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ÖGKV warnt vor De-Professionalisierung in der Pflege
Der Österreichische Gesundheits- und Krankenpflegeverband (ÖGKV) warnt vor den Folgen einer zunehmenden De-Professionalisierung in der Pflege. Gemeint ist damit der verstärkte Einsatz geringer qualifizierten Personals bei gleichzeitiger Begrenzung professioneller Kompetenzen. Nach Einschätzung des Verbands gefährdet diese Entwicklung die Versorgungsqualität und führt langfristig zu höheren Kosten im Gesundheitswesen.
„Pflege ist das Rückgrat unseres Gesundheitssystems. Wenn wir an Qualifikation sparen, sparen wir am falschen Ende – die Folgekosten sind höher, die Qualität sinkt und die Belastung für Patient:innen und Angehörige steigt“, warnt Mag. Elisabeth Potzmann, Präsidentin des ÖGKV.
Bevölkerung blickt mit Sorge auf die Zukunft der Pflege
Auf aktuelle Umfrageergebnisse des Meinungsforschers Dr. Peter Hajek, die im Auftrag des ÖGKV erhoben wurden, verweist der Verband mit Nachdruck. Zwar bewertet eine knappe Mehrheit von 56 Prozent die Versorgung pflegebedürftiger Menschen in Österreich derzeit noch als gut, gleichzeitig hält jedoch rund ein Drittel sie für eher schlecht. Noch kritischer fällt der Blick auf die Zukunft aus: Nur etwa ein Drittel der Bevölkerung vertraut darauf, dass die Politik die Pflege langfristig sichern kann, während 65 Prozent wenig oder gar kein Vertrauen in eine nachhaltige Sicherstellung haben. Zugleich macht sich eine deutliche Mehrheit Sorgen, im Fall eigener Pflegebedürftigkeit nicht ausreichend versorgt zu werden.
Nach Auffassung des ÖGKV führt die strukturelle De-Professionalisierung dazu, dass Pflege nicht mehr als professionell gesteuerter Gesamtprozess verstanden wird, sondern zunehmend auf einzelne Tätigkeiten reduziert wird. „Der gehobene Dienst ist für den gesamten Pflegeprozess verantwortlich – von der Einschätzung bis zur Evaluation. Wenn diese fachliche Steuerung fehlt, steigen Komplikationen, verlängern sich Aufenthalte und das System wird ineffizienter“, so Potzmann.
Nicht genutzte Kompetenzen bremsen Entlastung und Innovation
Besonders kritisch bewertet der Verband das ausbleibende politische Handeln bei der Arzneimittelverschreibung durch Pflegefachpersonen. Obwohl diese Möglichkeit gesetzlich vorgesehen sei, fehle weiterhin die entsprechende Verordnung. Nach Angaben des ÖGKV zeigt auch hier die Umfrage eine klare Tendenz: Rund zwei Drittel der Bevölkerung befürworten, dass Pflegekräfte bestimmte Medikamente verschreiben dürfen, und ähnlich viele vertrauen darauf, dass dies verantwortungsvoll geschieht. „Hier werden vorhandene Kompetenzen nicht genutzt – das bremst Innovation, verhindert Entlastung und frustriert eine hochqualifizierte Berufsgruppe“, betont Potzmann.
Qualifikation ist Voraussetzung für Effizienz
Aus Sicht des ÖGKV ist die aktuelle Entwicklung auch volkswirtschaftlich problematisch. Wenn qualifizierte Pflege zurückgedrängt wird, entstehen an anderer Stelle höhere Kosten – etwa durch vermeidbare Komplikationen wie Stürze, Infektionen, Druckgeschwüre oder Medikationsfehler. Diese können längere Aufenthalte und häufigere Wiederaufnahmen zur Folge haben. „Was hier passiert, ist ein klassisches Fehlanreizproblem: Entscheidungen orientieren sich an kurzfristigen Budgetzielen, während die Folgekosten im Gesamtsystem anfallen. Qualifikation ist in der Pflege kein Kostenfaktor, sondern eine Voraussetzung für Effizienz“, sagt Prof. Dr. Monika Köppl-Turyna, Direktorin von EcoAustria.
Der ÖGKV fordert deshalb ein klares Umdenken. Dazu gehören aus Sicht des Verbands die Nutzung und Freigabe vorhandener Kompetenzen, ein ausgewogener Personaleinsatz entsprechend dem tatsächlichen Versorgungsbedarf, nachhaltige Investitionen in qualifizierte Pflege sowie die Umsetzung der Arzneimittelverschreibung durch diplomierte Gesundheits- und Krankenpflegepersonen.
„Wer die Pflege stärkt, stärkt das gesamte Gesundheitssystem. Wer sie schwächt, riskiert Qualität, Effizienz und Versorgungssicherheit“, so Potzmann abschließend.
Zur Pressemitteilung: https://oegkv.at/site/assets/files/13145/pa_deprofessionalisierung_fin.pdf

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