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DPR legt 9 Leitlinien zur Zukunft der Langzeitpflege vor

Die Langzeitpflege in Deutschland befindet sich in einer strukturellen Notlage. Der Unterstützungsbedarf wächst in hohem Tempo, während es zugleich an qualifizierten Pflegefachpersonen mangelt. An- und Zugehörige übernehmen immer mehr Verantwortung und stoßen dabei vielfach an ihre Grenzen. Betroffen sind ältere Menschen ebenso wie Kinder und Jugendliche, vor allem im unmittelbaren Lebensumfeld vor Ort. Ein bloßes „Weiter so“ mit punktuellen Einzelmaßnahmen reicht nicht mehr aus – erforderlich ist ein grundlegender Kurswechsel in der Organisation und Ausgestaltung der Pflege.

Der Deutsche Pflegerat legt mit seinem Positionspapier „Die Zukunft der Langzeitpflege muss personen- und familienzentriert sein“ einen konkreten Reformvorschlag vor. Gefordert wird ein grundlegender Strukturwandel hin zu einer personen- und familienzentrierten Ausrichtung der Langzeitpflege. Prävention, Beratung und Versorgung sollen dabei systematisch miteinander verzahnt werden. Zugleich soll die Expertise der Pflegefachpersonen verbindlich eingebunden und die Langzeitpflege als gesamtgesellschaftliche Verantwortung neu geordnet werden.

Das Positionspapier wurde von der Fachkommission „Zukunft der Langzeitpflege“ des Deutschen Pflegerats erarbeitet. Im Zentrum steht das Ziel einer verlässlichen Pflegeversorgung – für pflegebedürftige Menschen aller Altersgruppen, für ihre Familien sowie für die Gesellschaft insgesamt.

„Die Lage duldet keinen Aufschub“, sagt Christine Vogler, Präsidentin des Deutschen Pflegerats. „Unser Positionspapier zeigt, wie Langzeitpflege neu gedacht und organisiert werden muss, damit sie auch in Zukunft trägt.“

Neun Leitlinien für eine zukunftsfähige Langzeitpflege

  1. Umbau der Strukturen hin zu professionell fundierten, nachhaltig finanzierten und wohnortnahen Versorgungslösungen
    Pflege braucht verlässliche Strukturen. Versorgung muss fachlich und wissenschaftlich fundiert, nachhaltig finanziert und wohnortnah organisiert sein. Maßstab sind Qualität und Verlässlichkeit – orientiert an den tatsächlichen Bedarfen der Menschen. Dazu gehört eine bedarfsgerechte Planung mit klaren Zuständigkeiten und Verantwortung.
  2. Stärkung von Pflegebeziehungen, Selbstwirksamkeit und Lebensqualität durch verbindliche Zeitbudgets und Anerkennung von Beziehungsarbeit
    Pflege stellt den Menschen in den Mittelpunkt. Pflegebeziehungen fördern Selbstständigkeit und Lebensqualität. Gute und bedarfsgerechte Pflege aktiviert vorhandene Fähigkeiten und stärkt Sicherheit im Alltag. Dafür braucht Pflege verlässlich Zeit für Beziehung, Zuwendung und Begleitung, die strukturell vorgesehen,  entsprechend finanziert und anerkannt ist.
  3. Vernetzte und sektorenübergreifende Versorgung, die Kontinuität und individuelle Passung ermöglicht
    Pflege wirkt dann, wenn sie zusammenhängend gedacht wird. Koordinierte und vernetzte Konzepte sorgen für Übergänge ohne Brüche. Versorgung muss zu den Lebenslagen der Menschen passen – nicht umgekehrt.
  4. Neue Wohn- und Versorgungsformen, die vertraute Lebenswelten, Teilhabe und Selbstbestimmung sichern
    Menschen sollen dort leben können, wo sie sich zuhause fühlen. Wohn- und Versorgungsformen müssen soziale Teilhabe und Selbstbestimmung ermöglichen – im vertrauten Umfeld.
  5. Prävention und Gesundheitskompetenz, um Pflegebedürftigkeit zu vermeiden und das System zu entlasten
    Pflege beginnt früh. Prävention und Aufklärung helfen, Selbstständigkeit zu erhalten, Pflegebedarfe zu verringern und kritische Versorgungssituationen zu vermeiden. Präventive Angebote müssen frühzeitig, niedrigschwellig und gut erreichbar sein. Das entlastet Betroffene, Familien und das System.
  6. Aufbau sozialer Netzwerke, die Teilhabe, Resilienz und gemeinschaftliche Verantwortung fördern
    Pflege ist eine gemeinsame Aufgabe. Starke soziale Netze fördern Teilhabe, Halt und Lebensqualität. Sie entlasten Familien und stärken die Versorgung vor Ort.
  7. Interprofessionelle Zusammenarbeit, die Pflegefachpersonen eine koordinierende Rolle und mehr Entscheidungskompetenz einräumt
    Gute Pflege braucht gutes Zusammenspiel. Eine enge Zusammenarbeit der beteiligten Berufe sichert eine abgestimmte Versorgung und vermeidet Informationsverluste. Pflegefachpersonen übernehmen dabei eine koordinierende Rolle und bringen ihre fachliche Entscheidungskompetenz verbindlich ein.
  8. Bildung und Professionalisierung, insbesondere durch Akademisierung und lebenslanges Lernen
    Gute Pflege braucht Bildung. Sie reicht von der beruflichen Ausbildung über akademische Qualifikationen bis hin zu lebenslangem Lernen. Pflegefachpersonen müssen gut ausgebildet sein, um sicher und personenzentriert zu versorgen.
    Wer gut ausgebildet wird, muss seine Kompetenz auch einsetzen können. Bildung ohne Verantwortung ist eine Verschwendung von Ressourcen. Pflegefachpersonen sind ein zentraler Teil der primären Gesundheitsversorgung. Sie können Menschen dort beraten, begleiten und versorgen, wo sie leben. Dafür brauchen sie klare Aufgaben, Verantwortung und Handlungsspielräume.
  9. Sinnvoller Einsatz von Technik und Digitalisierung, der Beziehungszeit stärkt statt ersetzt und gleichzeitig Datenschutz und Qualität wahrt
    Technik und Digitalisierung können Pflege unterstützen. Sie müssen sich am Menschen orientieren und Pflege ergänzen, nicht ersetzen. Ziel ist Entlastung – nicht neue Belastung.

Einordnung

Das Positionspapier des Deutschen Pflegerats versteht sich als fachlich fundierte Ergänzung zu bestehenden Reforminitiativen, unter anderem im Rahmen des Zukunftspakts Pflege. Es verdeutlicht, wie zentrale Handlungsfelder gebündelt und strukturell so weiterentwickelt werden können, dass sie dauerhaft wirksam sind.

Warum jetzt gehandelt werden muss

Der demografische Wandel, der Pflegenotstand und gesellschaftliche Veränderungen erhöhen den Druck zu handeln deutlich. Langzeitpflege ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die klare politische Weichenstellungen, verlässliche Investitionen und koordinierte Konzepte benötigt.
Der Deutsche Pflegerat fordert deshalb, den Weg für eine nachhaltige, personen- und familienzentrierte Pflege konsequent zu ebnen. Ziel ist es, die neun Leitlinien in Gesetzgebung, Finanzierung und Planung zu verankern und den Dialog mit Pflegefachpersonen, An- und Zugehörigen, Betroffenen sowie der Wissenschaft weiter auszubauen.

Fazit

Die Zukunft der Langzeitpflege entscheidet sich nicht an Einzelmaßnahmen, sondern an klaren Stellschrauben und tragfähigen Strukturen. Die neun Leitlinien des Positionspapiers zeigen, wie Pflege menschlich, verlässlich und zukunftsfähig gestaltet werden kann. „Pflege braucht Orientierung“, sagt Vogler. „Unser Positionspapier zeigt, worauf es ankommt.“

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