Image

David Jost

Menschenwürde und Pflegeroboter
Zum menschenwürdigen Einsatz von Robotern in der Pflege

Springer Verlag / J.B. Metzler, Berlin 2026, 328 Seiten, 84,99 €, ISBN 978-3662730041

Der zunehmende Einsatz digitaler Technologien und robotischer Systeme im Gesundheitswesen zählt zu den zentralen Zukunftsfragen professioneller Pflege. Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels, steigender Pflegebedarfe und eines anhaltenden Fachkräftemangels gewinnt auch die Diskussion über Pflegerobotik zunehmend an gesellschaftlicher und pflegewissenschaftlicher Bedeutung. David Jost widmet sich in seinem Werk Menschenwürde und Pflegeroboter der Frage, unter welchen Voraussetzungen robotische Systeme in der professionellen Pflege menschenwürdig eingesetzt werden können. 

Das Werk erscheint in der Reihe Techno:Phil – Aktuelle Herausforderungen der Technikphilosophie, Band 13 und basiert auf einer Dissertation. Entsprechend weist die Publikation einen deutlich wissenschaftlichen Charakter auf. Gleichzeitig gelingt es dem Autor, philosophische, ethische und pflegewissenschaftliche Perspektiven verständlich miteinander zu verbinden. Im Mittelpunkt stehen weniger technische Details einzelner Systeme als vielmehr die Frage, welche Auswirkungen Pflegerobotik auf Menschenwürde, Selbstbestimmung und zwischenmenschliche Beziehung haben kann. 

Der Aufbau des Buches folgt einer klar nachvollziehbaren Struktur. Ausgehend von theoretischen Überlegungen zu Menschenbildern und Menschenwürde führt Jost schrittweise zu pflegeethischen Fragestellungen und schließlich zur Bewertung verschiedener Robotersysteme im Pflegekontext. Dabei setzt sich der Autor zunächst mit philosophischen und juristischen Grundlagen auseinander und greift unter anderem auf Immanuel Kant sowie weitere philosophische Ansätze zurück. Anschließend werden pflegeethische Menschenbildannahmen und verschiedene Pflegetheorien betrachtet. Auf dieser Grundlage entwickelt Jost Kriterien für einen menschenwürdigen Einsatz robotischer Systeme in der Pflege. 

Besonders ausführlich behandelt werden unterschiedliche Formen von Pflegerobotern, darunter körperunterstützende Systeme, Service- und Assistenzroboter sowie Therapie- und Sozialroboter. Positiv hervorzuheben ist hierbei die differenzierte Darstellung der einzelnen Systeme. Jost macht deutlich, dass Pflegerobotik keineswegs als einheitliche Technologie betrachtet werden kann, sondern sehr unterschiedliche Einsatzbereiche und Auswirkungen umfasst. Dadurch gelingt eine sachliche Einordnung jenseits der häufig stark polarisierten öffentlichen Diskussion zwischen Technikoptimismus und Zukunftsängsten. 

Den Schwerpunkt des Werkes bildet die ethische Bewertung robotischer Systeme hinsichtlich eines menschenwürdigen Einsatzes. Der Autor arbeitet überzeugend heraus, dass technische Systeme menschliche Beziehung, Anerkennung und soziale Zuwendung nicht ersetzen können. Gleichzeitig lehnt Jost Pflegerobotik nicht pauschal ab. Vielmehr zeigt er differenziert auf, unter welchen Voraussetzungen robotische Systeme zur Unterstützung pflegebedürftiger Menschen beitragen können, etwa durch Förderung von Selbstständigkeit oder körperlicher Entlastung. Kritisch betrachtet werden insbesondere sogenannte Companion Robots, wenn diese emotionale Nähe simulieren oder zwischenmenschliche Beziehungen ersetzen sollen. 

Die theoretische Aufarbeitung des Themas fällt insgesamt sehr fundiert aus. Die Vielzahl philosophischer, ethischer und pflegewissenschaftlicher Quellen verdeutlicht die intensive wissenschaftliche Auseinandersetzung des Autors mit dem Thema. Gleichzeitig führt die hohe Dichte theoretischer Bezugnahmen stellenweise zu einem anspruchsvollen Lesefluss. Für Leserinnen und Leser ohne Vorkenntnisse in Ethik oder Technikphilosophie könnte das Werk daher teilweise herausfordernd sein. Unterstützend wirken jedoch die klare Struktur sowie tabellarische Zusammenfassungen einzelner Themenbereiche. 

Insgesamt stellt Menschenwürde und Pflegeroboter einen wichtigen und hochaktuellen Beitrag zur ethischen Diskussion über Digitalisierung und Robotik in der Pflege dar. Besonders für Lehrende, Studierende und Forschende im Bereich professioneller Pflege bietet das Werk zahlreiche Impulse für die Auseinandersetzung mit den Chancen und Grenzen technischer Entwicklungen im Gesundheitswesen. Trotz seines teilweise anspruchsvollen wissenschaftlichen Stils überzeugt das Buch durch seine differenzierte Argumentation und seine hohe fachliche Relevanz.

Eine Rezension von Myriam Hartmann
Pflegepädagogin B.A. und Pflege- und Gesundheitsmanagerin M.A.

Alt Text

Ihr Update für die Pflegeforschung

Vertiefen Sie Ihr Fachwissen mit einem Abo der Zeitschrift Pflegewissenschaft: aktuelle Forschung, praxisrelevante Erkenntnisse und Online-Zugang zum kompletten Archiv seit der ersten Ausgabe.

Jetzt Abo sichern!
Zeige mir Aktuelles aus der Kategorie...