Foto: stock.adobe.com – gpointstudio & mit Hilfe von KI
Forschungsprojekt „Positive Health“ – neuer Dialog zur Gesundheitsförderung in der hausärztlichen Praxis
In der Gesundheitsversorgung der Zukunft sollen Prävention und Gesundheitsförderung eine stärkere Rolle spielen als bisher. Es mangelt allerdings noch an praktikablen Konzepten, wie dieses gesundheitspolitische Ziel im medizinischen Alltag erreicht werden kann. Hier setzt die neue Studie „Positive Health Innovation“ unter der Leitung des Instituts für Allgemeinmedizin und Ambulante Gesundheitsversorgung (iamag) der Universität Witten/Herdecke (UW/H) an.
Sie basiert auf dem Beratungskonzept „Positive Health“ der niederländischen Allgemeinärztin Machteld Huber; dieses bietet einen vielversprechenden Ansatz zur Gesundheitsförderung in der hausärztlichen Praxis und anderen medizinischen Einrichtungen und hat in den Niederlanden zu einer erfolgreichen patient:innenorientierten Neuausrichtung des Gesundheitswesens beigetragen. Wie das Konzept auf hausärztliche Praxen in Deutschland übertragen werden kann, untersucht die Universität Witten/Herdecke nun im Verbund mit den Universitäten Duisburg-Essen, Heidelberg, Düsseldorf, Bochum und Köln.
Erprobung von Positive Health in hausärztlichen Praxen
In drei regionalen Gesundheitsnetzen in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz soll Positive Health mit 15 hausärztlichen Praxen erprobt werden. „Positive Health unterstützt uns dabei, die biopsychosozialen Dimensionen von Gesundheit im Dialog mit den Patientinnen und Patienten besser zu adressieren und gemeinsam passende therapeutische Ziele zu erarbeiten“, betont Prof. Dr. Achim Mortsiefer, Leiter des Projekts und des iamag der UW/H.
Im Zentrum von Positive Health steht ein grafisches Erhebungsinstrument, auf dem eine Person die eigene Gesundheit in sechs Dimensionen wie z. B. mentales Wohlgefühl, Körper und Lebensqualität zwischen 0 und 10 bewerten soll (siehe Abbildung). Das resultierende Spinnennetz-Diagramm ist der Ausgangspunkt für eine moderierte Selbstreflexion; es soll gesundheitsfördernde Eigenaktivitäten unterstützen (Empowerment) und eine effektivere medizinische und psychosoziale Unterstützung ermöglichen.
„Als Hausärztin habe ich überraschende und wertvolle Erfahrungen mit dem Einsatz von Positive Health in meiner Praxis gemacht – sowohl in Einzelgesprächen, in meinem Team mit Kolleginnen und Kollegen als auch in der gemeinsamen Anwendung in Zusammenarbeit mit anderen Fachkräften in der Nachbarschaft. Ich freue mich sehr, dass sich nun auch Kolleginnen und Kollegen in Deutschland für die Idee begeistern und ein überregionales Projekt zustande gekommen ist“, berichtet Karolien van den Brekel von „Positive Health International“ mit Sitz in den Niederlanden.
Das Studiendesign sieht drei Phasen vor: Zuerst wird das Konzepts für Gesundheitsnetze unter Einbeziehung der relevanten Stakeholder sowie unter Berücksichtigung der regionalen Gegebenheiten weiterentwickelt. Die anschließende praktische Erprobungsphase erfolgt in den hausärztlichen Praxen. Abschließend werden die Ergebnisse ausgewertet und mithilfe aller Projektbeteiligten aufbereitet, um die Intervention zukünftig in der Regelversorgung anwendbar zu machen.
Interdisziplinäre Zusammenarbeit im Projekt
Die Konsortialführung des Projekts hat das Institut für Allgemeinmedizin und Ambulante Gesundheitsversorgung (iamag) der Universität Witten/Herdecke (Prof. Dr. Achim Mortsiefer) inne. Die beteiligten Konsortialpartner sind das Institut für Allgemeinmedizin am Universitätsklinikum Duisburg-Essen (Prof. Dr. Jürgen in der Schmitten), die Abteilung Allgemeinmedizin und Versorgungsforschung am Universitätsklinikum Heidelberg (Prof. Dr. Attila Altiner/Dr. Simon Schwill, MME), das Institut für Allgemeinmedizin, Centre for Health and Society (ifam/chs) am Universitätsklinikum Düsseldorf (Prof. Dr. Stefan Wilm), die Abteilung für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie der Ruhr-Universität Bochum (Prof. Dr. Nina Timmesfeld) sowie das Institut für Gesundheitsökonomie und Klinische Epidemiologie der Universität zu Köln (Prof. Dr. Stephanie Stock).
Das Projekt wird vom Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) mit einer Summe von 2,5 Millionen Euro über drei Jahre gefördert und erfolgt in Kooperation mit dem niederländischen Institute for Positive Health (iPH) und dem internationaler Trainings- und Implementierungspartner „Positive Health International“ (PHi), sowie mit Positive Gesundheit Deutschland e. V. und dem Dachverband Salutogenese e. V.
Ein Jahr Berufsregister für Pflegefachpersonen in Bayern: VdPB zieht erste Zwischenbilanz
Vor einem Jahr ist das Berufsregister für Pflegefachpersonen in Bayern gestartet. Ziel des Registers ist es, Kompetenzen, Qualifikationen und Einsatzbereiche der Profession Pflege erstmals systematisc...Bundesverband Pflegemanagement warnt: PeBeM darf nicht zur Absenkung der Versorgungsziele in der Langzeitpflege missbraucht werden
Der Bundesverband Pflegemanagement bewertet die Unterrichtung der Bundesregierung zur Umsetzung und Weiterentwicklung des wissenschaftlich fundierten Personalbemessungsverfahrens in der vollstationäre...Aktionstag gegen den Schmerz: DBfK fordert stärkere Verankerung der Speziellen Schmerzpflege
Anlässlich des bundesweiten Aktionstags gegen den Schmerz am 2. Juni macht der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) auf die wichtige Rolle der Speziellen Schmerzpflege aufmerksam. Menschen m...
EU-Kommission kündigt Europäischen Care Deal an: Pflege soll gerechter, zugänglicher und attraktiver werden
Die Europäische Kommission will Pflege und Betreuung stärker ins Zentrum europäischer Gleichstellungspolitik rücken. In ihrer Strategie zur Gleichstellung der Geschlechter 2026–2030 kündigt sie für 20...Zeige mir Aktuelles aus der Kategorie...
Sie möchten Pflegewissenschaft abonnieren?
Pflegewissenschaft ist die interntionale, peer-reviewte Fachzeitschrift für alle Berufe der Pflege. Sie möchte einen Beitrag für Wissenschaft, Forschung und Praxis des Pflegeberufes leisten sowie Praktikern konkrete Hilfen und Anregungen geben.
Bleiben Sie stets auf dem aktuellen Stand der Pflegeforschung:

