Hans Peter Köllner, Bettina M. Madleitner
facultas Verlag, Wien, 2023, 82 Seiten, 26,90 €, ISBN 978-3-7089-2254-6
Das Buch „Pflegetheorien mittlerer Reichweite“ ist im September 2023 in der ersten Auflage erschienen und gibt einen weitreichenden Überblick über bestehende Theorien. Es setzt sich inhaltlich kritisch damit auseinander und liefert zudem einen grundsätzlichen Ansatz, um die Theorie und die Praxis verstehbar miteinander zu verknüpfen.
Das Buch hat einen klaren Aufbau und ist übersichtlich strukturiert. Über 82 Inhaltsseiten wird das Thema der Pflegetheorien nicht nur im Fließtext dargestellt, sondern auch durch Visualisierungen und Tabellen zusätzlich verständlich aufgearbeitet.
Der Autor Hans Peter Köllner ist ein diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger mit einer hohen Expertise im Bereich der Jugendpflege sowie ein etablierter Pflegewissenschaftler und Studiengangsleiter. Als diplomierte Gesundheits- und Krankenpflegerin hat Autorin Bettina M. Madleitner eine Professur inne und leitet den Studiengang Gesundheits- und Kinderkrankenpflege. Ihren Schwerpunkt hat sie zusätzlich im onkologischen Bereich.
Theorie und Praxis können und sollten nicht getrennt voneinander betrachtet werden. Das eine funktioniert nicht ohne das andere. Vor allem „Middle-Range-Theorien“ bilden eine unverzichtbare Grundlage, um argumentativ theoretisch hergeleitete Interventionen verstehbar zu machen. Mit diesem Buch möchten die Autoren dafür ein Verständnis entwickeln und gehen deshalb unter anderem sowohl auf die Relevanz sowie die Herausforderungen mit der jeweiligen Entstehungsgeschichte der Theorien ein.
Um diesem Ziel gerecht zu werden, erstreckt sich der Inhalt über zwei Hauptteile. Im ersten Teil des Buches mit insgesamt zwei Grundlagenkapiteln werden alle wichtigen Basics beschrieben. Der zweite Hauptteil geht mit jedem der elf Kapitel auf alle im dritten Kapitel aufgezählten Pflegetheorien im Detail ein. Alle 13 Kapitel enden mit einem individuellen Literaturverzeichnis. Das Buch schließt mit einem Anhang, bestehend aus einem zusammenfassenden Literaturverzeichnis, Abbildungs- und Tabellenverzeichnis ab.
Der allgemeine Teil geht inhaltlich zum einen auf grundlegende Aspekte von Theorien mittlerer Reichweite ein. Dafür werden die Relevanz und Funktionen dieser Pflegetheorien dargestellt. Zudem versucht das erste Kapitel eine Verknüpfung zwischen Pflegeforschung und der Pflegepraxis herzustellen. Mit dem Abbilden einer breiten Perspektive von Definitionen, Sichtweisen und Einstellungen zahlreicher wichtiger Persönlichkeiten aus diesem Bereich gelingt ein großes Spektrum der kritischen Reflexion. Zum anderen geht Kapitel 2 auf Theorien mittlerer Reichweite in der Gesundheits- und Krankenpflege ein und grenzt diese inhaltlich von Theorien anderer Reichweiten ab. Durch verständliche Erläuterungen wird der Anwendungsbezug für die Praxis, Forschung und Lehre verdeutlicht und gleichzeitig die Grenzen der Theorien mittlerer Reichweite dargelegt. Eine kritische Reflexion wird ebenfalls durch eine aufgezeigte Analyse und Evaluation dieser Theorien verdeutlicht. In diesem Kontext wird die Analysemethode nach dem Dreischritt des Theorieanalyseprozesses nach Fawcett vorgestellt. Auch die Evaluation wird detailliert durch die Differenzierung interner und externer Kriterien der Kritik aufgearbeitet.
Der zweite Hauptteil hat den größten Umfang an Kapiteln. Das erste Kapitel im zweiten Hauptteil gibt einen umfangreichen tabellarischen Überblick über alle in den nachfolgenden Kapiteln behandelten Theorien der mittleren Reichweite. So werden zu jeder Theorie das Erscheinungsjahr und Erscheinungsland, die zentralen Konzepte und Bestandteile der Theorie sowie die Zielgruppe und das Setting der Anwendung dem Leser nähergebracht.
Die darauffolgenden 10 Kapitel behandeln jeweils eine Theorie in der der Tiefe. Die Kapitel sind generell ähnlich aufgebaut. Je nach inhaltlichem Schwerpunkt der Theorie variiert vereinzelt der Umfang der Detailtiefe. Insgesamt werden 10 Theorien der mittleren Reichweite vorgestellt. Beginnend von der ältesten Theorie der postpartalen Depression aus dem Jahr 1993 von Beck bis hin zur jüngsten Theorie aus dem Jahr 2020. Valentine, Sekula und Lynch etablierten die konstruierte Theorie der forensischen Gesundheits- und Krankenpflege. Zu jeder Theorie werden die Hintergründe und die Entstehungsgeschichte, der detaillierte Aufbau und die Risikofaktoren erläutert. Das letzte Unterkapitel jeder Theorie greift den theoretischen Rahmen auf und bettet die Theorie in den Bedeutungskontext von Lehre, Forschung und Praxis ein.
Pflegetheorien sind ein wichtiger Bestandteil sowohl in der Forschung als auch in der Praxis. Sie tragen zu einem enormen Erkenntnisgewinn für den Bereich der Pflegewissenschaften bei. Durch sie wird ein bedürfnisorientiertes und bedarfsgerechtes Pflegewissen für die Praxis geniert, wo sie individualisiert, angewendet wird. Die Spannbreite des kritisch dargelegten Diskurses sowie die Auswahl an Pflegetheorien bieten einen umfangreichen Überblick. Das Buch bietet einen breitgefächerten Einsatz für alle Akteure im Bereich der Gesundheits- und Pflegebranche.
Eine Rezension von Denise Vey
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