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Dr. med. Michael Hatzenbühler

Der natürliche Sterbeverlauf
Die letzten vier Phasen am Lebensende

Mabuse-Verlag, Frankfurt am Main 2026, 102 Seiten, 18,00 €, ISBN 9783863217570

Im Gegensatz zum bekannten Phasenmodell der psychischen Verarbeitung einer unheilbaren Erkrankung von Elisabeth Kübler-Ross legt der Palliativmediziner Michael Hatzenbühler ein Phasenmodell der physischen, emotionalen und sozialen Entwicklung vor, beginnend mit der Diagnosestellung einer unheilbaren Erkrankung, bis hin zum Eintritt des Todes. Beide, die Psychiaterin Kübler-Ross, wie der Palliativmediziner Hatzenbühler, haben ihre Phasenmodelle auf der Basis ihrer Begleitung zumeist krebskranker Menschen und deren Angehöriger, entwickelt.

Michael Hatzenbühler geht von seiner Erfahrung aus, dass viele Menschen, aus fehlendem Wissen über den Prozess des Sterbens, angstauslösende Annahmen entwickeln. Unwissenheit und Angst führen zu emotionalen Krisen und pragmatischer Unsicherheit. Dadurch können belastende Krankheitssymptome ausgelöst bzw. verstärkt werden. Auf der Basis vieler Sterbebegleitungen hat der Autor Zusammenhänge erkannt, die das Erleben des Sterbeprozesses für die Patient/innen, wie auch für ihre Angehörigen, erleichtern können und die er als Charakteristik eines „natürlichen Sterbeverlaufs“ identifiziert:

„Die körperlichen und psychischen Veränderungen im Verlauf des Sterbens reduzieren körperliche Beschwerden, ermöglichen die Akzeptanz des nahenden Lebensendes und erleichtern es körperlich wie psychisch“ (Hatzenbühler, a.a.O. S.13).

In Analogie zur Physiologie der natürlichen Geburt, geht Hatzenbühler von einer Physiologie des natürlichen Sterbens aus. Danach entwickeln sich in der Lebensphase des Sterbens sinnvolle, nacheinander folgende und aufeinander aufbauende körperliche und psychische Veränderungen. Diese Veränderungen können von Sterbenden und ihren Angehörigen sehr unterschiedlich erlebt werden und sie sind zu differenzieren von krankheitsbedingten, belastenden Symptomen. Der Autor geht auf eine Reihe von Ängsten ein, die entweder von Patient/innen oder ihren Angehörigen thematisiert werden, wie z.B. die Ängste vor einem qualvollen Ersticken, dem Verhungern und Verdursten. Er kann diese Ängste durch die Beschreibung der physiologischen Vorgänge im Sterbeprozess entkräften.

Hatzenbühler definiert vier Phasen des natürlichen Sterbeverlaufs in denen unser Aktionsradius zunehmend kleiner wird, bis wir schließlich sterben: die Diagnosephase, die Wohnungsphase, die Bett- und schließlich die Dauerschlafphase. In diesen Phasen erfahren wir stufenweise körperliche und psychische Veränderungen, die uns auf die jeweils nachfolgende Phase vorbereiten. Der Autor gibt ausführlich hilfreiche Empfehlungen, sowohl für den Menschen im Sterbeprozess als auch für seine Angehörigen, was in der jeweiligen Phase getan oder auch gelassen werden sollte. Schließlich stellt er das Angebot der Spezialisierten Ambulanten Palliativversorgung (SAPV) vor, das jedem Menschen mit lebensbegrenzender Erkrankung ab der Diagnosephase als Krankenkassenleistung zur Verfügung steht.

Als zentrales Anliegen von Hatzenbühler versteht die Rezensentin, dass er mit seinem Modell des natürlichen Sterbeverlaufs, auf der Basis seiner praktischen Erfahrungen in der palliativmedizinischen ambulanten Versorgung, den Leserinnen und Lesern eine überschaubare, einfach verständliche und gut nachvollziehbare Darstellung eines erwartbaren Sterbeverlaufs an die Hand gibt. Von dieser Basis aus kann jeder Leser und jede Leserin ihre Erfahrungen interpretieren, ihre eigenen Handlungsmöglichkeiten prüfen und Fragen formulieren, die er/sie der Ärztin / dem Arzt bzw. den Pflegenden ihres Vertrauens stellen kann. Die Rezensentin hält es für möglich, dass durch die Lektüre dieses Buches – beizeiten in die Hand genommen – eine Basis dafür gelegt werden kann, sich mit der eigenen Endlichkeit auseinanderzusetzen, Ängste vor dem Sterben abzubauen, Gestaltungsmöglichkeiten für die letzte Lebensphase und mehr Vertrauen in den eigenen Körper (wieder-) zu gewinnen.

Eine Rezension von Adelheid von Herz, 
Palliativfachpflegende in einem stationären Hospiz

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