
Barbara Müller, Brigitte Teigeler (Hrsg.)
Mitarbeitende erfolgreich binden
Best Practice im Pflegemanagement
Hogrefe Verlag, Bern, 1. Auflage 2025, 216 Seiten, 30,00 €, ISBN 978-3-456-86395-5
Mit dem zweiten Band Mitarbeitende erfolgreich binden aus Ihrer Reihe Best Practice im Pflegemanagement legen Barbara Müller und Brigitte Teigeler ein Fachbuch vor, das sich einem der zentralen Themen des Gesundheitswesens widmet: der nachhaltigen Bindung von Pflegefachpersonen. Angesichts eines seit Jahrzehnten bestehenden Fachkräftemangels ist das Thema weder neu noch überraschend. Umso entscheidender ist die Frage, ob es gelingt, bekannte Problemlagen sinnvoll zu bündeln, theoretisch fundiert einzuordnen und zugleich praxisnah weiterzudenken. Genau hier setzt das vorliegende Buch an.
Barbara Müller ist Krankenschwester für Anästhesie und Intensivmedizin, Berufspraktische Trainerin, Praxisanleiterin, Diplom Pflegewirtin, Fachjournalistin und externe Lehrbeauftragte und Dozentin in Bachelorstudiengängen der Pflege. Seit 2015 arbeitet sie als Lektorin und Programmleitung für Health Professionals in der Hogrefe AG, Bern/Schweiz.
Brigitte Teigeler ist Kinderkrankenschwester, Diplom Pflegewirtin sowie Fachjournalistin und hat 15 Jahre als Redakteurin im Bibliomed-Verlag gearbeitet. Seit 2018 ist sie freiberuflich tätig. 2025 wurde sie als eine der drei Preisträger*innen des Awards Fachjournalist*in des Jahres ausgezeichnet.
Der Aufbau des Buches folgt einer klaren inneren Logik und ist – anders als viele Sammelwerke – gut linear lesbar. Zu Beginn werden Gründe thematisiert, warum Pflegefachpersonen ihren Beruf oder ihre aktuelle Arbeitsstelle verlassen. Diese Analyse bleibt nicht auf individueller Ebene stehen, sondern wird in einen größeren strukturellen und organisationellen Kontext eingeordnet. Darauf aufbauend entwickeln die Beiträge zentrale Konzepte der Mitarbeiterbindung, die eng mit Fragen von Führung, Unternehmenskultur und organisationaler Verantwortung verknüpft sind. Positive Leadership, transformationale Führung und mitarbeiterzentrierte Organisationsentwicklung werden dabei nicht als Schlagworte verwendet, sondern systematisch erläutert und mit aktuellen Erkenntnissen aus dem Pflegemanagement verknüpft.
Inhaltlich nehmen diese konzeptionellen Kapitel den größten Raum ein und machen etwa vier Fünftel des Buches aus. Diese Schwerpunktsetzung ist nachvollziehbar und sinnvoll, da sie eine solide theoretische Grundlage schafft. Die Darstellung bleibt dabei klar, strukturiert und gut verständlich, ohne wissenschaftlich oberflächlich zu werden. Alle zentralen Aussagen sind sauber belegt, die Literaturverzeichnisse ermöglichen eine vertiefende Auseinandersetzung und unterstreichen den fachlichen Anspruch des Buches.
Im letzten Teil folgen Best-Practice-Beispiele aus dem Pflegealltag, die auf rund 30 Seiten konkrete Einblicke in gelungene Ansätze der Mitarbeiterbindung geben. Diese Kapitel wirken gerade deshalb überzeugend, weil Teigeler mit ihrer langjährigen Erfahrung als Redakteurin auf viele Berichte von Menschen zurückgreifen kann, die selbst in pflegerischen Einrichtungen bzw. ambulanten Diensten tätig sind. Die Beispiele sind realistisch, nachvollziehbar und frei von idealisierenden Darstellungen. Sie zeigen, wie theoretische Konzepte unter konkreten Rahmenbedingungen umgesetzt werden können – und auch, wo Grenzen liegen. Dadurch ergänzen sie die vorangegangenen Kapitel sinnvoll, ohne den Anspruch zu erheben, allgemeingültige Lösungen zu präsentieren.
Ein weiterer Pluspunkt des Buches liegt in seiner Balance zwischen Nachschlagewerk und durchgehender Lektüre. Zwar lassen sich einzelne Kapitel problemlos isoliert lesen, dennoch entfaltet das Buch seine größte Wirkung, wenn man den argumentativen Aufbau insgesamt verfolgt. Im Vergleich zu vielen Publikationen zur modernen Arbeitskultur in der Pflege verzichtet dieser Band bewusst auf modische Zuspitzungen oder plakative Zukunftsversprechen. Stattdessen wird Mitarbeiterbindung als kontinuierliche Führungs- und Managementaufgabe verstanden, die langfristige Strategien, verlässliche Strukturen und eine klare Haltung erfordert.
Fazit:
Mitarbeitende erfolgreich binden ist ein fachlich fundiertes, gut strukturiertes und praxisnahes Buch für leitende Pflegepersonen und Pflegemanager:innen. Es überzeugt durch eine klare Argumentationslinie, eine solide wissenschaftliche Basis und realistische Best-Practice-Beispiele. Gerade im Vergleich zu allgemeineren New-Work-Publikationen stellt dieser Band eine wohltuend konkrete und professionsbezogene Ergänzung dar. Eine klare Empfehlung für alle, die Mitarbeiterbindung nicht als kurzfristige Maßnahme, sondern als zentrale Führungsaufgabe im Pflegemanagement verstehen.
Eine Rezension von Simon Ludwig-Pricha

Ihr Update für die Pflegefroschung
Vertiefen Sie Ihr Fachwissen mit einem Abo der Zeitschrift Pflegewissenschaft: aktuelle Forschung, praxisrelevante Erkenntnisse und Online-Zugang zum kompletten Archiv seit der ersten Ausgabe.
Please make sure that AcyMailing is installed and activated.
Ein Jahr Berufsregister für Pflegefachpersonen in Bayern: VdPB zieht erste Zwischenbilanz
Vor einem Jahr ist das Berufsregister für Pflegefachpersonen in Bayern gestartet. Ziel des Registers ist es, Kompetenzen, Qualifikationen und Einsatzbereiche der Profession Pflege erstmals systematisc...Bundesverband Pflegemanagement warnt: PeBeM darf nicht zur Absenkung der Versorgungsziele in der Langzeitpflege missbraucht werden
Der Bundesverband Pflegemanagement bewertet die Unterrichtung der Bundesregierung zur Umsetzung und Weiterentwicklung des wissenschaftlich fundierten Personalbemessungsverfahrens in der vollstationäre...Aktionstag gegen den Schmerz: DBfK fordert stärkere Verankerung der Speziellen Schmerzpflege
Anlässlich des bundesweiten Aktionstags gegen den Schmerz am 2. Juni macht der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) auf die wichtige Rolle der Speziellen Schmerzpflege aufmerksam. Menschen m...
EU-Kommission kündigt Europäischen Care Deal an: Pflege soll gerechter, zugänglicher und attraktiver werden
Die Europäische Kommission will Pflege und Betreuung stärker ins Zentrum europäischer Gleichstellungspolitik rücken. In ihrer Strategie zur Gleichstellung der Geschlechter 2026–2030 kündigt sie für 20...
