
      Die verpflichtenden Prüfquoten für Pflegeeinrichtungen erzeugen administrative Aufwände und binden Pflegepersonal, das sonst direkt in der Versorgung tätig wäre. Die Abschaffung dieser Quoten soll administrative Belastungen reduzieren und gleichzeitig Einsparungen für die GKV ermöglichen, die direkt der Pflege zugutekommen können.
    • Streichung der Vollfinanzierung in der medizinischen Behandlungspflege sowie in Vorsorge- und Rehabilitationsmaßnahmen (0,4 Mrd. € Einsparung)
      Die bisherige Vollfinanzierung wird auf das notwendige Maß reduziert, um redundante Finanzierungsströme zu vermeiden. So sollen Mittel effizienter eingesetzt werden, ohne dass die Versorgungssicherheit oder die Qualität medizinischer Leistungen in der Pflege darunter leidet.

    Die vorgeschlagenen Reformen sollen die Pflegeausgaben stärker an die Einnahmen der GKV koppeln und die Ausgabendynamik bremsen. Gleichzeitig sollen die Versorgungssicherheit und die Versorgungsqualität erhalten bleiben. Für 2027 werden durch diese Maßnahmen Einsparungen in Höhe von rund 3,1 Mrd. € erwartet, wodurch die GKV-Finanzen spürbar entlastet werden.

    Weitere Schwerpunkte

    Neben pflegespezifischen Maßnahmen umfasst der Bericht Empfehlungen zur Begrenzung der Ausgaben in ambulanter und stationärer Versorgung, Arzneimittel, Heilmittel, Prävention sowie zur Stabilisierung der Beitragseinnahmen. Ein besonderer Fokus liegt auf der evidenzbasierten Medizin, der Prävention und der Planungssicherheit für Krankenkassen, damit die GKV-Finanzen ab 2027 stabilisiert werden können.

    Weiteres Vorgehen

    Das Bundesministerium für Gesundheit wird die Vorschläge des Berichts zügig prüfen und auf dieser Grundlage sehr zeitnah ein Gesetzgebungsverfahren einleiten. Ziel ist die kurzfristige Umsetzung wirksamer Maßnahmen, insbesondere zur Stabilisierung der GKV-Finanzen und zur Entlastung der Pflegefinanzen.
    Parallel dazu wird die FinanzKommission Gesundheit ihre Arbeit fortsetzen. Bis Ende 2026 werden weitere Vorschläge für mittel- bis langfristige Strukturreformen vorgelegt.

    Die Maßnahmen der FKG sollen dazu beitragen, die Pflegekosten nachhaltig zu steuern, die Beitragssatzstabilität zu sichern und gleichzeitig eine qualitativ hochwertige Versorgung in allen Pflegebereichen zu gewährleisten.


    Zur Pressemitteilung: https://www.bundesgesundheitsministerium.de/presse/pressemitteilungen/finanzkommission-gesundheit-ergebnisse-30-03-26

    Foto: Bundesgesundheitsministerin Nina Warken mit Mitgliedern der FinanzKommission Gesundheit (c) BMG/Xander Heinl

  • Deutscher Pflegeinnovationspreis 2026 ausgeschrieben – Fokus auf soziale Teilhabe und Entlastung in der Pflege

    Die Sparkassen-Finanzgruppe schreibt zum zehnten Mal den Deutschen Pflegeinnovationspreis aus. Mit diesem Preis werden innovative Projekte und Initiativen gewürdigt, die nachhaltige und kreative Veränderungen im Alltag pflegebedürftiger Menschen bewirken.

    Im Jubiläumsjahr steht der Wettbewerb unter dem Leitthema: „Einsamkeit begegnen und Pflege entlasten. Innovative Wege in Verbundenheit und soziale Teilhabe“. Gesucht werden Projekte, die neue Ansätze entwickeln, um soziale Isolation zu verringern und gleichzeitig spürbare Entlastung in der Pflege zu schaffen.

    Die Auszeichnung ist insgesamt mit Preisgeldern in Höhe von 15.000 Euro dotiert. Der erste Platz erhält 10.000 Euro, der zweite Platz 3.000 Euro und der dritte Platz 2.000 Euro. Ergänzend wird in diesem Jahr ein Sonderpreis in der Kategorie Vorsorge vergeben. Darüber hinaus wird den drei bestplatzierten Projekten eine besondere Bühne geboten, um ihre Arbeit sichtbar zu machen, Anerkennung zu erfahren und andere zur Nachahmung zu inspirieren.

    Interessierte haben bis zum 01.05.2026 die Möglichkeit, sich selbst zu bewerben oder Projekte vorzuschlagen und zu nominieren. Ebenso ist die Weitergabe der Ausschreibung innerhalb von Netzwerken ausdrücklich erwünscht, um eine möglichst breite Beteiligung zu erreichen.

    Alle Informationen zur Ausschreibung sowie das Online-Bewerbungsformular sind unter folgendem Link verfügbar: www.ukv.de/pflegepreis
    Für Rückfragen oder Unterstützungsbedarf steht das Organisationsteam per E-Mail zur Verfügung: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.


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  • Deutscher Pflegerat legt Positionspapier zur Primärversorgung vor

    Wer die Primärversorgung reformieren möchte, muss die Pflege konsequent einbeziehen. Der Deutsche Pflegerat (DPR) unterstreicht dies in seinem Positionspapier „Primärversorgung zukunftsfest gestalten – Pflegekompetenz konsequent einbinden“. Die zentrale Botschaft lautet: Ohne Pflegekompetenz ist eine zielgerichtete, bedarfsgerechte und nachhaltige Versorgung nicht möglich.

    Primärversorgung ist der Teil des Gesundheitswesens, den Menschen unmittelbar erleben – wohnortnah, niedrigschwellig, kontinuierlich und alltagsnah. Pflegefachpersonen übernehmen hier eine Schlüsselrolle. Sie bringen Fachwissen ein, sichern Kontinuität, koordinieren Versorgungsprozesse und begleiten auch komplexe Versorgungslagen zuverlässig. Angesichts des demografischen Wandels, zunehmender Multimorbidität, steigender Koordinationsbedarfe und des Fachkräftemangels im Gesundheitswesen steigt dieser Anspruch weiter. Reformen, die die pflegerische Kompetenz nicht angemessen berücksichtigen, bleiben laut DPR daher unzureichend.

    „Zukunftsfeste Primärversorgung entsteht dort, wo Pflege als eigenständige Profession konsequent mitgedacht und eingebunden wird. Pflege gestaltet Versorgung, übernimmt Verantwortung und bringt ihre wissenschaftlich fundierten und rechtlich verankerten Kompetenzen wirksam in das Gesundheitswesen ein. Wer Primärversorgung stärken will, muss diese Kompetenzen selbstständig, verbindlich und auf Augenhöhe nutzen“, sagt Christine Vogler, Präsidentin des Deutschen Pflegerats.

    Im Mittelpunkt des DPR-Positionspapiers steht, was für eine zukunftsfähige Primärversorgung nötig ist: eine klare Trennung zwischen eigenverantwortlicher professioneller Pflege und delegationsgebundener Assistenz, der konsequente Ausbau von Handlungsfeldern für Advanced Practice Nurses (APN), Community Health Nurses (CHN) und School Health Nurses (SHN), mehr pflegewissenschaftliche Evidenz in gesundheitspolitischen Entscheidungen, die rechtssichere Verankerung erweiterter pflegerischer Kompetenzen in der direkten Versorgung sowie eine interprofessionelle Zusammenarbeit, die die Eigenständigkeit aller Professionen respektiert.

    Der DPR sieht darin die Grundlage für eine zielgerichtete, bedarfsorientierte und nachhaltige Reform. Pflege in Reformpapieren nur zu erwähnen reiche nicht aus. Eine tragfähige Primärversorgung erfordere klare Zuständigkeiten, rechtssichere Verantwortungsstrukturen und eine starke, eigenständige professionelle Pflege. Werden diese Potenziale nicht genutzt, leide die Versorgung von Menschen aller Altersgruppen und ihren An- und Zugehörigen, und es entstehen zusätzliche Folgekosten für das Gesundheitssystem.

    „Die aktuelle Diskussion benennt das Problem, bleibt bei den Lösungen aber an entscheidenden Stellen zu ungenau. Jetzt kommt es darauf an, die Kompetenzen der professionellen Pflege nicht nur mitzudenken, sondern konsequent auszubauen und rechtssicher zu verankern. Nur so kann Primärversorgung verlässlich, wirksam und nachhaltig weiterentwickelt werden“, so Vogler.

    Mit dem Positionspapier sendet der Deutsche Pflegerat ein deutliches Signal: Die Primärversorgung der Zukunft funktioniert nur mit einer starken Pflegeprofession!

    Das DPR-Positionspapier „Primärversorgung zukunftsfest gestalten – Pflegekompetenz konsequent einbinden“ finden auf der Website des Deutschen Pflegerats: https://deutscher-pflegerat.de/download/2026-03-31_dpr_pp_primaerversorgung.pdf


    Zur Pressemitteilung: https://deutscher-pflegerat.de/profession-staerken/pressemitteilungen/positonspapier-primaerversorgung-ohne-pflegekompetenz-keine-zukunftsfeste-versorgung

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  • DIP erweitert Vorstand und Geschäftsführung

    Das Deutsche Institut für angewandte Pflegeforschung e.V. (DIP) hat seinen Vorstand erweitert. Mit Dorina Köhl wurde nun ein fünftes Mitglied in das Gremium berufen. Künftig wird sie auf der DIP-Plattform insbesondere die Bereiche Finanzen und Verwaltung verantworten. Darüber hinaus wurde Köhl zur weiteren Geschäftsführerin der kooperierenden DIP-GmbH (Dienstleistung, Innovation, Pflegeforschung GmbH) bestellt.

    Dorina Köhl ist seit 2022 in unterschiedlichen Funktionen auf der DIP-Plattform tätig, zuletzt als Assistentin von Vorstand und Geschäftsführung. Die studierte Wirtschaftswissenschaftlerin mit dem Schwerpunkt Medizinmanagement übernimmt ihre neuen Aufgaben im Rahmen der weiteren strukturellen Entwicklung des Instituts.

    „Wir sind sehr froh, dass Dorina Köhl von nun an auch verantwortlich in den wichtigen Bereichen der Verwaltung und der Finanzen auf der DIP-Plattform mitwirkt“, erklärt Prof. Dr. Frank Weidner, Vorstandsvorsitzender des DIP-Instituts. Mit der Berufung der 28-Jährigen in Vorstand und Geschäftsführung setzt die DIP-Plattform einen weiteren Schritt ihrer Organisationsreform um.
    „Dieses Vertrauen bedeutet mir viel, und ich nehme diese Verantwortung mit großer Freude, aber auch mit einer gehörigen Portion Respekt an“, betont Dorina Köhl.

    Mehr als 25 Jahre nach der Gründung des DIP-Instituts führen die Organisationen damit ihren Generationenwechsel fort. Bereits 2024 wurde mit Prof. Tobias Hölterhof ein Fachmann für Fragen der Bildung und Digitalität in den Vorstand berufen. Zudem wurde zu Beginn dieses Jahres mit dem Executive Board eine neue mittlere Führungsebene geschaffen, die aus sechs Bereichsleitungen besteht und zu der auch erfahrene Mitarbeitende aus den eigenen Reihen gehören.

    Der DIP e.V. ist ein gemeinnütziges und unabhängiges An-Institut der Katholischen Hochschule NRW (katho). Die DIP-GmbH wurde im Jahr 2021 ausgegründet. Gemeinsam bilden beide Organisationen die DIP-Plattform, auf der rund 30 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie weitere Mitarbeitende beschäftigt sind. Im Berichtszeitraum 2022 bis 2024 wurden mehr als 5,5 Millionen Euro an Drittmitteln eingeworben und über 30 Projekte zu Pflegeinnovationen auf Landes- und Bundesebene bearbeitet.


    Zur Pressemitteilung: https://www.dip.de/dip-erweitert-vorstand-und-geschaeftsfuehrung/

    Foto: von links: Prof.in Gertrud Hundenborn (Mitglied des Vorstands, Gesellschafterin der DIP-GmbH), Prof.in Dr. in Dorothee Lebeda (Dekanin des Fachbereichs Gesundheitswesen der Katholischen Hochschule NRW (katho), Mitglied des Verwaltungsrates, Prof. Dr. Michael Isfort (stellv. Vorsitzender, geschäftsführender Gesellschafter DIP-GmbH), Dorina Köhl (Mitglied des Vorstands, Geschäftsführerin DIP-GmbH), Prof. Dr. Frank Weidner (Vorsitzender, geschäftsführender Gesellschafter DIP-GmbH), Prof.in Dr.in Barbara Schermaier-Stöckl (Rektorin, Hochschulleitung Katholische Hochschule NRW (katho)

  • Internationaler Tag der Pflegenden: DBfK veröffentlicht Ergebnisse zur Befragung „Pflege, wie geht es dir?“

    Professionell Pflegende identifizieren sich weiterhin stark mit ihrem Beruf, erleben ihn als sinnstiftend und zeigen eine hohe Bereitschaft, mehr Verantwortung zu übernehmen. Gleichzeitig wächst die Unzufriedenheit über mangelnde Beteiligung, fehlende Transparenz und unzureichende Anerkennung. Zu diesem Ergebnis kommt die aktuelle Befragung „Pflege, wie geht es dir?“ des Deutschen Berufsverbands für Pflegeberufe (DBfK), deren Ergebnisse anlässlich des Internationalen Tags der Pflegenden veröffentlicht werden.

    An der Online-Befragung haben sich im Jahr 2026 mehr als 3.000 beruflich Pflegende beteiligt. „Die Ergebnisse zeigen sehr klar: Pflegefachpersonen wenden sich nicht von ihrem Beruf ab. Sie wenden sich gegen Bedingungen, unter denen professionelle Pflege dauerhaft an ihre Grenzen gebracht wird“, sagt DBfK-Präsidentin Vera Lux.

    Die Auswertung macht deutlich, dass 83 Prozent der Teilnehmenden ohne Leitungsverantwortung ihren Beruf als sinnstiftend empfinden. Gleichzeitig stimmen nur rund drei Prozent der Aussage uneingeschränkt zu, dass die Kompetenz von Pflegefachpersonen gesellschaftlich anerkannt wird. 76 Prozent der Befragten erklären zudem, bereit zu sein, mehr Verantwortung zu übernehmen. Nach Einschätzung des DBfK trifft diese Verantwortungsbereitschaft jedoch auf Strukturen, die echte Beteiligung ausbremsen.

    Wechselbereitschaft und Ausstiegsgedanken nehmen zu

    Zugleich zeigt die Befragung eine steigende Wechselbereitschaft. 20 Prozent der Pflegefachpersonen ohne Führungsverantwortung haben in den vergangenen zwölf Monaten mehrmals pro Woche oder täglich darüber nachgedacht, den Arbeitgeber zu wechseln. 16 Prozent dachten mit derselben Häufigkeit darüber nach, den Pflegeberuf ganz zu verlassen.

    Besonders kritisch beurteilen die Befragten ihre Arbeitsauslastung sowie die fehlende Wertschätzung durch Arbeitgeber und Führungskräfte. Deutlich positiver wird dagegen die Zusammenarbeit im Team bewertet. Für den DBfK ist das ein klares Signal: Die Probleme liegen nicht in der Pflege selbst oder in den Teams, sondern in den Strukturen, unter denen Pflege organisiert wird.

    Auch beim diesjährigen Schwerpunkt Führung zeigt sich aus Sicht des Verbands ein deutlicher Veränderungsbedarf. Zwar erleben viele Befragte Handlungsspielräume, zugleich benennen sie Defizite bei Transparenz, Konfliktlösung und Veränderungskultur. Nur 22 Prozent stimmen der Aussage zu, dass Veränderungen in ihrer Organisation gemeinsam und partizipativ gestaltet werden.

    Pflegebudget aus Sicht des DBfK nicht begrenzen

    Besondere Relevanz erhalten die Ergebnisse vor dem Hintergrund aktueller gesundheitspolitischer Debatten. Krankenhausreform, Pflegepersonalbemessung, Primärversorgung und die Finanzierung der gesetzlichen Krankenversicherung werden derzeit neu verhandelt. Nach Auffassung des DBfK darf dabei nicht erneut über Pflege entschieden werden, ohne Pflegefachpersonen verbindlich einzubeziehen.
    Dies zeige sich auch beim Blick auf das Pflegebudget. Teilnehmende mit Budgetverantwortung und Führungsfunktion in der Pflege bewerten es überwiegend als sinnvoll und wirksam. Nach Einschätzung des DBfK schafft es Spielräume für pflegerische Kernaufgaben, Professionalisierung, Rollenentwicklung und Innovation.

    Gleichzeitig bleibt die tatsächliche Beteiligung der Pflege an Budgetverhandlungen gering. Nur 15 Prozent der Befragten mit Führungsfunktion geben an, direkt an Verhandlungen zum Pflegebudget beteiligt zu sein. „Das Pflegebudget ist nicht das Problem. Problematisch ist, dass sein Potenzial noch immer nicht konsequent genutzt wird“, so Vera Lux mit Blick auf die im GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz geplante Deckelung des Pflegebudgets. „Hier werden nicht ‚abstrakte Kosten‘ begrenzt, sondern konkret die Entwicklungsmöglichkeiten der Pflege: bessere Personalausstattung, Entlastung, Digitalisierung, neue Rollenprofile und die Weiterentwicklung professioneller Pflege. Das wäre ein Rückschritt zur Unzeit.“

    DBfK fordert stärkere Mitgestaltung durch die Pflege

    Zum Internationalen Tag der Pflegenden am 12. Mai richtet der DBfK deshalb einen deutlichen Appell an Politik und Einrichtungen. Wer die Versorgung sichern wolle, müsse die Pflege als Profession stärken. „Pflege darf nicht länger nur Gegenstand politischer Entscheidungen sein“, sagt Lux. „Sie muss Mitgestalterin von Versorgung werden – im Krankenhaus, in der Langzeitpflege, in der ambulanten Versorgung und in der Primärversorgung. Die Ergebnisse unserer Befragung zeigen: Die professionell Pflegenden sind bereit, Verantwortung zu übernehmen. Jetzt müssen Politik und Arbeitgebende endlich die Strukturen schaffen, damit sie das auch können.“

    Zur Befragung: Die Online-Befragung „Pflege, wie geht es dir?“ wird seit 2024 jährlich vom DBfK durchgeführt. An der Erhebung 2026 konnten vom 1. März bis 6. April alle beruflich Pflegenden teilnehmen – unabhängig von einer Mitgliedschaft im DBfK. Insgesamt beteiligten sich 3.003 Personen. Die Befragung ist nicht repräsentativ, soll aber als wiederkehrendes Stimmungsbarometer zentrale Entwicklungen in der professionellen Pflege sichtbar machen.

    Ausführliche Ergebnisse der Befragung und Kurzversion


    Zur Pressemitteilung: https://www.dbfk.de/de/newsroom/pressemitteilungen/meldungen/2026/2026-05-06-befragung-zeigt-pflege-will-verantwortung.php

    Foto: stock.adobe.com - Dilok

  • HTWG Konstanz untersucht KI-gestützte Sturzprävention in der Pflege

    Stürze zählen zu den häufigsten und folgenreichsten Ereignissen im pflegerischen Alltag. Das grenzüberschreitende Projekt „CareVolution AI“, an dem die HTWG Hochschule Konstanz – Technik, Wirtschaft und Gestaltung als wissenschaftlicher Partner beteiligt ist, will hier neue Wege eröffnen. Mithilfe intelligenter Sensorik und KI-gestützter Datenanalyse sollen Sturzrisiken frühzeitig erkannt, Pflegeprozesse unterstützt und die Sicherheit von Patientinnen und Patienten verbessert werden. Gemeinsam mit Partnern aus Deutschland, Österreich und der Schweiz führt die Hochschule dazu eine internationale Studie in mehreren Einrichtungen im DACH-Raum durch.

    Stürze bleiben zentrale Herausforderung im Pflegealltag

    Stürze älterer Menschen stellen das Gesundheitswesen seit langem vor große Herausforderungen. Sie können schwerwiegende Folgen wie Frakturen nach sich ziehen und sind für viele Betroffene mit der Angst verbunden, unbemerkt zu stürzen und längere Zeit ohne Hilfe zu bleiben. Bestehende technische Lösungen wie Klingelmatten gelten im Alltag oft als nur eingeschränkt praktikabel, weil sie kabelgebunden, unflexibel und selbst mit Stolperrisiken verbunden sind.

    Zugleich verschärfen der demografische Wandel und der Fachkräftemangel die Situation in Pflege- und Gesundheitseinrichtungen. Personalknappheit, hohe Arbeitsbelastung und Burnout wirken sich zunehmend auf Versorgungsqualität und Patientensicherheit aus. Vor diesem Hintergrund setzt das Projekt auf technische Unterstützung, deren Nutzen jedoch nicht nur behauptet, sondern wissenschaftlich überprüft werden soll. „Wir adressieren mit dem Projekt die Herausforderung, angesichts des demografischen Wandels und knapper personeller Ressourcen die Sicherheit und Qualität in der Pflege zu stärken. Intelligente Sensorik kann helfen, Pflegekräfte zu entlasten und Betroffene besser zu unterstützen – vorausgesetzt, ihr Nutzen wird wissenschaftlich nachvollziehbar und evidenzbasiert belegt“, sagt Prof. Dr. Ralf Seepold, Projektleiter an der HTWG Konstanz.

    Berührungslose Sensorik soll Risiken frühzeitig erfassen

    Im Zentrum des Vorhabens steht ein Sensorsystem des österreichischen Unternehmens Cogvis. Kleine 3D-Umgebungssensoren werden an Zimmerdecken in Pflege- und Klinikräumen angebracht und erfassen berührungslos Bewegungen im Raum. Das System analysiert Aktivitäts- und Bewegungsmuster, erkennt Lageveränderungen und identifiziert mithilfe eingebetteter KI-Algorithmen sturzähnliche Ereignisse. Wenn eine Auffälligkeit registriert wird, erfolgt automatisch eine Alarmierung des zuständigen Pflegepersonals. Nach Angaben der Projektpartner werden dabei keine Video-, Bild- oder Audiodaten verarbeitet, sondern ausschließlich abstrahierte Tiefeninformationen, sodass Personen nicht identifizierbar sind.

    Das System soll sich flexibel an unterschiedliche Anforderungen im Pflegealltag anpassen lassen. Neben der Erkennung von Sturzereignissen oder Sturzrisiken können auch Hinweise auf nächtliche Unruhe, veränderte Bewegungsmuster oder andere pflegerelevante Entwicklungen erfasst werden. Dadurch sollen Pflegekräfte früher reagieren und Risiken besser einschätzen können. Auch längerfristige Veränderungen, etwa bei Mobilität, Schlaf oder möglichen kognitiven Auffälligkeiten, können nach Angaben der Projektbeteiligten sichtbar gemacht werden.

    HTWG verantwortet wissenschaftliche Begleitung

    Die wissenschaftliche Verantwortung für das Projekt liegt bei der HTWG Konstanz. Unter Leitung von Prof. Dr. Ralf Seepold sowie mit Beteiligung von Prof. Dr. Clotilde Rohleder und Prof. Dr. Irenäus Schoppa wird eine internationale Studie in vier Piloteinrichtungen im DACH-Raum konzipiert und umgesetzt. Zum Aufgabenbereich gehören die Studienplanung, die Auswahl geeigneter Methoden, die Auswertung der Daten sowie die ethische und datenschutzrechtliche Absicherung. Ein Ethikvotum liegt bereits vor.

    Untersucht werden soll nicht nur die technische Zuverlässigkeit des Systems, sondern auch seine Auswirkungen auf Pflegequalität, Patientensicherheit und Arbeitsbelastung des Personals. Darüber hinaus interessiert die Forschenden, ob sich der Nutzen unter unterschiedlichen Versorgungsbedingungen in Deutschland, Österreich und der Schweiz vergleichbar zeigt. „Das Potenzial intelligenter Sturzsensorik liegt für mich darin, den Pflegealltag gezielt zu unterstützen und die Sicherheit von Betroffenen zu erhöhen. Entscheidend ist jedoch, dass wir diesen Nutzen wissenschaftlich absichern. Erst durch die begleitende Studie werden die Ergebnisse nachvollziehbar, empirisch belegt und evidenzbasiert einordenbar – und damit eine verlässliche Grundlage für die Praxis“, so Seepold.

    Zusammenarbeit von Partnern aus Praxis, Technik und Wissenschaft

    Das Projekt bringt Partner aus Wissenschaft, Technologie und Pflegepraxis zusammen. Das Gesundheitsnetzwerk BioLAGO koordiniert die Vernetzung der Beteiligten. Die Gesamtkoordination liegt bei der Novoviam GmbH in der Schweiz, während die technische Umsetzung – einschließlich Sensorentwicklung, Softwareintegration, KI-Module und Schulung – von der Cogvis GmbH in Wien übernommen wird. Als Pilotstandorte beteiligen sich Einrichtungen in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Insgesamt sollen rund 110 Zimmer mit den Sensoren ausgestattet werden.

    „CareVolution AI“ läuft seit dem 1. Mai 2025, verfügt über ein Gesamtbudget von 1,24 Millionen Euro und wird bis Oktober 2027 im Programm Interreg Alpenrhein-Bodensee-Hochrhein gefördert. Nach Abschluss der letzten Abstimmungen mit den Projektpartnern startet nun die auf zwölf Monate angelegte Studie. Perspektivisch sollen die Ergebnisse nicht nur veröffentlicht, sondern auch in die Lehre an der HTWG einfließen, unter anderem in den neuen Studiengang Angewandte Künstliche Intelligenz.


    Zur Pressemitteilung: https://www.htwg-konstanz.de/aktuelles/news/pflege-trifft-kuenstliche-intelligenz-hochschule-konstanz-forscht-fuer-mehr-sicherheit-in-der-pflege

    Foto: Prof. Dr. Ralf Seepold, Daniel Vélez Gutiérrez und Dr. Giulia Maria Mattia forschen an der HTWG Konstanz für mehr Sicherheit in der Pflege. (c) HTWG

  • Multimodale Schmerztherapie in der Pflege

    Rudolf Likar, Günther Bernatzky, Svetlana Geyrhofer, Bärbl Buchmayr (Hrsg.)

    Springer Berlin, Heidelberg, 1. Auflage 2025, 507 Seiten, 49,99 € (Print) / 39,99 € (E-Book), ISBN 978-3-662-68955-4 (Print) / 978-3-662-68956-1 (E-Book)

    Mit dem Werk Multimodale Schmerztherapie in der Pflege legen die Herausgebenden ein umfassendes Fachbuch vor, das den Anspruch erhebt, die Vielschichtigkeit moderner Schmerztherapie aus pflegerischer Perspektive systematisch darzustellen. Angesichts der hohen Relevanz von Schmerz als zentrales pflegerisches Phänomen positioniert sich das Buch an der Schnittstelle von medizinischer, pflegerischer und komplementärer Versorgung und verfolgt dabei konsequent einen multiprofessionellen Ansatz.

    Bereits beim ersten Zugriff wird deutlich, dass es sich um ein Werk mit erheblichem Umfang und inhaltlicher Tiefe handelt. Das Buch vereint Beiträge aus unterschiedlichen Disziplinen (u.a. Pflege, Medizin, Psychologie, Physiotherapie) und spiegelt damit die Realität multimodaler Schmerztherapie wider. Der thematische Bogen reicht von grundlegenden Überlegungen zur Schmerzentstehung und -wahrnehmung über rechtliche Rahmenbedingungen und Assessmentverfahren bis hin zu spezifischen Interventionsformen in unterschiedlichen Versorgungssettings.

    Besonders hervorzuheben ist die inhaltliche Breite des Werkes. Neben klassischen medizinischen und pflegerischen Ansätzen werden zahlreiche komplementäre Verfahren dargestellt, darunter Aromapflege, Akupressur, Entspannungsverfahren, Musiktherapie oder Wickel und Kompressen. Auch technische Verfahren wie TENS oder Lasertherapie finden Berücksichtigung. Ergänzt wird dies durch psychosoziale Ansätze, die etwa Achtsamkeit, Humor oder kommunikative Strategien in den Fokus rücken. Diese Vielfalt trägt dem Anspruch Rechnung, Schmerz nicht als rein physiologisches, sondern als biopsychosoziales Phänomen zu verstehen.

    Die wissenschaftliche Fundierung des Buches wird durch die Einbindung aktueller Leitlinien, insbesondere von S3-Leitlinien, sowie durch die Orientierung an pflegerischen Expertenstandards gestützt. Gleichzeitig gelingt es den Autorinnen und Autoren, die theoretischen Grundlagen in einen praxisnahen Kontext zu überführen. Zahlreiche Fallvignetten ermöglichen es, komplexe Zusammenhänge auf konkrete Pflegesituationen zu übertragen und fördern so das Verständnis für die Anwendung im klinischen Alltag.

    Auch aus didaktischer Perspektive überzeugt das Werk in weiten Teilen. Die Inhalte sind klar strukturiert und folgen einer nachvollziehbaren Gliederung, die sich von grundlegenden Aspekten über Assessmentverfahren bis hin zu konkreten Interventionen entwickelt. Die einzelnen Kapitel sind konsistent aufgebaut und schließen häufig mit zusammenfassenden Abschnitten sowie weiterführender Literatur. Ein umfangreiches Stichwortverzeichnis erleichtert zusätzlich die gezielte Nutzung als Nachschlagewerk.

    Das Layout unterstützt den Wissenstransfer durch den Einsatz von Abbildungen, Tabellen und grafischen Darstellungen. Praktische Anwendungen, etwa die Platzierung von Elektroden oder der Durchführung bestimmter Interventionen, werden durch visuelle Elemente verdeutlicht. Gleichzeitig wirkt die Gestaltung insgesamt eher nüchtern und zurückhaltend, was in Kombination mit der hohen Informationsdichte stellenweise zu einer gewissen textlichen Schwere führen kann.

    Insgesamt zeigt sich das Werk als ausgesprochen umfassend und differenziert. Die Verbindung von wissenschaftlicher Fundierung, multiprofessioneller Perspektive und praxisnaher Darstellung gelingt überzeugend. Zugleich stellt die thematische Breite eine Herausforderung dar: Die Vielzahl an Methoden und Ansätzen erfordert von den Leserinnen und Lesern ein gewisses Maß an Vorwissen und die Fähigkeit, die dargestellten Inhalte kritisch einzuordnen – insbesondere im Hinblick auf die unterschiedliche Evidenzlage einzelner Verfahren.

    Fazit:
    Multimodale Schmerztherapie in der Pflege ist ein umfangreiches und inhaltlich anspruchsvolles Fachbuch, das sich als Standardwerk für die pflegerische Auseinandersetzung mit Schmerz positioniert. Die große Stärke liegt in der konsequenten multiprofessionellen Perspektive und der Verbindung von Theorie und Praxis. Für Pflegefachpersonen, Lehrende und Studierende bietet das Buch eine fundierte Grundlage sowie zahlreiche Anregungen für den klinischen Alltag. Trotz kleinerer Einschränkungen in der gestalterischen Umsetzung überzeugt das Werk insgesamt durch seine inhaltliche Tiefe und systematische Aufbereitung.

    Eine Rezension von Simon Ludwig-Pricha

  • DPR fordert zum Tag des Grundgesetzes stärkere Absicherung der Rechte von Menschen mit Pflegebedarf

    Zum Tag des Grundgesetzes am 23. Mai 2026 forderte der Deutsche Pflegerat (DPR), die Rechte von Menschen mit Pflegebedarf wirksamer abzusichern. Menschenwürde und Sozialstaat dürften auch dann nicht an Grenzen stoßen, wenn Menschen auf Pflege und Unterstützung angewiesen sind.

    Nach Auffassung des DPR ist Pflege nicht nur eine soziale Leistung, sondern Ausdruck staatlicher Schutz- und Gewährleistungsverantwortung gegenüber vulnerablen Bevölkerungsgruppen. Wer Pflege benötigt, müsse sich auf Schutz, Unterstützung und eine gute Versorgung verlassen können. Dies dürfe nicht vom Wohnort, von Systemgrenzen, bürokratischen Hürden oder knappen Ressourcen abhängen. Entscheidend sei vielmehr, dass der Sozialstaat Menschen mit Pflegebedarf im Alltag tatsächlich erreiche.

    Christine Vogler, Präsidentin des Deutschen Pflegerats, erklärt: „Der Tag des Grundgesetzes erinnert daran, dass Menschenwürde, Sozialstaat und staatliche Schutzpflichten im Alltag der Menschen ankommen müssen. Für Menschen mit Pflegebedarf entscheidet sich Würde ganz konkret: Erhalten sie Zugang zu guter Versorgung? Werden ihre Bedarfe gesehen? Werden sie geschützt? Können sie sich darauf verlassen, nicht an Systemgrenzen, Bürokratie oder Ressourcenknappheit zu scheitern? Derzeit gibt es erhebliche Zweifel, ob die Rechte für pflegebedürftige Menschen in Deutschland umfassend gesichert sind.“

    Auch Pascale Hilberger-Kirlum, Vize-Präsidentin des DPR und Mitglied der DPR-Fachkommission zur Aufnahme der Rechte von Menschen mit Pflegebedarf ins Grundgesetz, sieht hier deutlichen Handlungsbedarf. „Die Sicherung der pflegerischen Versorgung ist eine staatlich verantwortete Daseinsvorsorge. Menschen mit Pflegebedarf brauchen hier mehr als gute Absichten. Sie benötigen verlässliche Rechte, niedrigschwellig erreichbare Unterstützung und eine bedarfsgerechte Versorgung, die tatsächlich bei ihnen ankommt. Die Schutzaufträge des Grundgesetzes müssen stärker auf ihre Lebenswirklichkeit bezogen werden: auf den Alltag zu Hause, in der Langzeitpflege, im Krankenhaus und überall dort, wo Menschen Unterstützung brauchen. Es geht darum, ihre Würde nicht nur zu achten, sondern im Pflegealltag konkret erfahrbar zu machen und zu sichern.“

    Der DPR betont, dass Pflegebedürftigkeit nicht nur Fragen der Menschenwürde berührt, sondern auch Schutz, Fürsorge, Teilhabe und Versorgungssicherheit. Damit seien zentrale verfassungsrechtliche Prinzipien des Sozialstaats betroffen. Pflegerische Versorgung sei ein elementares Grundbedürfnis. Der Staat müsse dafür sorgen, dass Menschen mit Pflegebedarf verlässlich unterstützt und entsprechend ihrer individuellen Bedarfe gut versorgt werden.

    „Pflegerische Versorgung ist keine freiwillige Zusatzleistung eines funktionierenden Sozialstaats. Sie gehört zu seinen Grundaufgaben“, so Vogler. „Wer die Menschenwürde ernst nimmt, muss auch die Bedingungen ernst nehmen, unter denen Menschen gepflegt, begleitet und versorgt werden.“

    Aus Sicht des Deutschen Pflegerats müssen Rechte, Schutz und Versorgung von Pflegebedürftigen konsequent gestärkt werden. Menschen müssten sich auf gute Pflege und Unterstützung verlassen können, wenn sie diese benötigen. Die Schutzaufträge des Grundgesetzes und die staatliche Verantwortung müssten deshalb im pflegerischen Alltag spürbar werden.

    Dabei müsse die Versorgungsperspektive konsequent bedarfsgerecht und zukunftsorientiert mitgedacht werden. Pflegefachpersonen erlebten täglich, wo Versorgung funktioniere, wo sie brüchig werde und wo Menschen durch fehlende Strukturen, lange Wege oder unzureichende Unterstützung belastet würden. Ob Menschenwürde und Sozialstaat tatsächlich wirksam seien, zeige sich gerade in der konkreten Versorgung. Gute Gesetze müssten daran messbar sein, dass sie Versorgung sichern, Pflegebedürftige sowie An- und Zugehörige entlasten und die Kompetenzen der professionellen Pflege wirksam einbeziehen.

    „Das Grundgesetz ist ein Schutzversprechen. Dieses Schutzversprechen muss auch für Menschen mit Pflegebedarf sowie ihre An- und Zugehörigen spürbar werden“, betont Hilberger-Kirlum. „Dafür braucht es klare Verantwortung und eine pflegerische Versorgung, die sich am tatsächlichen Bedarf der Menschen in ihren jeweiligen Lebenswelten orientiert. Erfüllt werden kann es nur mit gesicherten Versorgungsformen und -strukturen, in deren Mittelpunkt die Profession Pflege steht.“

    Der Deutsche Pflegerat verweist in diesem Zusammenhang auch auf seine eingesetzte Fachkommission zur Aufnahme der Rechte von Menschen mit Pflegebedarf ins Grundgesetz. Sie befasst sich mit der Frage, wie Würde, Schutz, Fürsorge, Zugang und bedarfsgerechte Versorgung von Menschen mit Pflegebedarf künftig wirksamer abgesichert werden können.


    Zur Pressemitteilung: https://deutscher-pflegerat.de/profession-staerken/pressemitteilungen/tag-des-grundgesetzesrechte-von-menschen-mit-pflegebedarf-staerker-absichern

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  • EU-Kommission kündigt Europäischen Care Deal an: Pflege soll gerechter, zugänglicher und attraktiver werden

    Die Europäische Kommission will Pflege und Betreuung stärker ins Zentrum europäischer Gleichstellungspolitik rücken. In ihrer Strategie zur Gleichstellung der Geschlechter 2026–2030 kündigt sie für 2027 einen umfassenden Europäischen Deal für Pflege und Betreuung an. Ziel ist es, die Arbeitsbedingungen und Entwicklungsmöglichkeiten von Pflegekräften zu verbessern, die Qualität, Zugänglichkeit und Erschwinglichkeit von Pflege zu stärken und Sorgearbeit gerechter zwischen Frauen und Männern zu verteilen.

    Die Kommission verweist darauf, dass der Pflege- und Betreuungssektor weiterhin stark von Frauen geprägt ist und vielerorts unter niedrigen Löhnen, prekären Beschäftigungsverhältnissen, schwierigen Arbeitszeiten, fehlenden Tarifstrukturen sowie begrenztem Zugang zu Aus- und Weiterbildung leidet. Zugleich haben viele Familien keinen ausreichenden Zugang zu hochwertiger und bezahlbarer Langzeitpflege.
    Der geplante Care Deal soll deshalb ein Maßnahmenpaket enthalten, das sowohl die Situation der Beschäftigten als auch die Versorgung pflegebedürftiger Menschen verbessert. Dazu gehören Investitionen in Pflege und Betreuung, bessere berufliche Entwicklungsperspektiven, faire Beschäftigung, Digitalisierung sowie neue Modelle für hochwertige Pflege.

    Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der unbezahlten Sorgearbeit. Noch immer übernehmen Frauen den größeren Teil der Pflege-, Betreuungs- und Haushaltsaufgaben. Die Kommission sieht darin eine zentrale Ursache für Teilzeitbeschäftigung, Erwerbsunterbrechungen und geringere wirtschaftliche Unabhängigkeit von Frauen. Der Care Deal soll daher auch die gleichberechtigte Beteiligung von Männern und Frauen an formeller und informeller Pflege fördern.

    Viele der angekündigten Maßnahmen bleiben allerdings zunächst politisch unverbindlich. Bis 2027 will die Kommission Berichte zur frühkindlichen Betreuung und zur Langzeitpflege vorlegen. Für 2028 ist ein Bericht zur Umsetzung der Richtlinie zur Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben geplant. Der Europäische Deal für Pflege und Betreuung soll 2027 vorgestellt werden.

    Gleichwohl setzt die EU-Kommission ein wichtiges Signal: Pflege wird nicht länger nur als soziale Aufgabe, sondern als zentrale Voraussetzung für Gleichstellung, Arbeitsmarktteilhabe und Versorgungssicherheit verstanden. Entscheidend wird sein, ob die Mitgliedstaaten die europäischen Impulse in konkrete Reformen übersetzen. Denn bessere Arbeitsbedingungen, mehr Personal, faire Bezahlung und der Ausbau verlässlicher Pflegeangebote bleiben vor allem nationale Aufgaben.


    Zur Pressemitteilung: https://www.europarl.europa.eu/news/de/press-room/20260513IPR43307/gender-care-gap-mehr-unterstutzung-fur-pflegekrafte

    Foto: stock.adobe.com - vector_master

  • Ein Jahr Berufsregister für Pflegefachpersonen in Bayern: VdPB zieht erste Zwischenbilanz

    Vor einem Jahr ist das Berufsregister für Pflegefachpersonen in Bayern gestartet. Ziel des Registers ist es, Kompetenzen, Qualifikationen und Einsatzbereiche der Profession Pflege erstmals systematisch sichtbar zu machen und damit eine verlässliche Datengrundlage für die Weiterentwicklung der pflegerischen Versorgung im Freistaat zu schaffen. Nach zwölf Monaten zieht die Vereinigung der Pflegenden in Bayern (VdPB) nun eine erste Zwischenbilanz.

    Ausgangspunkt für die Einführung war die Novellierung des Bayerischen Pflegendengesetzes. Mit Inkrafttreten von Artikel 7 des BayPfleG am 1. Juni 2025 wurden die Voraussetzungen geschaffen, bayerische Pflegefachpersonen systematisch zu erfassen. Von den geschätzt 220.000 beruflich Pflegenden in Bayern sind rund 170.000 Pflegefachpersonen verpflichtet, sich im Berufsregister der VdPB einzutragen.

    Nach einem Jahr verzeichnet die VdPB bereits 41.000 Registrierungsanträge und kann auf Basis der bisher vorliegenden Eintragungen erste belastbare Aussagen treffen. Die Daten zeigen unter anderem, dass die Pflege in Bayern weiterhin überwiegend weiblich geprägt ist: 81 Prozent der registrierten Pflegefachpersonen sind Frauen. Auch die Altersverteilung entspricht weitgehend der allgemeinen Demografie der Erwerbstätigen. Zugleich macht das Register deutlich, dass in den kommenden Jahren ein erheblicher Teil der Pflegefachpersonen aus dem Beruf ausscheiden wird. Bei einem angenommenen Renteneintritt mit 67 Jahren werden mehr als 17 Prozent der bislang Registrierten innerhalb der nächsten zehn Jahre in den Ruhestand gehen.

    „Der Bedarf an qualifiziertem Nachwuchs ist bereits heute klar erkennbar. Das verdeutlicht, wie wichtig es ist, rechtzeitig wirksame Maßnahmen zu ergreifen, um die pflegerische Versorgung in Bayern langfristig zu sichern“, mahnt Rita Zöllner, Präsidentin der VdPB. Zugleich weist sie darauf hin, dass dabei noch nicht berücksichtigt sei, wie belastend der Pflegeberuf körperlich tatsächlich ist. Ob viele Pflegefachpersonen ihre Tätigkeit tatsächlich bis zum 67. Lebensjahr ausüben können, sei daher fraglich. Für Zöllner steht fest, dass der Pflegeberuf insgesamt attraktiver werden müsse. Dabei fehle es der Profession nach wie vor an ausreichender Anerkennung ihrer Kompetenzen.

    Ein weiteres Ergebnis der bisherigen Auswertung betrifft die hohe Bildungsbereitschaft innerhalb der Profession. Mehr als elf Prozent der registrierten Pflegefachpersonen verfügen über mindestens eine Weiterbildung. Insgesamt bildet das Register derzeit mehr als 30 verschiedene Weiterbildungsabschlüsse ab. Auch das breite Tätigkeitsspektrum der Pflege wird sichtbar: Die beruflichen Einsatzfelder konzentrieren sich zwar vor allem auf Krankenhäuser sowie die stationäre Langzeit- und ambulante Pflege, zugleich werden im Register mehr als 13 unterschiedliche Tätigkeitsbereiche erfasst.

    Aus Sicht der VdPB zeigen diese Zahlen nicht nur die Vielfalt der Qualifikationen und Einsatzorte in der Pflege, sondern auch die Bereitschaft vieler Pflegefachpersonen, über die Ausbildung hinaus zusätzliche Kompetenzen zu erwerben. Impulse dafür sieht die VdPB auch im Gesetz zur Befugniserweiterung und Entbürokratisierung in der Pflege (BEEP). „Die Kompetenzerweiterung ist ein bedeutender Schritt für die Profession. Zusätzlich bedarf es an mehr Autonomie bei der Ausübung der pflegerischen Praxis sowie eigenverantwortliches Arbeiten, um das Berufsbild langfristig aufzuwerten“, betont Zöllner.

    Nach Einschätzung der VdPB knüpfen die bisherigen Registerdaten an die bereits 2023 veröffentlichte Monitoringstudie zum Pflegepersonalbedarf in Bayern an und weisen schon jetzt eine hohe Datenqualität und Aussagekraft auf. Um diese Grundlage weiter zu stärken, ruft die VdPB alle bayerischen Pflegefachpersonen dazu auf, ihrer Registrierungspflicht zeitnah und vollständig nachzukommen.

    „Die bisher hohe Registrierungsbeteiligung freut uns sehr. Je umfangreicher die Datenbasis ist, desto gezielter können wir beispielsweise regionale Bedarfe erkennen und dringend notwendige Handlungserfordernisse valide herausarbeiten. Aus diesem Grund ist jeder einzelne Eintrag im Berufsregister wichtig. Daher rufen wir alle bayerischen Pflegefachpersonen dazu auf, der Registrierungspflicht nachzukommen – für die pflegerische Versorgungssicherheit in Bayern und die Weiterentwicklung der Profession Pflege“, so Zöllner.


    Zur Pressemitteilung: https://www.vdpb-bayern.de/01-juni-2026-ein-jahr-berufsregister-fuer-pflegefachpersonen-in-bayern-vdpb-zieht-eine-erste-zwischenbilanz/

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