Angesichts des wachsenden Fachkräftemangels, hoher Arbeitsbelastungen und steigender Anforderungen an Pflegefachpersonen fordert die Landespflegekammer Rheinland-Pfalz die Einrichtung eines eigenen, pflegespezifischen Landesförderprogramms für Fort- und Weiterbildungen. Ziel ist es, Pflegeeinrichtungen gezielt bei der Qualifizierung von Fachkräften sowie bei der Förderung von Kompetenzen und der Mitarbeitergesundheit zu unterstützen.

„Pflegefachpersonen übernehmen eine immer größere fachliche, organisatorische und rechtliche Verantwortung. Um Pflege langfristig leistungsfähig und attraktiv zu halten, braucht es gezielte und verlässliche Investitionen in Qualifikation, gute Führung und die Gesundheit der Beschäftigten“, sagt Andrea Bergsträßer, Vizepräsidentin der Landespflegekammer Rheinland-Pfalz.

In Rheinland-Pfalz wurden in den vergangenen Jahren diverse Maßnahmen zur Sicherung von Fachkräften in der Pflege umgesetzt. Die aktuelle „Fachkräftestrategie Pflege 2025“ stellt dabei einen zentralen Schritt dar, um Ausbildung, Nachqualifizierung und Fachkräftesicherung im Land zu fördern. Ziel der Strategie ist es, den steigenden Bedarf an qualifizierten Pflegefachpersonen zu decken und die Attraktivität des Pflegeberufs langfristig zu steigern.

Nach Auffassung der Landespflegekammer Rheinland-Pfalz reichen diese wichtigen Initiativen jedoch nicht aus, um die spezifische Förderlücke bei pflegespezifischen Fort- und Weiterbildungen zu schließen – insbesondere wenn es um die systematische Stärkung von Leitungskompetenzen, gesundheitsfördernden Angeboten und strategischen Instrumenten der Personalentwicklung innerhalb der Einrichtungen geht.

„Wir brauchen eine einfache und praktikable Lösung, bei der die Pflege selbst entscheiden kann, welche Fort- und Weiterbildungsangebote sinnvoll sind und diese ohne hohen bürokratischen Aufwand nutzen kann“, so Andrea Bergsträßer weiter. „Pflegeeinrichtungen und Pflegefachpersonen wissen sehr genau, wo ihre Bedarfe liegen. Genau dort muss eine Landesförderung ansetzen. Es darf nicht am mangelnden Budget der Einrichtungen scheitert.“

Andere Bundesländer gehen inzwischen gezielt auf diese Herausforderungen ein. So plant der Freistaat Bayern, ab 2026 ein eigenes Landesförderprogramm für Fort- und Weiterbildungen in der Pflege einzuführen. Dieses soll insbesondere Qualifizierungen für Führungskräfte und Maßnahmen zur Förderung der Mitarbeitergesundheit unterstützen. Weiterbildung wird hier als strategisches Instrument zur Stabilisierung von Pflegeeinrichtungen verstanden.

Ein vergleichbares, pflegespezifisches Landesförderprogramm wäre aus Sicht der Pflegekammer auch für Rheinland-Pfalz ein wichtiger Schritt.


Zur Pressemitteilung: https://pflegekammer-rlp.de/pflegekammer-rheinland-pfalz-fordert-eigenes-foerderprogramm-fuer-fort-und-weiterbildungen-in-der-pflege/

Foto: stock.adobe.com - Andy Dean

Im Rahmen des 23. Dresdner Pflegetages am 17. November wurde in diesem Jahr erstmals der Dresdner Pflegepreis verliehen. Mit ihm werden herausragende wissenschaftliche Arbeiten aus der Pflege in Sachsen gewürdigt. Die Preisträgerin Denise Hermann überzeugte dabei gleich doppelt – sie gewann sowohl den Jury- als auch den Publikumspreis.

Die Jury wählte die Gewinnerin aus einer Vielzahl eingereichter Abschlussarbeiten aus pflegebezogenen Studiengängen sächsischer Hochschulen und Universitäten sowie von Fachkräften aus sächsischen Krankenhäusern aus. Gestiftet wurde das Preisgeld – 500 Euro für den Jurypreis und 200 Euro für den Publikumspreis – von der Thieme Gruppe.

Jurypreis und Publikumspreis für Denise Hermann 

Die Preisträgerin ist Gesundheits- und Krankenpflegerin und arbeitet auf der Palliativstation des Städtischen Klinikums. Ihren Bachelor of Science Pflege mit dem Schwerpunkt Praxisentwicklung absolvierte sie an der Evangelischen Hochschule Dresden. Ab 2026 plant sie ein Masterstudium mit dem Schwerpunkt Community Health Nursing/Advanced Nursing Practice. „Als professionell Pflegende verstehe ich mich als fachlich fundierte Begleiterin, die Menschen in komplexen und schwierigen Lebenssituationen mit Kompetenz, Würde und echter Zuwendung unterstützt“, fasst die 26-jährige Denise Hermann ihr berufliches Selbstverständnis zusammen. 

Ihre ausgezeichnete Arbeit befasst sich mit dem „Berufseinstieg von Pflegefachpersonen nach generalistischer Ausbildung – Ergebnisse einer quantitativen Querschnittsstudie im Rahmen einer Bachelorarbeit“. In der Laudatio wurde besonders hervorgehoben, dass die Arbeit „methodisch und inhaltlich überzeugt. Sie bedauert nicht einen Ist-Zustand, sondern forscht, belegt und argumentiert mit erhobenen Zahlen. In der Folge formuliert sie klare Arbeitsaufträge und steht damit für eine zukunftsgerichtete, professionelle Pflege, deren Theorie ganz unmittelbar in die Praxis überführt werden kann und muss.“ 

Der Dresdner Pflegetag 

Die Fachveranstaltung fand 2025 bereits zum 23. Mal statt. Gemeinsam mit dem DBfK Südost e. V. entwickelten die Pflegedirektorinnen und Pflegedirektoren aller Dresdner Krankenhäuser ein Programm, das exemplarisch zeigt, wie Zusammenarbeit in der Pflege praktisch umgesetzt wird.


Zur Pressemitteilung: https://www.dbfk.de/de/newsroom/pressemitteilungen/meldungen/2025/2025-11-18-Erster-Dresdner-Pflegepreis-fuer-Denise-Hermann.php

Foto: Frida Regner (Jurymitglied – Universitätsklinik Dresden), Preisträgerin Denise Hermann, André Berensmann (Thieme), Quelle: DBfK Südost

Cagla Kurtçu erhält den Deutschen Pflegepreis 2025 des Deutschen Pflegerats. Die Gesundheits- und Krankenpflegerin (B.Sc., M.Sc.) steht für eine Pflege, die Menschen erreicht, Vertrauen schafft, Gesundheit stärkt und die Versorgung aktiv mitgestaltet. Durch ihr umfassendes Fachwissen, ihre Empathie und kulturelle Sensibilität repräsentiert sie eine zukunftsweisende, patientenorientierte Pflege. Christine Vogler, Präsidentin des Deutschen Pflegerats, überreichte ihr die Auszeichnung im Rahmen der feierlichen Eröffnung des 12. Deutschen Pflegetags in Berlin.

„Pflege ist unverzichtbar und gehört ins Zentrum unseres Gesundheitswesens“, betonte Vogler. „Frau Kurtçu zeigt, was Pflege leisten kann, wenn sie Verantwortung übernehmen darf. Sie steht gemeinsam mit Ihrem Team für eine mutige, stärkende und gestaltende Pflege.“

Aus der Praxis für die Menschen

Seit 1999 würdigt der Deutsche Pflegepreis des Deutschen Pflegerats Persönlichkeiten und Institutionen, die sich in besonderer Weise für die Pflege und das Hebammenwesen engagieren. In diesem Jahr geht die höchste nationale Auszeichnung an Cagla Kurtçu, Advanced Practice Nurse und erfahrene Pflegefachfrau.

Kurtçu hat ihre pflegewissenschaftlichen Kompetenzen über viele Jahre hinweg konsequent erweitert und in die Praxis integriert. Die begrenzten Anwendungsmöglichkeiten, die sie dabei in traditionellen Strukturen erlebte, motivierten sie, neue Wege zu gehen – Wege, die Pflege stärken und die Gesundheitsversorgung verbessern. Diese Möglichkeit fand sie im Gesundheitskiosk in Hamburg, wo sie ihr Fachwissen, ihre Erfahrung und ihr Engagement für eine niedrigschwellige, patientennahe Versorgung einbringt.

In ihrer Rolle leitet Cagla Kurtçu fünf Gesundheitskiosk-Standorte in Hamburg. Sie gestaltet Strukturen, baut Beziehungen und Brücken, schafft Zugänge und vermittelt Sicherheit im Umgang mit Krankheit und Gesundheit. Gemeinsam mit ihrem interprofessionellen Team aus examinierten und akademisch ausgebildeten Pflegefachpersonen begleitet sie Patient:innen, die häufig mit chronischen Erkrankungen oder komplexen Lebenssituationen leben. Mit Empathie und Fachkompetenz hört sie zu, übersetzt medizinische Zusammenhänge, erklärt Behandlungsschritte und motiviert Menschen, ihre Gesundheit aktiv mitzugestalten.

Kurtçu begegnet den Menschen in ihrer Sprache, in ihrem Alltag und mit tiefem Verständnis für ihre Lebensrealität. Auf diese Weise entsteht in der kommunalen Struktur eine vorausschauende und wirksame Pflege – präventiv, versorgend und stets auf Augenhöhe. Gemeinsam mit den Patient:innen entwickelt sie individuelle, bedarfsgerechte Versorgungspläne, fördert gegenseitiges Verstehen und baut nachhaltiges Vertrauen auf. Die dabei entstehenden Prozesse und Strukturen integriert sie gezielt in das bestehende Gesundheitsnetz, wodurch eine vernetzte, zugängliche und sozial gerechte Versorgung entsteht.

„Cagla Kurtçu verbindet pflegewissenschaftliche Kompetenz mit Empathie, interprofessioneller Zusammenarbeit und gelebter Verantwortung. Sie zeigt, wie Pflege Brücken schlägt – zwischen Gesundheitsversorgung und Lebenswirklichkeit der Menschen“, würdigt Vogler die Preisträgerin.

Ein starkes Signal für die Profession

Mit der Auszeichnung ehrt der Deutsche Pflegerat eine Pflegefachfrau, die mit Mut, Haltung und Fachwissen neue Wege geht und ein Vorbild für die gesamte Profession ist. Cagla Kurtçus beruflicher Weg zeigt eindrucksvoll, wie pflegerische Kompetenzen dort ihre größte Wirkung entfalten, wo sie unmittelbar bei den Menschen ansetzen. Die Grenzen klassischer Versorgungsstrukturen führten sie bewusst auf neue Pfade – hin zu einer Pflege, die aktiv gestaltet, koordiniert und Verantwortung übernimmt.

Cagla Kurtçu entwickelt innovative Pflegekonzepte, setzt diese um und lebt sie aktiv vor. Für sie sind Patient:innenzentrierung, Empathie und Professionalität keine bloßen Schlagworte, sondern gelebter Alltag. Ihr Wirken verdeutlicht, welches Potenzial durch das künftige APN-Gesetz in größerem Umfang ausgeschöpft werden kann: eine Pflege, die Bedürfnisse frühzeitig erkennt, die Versorgung steuert und Menschen nachhaltig stärkt.

Pflege als tragende Säule

Der Weg der diesjährigen Preisträgerin steht für eine zeitgemäße, selbstbewusste Pflege, die Verantwortung übernimmt und aktiv innovative Versorgungsansätze gestaltet. Sie verdeutlicht, dass Pflegefachkräfte insbesondere in niedrigschwelligen Gesundheitsangeboten eine zentrale Rolle spielen und das Gesundheitssystem entscheidend mitprägen.

Mit der Verleihung des Deutschen Pflegepreises 2025 wird Kurtçu nicht nur persönlich geehrt, sondern die gesamte Pflegeprofession in ihrer alltäglichen Verantwortung und ihrem Beitrag zu verlässlicher Versorgung anerkannt.