In Deutschland basiert das Gesundheitswesen auf Selbstverwaltungsstrukturen, schließt jedoch die Pflegeprofession von entscheidenden Mitwirkungsprozessen aus. Dies stellt einen strukturellen Mangel dar, der sowohl die Versorgungssicherheit als auch den Bevölkerungsschutz gefährdet. Die Konsequenz sind fragmentierte Zuständigkeiten, fehlende Verbindlichkeit und eine geschwächte Position des Heilberufs Pflege innerhalb des Systems – mit deutlich spürbaren negativen Auswirkungen für die Bevölkerung. Diese strukturelle Lücke besteht seit Jahrzehnten und erfordert dringend eine Korrektur.
Während andere Gesundheitsprofessionen ihre Expertise über eigene Selbstverwaltungsstrukturen gezielt in Entscheidungsprozesse einbringen, bleibt die Pflege, obwohl sie die größte Berufsgruppe im Gesundheitswesen stellt, bis heute außen vor. Dies schwächt nicht nur die Pflegeprofession, sondern das gesamte Versorgungssystem. Im internationalen Vergleich ist die berufliche Selbstverwaltung der Pflege seit Jahrzehnten etabliert, verbunden mit klarer Eigenverantwortung und hoher Anerkennung. Die strukturelle Benachteiligung der Pflege in Deutschland ist sachlich nicht zu rechtfertigen und nicht länger akzeptabel.
Vor den anstehenden Landtagswahlen und der Bildung neuer Landesregierungen richtet der Deutsche Pflegerat gemeinsam mit den Landespflegeräten eine deutliche Forderung an die Länder: Wer das Prinzip der gemeinsamen Verantwortung im Gesundheitswesen ernst nimmt, muss der Pflege eine eigene, verbindliche Struktur geben und bestehende Selbstverwaltungsstrukturen konsequent stärken.
„Die Profession Pflege braucht eine eigene berufsständische Selbstverwaltung, um im System wirksam vertreten zu sein. Nur so kann pflegefachliches Wissen dort einfließen, wo über Versorgung, Strukturen und Qualität entschieden wird. Das ist entscheidend für eine gute Gesundheitsversorgung“, sagt Christine Vogler, Präsidentin des Deutschen Pflegerats.
„Pflege trägt hohe Verantwortung für die Gesundheitsversorgung, den Bevölkerungsschutz und die Bewältigung von Krisen und Katastrophen. Ohne sie ist eine Versorgung nicht möglich. Dafür braucht sie klare Zuständigkeiten, übertragene Aufgaben und notwendige Ressourcen.“
Diese Position bildete den Schwerpunkt einer Tagung des Deutschen Pflegerats mit den Landespflegeräten in Berlin. Dabei wurde klar: Die Pflege soll Verantwortung sowohl im Versorgungsalltag als auch im Krisenfall übernehmen. Ohne eine strukturelle Verankerung bleibt diese Verantwortung jedoch wirkungslos. Entscheidend sind klare Rahmenbedingungen, die es ermöglichen, dass Aufgaben verbindlich an die Pflegeprofession übertragen und professionell ausgeführt werden können.
Den Bundesländern kommt dabei eine besondere Verantwortung zu: Sie müssen die Rahmenbedingungen schaffen, die es dem Heilberuf Pflege ermöglichen, handlungsfähig zu bleiben und die Versorgungssicherheit der Bevölkerung zu gewährleisten, ohne bestehende Strukturen zu untergraben oder infrage zu stellen.
Unter „Heilberuf Pflege“ wird die professionelle Pflege als eigenständige Gesundheitsprofession mit eigener Fachverantwortung verstanden. Ohne eigene Selbstverwaltungsstrukturen bleibt die Pflege abhängig von politischen Zyklen und kurzfristigen Entscheidungen.
„Pflege und ihre Weiterentwicklung gibt es nicht zum Nulltarif“, so Vogler weiter. „Weder Versorgungssicherheit noch Qualität entstehen von selbst.“
Der Deutsche Pflegerat fordert zusammen mit den Landespflegeräten die Länder unmissverständlich auf, bundesweit eigenständige Selbstverwaltungsstrukturen der Pflege zu etablieren und zu fördern – sei es in Form von Körperschaften des öffentlichen Rechts oder Organisationen mit übertragenen hoheitlichen Aufgaben. Solche Strukturen müssen der Pflegeprofession ermöglichen, unabhängig von Legislaturperioden und Wahlkampfinteressen Verantwortung zu übernehmen, die Versorgung sicherzustellen und die berufliche Entwicklung eigenständig zu gestalten.
In Deutschland basiert das Gesundheitswesen auf Selbstverwaltung. Damit dieses Prinzip glaubwürdig bleibt, darf der Heilberuf Pflege nicht länger ausgegrenzt werden. Solange die Pflege strukturell nicht eingebunden ist, bestehen die bekannten Systemschwächen fort – mit deutlich negativen Auswirkungen für die Bevölkerung. Die Bundesländer sind daher gefordert, diesen strukturellen Fehler flächendeckend zu korrigieren.
Zur Pressemitteilung: https://deutscher-pflegerat.de/profession-staerken/pressemitteilungen/pflege-braucht-eigene-selbstverwaltung--landesregierungen-muessen-handeln
Foto: stock.adobe.com - Pixel-Shot